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Sekt.-Chef Dr. Eduard Chaloupka

Sekt.-Chef Dr. Eduard Chaloupka

Urverbindung: Bajuvaria (19.06.1920)

Bandverbindungen: Dan, Pan, Merc, Rt-D, NdW, AIn, Rg, Am

Geboren: 11.08.1902, Wien
Gestorben: 05.09.1967, Wien
Vorsitzender der Verbandsführung des ÖCV, Sektionschef, Träger des Bandes „In vestigiis Wollek“ (posthum)
Politische Haft: 1938 Polizeigefängnis Wien

Lebenslauf:

HERKUNFT, AUSBILDUNG UND VERBINDUNGSGRÜNDER

Chaloupka wurde als Sohn eines aus Böhmen stammenden Finanzwachebeamten tschechischer Abkunft in Wien-Erdberg geboren. Nach Absolvierung der Volksschule auf der Erdbergstraße wechselte er ins Landstraßer Gymnasium, wo er sich nach dem Ersten Weltkrieg ab Anfang 1919 im Christlich-Deutschen Studentenbund (CDSB) engagierte.

In dieser Gruppe entstand im Herbst 1919 die Idee zur Gründung einer katholischen Pennalie, die dann am 26. November d. J. mit Hilfe der Wiener CV-Verbindung Franco-Bavaria umgesetzt wurde und den Namen Frankonia erhielt (später MKV). Chaloupka wurde zum Fuchsmajor gewählt. In der Folge wandelte sich diese Frankonia zu einer gemischten Hochschul- und Mittelschulverbindung, mußte sich aber seitens der Vereinsbehörde für eine der beiden Varianten entscheiden und votierte schließlich für eine Hochschulverbindung. Chaloupka war hierbei einer der entscheidenden treibenden Kräfte. Die diesbezügliche vereinsbehördliche Genehmigung erfolgte mit 19. Juni 1920. Weitere Gründer waren u. a. Josef Nagler (Baj) und Otto Krammer (Baj).

Aufgrund interner Diskussionen und Schwierigkeiten konstituierte sich am 8. Mai 1921 vereinsrechtlich mit fast denselben bisherigen Gründungsmitgliedern die Hochschulverbindung Bajuvaria, die die Tradition der bisherigen Hochschulverbindung Frankonia fortsetzte (letztere wandelte sich wieder in eine reine Mittelschulverbindung). Daher gilt als Gründungsdatum der Bajuvaria der 19. Juni 1920, und ihre Gründer haben dieses Datum als Rezeptionsdatum.

Chaloupka (Couleurname Dr. cer. Isegrim) wurde dabei zum Senior gewählt und war somit Gründungssenior der vereinsrechtlich ins Leben getretenen Hochschulverbindung Bajuvaria. Er war insgesamt sechs Semester Senior der Bajuvaria und seit Herbst 1929 bis zu seinem Tod ununterbrochen Philistersenior. Seine Leibfüchse waren u. a. der spätere Sektionschef und Franz Hoyer (Baj), Eduard Strauß sen. (Baj EM), später Mitglied des Bundeswirtschaftsrates, sowie der spätere MKV-Seelsorger Karl Fuchs (Baj).

Nach seiner Matura im Jahr 1921 studierte Chaloupka auf der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien (abs. iur. 1926, Dr. iur. 1927), wo er sich auch im Katholisch-Deutschen Hochschulausschuß engagierte. Dadurch war er zeitweilig sogar stellvertretender Vorsitzender des Kreises VIII (Österreich) der Deutschen Studentenschaft (DSt).

CHALOUPKA IN DEN JAHREN 1927 BIS 1945

Nach dem Studium und dem Gerichtsjahr trat Chaloupka 1927 in den niederösterreichischen Landesdienst, wo er auf verschiedenen Posten tätig war, so auch zeitweilig als Sekretär des sozialdemokratischen Landeshauptmannstellvertreters und späteren Innenministers Oskar Helmer.

Am 26. März 1934 wurde Chalopuka dem Bundeskanzleramt (Bundeskommissariat für Personalwesen) zugeteilt und von diesem dann am 6. März 1935 als Ministerialsekretär übernommen. Hier war er in einer für den „Ständestaat“ wichtigen Schaltstelle tätig, nämlich der Personalaufsicht über die Beamten und Angestellten des Öffentlichen Dienstes, wobei hierbei auch Säuberungen – vor allem Nationalsozialisten – vorgenommen wurden. Zusätzlich bedeutsam war, daß er Sekretär des Bundeskommissars, Sektionschef Arbogast Fleisch (Nc), war.

