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Dr. Theodor Veiter

Dr. Theodor Veiter

Urverbindung: Rudolfina (17.11.1927)

Geboren: 22.09.1907, München (Bayern)
Gestorben: 23.10.1994, Feldkirch (Vorarlberg)
ehemals ÖCV, Präsident der Pax Romana, Vorsitzender der Katholisch-Deutschen Hochschülerschaft Österreichs (KDHÖ), Rechtsanwalt, Honorarprofessor (Universität Innsbruck), Publizist
Politische Haft: 1938 Polizeihaft Wien

Lebenslauf:

HERKUNFT UND AUSBILDUNG

Veiter wurde als Sohn des aus Klagenfurt stammenden akademischen Malers August Veiter geboren, dessen Vater (also Veiters Großvater) der aus der Steiermark aber vornehmlich in Klagenfurt im kirchlichen Bereich wirkende bekannte Maler und Bildhauer Josef Veiter war. August Veiter war zur Zeit der Geburt Theodor Veiters an der Kunstakademie in München tätig. Nach dem Tod der von dort stammenden Mutter kehrte August Veiter mit seinem Sohn 1909 nach Klagenfurt zurück und war dort christlichsozialer Gemeinderat.

Nach dem Besuch der Volksschule ging Veiter ab 1918 auf das nicht mehr existierende Jesuitenkolleg „Stella Matutina“ in Feldkirch (Vorarlberg). Bekannte „Stellaner“ waren u. a. Bundeskanzler Kurt von Schuschnigg (AIn), Außenminister Guido Schmidt (ehemals Nc), Bundeskanzler Otto Ender (AIn) und der Vorsitzende des Bundesrates Karl Aubert Salzmann (Cl). Für Veiter war der Besuch der „Stella“ prägend und förderte bei ihm das Bewußtsein, etwas Besonderes zu sein.

Nach der Matura im Jahr 1926 begann Veiter das Studium der Rechtswissenschaften zuerst an der Universität München, um dann im Herbst 1927 an die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien (Dr. iur. 1931) zu wechseln, wo er der Rudolfina beitrat (Couleurname Cäsar), der damals viele Kärntner beitraten. Sein Leibbursch war Richard Flandorfer (Rd), einer seiner Leibfüchse der spätere Bundeskanzler Josef Klaus (Rd). Im Sommersemester 1930 war Veiter Senior. Da er sein Studium selber finanzieren mußte, trat er Anfang 1927 mit Hilfe des Kärntner christlichsozialen Priesterpolitikers Franz Reinprecht (Rd EM) eine Stelle in der dortigen christlichsozialen Landesparteileitung an.

VEITER ALS KATHOLISCHER STUDENTENFUNKTIONÄR

Durch sein Seniorat im Sommersemester 1930 kam Veiter in Beziehung mit der Deutschen Studentenschaft (DSt) sowie dem Katholisch-Deutschen Akademikerausschuß (KDAA) Wiens und engagierte sich in der Studentenvertretung bzw. in der Hochschulpolitik. Im KDAA Wien saßen die Vertreter der Studentenverbindungen (Senioren) bzw. der sonstigen katholischen Studentenorganisationen. Veiter wurde Vorsitzender des KDAA Wien, des bedeutendsten von Österreich. Die Deutschen Studentenschaften an den österreichischen Universitäten und Hochschulen waren im Kreis VIII der DSt zusammengefaßt. Aufgrund der Wahlergebnisse war ein Angehöriger einer schlagenden Verbindung immer Vorsitzender und ein katholischer Student, meistens ein CVer, Stellvertreter. Zu diesem wurde im Dezember 1930 Veiter gewählt.

Ebenfalls im Dezember 1930 kam es zur Gründung der Katholisch-Deutschen Hochschülerschaft Österreichs (KDHÖ), in der die einzelnen KDAA’s zusammengefaßt waren und der einen Dachverband bildete. Erster Vorsitzender wurde Walter Trnik (ehemals M-D). Dessen Nachfolger wurde bereits im März 1931 Veiter. Er war nun der oberste Repräsentant der katholischen Studentenschaft Österreichs. 1932 legte er den Vorsitz im KDAA Wien zurück, sein Nachfolger wurde sein Leibfuchs Josef Klaus. In diese Zeit, ab dem Spätherbst 1932, fielen die studentischen Unruhen in Graz und Wien mit zum Teil schweren handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen den vom Nationalsozialismus bereits dominierenden Schlagenden und CVern, die schließlich zum Austritt der KDHÖ aus der DSt führten.

In Zusammenhang mit den politischen Entwicklungen in Deutschland (Machtergreifung Hitlers) und in Österreich (Weg in den autoritären „Ständestaat“) kam es zur Auflösung der DSt. Mitte Mai 1933 trat Veiter als Vorsitzender der KDHÖ zurück, war aber noch weiter für diese tätig. Sein Nachfolger wurde der Grazer Alfred Hueber (Cl). Die KDHÖ und mit ihr die KDAA‘s auf den einzelnen Universitäten verloren eine ihrer wichtigsten Aufgaben, nämlich Studentenpartei bei den Studentenvertretungswahlen zu sein, denn solche gab es mit der Auflösung der DSt nicht mehr. Dafür rückte, nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Einführung der Katholischen Aktion (KA), der religiöse Bereich stärker in den Vordergrund.

