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BR Präs. a.D. em. Univ.-Prof. Dr. Dr.h.c.mult. Herbert Schambeck

BR Präs. a.D. em. Univ.-Prof. Dr. Dr.h.c.mult. Herbert Schambeck

Urverbindung: Rudolfina (27.05.1955)

Bandverbindungen: NdW, Rg, Cp, R-J, A-D, Ne, V-B, E-Rh, Pr

Geboren: 12.07.1934, Baden (Niederösterreich)
Gestorben: 02.10.2023, Wien
Universitätsprofessor (Öffentliches Recht, Politische Wissenschaften, Rechtsphilosophie), Präsident des Bundesrates, ÖCV-Amtsträger

Lebenslauf:

AUSBILDUNG UND WISSENSCHAFTLICHE LAUFBAHN

Scham­beck wurde als Sohn eines Un­ter­neh­mers ge­bo­ren und wuchs in gut si­tu­ier­ten Ver­hält­nis­sen in Baden bei Wien auf, wo er auch das Gym­na­si­um be­sucht hatte. Nach sei­ner Ma­tu­ra im Jahr 1953 be­gann er das Stu­di­um an der Rechts- und Staats­wis­sen­schaft­li­chen Fa­kul­tät der Uni­ver­si­tät Wien (Dr. iur. 1958), wo er der Ru­dol­fi­na bei­trat (Cou­leur­na­me Se­ne­ca), deren Con­se­ni­or er im Som­mer­se­mes­ter 1958 war. Sein Leib­bursch war der spä­te­re Mi­li­tär­bi­schof Al­fred Kos­tel­ecky (Rd). Nach dem Stu­di­en­en­de ab­sol­vier­te er 1958/59 das Ge­richts­jahr beim Be­zirks­ge­richt Baden bei Wien und beim Lan­des­ge­richt für Zi­vil­rechts­sa­chen Wien.

Da­nach be­gann Scham­beck eine wis­sen­schaft­li­che Lauf­bahn im Fach Öf­fent­li­ches Recht und Rechts­phi­lo­so­phie und wurde 1959 As­sis­tent bei Adolf Merkl, der 1961 eme­ri­tiert wurde, aber noch wei­te­re vier Jahre lehr­te, und ein Schü­ler von Hans Kel­sen war. 1964 ha­bi­li­tier­te sich Scham­beck für All­ge­mei­ne Staats­leh­re, Rechts­phi­lo­so­phie und Ver­fas­sungs­recht. 1965 wurde er Rechts­kon­su­lent in der wis­sen­schaft­li­chen Ab­tei­lung der Bun­des­kam­mer der ge­werb­li­chen Wirt­schaft.

Im April 1966 wurde der Inns­bru­cker Ver­fas­sungs­recht­ler Hans Kle­cats­ky zum Jus­tiz­mi­nis­ter be­ru­fen und des­halb als Pro­fes­sor frei­ge­stellt. Um die da­durch ent­stan­de­ne Lücke aus­zu­glei­chen, wurde Scham­beck 1966 zum au­ßer­or­dent­li­chen Pro­fes­sor für Po­li­to­lo­gie, Ver­fas­sungs- und Ver­wal­tungs­recht an der Rechts- und Staats­wis­sen­schaft­li­chen Fa­kul­tät der Uni­ver­si­tät Inns­bruck er­nannt. 1967 war er Gast­pro­fes­sor an der Uni­ver­si­ty of Notre Dame in South Bend (In­dia­na, USA).

In Inns­bruck blieb je­doch Scham­beck nicht lange, denn 1966 er­öff­ne­te in Linz die Hoch­schu­le für So­zi­al- und Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten, an der auch das Stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaf­ten an­ge­bo­ten wurde (1974 eine ei­ge­ne Fa­kul­tät, 1975 wurde die Hoch­schu­le in Jo­han­nes Kep­ler Uni­ver­si­tät un­be­nannt). 1967 wurde er zum or­dent­li­chen Pro­fes­sor für Öf­fent­li­ches Recht, Rechts­phi­lo­so­phie und Po­li­ti­sche Wis­sen­schaf­ten be­ru­fen. 2002 wurde er eme­ri­tiert.