Daß Chaloupka nach dem Anschluß am 14. März 1938 verhaftet wurde, war daher zwangsläufig. Nach seiner Entlassung wurde er Anfang Juli 1938 nochmals für kurze Zeit bis Mitte Juli in Haft genommen und als Beamter am 15. August 1938 ohne Bezüge entlassen. Danach war er in verschiedenen Stellungen der Privatwirtschaft tätig. Im November 1940 bekam er eine Anstellung in der Wehrkreisverwaltung XVII, wo er vielen CVern helfen konnte (z. B. Unabkömmlichkeitserklärungen). Schon bald hatte er über Bundesbrüder Kontakt zu Widerstandskreisen, so vor allem zur Gruppe „Meithner“, aber auch zur Gruppe um den Sozialdemokraten Alfred Migsch.

Diese gab zwischen Januar 1943 und Januar 1944 eine illegale Zeitschrift namens „Die Wahrheit“ heraus. Über Verbindung des Wiener Magistratsbeamten Leopold Rieger (Baj) wurde zu Chaloupka und Felix Hurdes (NbW EM) Kontakt aufgenommen. Es folgten verschiedene Gespräche, an denen auch Hans Pernter (Nc) teilnahm. Chaloupka konnte in der „Wahrheit“ auch einen Aufruf an die österreichischen Akademiker herausbringen.

CHALOUPKA ALS PRÄSIDIALCHEF DES BUNDESKANZLERAMTES

Am 1. Mai 1945 trat Chaloupka seinen Dienst im Bundeskanzleramt – damals noch Staatskanzlei – wieder an und war wie vor 1938 in der Abteilung Zentrale Personalverwaltung tätig. Am 1. Dezember 1945 wurde er zum Ministerialrat und Leiter dieser Abteilung ernannt. Zu Beginn des Jahres 1946 übernahm er zusätzlich zur Leitung der Abteilung Zentrale Personalverwaltung auch die stellvertretende Leitung des Ministerratsdienstes in der Präsidialsektion des Bundeskanzleramtes. Das war ein wichtiger Schritt, um nach dem Tod des Präsidialsektionschefs des Bundeskanzleramtes, des ehemaligen Unterstaatssekretär Josef Sommer (S-B), kurz vor Weihnachten 1946, mit der vorläufigen Leitung der Präsidialsektion betraut und schließlich am 3. Mai 1947 zum Sektionschef ernannt zu werden. Diese Position übte er bis zu seinem Tod aus.

Als Präsidialsektionschef im Bundeskanzleramt stand Chaloupka über mehr als 20 Jahre an herausragender Stellung des österreichischen Regierungsapparates und diente unter vier Bundeskanzlern, nämlich unter Leopold Figl (Nc), Julius Raab (Nc), Alfons Gorbach (Cl) und Josef Klaus (Rd). Besonders unter Alfons Gorbach war sein diesbezüglicher Einfluß am stärksten. Chaloupka half in der Spätphase der Großen Koalition, Auseinandersetzung zwischen Gorbach und dessen SPÖ-Vizekanzler Bruno Pittermann abzumildern, der ein Schulkollege Chaloupkas war.

Da unter Josef Klaus ein „Kabinett des Bundeskanzlers“ geschaffen wurde, war bis dahin (1964) die Stellung des Präsidialchefs im Verhältnis zum Bundeskanzler sicherlich eine herausgehobenere. Chaloupka war der oberste Beamte des Regierungsapparates.

Im übrigen war sein Gegenüber in der Bundesrepublik Deutschland Hans Globke (BvBo) als beamteter Staatssekretär des Bundeskanzleramtes unter Konrad Adenauer. Dieser war währender der Nazizeit Beamter des Reichsinnenministeriums und u. a. für die legistische Durchführung der sog. „Nürnberger Gesetze“ zuständig, zu denen er einen Kommentar verfaßte. Dafür wurde Globke nach 1945 immer wieder angegriffen.

CHALOUPKA ALS VORSITZENDER DER VERBANDSFÜHRUNG DES ÖCV

Am 20. Mai 1955 wurde Chaloupka zum Vorsitzenden des Beirates bzw. der Verbandsführung des ÖCV gewählt, welches Amt er bis zu seinem Tod ausübte. Sein Gegenkandidat war Hellmuth Slaik (AW). Es begann nun eine mehr als zwölfjährige Periode, die man rückblickend als jene bezeichnen kann, in der der ÖCV intern wie vor allem in seiner Außenwirkung zweifelsohne einen Höhepunkt in seiner bisherigen Geschichte erreichte. Und: Zur Entwicklung hin vom Vorsitzenden des ÖCV-Beirats zum allgemein so wahrgenommenen „Vorsitzenden des ÖCV“ hat wesentlich die Amtsführung von Chaloupka beigetragen.