Im Juni 1921 wurde auf Initiative des liechtensteinischen Priesters Johannes Tschuor (Alp EM) in Freiburg/Schweiz die „Pax Romana“ gegründet, eine internationale Vereinigung der katholischen Studentenschaft. Ihr gehörte als österreichischer Verband die KDHÖ an. Auf dem „Pax Romana“-Kongreß im April 1934 in Rom war Veiter Delegierter der KDHÖ. Da es zu diesem Zeitpunkt keine Teilnahme von Vertretern aus dem Deutschen Reich gab – wegen der dortigen Gleichschaltung – , wurde Österreich die Ausrichtung des nächsten Kongresses übertragen, da der deutsche Sprachraum an der Reihe war. Für diesen nahm nun Veiter den Direktoriumssitz bei der „Pax Romana“ ein.

Anfang Januar 1936 wurde bei einer „Pax Romana“-Tagung in Freiburg/Schweiz Veiter zum Präsidenten gewählt. Der nächste Kongreß fand vom 28. Juli bis 6. August 1936 in Wien, Salzburg und Klagenfurt statt. Die Wahl Veiters sollte nach Aussage der „Pax Romana“ die „Sympathien des katholischen Akademikertums der ganzen Welt für das neue, katholisch geführte Österreich zum Ausdruck bringen und dieses in seinem Kampf […] unterstützen“. Generalsekretär des Kongresses wurde Alexander Novotny (NdW). Veiters Funktion als Präsident der „Pax Romana“ endete zwangsweise mit dem Anschluß im März 1938. Nach 1945 waren sowohl die Katholische Hochschuljugend (KHJ), eine Gliederung der Katholischen Aktion (KA), als auch der ÖCV Mitglied der „Pax Romana“. Dieser trat aber 2004 aus ihr aus.

VEITERS BERUFLICHE LAUFBAHN BIS 1938

Reinprecht, Mitglied des Bundesrates, verschaffte Veiter mit 1. Januar 1929 die Stelle eines Sekretärs der christlichsozialen Bundesratsfraktion (Klubsekretär). Diese Funktion war allerdings keineswegs mit den nunmehrigen im ÖVP-Klub des Nationalrats bzw. Bundesrats zu vergleichen. Damals war der Apparat der Klubmitarbeiter sehr klein. Vorsitzender der Bundesratsfraktion war zu dieser Zeit der ständige stellvertretende Vorsitzende des Bundesrates Karl-Gottfried Hugelmann (ehemals AW), Professor für Rechts- und Verfassungsgeschichte an der Universität Wien, sein Stellvertreter und Nachfolger in dieser Position war Karl Aubert Salzmann (Cl), der als „Stellaner“ Veiter ebenfalls förderte. Klubsekretär des Nationalrats war übrigens Peter Bernsteiner (Rd). Als Sekretär war Veiter Angestellter (nicht Beamter) des Klubs und erhielt monatlich 180 Schilling

Zusätzlich bekleidete er eine an sich unbezahlte Assistentenstelle bei Hugelmann an der Wiener Universität, im Rahmen derer er an dessen Werk „Das Nationalitätenrecht des alten Österreichs“ mitarbeitete, wodurch er mit diesem Themenkomplex in Berührung kam. Diese Werkbetreuung wurde allerdings von der „Deutschen Gesellschaft für Nationalitätenrecht“ in Berlin mit monatlich 100 Schilling vergütet. Mit zusammen 280 Schilling pro Monat hatte Veiter ein entsprechendes Einkommen, um sein Studium zu beenden.

Als Klubsekretär konnte Veiter schon in jungen Jahren hautnah den politischen Betrieb kennenlernen bzw. verfolgen sowie wichtige persönliche Kontakte pflegen, wie etwa zu Otto Ender (AIn), ebenfalls ein „Stellaner“, Landeshauptmann von Vorarlberg und 1930/31 Bundeskanzler, der Mitglied des Bundesrates war. Mit der Selbstauflösung des Nationalrats am 4. März 1933 und der danach einsetzenden Entwicklung hin zum „Ständestaat“ war das Ende Veiters als Klubsekretär absehbar. Anfang Mai 1934 wurde er gekündigt, wobei er eine Abfertigung in der Höhe von 2.800 Schilling erhielt.

Veiter brauchte deshalb eine neue berufliche Stellung und fand diese bei der Amtlichen Nachrichtenstelle (ANA) im Rahmen des Bundeskanzleramtes, die Nachfolgerin des k. k. Telegraphen-Korrespondenten-Bureaus im k. k. Ministerratspräsidium und Vorgängerin der Austria Presse-Agentur (APA). Mit 15. September 1933 trat er als Aspirant in den Dienst der ANA, deren Direktor seit 1. April 1933 Edmund Weber (Am EM) war. Gleichzeitig mit Veiter trat auch Hans Jilek (Am) in den Dienst der ANA, der nach 1945 für kurze Zeit Herausgeber des Mitteilungsblattes des ÖCV war, des Vorgängers der Academia. Weber war zeitgleich Herausgeber der „Politischen Korrespondenz“ und machte dort Veiter und Jilek zu seinen Stellvertretern. Zusätzlich war Veiter politisches Kontrollorgan der im September 1933 vom Bundeskommissariat für Heimatdienst bzw. von Weber herausgegebenen „Österreichischen Woche“. Diese Tiefdruck-Illustrierte erschien wöchentlich in Millionenauflage und war eine Pflichtbeilage zu den Wochenendausgaben der meisten Tageszeitungen. Sie war ein Propagandainstrument der „Ständestaats“-Regierung und diente vor allem der Verbreitung des sog. „österreichischen Gedankens“.