An­fäng­lich war Scham­beck Schü­ler des Rechts­po­si­ti­vis­ten Adolf Merkl, wand­te sich aber bald der na­tur­recht­lich-uni­ver­sa­lis­ti­schen Völ­ker­rechts­schu­le von Al­fred Ver­droß zu, auf des­sen Emp­feh­lung Scham­beck Mitte der sech­zi­ger Jahre kurze Zeit beim Völ­ker­recht­ler Ste­phan Ver­os­ta As­sis­tent war. Viele sei­ner Ver­öf­fent­li­chun­gen be­han­deln grund­le­gen­de Fra­gen zu Staat und Recht im Kon­text der eu­ro­päi­schen In­te­gra­ti­on aus rechts­phi­lo­so­phier bzw. na­tur­recht­li­cher Per­spek­ti­ve. Viele sei­ner Schrif­ten gehen auf die Ka­tho­li­sche So­zi­al­leh­re, das Rechts­ver­ständ­nis der ka­tho­li­schen Kir­che und deren Be­deu­tung für die Lehre der For­men der po­li­ti­schen Or­ga­ni­sa­ti­on ein.

Scham­beck gab zahl­rei­che Sam­mel­bän­de und Fest­schrif­ten her­aus. Letz­te­re or­ga­ni­sier­te er vor­nehm­lich für sei­nen un­mit­tel­ba­ren Freun­des­kreis, wie u. a. für Fritz Eckert (Am EM), Al­fred Kos­tel­ecky (Rd), Hans-Walt­her Kalu­za (Walth). Ihm wur­den auch zahl­rei­che Eh­ren­dok­to­ra­te ver­lie­hen, u. a. der Uni­ver­si­tä­ten Prag, Bres­lau, Kiew, San­tia­go de Chile und Wa­shing­ton (Ca­tho­lic Uni­ver­si­ty). Dar­über hin­aus war er Mit­glied zahl­rei­cher wis­sen­schaft­li­cher Aka­de­mi­en und Ge­sell­schaf­ten

POLITISCHE LAUFBAHN

Scham­beck en­ga­gier­te sich neben sei­ner wis­sen­schaft­li­chen Lauf­bahn auch po­li­tisch im ÖAAB und in der ÖVP. 1962 wurde er Re­fe­rent für Kul­tur­po­li­tik bei der Bun­des­lei­tung des ÖAAB, 1966 Re­fe­rent für Rechts­po­li­tik sowie für Kul­tur und Bil­dung. Seine po­li­ti­sche Hei­mat war Nie­der­ös­ter­reich bzw. Baden. Nach den dor­ti­gen Land­tags­wah­len im Ok­to­ber 1969 wurde er vom nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Land­tag zum Mit­glied des Bun­des­ra­tes ge­wählt. Die­ses Man­dat übte er nach mehr­ma­li­gen Wie­der­wah­len vom 20. No­vem­ber 1969 bis zu des­sen Nie­der­le­gung am 30. Juni 1997 aus. Das waren fast 28 Jahre. Er ist somit das längst­die­nen­de Bun­des­rats­mit­glied in der Ge­schich­te Ös­ter­reichs.

Am 27. No­vem­ber 1975 wurde Scham­beck als Nach­fol­ger von Jo­hann Gas­sner (Rt-D EM) zum Stän­di­gen stell­ver­tre­ten­den Vor­sit­zen­den (hieß ab 1. Juli 1988 Vi­ze­prä­si­dent) des Bun­des­ra­tes ge­wählt und in der Folge in die­ser Funk­ti­on mehr­mals wie­der­ge­wählt. Mit die­ser war auch der Vor­sitz in der ÖVP-Bun­des­rats­frak­ti­on und die Mit­glied­schaft im Prä­si­di­um des Klubs der Na­tio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­ten und Mit­glie­der des Bun­des­ra­tes der ÖVP ver­bun­den. Auch wenn der Bun­des­rat in Ös­ter­reich ver­fas­sungs­recht­lich eine dem Na­tio­nal­rat nach­ge­ord­ne­te Stel­lung ein­nimmt, besaß Scham­beck eine wich­ti­ge Funk­ti­on im Rah­men der par­la­men­ta­ri­schen Ar­beit der ÖVP. Er war fast 22 Jahre Vi­ze­prä­si­dent (bzw. Prä­si­dent). Sein Vor­vor­gän­ger in die­sem Amt Fritz Eckert (Am EM) war das mehr als 16 Jahre.

