Wartungsfunktionen

Bschf. Mag. Dr. Alfred Kostelecky

Bschf. Mag. Dr. Alfred Kostelecky

Urverbindung: Rudolfina (25.06.1954)

Bandverbindungen: Am, Pan, Walth, The

Geboren: 15.05.1920, Wien
Gestorben: 22.02.1994, Wien
Militärbischof von Österreich
Politische Haft: Oktober 1938 Polizeigefängnis Wien

Lebenslauf:

Kostelecky wurde als Sohn eines aus Graz stammenden Magistratsbeamten geboren und besuchte die Volksschule bei den Schulbrüdern in Wien-Währing. Nach der Absolvierung des Gymnasiums in Wien-Josefstadt begann er 1938 mit dem Studium an der Theologischen Fakultät der Universität Wien und trat in das dortige Priesterseminar ein.. Nach dem Anschluß betätigte er sich gleich im Widerstand (Gruppe „Eisen“). Im Zuge des Rosenkranzfestes am 7. Oktober 1938 im Wiener Stephansdom wurde er von der Gestapo für einige Tage verhaftet. 1940 wurde er zu Wehrmacht einberufen, an der Ostfront sowie in Frankreich eingesetzt und viermal schwer verwundet, u. a. an einem Bein, wodurch er behindert war.

Nach der Entlassung aus der US-amerikanischen Gefangenschaft 1945 nahm Kostelecky das Theologiestudium (abs. theol. 1948, Mag. theol. 1984) wieder auf und wurde am 29. Juni 1948 zum Priester geweiht. Nach kurzer Kaplanstätigkeit in Wolkersdorf (Niederösterreich) studierte er ab 1949 in Rom Kirchenrecht (Dr. iur. can. 1954). Dort war er Kaplan an der Anima und als Sekretär der Agenzie tätig. (Die Anima vertrat die Interessen einer Reihe von Bistümern des deutschsprachigen Raums.) Nach seiner Rückkehr wurde er 1954 Domvikar und Advokat am Erzbischöflichen Metropolitan- und Diözesangericht.

1956 wurde Kostelecky vom damaligen Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz, dem Salzburger Erzbischof Andreas Rohracher (AIn EM), mit der Geschäftsführung des Sekretariats der Bischofskonferenz betraut. 1959 wurde er dann dessen Kanzleidirektor, und ab 1977 war er gewählter Sekretär der Österreichischen Bischofskonferenz. In diesen Funktionen war er an den Verhandlungen mit der Bundesregierung über die Anerkennung des Konkordats und bei den weiteren Verträgen zwischen dem Heiligen Stuhl und Österreich maßgeblich beteiligt. Er war einer der führenden Staatskirchenrechtler Österreichs und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kirchenrecht.

1961 wurde Kostelecky zum Vizeoffizial und 1980 zum Offizial des Erzbischöflichen Metropolitan- und Diözesangerichts ernannt. 1967 wurde er ins Wiener Domkapitel berufen, Bereits 1961 zum Päpstlichen Geheimkämmerer (Monsignore) ernannt, erhielt er 1971 den Titel eines Päpstlichen Ehrenprälaten.

Obwohl von manchen bereits 1977 seine Ernennung zum Weihbischof erwartet wurde, ist Kostelecky erst am 12. November 1986 zum Titularbischof von Aggar ernannt und am 14. Dezember 1986 zum Bischof geweiht worden. Gleichzeitig erfolgte die Ernennung zum ersten Militärbischof für das Österreichische Bundesheer, das bislang nur Militärvikariat war. Am 10. September 1990 wurde er als Titularbischof von Aggar nach Wiener Neustadt transferiert. Kosteleckys Aufgabe war der Aufbau der „zehnten Diözese“ Österreichs. Sein Nachfolger als Militärbischof wurde Christian Werner (The).

Im Zuge der vereinfachten Möglichkeiten für Priester, als Alter Herr einer ÖCV-Verbindung beizutreten, wurde Kostelecky von der Rudolfina in den Stand eines Urphilisters aufgenommen (Couleurname Altfried). Von 1955 bis 1958 war er Verbindungsseelsorger der Amelungia. Er wurde von der MKV-Verbindung Gothia Seckau ebenfalls in den Stand eines Urphilisters aufgenommen und wurde in der St. Georgs-Kathedrale der Wiener Neustädter Burg (Theresianische Militärakademie) neben Kaiser Maximilian I. beigesetzt.

Werke:

(Auswahl)
Die Rechtsbeziehungen zwischen den Seelsorgern und dem Kapitel am Wiener Dom. Eine rechtsgeschichtliche Untersuchung (1963).
Anerkennung der Rechtsgültigkeit des österreichischen Konkordates vom 5. Juni 1933 durch die Zusatzverträge mit dem Hl. Stuhl in den Jahren 1960 bis 1981 (1984).

Quellen und Literatur:

Diözesanarchiv Wien. Priesterdatenbank.
Kathpress, 12. 11. 1986.
Pax et iustitia: Festschrift für Alfred Kostelecky zum 70. Geburtstag. Hg. von Hans Walther Kaluza (Walth). Berlin: 1990
Kronthaler, Michaela: Alfred Kostelecky, in: Die Bischöfe der deutschsprachigen Länder 1945–2001. Ein biographisches Lexikon. Hg. von Erwin Gatz. Berlin 2002, S. 370ff.
Hartmann, Gerhard (Baj): Für Gott und Vaterland. Geschichte und Wirken des CV in Österreich. Kevelaer 2006, S. 451, 551, 556 und 662.
Bischöfe, Äbte, Pröpste aus dem CV und ÖCV. Hg. vom Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen und vom Cartellverband der katholischen österreichischen Studentenverbindungen. Regensburg–Wien 2009, S. 77f.
Farbe tragen, Farbe bekennen 1938–45. Katholisch Korporierte in Widerstand und Farbe Verfolgung. Hg. von Peter Krause (Rt-D), Herbert Reinelt und Helmut Schmitt. Zweite wesentlich erweiterte Auflage. Teil 2: Kuhl, Manfred (F-B): Ergänzungsband Biographien. Wien 2020, S. 177.