Nachdem der österreichische Radiosender RAVAG der Regierung unterstellt wurde, lieferte Veiter für diesen auch Kulturnachrichten. Anfang 1936 wurde er von Edmund Weber als Pressekonsulent dem Unterrichtsministerium zugeteilt, dessen Minister Hans Pernter (Nc) ab 1936 war. Dienstrechtlich wurde Veiter 1935 als Beamtenanwärter in den Personalstand der ANA übernommen und mit 14. Dezember 1937 zum Redakteur II. Klasse ernannt.

THEODOR VEITER UND DER NATIONALSOZIALISMUS

Veiter stammte aus Kärnten, das traditionellerweise stark deutschnational geprägt war – und es bis heute noch teilweise ist, wie die Wahlerfolge der FPÖ gezeigt haben. In diesem Milieu aufzuwachsen, blieb auch für Veiter nicht ohne Folgen. Nicht zu vergessen darf man, daß er mütterlichseits – also „zur Hälfte“ – Deutscher war. Nicht übersehen darf man auch, daß nach dem Zusammenbruch der Monarchie die Deutschen in Österreich in ihrer überwiegenden Mehrzahl einen Anschluß an die gerade errichtete Deutsche (Weimarer) Republik wollten.

Einen zusätzlichen Schub in diese Richtung verursachte auch sein Engagement in der Studentenvertretung. Es gab nach 1918, vor allem in Wien, zwischen den „völkischen“ (vornehmlich Schlagende) und den katholischen Studenten (vor allem aus dem CV) im Rahmen der DSt eine Übereinkunft zu einer Zusammenarbeit. Das führte dazu, daß jene CVer, die in der Studentenvertretung engagiert waren, durch diese Kontakte ebenfalls für das großdeutsche Gedankengut und die Anschlußidee aufgeschlossen bzw. anfällig waren. So gab es in diesem Bereich einige CVer, die dann NSDAP-Mitglieder wurden, wie eben Veiter, aber auch Walter Trnik (ehemals M-D), Josef Tzöbl (ehemals Am) oder der Alt-VOP Anton Walter (ehemals Nc). Nicht wenige überschritten aber die „braune Linie“ nicht, wie etwa Heinrich Drimmel (NdW) oder Josef Klaus (Rd). Auch dürfte der Kontakt mit dem 28 Jahre älteren Hugelmann, einem prononcierten Katholisch-Nationalen, für Veiter eine Rolle gespielt haben.

Ebenso hat Wilhelm Wolf (ehemals AIn), auch ein prononcierter Katholisch-Nationaler und kurzzeitiger Außenminister im Anschluß-Kabinett Seyß-Inquart, einen starken Einfluß auf Veiter ausgeübt. Er war die treibende Kraft des Anfang 1932 gegründeten „Volksdeutschen Arbeitskreises österreichischer Katholiken“, bei dem Veiter und u. a. auch Josef Klaus Mitglied waren. Wolf starb im Sommer 1939 bei einem Verkehrsunfall, an seinem Begräbnis auf dem Salzburger St. Peters-Friedhof nahmen Klaus und Veiter teil.

Aktenmäßig ist belegt, daß Veiter unter dem Pseudonym Theodor Innerer seit dem 19.Juni 1933 mit der Mitgliedsnummer 14.391 illegales Mitglied der österreichischen NSDAP war. Nach dem Anschluß hat Veiter das Datum auf 9. Juni 1934 korrigiert. Der 19. Juni 1933 war übrigens jenes Datum, an dem in Österreich die NSDAP verboten wurde. Ist Veiter aus Protest gegen dieses Verbot beigetreten oder war das eine bewußte Stilisierung, wie die Korrektur auf 9. Juni 1934 vermuten lassen könnte? Auch Veiters Version nach 1945, Walter Trnik habe ihn ohne sein Wissen als Mitglied bei der NSDAP angemeldet, ist äußerst fragwürdig. Sicher dürfte ab Januar 1933 auf ihn der „Rausch der nationalen Revolution“ in Deutschland eine Wirkung ausgeübt haben.

Warum hat Veiter ein Pseudonym gewählt, das unwillkürlich an den Namen des Wiener Erzbischofs Theodor Kardinal Innitzer (NdW) erinnert? Man wird nicht allzu fehlgehen, wenn man annimmt, er hat das als Absicherung für alle Fälle und künftige Ereignisse getan. Man muß auch bedenken, daß er im „Ständestaat“ eine wichtige bzw. sensible Funktion in der ANA und dessen Umfeld gehabt hat. Durch seine Stellung als Klubsekretär und Studentenfunktionär war er in der politischen Klasse der „rechten Reichshälfte“ gut vernetzt und bekannt. Ein Auffliegen als illegales NSDAP-Mitglied vor 1938 hätte für ihn unangenehme Folgen gehabt. Es war also ein „Doppelspiel“, das er getrieben hat, und Rückschlüsse auf seinen Charakter ziehen läßt.