Die Vor­sit­zen­den bzw. Prä­si­den­ten des Bun­des­ra­tes wech­seln halb­jähr­lich in al­pha­be­ti­scher Rei­hen­fol­ge der Bun­des­län­der. Als das Land Nie­der­ös­ter­reich den Vor­sit­zen­den bzw. den Prä­si­den­ten zu stel­len hatte, übte Scham­beck diese Funk­ti­on vom 1. Ja­nu­ar 1988 bis zum 30. Juni 1988, vom 1. Juli 1992 bis zum 31. De­zem­ber 1992 und vom 1. Ja­nu­ar 1997 bis zum 30. Juni 1997 aus. Wäh­rend die­ser Funk­tio­nen war je­mand an­de­rer zeit­wei­se Stän­di­ger stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der bzw. Vi­ze­prä­si­dent des Bun­des­ra­tes. Den Vor­sitz in der Bun­des­ver­samm­lung (ge­mein­sa­me Sit­zung von Na­tio­nal- und Bun­des­rat) üben al­ter­nie­rend die Prä­si­den­ten des Na­tio­nal­ra­tes und des Bun­des­ra­tes aus. Am 8. Juli 1992 wurde Tho­mas Kle­stil (Baj) vor der Bun­des­ver­samm­lung zum Bun­des­prä­si­den­ten an­ge­lobt. Den Vor­sitz führ­te da­mals Scham­beck.

Pro­to­kol­la­risch ran­giert der Prä­si­dent des Bun­des­ra­tes zwi­schen den Bun­des­mi­nis­tern und den Prä­si­den­ten der Höchst­ge­rich­te, der Vi­ze­prä­si­dent des Bun­des­ra­tes zwi­schen den Staats­se­kre­tä­ren und den Bun­des­mi­nis­tern a. D. Hin­ge­gen er­hal­ten die Mit­glie­der des Bun­des­ra­tes 50 Pro­zent und der Vi­ze­prä­si­dent des Bun­des­ra­tes 70 Pro­zent des Be­zu­ge eines Na­tio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­ten. Der Prä­si­dent des Bun­des­ra­tes ist be­zü­ge­mä­ßig dem Na­tio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­ten gleich­ge­stellt.

Scham­beck übte auch zahl­rei­che par­tei­po­li­ti­sche Funk­tio­nen aus. So ge­hör­te er seit 1966 der Lan­des­lei­tung des nie­der­ös­ter­rei­chi­schen ÖAAB an und war von 1972 bis 1989 Haupt­be­zirks­par­tei­ob­mann der ÖVP für den Be­zirk Baden. Seit 1975 ge­hör­te er dem Bun­des­vor­stand der Frak­ti­on Christ­li­cher Ge­werk­schaf­ter sowie der ÖVP- Bun­des­par­tei­lei­tung und der nie­der­ös­ter­rei­chi­schen ÖVP-Lan­des­par­tei­lei­tung der ÖVP an.
Eben­so war er Mit­glied des ÖAAB-Bun­des­vor­stan­des. 1982 wurde er zum Fö­de­ra­lis­mus­spre­cher der ÖVP be­stellt. Seit 1977 war er als Nach­fol­ger von Ru­dolf Gru­ber (NdW) viele Jahre Prä­si­dent der Ös­ter­rei­chisch-Deut­schen Kul­tur­ge­sell­schaft.