Betreiber seiner Wahl dürfte allem Anschein nach Hermann Withalm (Nc) gewesen sein, der besonders die politische Wirkmächtigkeit des Präsidialchefs des Bundeskanzleramtes betonte ( „... und diese guten Beziehungen bestehen natürlich zwischen dem Bundeskanzler und seinem Präsidialchef.“). Durch seine über zwanzigjährige Tätigkeit als Präsidial-Sektionschef des Bundeskanzleramtes festigte Chaloupka auch die Klammer zwischen politischer Führung, Beamtenschaft und ÖCV.

In seiner Amtszeit wurde die Frage des Beitritts von Priesteramtskandidaten zum CV geregelt, die Mitgliedschaft von CVern bei Rotariern und Lions thematisiert, die Strukturreform des ÖCV 1959 verabschiedet und die Neufassung der Satzungen angegangen. Auch war seine Amtszeit von den Auseinandersetzungen mit der Katholischen Aktion bzw. der Katholischen Hochschulgemeinden sowie um die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände geprägt. Die letzten Jahre seines Lebens beherrschte die Debatte um die Richtung der „Academia“ sowie die Affäre Borodajkewycz.

Chaloupka war Bandphilister (gereiht nach Zeitpunkt der Verleihung) der Danubia, Pannonia, Mercuria, Rhaeto-Danubia, Austria Innsbruck, Rugia und Amelungia. Neben der Frankonia trug er noch das Band der MKV-Verbindung Kreuzenstein Wien. Außerdem war er Ehrenphilister der Katholisch Österreichischen Landsmannschaft Maximiliana.

Überraschend starb Chaloupka an den Folgen einer Nierensteinoperation. Er wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof im Bereich der Ehrengräber begraben. Nach dem Begräbnis Leopold Figls im Mai 1965 war das von Chaloupka das beeindruckendste Couleurbegräbnis auf dem Wiener Zentralfriedhof.

Am 9. Oktober 1967 gedachte die Bajuvaria seines Gründers und langjährigen Philisterseniors in einem Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Rochus und Sebastian und bei einem Trauerkommers im „Schwechaterhof“ (beide auf der Landstraßer Hauptstraße), zu dem auch Bundeskanzler Josef Klaus (Rd) erschien.

Am 11. November 1967 hielt der ÖCV seine Trauerfeier für Eduard Chaloupka ab. Der ÖCV-Seelsorger P. Alois Schrott SJ (Nc) zelebrierte die Trauermesse in der Piaristenkirche (Wien-Josefstadt), wobei er vom Verbindungs¬seelsorger Bajuvaria Karl Fuchs (Baj), dem WCV-Seelsorger P. Eberhard Josef Kusin OFMCap. (Rg) und dem Verbindungsseelsorger des Vorortes Amelungia assistiert wurde. Auf dem nachfolgenden ÖCV-Trauerkommers wurde Chaloupka posthum das Band „In vestigiis Wollek“ verliehen.


Quellen und Literatur:

Für Volk und Glauben leben. Festschrift für Eduard Chaloupka. Hg. von Nicolaus Drimmel (Baj). Wien 2002, darunter vor allem die Beiträge:
Drimmel, Nicolaus (Baj): Herkunft und Jugendjahre Chaloupkas, S. 11–32.
Drimmel, Nicolaus (Baj): Abwehrkampf, Verfolgung und Widerstand, S. 45–98.
Hartmann, Gerhard (Baj): Die Ära Chaloupka im österreichischen CV. Eduard Chaloupka als Vorsitzender des ÖCV-Beirates und der Verbandsführung von 1955 bis zu seinem Tod 1967, S. 109-148.
Hartmann, Gerhard (Baj): Für Gott und Vaterland. Geschichte und Wirken des CV in Österreich. Kevelaer 2006, bes. S. 226, 454f., 506, 516–522, 537, 555–561, 569f., 614, 626, 632f., 651.
Farbe tragen, Farbe bekennen 1938–45. Katholisch Korporierte in Widerstand und Verfolgung. Hg. von Herbert Fritz und Peter Krause (Rt-D). Wien 2. wesentlich verb. Aufl. 2013, S. 255f.