Die illegalen Mitglieder der österreichischen NSDAP wurden nach dem Anschluß nicht einfach übernommen, sondern mußten ihre Parteimitgliedschaft neu beantragen und erhielten dann eine neue Mitgliedsnummer. Sehr oft wurde der Parteieintritt fiktiv auf den 1. Mai 1938 festgesetzt, wodurch man später wußte, das war ein „Illegaler“. Veiter beantragte daher am 19. Mai 1938 neu seine NSDAP-Mitgliedschaft. Unter dem 21. Mai 1940 wurde jedoch dieser Antrag mit der Begründung abgelehnt, daß Veiter „jemand [ist], der sich als Katholik bezeichnet, dies auch weltanschaulich [ist] und damit in diametralen Gegensatz zur Weltanschauung des Nationalsozialismus [steht]“. Er wäre zu sehr in die katholisch-politischen Kreise, sowie in den CV involviert und Präsident der „Pax Romana“ gewesen. Außerdem wurde ihm vorgeworfen, unter falschem Namen die Beiträge für die NSDAP bezahlt zu haben, was als „eine Rückendeckung für eventuell kommende Fälle“ angesehen wurde. Übrigens wurde eine NSDAP-Mitgliedschaft von Trnik, der auch schon „Illegaler“ war, 1942 aus ähnlichen Gründen abgelehnt.

Michael Wladika hat bei seinen allgemein anerkannten Untersuchungen bezüglich NSDAP-Mitgliedschaften von Politikern der ÖVP (2018) und der FPÖ (2019) die Übergabe des Mitgliedsbuches an den Bewerber als Kriterium für das Bestehen einer Parteimitgliedschaft festgelegt. Bei Veiter wurde die illegale Parteimitgliedschaft jedoch nicht anerkannt und eine Aufnahme in die NSDAP abgelehnt. Im Sinne des § 4 des Verbotsgesetzes 1945 war daher Veiter kein NSDAP-Mitglied und brauchte sich nach 1945 als „Belasteter“ auch nicht registrieren lassen.

Unbeschadet dessen ist es ein Faktum, daß sich Veiter in den „Umbruchtagen“ sofort als NSDAP-Mitglied deklariert hat und mit dem Parteiabzeichen aufgetreten ist. Er wurde sofort dem neuen staatlichen Pressechef, der zum kurzlebigen Außenministerium unter Wilhelm Wolf (ehemals AIn) gehörte, beigegeben. Ebenso unbeschadet dessen wurde jedoch Veiter am 15. März 1938 von der Gestapo verhaftet. Die Gründe hierfür sind quellenmäßig nicht belegt, sie könnten zweifach gewesen sein: erstens seine berufliche Stellung in der ANA bzw. in der „Systemzeit“ und zweitens seine Rolle 1932/33 als Vorsitzender der KDHÖ bei der Auflösung der Deutschen Studentenschaft.

Veiter kam in das Polizeigefängnis an der Elisabethpromenade (nunmehr Roßauerlände). Sein Mithäftling, der Linkskatholik und spätere kommunistische Wiener Kulturstadtrat Viktor Matejka, berichtete später, Veiter hätte beim Hofgang händeringend auf sich aufmerksam gemacht und „jämmerlich geschrien: Ihr habt den Falschen eingesperrt, ich gehöre ja zu euch!“ Veiter hatte nach 1945 berichtet, er hätte es „Außenminister“ Wolf und „Unterrichtsminister“ Oswald Menghin (ehemals Rd) – beide im „Anschlußkabinett“ Arthur Seyß-Inquarts – zu verdanken gehabt, daß er nach zehn Tagen (25. März) wieder freigekommen sei.

Die ANA wurde im April 1938 aufgelöst, daher wurde Veiter in den Ruhestand versetzt und erhielt eine kleine Pension. Er begann daher Mitte Juni beim nunmehrigen Amtsgericht Wien-Döbling eine Gerichtspraxis. Da er aber nach einer Aufforderung im Mai 1939 keine NSDAP-Mitgliedschaft nachweisen konnte, wurde dieses Gerichtsjahr vorzeitig beendet. Seine Versuche, seine illegale Mitgliedschaft bestätigt zu bekommen bzw. in die NSDAP aufgenommen zu werden, scheiterten ja, wie bereits erwähnt.

Veiters wirtschaftliche Situation zwischen Mitte März 1938 und Ende 1939 war prekär. Durch publizistische Tätigkeiten versuchte er, sich über Wasser zu halten. Es gelang ihm, ab Anfang Januar 1940 eine Stellung im Rechtsbüro bei der Floridsdorfer Lokomotivfabrik zu bekommen. Diese wurde nach dem Anschluß von dem deutschen Rüstungskonzern Henschel in Kassel übernommen, der u. a. den Kampfpanzer „Tiger“ und in der Folge auch den Sturzkampfbomber „Stuka“ (Ju 87) produzierte. Da dieser Betrieb kriegswichtig war, entkam Veiter einer Einberufung zur Deutschen Wehrmacht. Diese Firma, zu der auch die Rax Werke in Wiener Neustadt gehörten, wo auch Elemente für die V 2 produziert wurden, besaß ab 1944 – angeblich auf Veiters Veranlassung – in Klaus (Bezirk Feldkirch, Vorarlberg) eine Außenstelle, bei der Veiter öfters zu tun hatte. Dorthin übersiedelte er dann gegen Kriegsende und war noch vor Eintreffen der französischen Truppen dort.

Sich noch vor Ende des Krieges als Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus „ausweisen“ zu können, war eine bekannte Strategie von „Ehemaligen“, so auch bei Veiter. Nach eigenen Angaben soll er der Widerstandsgruppe „Astra“ angehört haben und hätte in der Lokomotivfabrik eine Gruppe aufgebaut. Jedoch sind die diesbezüglichen autobiographischen Angaben Veiters äußerst fragwürdig. Für seinen Charakter bezeichnend ist jedoch der Umstand, daß er nach Kriegsende in Vorarlberg gleich bei der Konstituierung der Widerstandsbewegung dabei war, dessen stellvertretender Landesobmann und Veiters Freund Max Riccabona (Trn) war. Wegen seiner Inhaftierung erhielt er auch einen Opferausweis.