ENGAGEMENT FÜR DIE KIRCHE

Scham­beck en­ga­gier­te sich auch in bzw. für die ka­tho­li­sche Kir­che und nahm für sie bzw. in ihr zahl­rei­che Funk­tio­nen wahr. So war er nach sei­nen An­ga­ben auf Vor­schlag des da­ma­li­gen Nun­ti­us Opi­lio Kar­di­nal Rossi (Dan EM) von 1967 bis 1997 De­le­gier­ter des Hei­li­gen Stuhls bei der Ge­ne­ral­kon­fe­renz der In­ter­na­tio­na­len Atom­ener­gie­be­hör­de (IAEA) in Wien. Von 1993 bis 2009 war er Kon­sul­tor des Päpst­li­chen Rates für die Fa­mi­lie. Er war Grün­dungs­mit­glied der Päpst­li­chen Aka­de­mie der So­zi­al­wis­sen­schaf­ten, der er seit 1994 als or­dent­li­ches Mit­glied und seit 2019 als Eh­ren­mit­glied an­ge­hör­te. Der Hei­li­ge Stuhl ehrte ihn mit dem Gro­ß­kreuz des Gre­go­ri­us­or­dens, und Papst Jo­han­nes Paul II. er­nann­te ihn 1990 zum „Gen­ti­luo­mo di Sua San­ti­ta“ (Käm­me­rer Sei­ner Hei­lig­keit). Dar­über hin­aus war er Mit­glied der Erz­bru­der­schaft am Campo Santo bei St. Peter in Rom. Wäre er in Rom ver­stor­ben, hätte er das Recht ge­habt, auf die­sem Fried­hof be­gra­ben zu wer­den.

Durch seine Ver­tre­tungs­funk­ti­on bei der IAEA ab 1967 kam Scham­beck zwangs­läu­fig in nä­he­re Ver­bin­dung mit dem je­wei­li­gen Nun­ti­us in Wien und mit rö­mi­schen Zen­tral­stel­len. Er ver­mit­tel­te in Ös­ter­reich den Ein­druck, durch seine Kon­tak­te in­ti­me Kennt­nis­se über den Hei­li­gen Stuhl zu be­sit­zen und ge­le­gent­li­che Eifluß­nah­men aus­üben sowie päpst­li­che Or­dens­ver­lei­hun­gen und Papst­au­di­en­zen ar­ran­gie­ren zu kön­nen. So ver­brei­te­te er 1977 das Ge­rücht, die Er­nen­nung von Al­fred Kos­tel­ecky (Rd) zum Weih­bi­schof von Wien stün­de un­mit­tel­bar bevor. Tat­säch­lich wur­den aber Hel­mut Krätzl und Flo­ri­an Kunt­ner (Ne) zu sol­chen er­nannt.

Scham­beck zähl­te zwei­fels­oh­ne zum kon­ser­va­ti­ven Flü­gel des ös­ter­rei­chi­schen Ka­tho­li­zis­mus, stand al­ler­dings ein­deu­tig auf dem Boden des II. Va­ti­ka­nums. Ihm wurde hin­ge­gen u. a. un­ter­stellt, bei der Frage der Nach­fol­ge von Franz Kar­di­nal König (Rd EM) die Wei­chen in Rich­tung Hans-Her­mann Groër und Kurt Krenn ge­stellt zu haben, was er frei­lich immer ve­he­ment be­strit­ten hat. Man würde ihn si­cher­lich über­schät­zen, wenn er tat­säch­lich eine kon­kre­te Ein­fluß­nah­me be­ses­sen hätte. Daß er in Rom seine Sicht auf die ös­ter­rei­chi­sche Kir­che hin­ter den Berg ge­hal­ten hat, wird aber auch nicht zu­tref­fen.

Zwei­fel­los hatte Scham­beck einen freund­schaft­li­chen Kon­takt mit dem sei­ner­zei­ti­gen Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Agos­ti­no Ca­sa­ro­li, des­sen Reden und Auf­sät­ze er in Deutsch her­aus­brach­te. Auch mit dem Prä­fek­ten der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on Jo­seph Ratz­in­ger (Rup EM) stand er in Kon­takt. An der An­bah­nung sei­nes Be­su­ches als Papst Be­ne­dikt XVI. im Jahr 2007 in Ös­ter­reich soll er be­tei­ligt ge­we­sen sein.

ENGAGEMENT IM ÖCV

Scham­beck, ge­ra­de pro­mo­viert und jun­ger As­sis­tent, kan­di­dier­te auf der Car­tell­ver­samm­lung 1959 als Nach­fol­ger von Al­fred Twaroch (Alp) für das Amt für Bil­dungs­we­sen im ÖCV. Sein Ge­gen­kan­di­dat war der spä­te­re Pro­fes­sor für Wirt­schafts­ver­wal­tungs­recht an der Wirt­schafts­uni­ver­si­tät Wien Karl Wen­ger (Kb). Bei der Wahl ent­fie­len auf Scham­beck 57 und auf Wen­ger 11 Stim­men. Scham­beck ge­wann deut­lich mit fast 84 Pro­zent. Er war der vier­te Amts­trä­ger für Bil­dungs­we­sen seit Grün­dung des ÖCV 1933. Als sol­cher war er Mit­glied des ÖCV-Bei­ra­tes, der spä­ter in die Ver­bands­füh­rung auf­ge­gan­gen ist.

Die da­ma­li­ge Bil­dungs­ar­beit des ÖCV war nicht mit der nun­meh­ri­gen (Bil­dungs­aka­de­mie) ver­gleich­bar. 1949 wurde eine jähr­li­che Schu­lungs­wo­che im Herbst ein­ge­führt, die der Bil­dungs­amts­trä­ger ge­mein­sam mit dem Vor­ort zu or­ga­ni­sie­ren hatte. Die für die Bil­dungs­ar­beit im ÖCV zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­tel waren ver­gleichs­wei­se ge­ring. Scham­beck or­ga­ni­sier­te sol­che Schu­lungs­wo­chen, wobei er auf­grund sei­nes aka­de­mi­schen Be­ru­fes bei der Aus­wahl der Re­fe­ren­ten auf Qua­li­tät ach­ten konn­te. Zu­sätz­lich or­ga­ni­sier­te er Vor­trä­ge im Fest­saal des ÖCV-Hau­ses und im Au­di­to­ri­um ma­xi­mum der Wie­ner Uni­ver­si­tät.

Bald nach Be­ginn sei­ner Amts­zeit in­iti­ier­te Scham­beck die Schrif­ten­rei­he „Ruf und Ant­wort“, die vom ÖCV ge­mein­sam mit dem deut­schen CV und dem Schwei­ze­ri­schen Stu­den­ten­ver­ein (StV) her­aus­ge­ge­ben wurde. Mit­her­aus­ge­ber für den deut­schen CV war der spä­te­re In­ten­dant des Baye­ri­schen Rund­funks Al­bert Scharf (Ae). In Zu­sam­men­ar­beit mit der Wie­ner Nie­der­las­sung des Ver­la­ges Her­der Frei­burg/br. wur­den in die­ser Reihe sie­ben Bände her­aus­ge­bracht.

Deren Au­to­ren waren da­mals durch­aus an­er­kannt, näm­lich (in der Rei­hen­fol­ge der Er­schei­nung) der Wie­ner Phi­lo­soph Leo Ga­bri­el (NdW) („Mensch und Welt in der Ent­schei­dung“), der in­ter­na­tio­nal re­nom­mier­te ka­tho­li­schen So­zi­al­ethi­ker Jo­han­nes Mess­ner („Mo­der­ne So­zio­lo­gie und scho­las­ti­sches Na­tur­recht“), der Gra­zer By­zan­ti­nist Endre von Ivan­ka („Seit 900 Jah­ren ge­trenn­te Chris­ten­heit“), der deutsch-schwei­zer Theo­lo­ge Otto Kar­rer („Das Erbe der Re­for­ma­ti­on in ka­tho­li­scher Sicht“), der deut­sche Po­li­ti­ker (Mit­glied des Bun­des­ta­ges, CDU-Bun­des­schatz­meis­ter) Fritz Burg­ba­cher (H-Na) („Be­kennt­nis zu Eu­ro­pa“), der Schwei­zer Ver­fas­sungs­ju­rist und Po­li­ti­ker (Frei­sin­ni­ge-De­mo­kra­ti­sche Par­tei) Max Im­bo­den („Ge­dan­ken und Ge­stalt des de­mo­kra­ti­schen Rechts­staa­tes“) und der ehe­ma­li­ge Un­ter­richts­mi­nis­ter Hein­rich Drim­mel (NdW) /(„Die Hoch­schu­le zwi­schen Ges­tern und Mor­gen“).