THEODOR VEITER UND DER CV

Es ist unbestritten, daß Veiter ab dem Jahr 1929, als er seine Stellung als Klubsekretär antrat, zu den hervorgehobenen und engagierteren Mitgliedern des CV zählte. Hinzu kamen noch seine Spitzenstellungen in der katholischen Studentenvertretung, die er qua CV erhielt bzw. ausübte. Sein Beitritt zur illegalen NSDAP wann auch immer – 1933 oder 1934 – war ein Verstoß gegen die eindeutigen Beschlüsse des nunmehrigen Dritten ÖCV, die eine Mitgliedschaft von CVern bei der NSDAP untersagten. Es sind damals deswegen einige aus den Verbindungen ausgeschieden, wie ein Vergleich der Gesamtverzeichnisse der Jahre 1932 und 1935 nahelegt. Veiter hingegen zog es vor, als „Illegaler“ in der Verbindung zu bleiben, wobei er gegenüber der NSDAP unter falschem Namen auftrat, um nicht aufzufliegen.

Unmittelbar nach dem Anschluß outete sich Veiter als illegales NSDAP-Mitglied, was natürlich bei jenen CVern, die mit Veiter zu tun und die möglicherweise infolge des Anschlusses ihre Stellung verloren hatten oder gar inhaftiert waren, große Verbitterung hervorrief. So schrieb der damalige Vorsitzende des ÖCV-Beirats bzw. der Verbandsführung Heinrich Drimmel (NdW) am 18. Juli 1949 an Friedrich Funder (Cl): „Als das ungeheuerliche Verhalten Dr. Veiters nach 1938 offenkundig wurde, ging […] eine Welle der Entrüstung durch die Reihen der CVer.“

Bemerkenswert war der „Untergrund“-BC Rudolfinas vom 12. November 1938: Auf diesem wurden sechs Rudolfinen dimittiert, die sich dem neuen Regime zur Verfügung gestellt hatten bzw. als illegale NSDAP-Mitglieder offenkundig wurden, darunter der „Unterrichtsminister“ im Anschlußkabinett, Oswald Menghin, sowie eben Theodor Veiter. Mit Recht schreibt Bruno Zimmel (Rd), der Chronist der Verbindung: „Wo in der Welt findet sich eine Gemeinschaft, die unter den denkbar gefährlichsten Umständen dieser Zeit eine so radikale Säuberung ihrer Reihen vornahm!“

Nach dem Krieg hat der Senior der Rudolfina Rudolf Kirchmayer (Rd) bereits im Jahr 1945 Veiter bei der Staatspolizei angezeigt, womit dessen Causa ins Rollen gebracht wurde, nämlich betreffend Vergehens gegen die Verbotsgesetze 1945 und 1947 sowie betreffend Weiterbezugs des 1938 erhaltenen Ruhegenusses (siehe dazu weiter unten).

Anfang 1949 kam es zur Gründung des Verbandes der Unabhängigen (VdU), mit der das sog. „Dritte Lager“ wieder die politische Bühne betrat. Zeitgleich entstand auch deren Wochenzeitung „Neue Front“, deren Chefredakteur Viktor Reimann wurde. Ab 25. März 1949 erschien eine dreiteilige Serie mit dem Titel „Ist der CV eine politische Macht?“, die von einem „Rheno-Danubius“ gezeichnet war (offenbar in Anlehnung an die Innsbrucker CV-Verbindung Rheno-Danubia, Neben den üblichen klischeehaften Passagen, befaßte sich die Serie vor allem mit den Verbotsgesetzen von 1945 und 1947 sowie mit den Prozessen gegen ehemalige, teils hochrangige Mitglieder der NSDAP, wo Richter aus dem CV entsprechend hart urteilten. Es gehörte damals zur Strategie des „Dritten Lagers“ sowie vor allem auch der SPÖ auf diesen Umstand aufmerksam zu machen, um die Stimmen ehemaliger Nationalsozialisten zu gewinnen. Vor allem bei den Bundespräsidentenwahlen 1951, bei denen Heinrich Gleißner (S-B) kandidierte, wurde diese Strategie angewandt.

Aufgrund der genauen Kenntnisse über den CV vor 1938 sowie über das laufende Verfahren gegen Veiter (siehe unten) und anderer Indizien wurde damals angenommen bzw. bestand kein Zweifel, daß dieser der Autor ist. Das führte zu einem Rechtfertigungsschreiben von ihm an Friedrich Funder (Cl), den Chefredakteur der „Furche“. In diesem bestritt Veiter, illegales NSDAP-Mitglied gewesen zu sein, und diffamierte einzelne CV-Mitglieder. Desgleichen beklagte er, daß das Verfahren auf dem BC der Rudolfina im November 1938 kein faires gewesen sei, denn er sei nicht angehört bzw. geladen und informiert worden.