Die Qua­li­tät die­ser Reihe stand außer Zwei­fel, doch ver­mit­tel­te sie eher den Geist der fünf­zi­ger Jahre als den des Auf­bruchs der sech­zi­ger Jahre. Sie war auch nicht für ein brei­te­res Käu­fer­pu­bli­kum, auch im ÖCV, ge­eig­net, Dafür sorg­te auch schon die etwas ein­falls­lo­se äu­ße­re Auf­ma­chung. Bis weit in die sieb­zi­ger Jahre hin­ein be­fan­den sich grö­ße­re Men­gen die­ser Bände im ÖCV-Se­kre­ta­ri­at (wo diese Reihe scher­zes­hal­ber „Ruf ohne Ant­wort“ ge­nannt wurde).

Drim­mels Band er­schien 1966 und war der letz­te die­ser Reihe. Er kam zwei Jahre nach sei­nem Rück­tritt als Un­ter­richts­mi­nis­ter her­aus und in einer Zeit, als im ÖCV be­reits die Hoch­schul­re­for­mer, vor allem in der Aus­tria Wien und in der No­ri­ca, Kon­zep­te für eine Re­form der Uni­ver­si­tä­ten ent­wor­fen hat­ten. Drim­mels Band war ge­wis­ser­ma­ßen ein Ge­gen­bild der sich be­reits ab­zeich­nen­den Ent­wick­lun­gen. Es war daher kein Wun­der, daß über Scham­beck Ende 1966 in der Num­mer 3 des 1. Jahr­gangs der vom Wahl­block (CV-nahe Stu­den­ten­par­tei) her­aus­ge­ge­be­nen Zei­tung „top pu­blic“ ein Ar­ti­kel von Wer­ner Vogt (ehe­mals AW) mit dem Titel „U-Mi­nis­ter Her­bert Scham­beck“ er­schie­nen ist. Darin wur­den ver­schie­de­ne bio­gra­phi­sche De­tails von ihm kri­tisch unter die Lupe ge­nom­men, etwa seine aka­de­mi­sche Lauf­bahn, weil er da­mals als mög­li­cher Un­ter­richts­mi­nis­ter ge­han­delt wurde.

Die­ser Bei­trag hat da­mals im ÖCV grö­ß­ten­teils Em­pö­rung her­vor­ge­ru­fen. Er wurde auch Ge­gen­stand der Er­ör­te­rung in­ner­halb der ÖCV-Gre­mi­en. Der da­ma­li­ge Vor­ort Da­nu­bia (VOP Jo­han­nes M. Mar­ti­nek) drück­te sein Be­frem­den aus, und die Ver­bands­füh­rung stell­te fest, daß das Prin­zip Ami­ci­tia ver­letzt wurde, und be­schloß einen An­trag auf Vor­er­he­bun­gen gegen Vogt beim Lan­des­eh­ren­ge­richt Wien. Diese Vor­gangs­wei­se weck­te wie­der­um den Wi­der­spruch im ÖCV-Bei­rat. Der Hoch­schul­amts­trä­ger Ger­not Schaf­fer (Dan) be­män­gel­te, daß er vor­her nicht kon­tak­tiert wurde, und war der Mei­nung, daß Scham­beck sich sel­ber weh­ren könne. Auch der Amts­trä­ger für In­for­ma­ti­on Kurt Berg­mann (Dan) und der Lei­ter des Aca­de­mia-Amtes He­ri­bert Stein­bau­er (AW) kri­ti­sier­ten die­sen Be­schluß. Scham­beck wurde hin­ge­gen vom Vor­sit­zen­den der Ver­bands­füh­rung Edu­ard Cha­loup­ka (Baj) un­ter­stützt. Zwi­schen die­sen bei­den herrsch­te ein enges Ver­trau­ens­ver­hält­nis.