Funder intervenierte beim damaligen Vorort, das war die Rudolfina unter dem VOP Helmut Gnambs (VOP), um Veiter ein faires Verfahren zuteil werden zu lassen. Daraufhin schaltete sich der damalige Vorsitzende des ÖCV-Beirates bzw. der Verbandsführung, Heinrich Drimmel (NdW), ein, der zu diesem Zeitpunkt Sekretär des Unterrichtsministers Felix Hurdes (NbW EM) war. Er schrieb am 13. Juli 1949 einen in deutlichen Worten gehaltenen, bereits erwähnten Brief an Funder: „Jene Bundesbrüder [...] haben mit dieser Dimissio einen Akt der Notwehr in Ehrensachen gesetzt. [...] Sie handelten mit dem Recht einer Truppe, die nach der letzten verlorenen Schlacht auf dem Rückzug einer der Ihrigen des geheimen Einverständnisses mit dem Feind überführt und daraufhin kurzen Prozeß machten.“

Drimmel betonte gegenüber Funder, daß eine Revision des Falles Veiter aus rechtlichen wie verbandspolitischen Gründen nicht möglich wäre. Er hätte ihm gegenüber anläßlich seines Ausscheidens aus dem Unterrichtsministerim im März auch nicht geleugnet, „längst vor dem 13. 3. 1938 den Anschluß an die nationalsozialistische Organisation gesucht zu haben“. Mit der hemmungslosen Attacke auf den CV in der „Neuen Front“ habe sich Veiter, von dessen Autorenschaft Drimmel überzeugt war, endgültig in Gegensatz zum CV gebracht.

THEODOR VEITER NACH 1945

Aufgrund seiner vielfältigen Verbindungen und Netzwerke gelang Veiter nach dem Krieg rasch eine Integration in Vorarlberg. Sogleich wurde er zum öffentlichen Verwalter der Vorarlberger Außenstelle der Lokomotivfabrik bestellt. Als die ÖVP und deren Bünde gegründet wurden, trat er dem Wirtschaftsbund bei. Gleichzeitig konnte er als Redakteur beim „Feldkircher Anzeiger“ arbeiten. Zusätzlich wurde er Prokurist und kaufmännischer Leiter der Feldkircher Baufirma Seraphin Plümpel & Söhne, für die er schon vor Kriegsende tätig war. 1947 schied er dort wieder aus und begann für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften zu schreiben, so u. a. für das ÖVP-Organ „Vorarlberger Volksblatt“, wo Eugen Franz Breier (Nc) Chefredakteur war, für die „Furche“, deren Chefredakteur Friedrich Funder (Cl) war, und für die Salzburger Wochenschrift „Berichte und Informationen“.

Durch die erwähnte Anzeige des Seniors der Rudolfina im Jahr 1945 bei der Staatspolizei wurde die Causa Veiter ins Rollen gebracht. Leiter der Staatspolizei im Innenministerium war damals Maximilian Pammer (Baj EM). Der diesbezügliche Akt landete Anfang 1946 im Unterrichtsministerium, dem letzten Dienstort Veiters, bei Sektionschef Hans Pernter (Nc), selber Unterrichtsminister bis 1938, und dem Leiter des Präsidiums Josef Musil (Nc), die beide für die Einleitung eines Verfahrens gegen Veiter wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt und illegaler NSDAP-Mitgliedschaft waren. Dieser erhielt, wie erwähnt, seit seiner Versetzung in den Ruhestand 1938 einen geringfügigen Ruhebezug, der auch nach Kriegsende weiter ausbezahlt wurde. Pernter begründete das Verfahren gegen Veiter damit, daß dieser „in der Verbotszeit gesinnungs- und handlungsmäßig ein verwerfliches und charakterloses Doppelspiel getrieben hat“.

Diese Pension wurde nun in Frage gestellt. Im Mai 1946 erhielt Veiter die Mitteilung, daß dieser Bezug rückwirkend mit Juni 1945 eingestellt wurde und er die zuviel überwiesenen Beträge zurückzahlen müsse. Im Oktober 1946 berichtete Pammer an den zuständigen Beamten der Personalsektion im Bundeskanzleramt, Eduard Chaloupka (Baj), daß Veiter im Hochverratsprozeß gegen den ehemaligen Außenminister Guido Schmidt (ehemals Nc) als Zeuge aussagen und die Staatsanwaltschaft mit der Anklageerhebung noch abwarten werde.

Nach diesem Prozeß im Jahr 1947 gingen die Untersuchungen gegen Veiter weiter. Im März 1948 kam es zu einem Bescheid der Registrierungsbehörde bei der Bezirkshauptmannschaft Feldkirch: „Dr. Theodor Veiter ist in den besonderen Listen gemäß § 4, Abs. 5, lit. c des Verbotsgesetzes 1947 nicht zu verzeichnen.“ Wie bereits erwähnt, wurde seine Aufnahme in die NSDAP nach dem Anschluß abgelehnt, wodurch er de lege nicht als Parteimitglied und damit nach 1945 auch nicht als Registrierungspflichtiger galt.

Unabhängig davon wurde im November 1949 in einem andern Verfahren die berufliche Rehabilitierung bzw. Weiterbezahlung des Ruhebezugs an Veiter abgelehnt. Das damit befaßte Bundeskanzleramt sowie das Finanzministerium beurteilten seine NSDAP-Mitgliedschaft offenbar anders. Veiter nützte in den folgenden Jahren jede Möglichkeit, um gegen diesen Bescheid Berufung einzulegen. Noch 1955 legte er Befürwortungsschreiben von Guido Schmidt (ehemals Nc), Josef Klaus (Rd), Helmut Schuster (F-B) (Nach-Nachfolger Veiters als KDHÖ-Vorsitzender) sowie von Johannes Tschuor (Alp EM) vor. Endgültig abschlägig entschied der Verwaltungsgerichtshof im März 1960.