Scham­beck hatte sich gleich zu Be­ginn sei­ner Amts­zeit auch um ein neues ÖCV-Bun­des­lied be­müht. Peter Diem (Rd) be­gann 1960 in der „Aca­de­mia“ eine De­bat­te um die­ses. Er be­zeich­ne­te den bis­he­ri­gen Text „Einer Farbe, einem Glau­ben“ als „das ge­dan­ken­lo­ses­te Pro­vi­so­ri­um, das in ka­tho­lisch-ös­ter­rei­chi­schen Krei­sen je er­rich­tet wurde“. Dar­auf­hin gab es ein brei­tes Echo, und zahl­rei­che Vor­schlä­ge wur­den ein­ge­reicht. Aus die­sen wähl­te Scham­beck zwölf aus und stell­te sie an­onym in der „Aca­de­mia“ zur Ab­stim­mung. Von den rund 500 Ant­wor­ten ent­fiel ca. die Hälf­te auf den Text­vor­schlag „Auf des Glau­bens Fel­sen­grun­de“ von Diem, der dann auf der Car­tell­ver­samm­lung 1960 be­schlos­sen wurde.

Da nun Scham­becks aka­de­mi­sche Kar­rie­re als Pro­fes­sor in Linz be­gon­nen hatte und sich seine po­li­ti­sche Kar­rie­re (1969 Mit­glied des Bun­des­ra­tes) ab­zu­zeich­nen be­gann, ver­zich­te­te er 1967 auf eine neue Kan­di­da­tur als Amts­trä­ger für Bil­dungs­we­sen. Die Wahl sei­nes Nach­fol­gers Ma­xi­mi­li­an Lieb­mann (Cl) soll­te sich als Pa­ra­dig­men­wech­sel im Be­reich der Bil­dungs­ar­beit im ÖCV her­aus­stel­len.

EHRUNGEN

Scham­beck or­ga­ni­sier­te für viele die Ver­lei­hung von Aus­zeich­nun­gen (Orden) der Re­pu­blik Ös­ter­reich und des Hei­li­gen Stuhls. Dabei legte er mit­un­ter eine In­sis­tenz an den Tag, die die be­tref­fen­de Be­am­ten­schaft über Ge­bühr in­kom­mo­dier­te. Aber er genoß es sicht­lich, wenn auch ihm sol­che Aus­zeich­nun­gen ver­lie­hen wur­den. Nach einer Auf­stel­lung waren es ins­ge­samt 17 Gro­ß­kreu­ze (Orden mit Stern und Schul­ter­band), die ihm ver­lie­hen wur­den. Er ge­hör­te zum Kreis jener ös­ter­rei­chi­schen Po­li­ti­ker mit den meis­ten sol­cher Orden.

Da­ne­ben er­hielt Scham­beck eine Reihe nied­ri­ger Or­dens­stu­fen, weil das Ver­lei­hungs­land keine hö­he­ren kann­te, wie z. B. die der ös­ter­rei­chi­schen Bun­des­län­der. Hier er­hielt er von allen Län­dern deren Aus­zeich­nun­gen. Von der Ar­beits­ge­mein­schaft Ka­tho­li­scher Ver­bän­de er­hielt er die Opilo-Rossi-Me­dail­le.

Scham­beck zähl­te in und mit sei­ner Art zwei­fels­oh­ne zu den pro­fi­lier­tes­ten Po­li­ti­kern Ös­ter­reichs der zwei­ten Reihe im letz­ten Drit­tel des 20. Jahr­hun­derts. Sein spe­zi­el­les Auf­tre­ten war nicht immer je­der­manns Sache, das manch­mal auf Ab­leh­nung stieß oder zu ge­las­se­nem Schmun­zeln führ­te. Er war in jeder Hin­sicht eine ori­gi­nel­le Per­sön­lich­keit, die teil­wei­se wie aus der Zeit ge­fal­len schien. Er war zwei­fels­oh­ne auch ein In­tel­lek­tu­el­ler von hohem For­mat sowie ein an­er­kann­ter Staats­rechts­leh­rer und Rechts­phi­lo­soph, was er mit sei­ner po­li­ti­schen Tä­tig­keit in idea­ler Weise ver­bin­den konn­te. Sein Ein­satz für die Kir­che war an­er­ken­nens­wert. Er lebte im Prin­zip be­schei­den und besaß kein Auto (weil er auch kei­nen Füh­rer­schein hatte). Im Ge­gen­satz zu man­chen in der po­li­ti­schen Klas­se war er auf Geld nicht aus. Er re­prä­sen­tier­te in po­li­ti­scher und ge­sell­schaft­li­cher Hin­sicht eine „Ho­no­ra­tio­ren-Re­pu­blik“, die es so nicht mehr gibt, und legte Wert auf Form. Von ihm stammt der Spruch: „Form­lo­sig­keit ist nichts an­de­res als eine etwas ab­ge­mil­der­te Form des Ter­rors.“