Veiter sah bereits bald ein, daß er sich beruflich anderwärts orientieren müsse, und schlug die Rechtsanwaltslaufbahn ein. Ursprünglich wollte er als Konzipient in der Rechtsanwaltskanzlei des Vaters von Max Riccabona (Trn) tätig sein. Nachdem dieser sein Studium 1949 beendet hatte und in die Kanzlei seines Vaters eintrat, ging Veiter als Konzipient in die Kanzlei von Arthur Ender, einem Sohn des ehemaligen Bundeskanzlers Otto Ender (AIn). Er legte die Rechtsanwaltsprüfung ab und eröffnete in Feldkirch eine eigene Kanzlei.

Veiter betätigte sich vor allem und in vielfältiger Weise publizistisch und fand 1948 Kontakt zu dem von Herbert A. Kraus in Salzburg gegründeten Forschungsinstitut für Wissenschaft und Politik, das die Wochenschrift „Berichte und Informationen“ herausgab. Kraus war dann 1949 Mitbegründer des VdU und Bundesparteiobmann. Ein großer Teil von Veiters Veröffentlichungen befaßte sich mit Fragen des Volksgruppen- und Minderheitenrechts. Damit beschäftigte er sich schon seit den dreißiger Jahren, und es wurde zu seinem Spezialgebiet. 1981 gründete er in Feldkirch eine „Forschungsstelle für Nationalitätenrechte und Regionalismus“.

Veiter wollte sich 1958 an der Universität Innsbruck für Völkerrecht, internationales Privatrecht und Verfassungsrecht habilitieren, nachdem er als außerordentlicher Professor für öffentliches Recht an der Hochschule für Welthandel im Gespräch war. Dies wurde aber von seinem „Gesinnungsgenossen“ und dort lehrenden Taras Borodajkewycz (ehemals Nc) hintertrieben, so daß auch die Habilitation scheiterte. 1966 wurde er Honorarprofessor für Völkerrecht und internationale Beziehungen an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Königstein am Taunus (Hessen). Diese war eine Einrichtung der Deutschen Bischofskonferenz zum Zweck der sog. Ostpriesterhilfe und existierte bis 1978. Dafür wurde er dann 1976 Honorarprofessor für Allgemeine Staatslehre, Volksgruppen- und Flüchtlingsrecht an der Universität Innsbruck.

Ende 1972 erhielt Veiter das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, eine Auszeichnung, die sonst Ministerialräten zusteht. Beantragt wurde diese vom damaligen SPÖ-Innenminister Otto Rösch. In der Begründung fehlen jegliche Bezüge zu seiner NSDAP-Mitgliedschaft und die erwähnten Verfahren nach 1945. Auch sind falsche Tatsachen vermerkt, wie etwa daß Veiter nach dem Anschluß Gauverbot erhielt und nach Vorarlberg übersiedelte. Auch daß er ab 1950 die Arbeitsgemeinschaft Vorarlberg des Instituts für Sozialpolitik und Sozialreform leitete, ist unwahrscheinlich, denn dieses wurde erst nach 1953 errichtet, und es ist kaum anzunehmen, daß deren Gründer August Maria Knoll (NbW) und Karl Kummer (Aa) sich Veiters bedient hätten.

Desgleichen werden Funktionen Veiters in einer Europäischen Vereinigung für das Studium des Weltflüchtlingsproblems angeführt, darunter die dazu gehörende Forschungsgesellschaft für das Weltflüchtlingsproblem, als dessen Wissenschaftlicher Generalsekretär er angeführt wird. Im www ergaben sich bei der Suche nach dieser Organisation keine Treffer. Da diese Funktion gleich eingangs des Antrags beim Namen Veiters steht, dürfte damit auch der Antragsteller Innenminister Rösch erklärbar sein, denn das Flüchtlingswesen ressortiert beim Innenministerium. Es wird auch angeführt, daß Veiter 1961 den Förderungspreis der SPÖ-nahen Theodor-Körner-Stiftung für Wissenschaft und Kunst erhalten hat. Einen solchen seitens des Leopold-Kunschak-Preises oder des Kardinal-Innitzer-Studienfonds hätte Veiter aufgrund seiner Vergangenheit wohl nie erhalten.

1984 gab er das autobiographisch angelegte Buch „Das 34er Jahr“ heraus. Es ist aber in der Darstellung ungenau. Das Problem bei der Rekonstruktion der Biographie Veiters ist, daß in seiner Autobiographie vieles verschwiegen und manches falsch dargestellt wurde. Er deponierte auch nach 1945 in verschiedenen Archiven Dokumente, die sehr selektiv ausgewählt wurden, 1988 kam es auch zu einer Kontroverse mit dem Salzburger Zeithistoriker Ernst Hanisch in „Aus Politik und Zeitgeschichte“, einer Beilage der deutschen Wochenzeitung „Das Parlament“. Danach wurde es um ihn stiller.

BEWERTUNG VEITERS

Veiter gehörte jener Generation nach 1918 an, die von der Demokratie enttäuscht war und in der nationalen Frage, d. h. im Anschluß an das Deutsche Reich, eine Lösung der Probleme der Nachkriegszeit sah, insbesondere der Schmach der Pariser Vororteverträge von 1919. Dazu war er durch seine Kärntner Herkunft, durch den Umstand, daß er durch seine Mutter „halber Deutscher“ war und den Besuch der „Stella Matutina“ disponiert, denn die Schüler dort waren mehrheitlich Deutsche. So war er bereits früh dem an sich weltanschaulich neutralen großdeutschen Gedanken zugetan. Man darf in diesem Zusammenhang auch nicht vergessen, daß die erste Verfassung Österreichs vom 12. November 1918 einen Beitritt zum Deutschen Reich vorsah. Es gab dann in Gefolge dessen auch eine „demokratische Anschlußbewegung“ in Österreich mit verbotenerweise zwei Abstimmungen für einen Anschluß in Salzburg und Tirol.