Scham­beck ehe­lich­te die Toch­ter Eli­sa­beth des sei­ner­zei­ti­gen Land­wirt­schafts­mi­nis­ters und nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Lan­des­haupt­manns Edu­ard Hart­mann, die vor ihm starb. Er bezog kurz vor Weih­nach­ten 2021 ein Pfle­ge­heim in Wien-Dö­b­ling, emp­fing kaum noch Be­su­cher und starb auch dort. Beim Re­qui­em in der Stadt­pfarr­kir­che von Baden hielt Bi­schof Egon Ka­pel­la­ri (Ca EM) die Pre­digt. Scham­beck wurde auf dem dor­ti­gen Stadt­pfarr­fried­hof bei­ge­setzt.

Scham­beck war neben sei­nen Mit­glied­schaf­ten in ins­ge­samt neun CV-Ver­bin­dun­gen noch Eh­ren­phi­lis­ter der Wie­ner MKV-Ver­bin­dung Gral und der Ka­tho­li­schen Lands­mann­schaft Starh­em­berg Wien. Dar­über hin­aus war er noch Mit­glied der Ka­tho­li­schen Stu­den­ten­ver­bin­dung Pra­gen­sis in Prag sowie der Christ­li­chen Stu­den­ten­ver­bin­dun­gen Au­da­cia Na­po­cen­sis Klau­sen­burg (Cluj, Ru­mä­ni­en) und Aqui­la Va­ra­di­nen­sis Groß-War­dein (Na­gyva­rad, Ora­dea, Ru­mä­ni­en), die Mit­glie­der der frei­en Kurie des Eu­ro­päi­schen Kar­tell­ver­bands (EKV) sind.

Werke:

(Auswahl)
Der Begriff der Natur als Sache (1964, Habilitationsschrift)
Kirche, Staat, Gesellschaft (1967).
Grundrechte und Sozialordnung (1969).
Das Volksbegehren (1971).
Prozesse sind ein Silberschweiß oder Juristen-Brevier (1979).
Pius XII. Friede durch Gerechtigkeit (Hg.; 1986).
Ethik und Staat (1986).
Kirche, Staat und Demokratie (1992).
Das österreichische Regierungssystem (1995).
Regierung und Kontrolle in Österreich (1997).
Politische und rechtliche Entwicklungstendenzen der europäischen Integration (2000).
Kirche, Politik und Recht (2013).
Gedanken aus der Zeit zur Zeit (2019).

Quellen und Literatur:

Aktenbestand der Ehrenzeichenkanzlei der Österreichischen Präsidentschaftskanzlei (Kabinettsdirektor i. R. Heinz Hafner Am, Mitteilung 4. 10. 2023).
https://www.parlament.gv.at/person/1590?selectedtab=BIO (Abruf 3. 10. 2023)
Kathpress 2. 10. 2023.
Mitteilungen von Heinz Hafner, 5. 10. 2023.
Hartmann, Gerhard: Die Ära Chaloupka im österreichischen CV, in: Für Volk und Glauben leben. Festschrift für Eduard Chaloupka. Hg. von Niolaus Drimmel. Wien 2002, 109–148,
Schambeck, Herbert: Eduard Chaloupka, ein engagierter Staatsbeamter und Katholik in einer Zeit des Aufbruchs, in: Für Volk und Glauben leben. Festschrift für Eduard Chaloupka. Hg. von Niolaus Drimmel. Wien 2002, 181–196 (hier über Schambeck als ÖCV-Amtsträger)