Diese Grundhaltung Veiters verstärkte sich mit seinem Engagement in der Studentenvertretung im Jahr 1930, jenem Jahr, wo bei den deutschen Reichstagswahlen die NSDAP von der bisherigen Bedeutungslosigkeit zur zweitstärksten Fraktion aufstieg. Dieser Umstand wird bei Veiter seine Affinität zum Nationalsozialismus befördert haben, ebenso wie der weitere Erfolg der NSDAP bei den Reichstagswahlen 1932 (stärkste Fraktion). Die Kontakte und Beeinflussungen der Katholisch-Nationalen Karl-Gottfried Hugelmann (ehemals AW) und Wilhelm Wolf (ehemals AIn) verstärkten zusätzlich diesen Prozeß.

Veiter war nun in eine persönliche Position gelangt, von wo die die Grenzen zum Nationalsozialismus nur mehr fließend bzw. nicht mehr weit weg war. Als überzeugter Katholik versuchte er jedoch, wie viele andere seiner Zeit – auch im CV – , eine Synthese zwischen Katholizismus und Nationalsozialismus herzustellen. Er trat der NSDAP zu einer Zeit bei, wo sich der Konflikt zwischen dem gerade nationalsozialistisch gewordenen Deutschen Reich und Österreich unter der Regierung von Engelbert Dollfuß (F-B) zuspitzte. Seit Herbst 1932 gab es einen nationalsozialistischen Terror in Österreich, sei es auf den Universitäten, sei es durch Bombenattentate usw. Die Lage spitzte sich zu, zum einen wurde die NSDAP in Österreich verboten, und der ÖCV verbot eine gleichzeitige Mitgliedschaft in einer CV-Verbindung und bei der NSDAP, zum anderen erließ Hitler die „1000-Mark-Sperre“.

Und in dieser Zeit trat Veiter mit einem Pseudonym der österreichischen NSDAP als sog. „Illegaler“ bei. Entweder traute er sich das nicht mit richtigem Namen, weil er bei einem Auffliegen Nachteile fürchtete, oder er setzte bewußt auf zwei Pferde, weil man damals noch nicht die Zukunft abschätzen konnte. Veiter war im damaligen politischen Betrieb eine nicht unwichtige Figur der dritten Reihe und wurde durch seine Vernetzungen und Kenntnisse damit ein Handlanger des Nationalsozialismus. Um so größer war nach dem Anschluß die Überraschung und Verbitterung, als er sich gleich als „Illegaler“ geoutet hatte, was dann zum Ausschluß aus der Rudolfina im November 1938 führte.

Für Veiter muß es eine große Enttäuschung gewesen sein, daß er verhaftet und nicht in die NSDAP übernommen wurde. Dort hatte man sein Doppelspiel mit dem Pseudonym durchschaut. Das prägte dann sein Verhalten nach 1945, indem er leugnete, illegal der NSDAP beigetreten zu sein, und sich als Widerstandskämpfer bzw. Opfer des Nationalsozialismus stilisierte. Auch seine autobiographischen Äußerungen, insbesondere sein Buch „Das 34er Jahr“, sind widerspruchsvoll, fehlerhaft und unvollständig. Er betrieb eine persönliche Geschichtsklitterung, indem er seine Vergangenheit so umschrieb, daß an ihr kein Makel haftete. Was nicht zu leugnen war, wurde heruntergespielt oder als eine böswillige Unterstellung bezeichnet. Es fehlte bei ihm jegliches Verständnis, zu seiner Vergangenheit zu stehen und diese aufzuarbeiten. Dazu war er charakterlich nicht imstande und auch zu eitel.

Werke:

(Auswahl)
Die slowenische Volksgruppe in Kärnten (1936).
Nationale Autonomie (1938).
Die Italiener in der österreichisch-ungarischen Monarchie (1965).
Die Rechte der Volksgruppen und Sprachminderheiten in Österreich (1970).
Nationalitätenkonflikt und Volksgruppenrecht im 20. Jahrhundert (1977,1984).
Das 34er Jahr. Bürgerkrieg in Österreich, (1984).
Bibliographie zur Südtirolfrage, 2 Bände (1984 und 1991).
Kein Schlußstrich. Die Sudetendeutschen und die Tschechen in Geschichte und Gegenwart, (1994).

Quellen und Literatur:

Aktenbestand der Ehrenzeichenkanzlei der Österreichischen Präsidentschaftskanzlei (Kabinettsdirektor i. R. Heinz Hafner Am, Mitteilung 28. 8. 2020).
https://www.malingesellschaft.at/pdf/Behal-Veiter-Vortrag.pdf (16. 6. 2010).
Behal, Brigitte: Kontinuitäten und Diskontinuitäten deutschnationaler katholischer Eliten im Zeitraum 1930–1965. Ihr Weg und Wandel in diesen Jahren am Beispiel Dr. Anton Böhms, Dr. Theodor Veiters und ihrer katholischen und politischen Netzwerke. Wien phil. Diss. 2009.