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Erzbschf. Dr. Dr. Franz Kardinal König

Erzbschf. Dr. Dr. Franz Kardinal König

Ehrenmitgliedschaften: Rudolfina, Norica, Welfia

Geboren: 03.08.1905, Warth, Gemeinde Rabenstein an der Pielach (Niederösterreich)
Gestorben: 13.03.2004, Wien
Erzbischof von Wien, Universitätsprofessor (Moraltheologie)

Lebenslauf:

HERKUNFT UND WISSENSCHAFTLICHE LAUFBAHN

König wurde als Sohn eines Land­wirts ge­bo­ren und be­such­te von 1919 bis 1927 das Stifts­gym­na­si­um Melk, wo er mit Aus­zeich­nung ma­tu­rier­te. Noch im Herbst des­sel­ben Jah­res be­gann er mit dem Stu­di­um der Phi­lo­so­phie und Theo­lo­gie an der Päpst­li­chen Uni­ver­si­tät Gre­go­ria­na (Dr. phil. 1930). Ne­ben­bei stu­dier­te er alt­per­si­sche Re­li­gi­on und ori­en­ta­li­sche Spra­chen am Päpst­li­chen Bi­bel­in­sti­tut. Am 29. Ok­to­ber 1933 wurde er in Rom zum Pries­ter ge­weiht.

Von 1934 bis 1936 war König in sei­ner Hei­mat­diö­ze­se als Ka­plan tätig und voll­ende­te wäh­rend die­ser Zeit sein Theo­lo­gie­stu­di­um (Dr. theol. 1936). 1936/37 stu­dier­te er auf­grund eines Sti­pen­di­ums in Lille Rechts­wis­sen­schaf­ten und Jour­na­lis­tik. Eben­so war er auch in Eng­land zu Stu­di­en­zwe­cken. In die­ser Zeit stand er auch der ka­tho­li­schen Ju­gend­be­we­gung Bund Neu­land nahe.

Nach dem An­schluß 1938 war König Dom­ku­rat und Ju­gend­seel­sor­ger in St. Pöl­ten. Dabei kam er auf­grund sei­ner seel­sorg­li­chen Tä­tig­keit in das Vi­sier der Ge­sta­po, die ihn ver­hör­te. Wäh­rend des Krie­ges setz­te er seine ori­en­ta­li­schen wie rechts­wis­sen­schaft­li­chen Stu­di­en in Wien fort.

Ab 1945 war König Re­li­gi­ons­leh­rer am Krem­ser Gym­na­si­um, und 1946 konn­te er sich für Re­li­gi­ons­wis­sen­schaf­ten am In­sti­tut für alt­tes­ta­ment­li­che Bi­bel­wis­sen­schaf­ten der Ka­tho­lisch-Theo­lo­gi­schen Fa­kul­tät der Uni­ver­si­tät Wien ha­bi­li­tie­ren. In diese Zeit fie­len auch seine wich­tigs­ten re­li­gi­ons­wis­sen­schaft­li­chen Pu­bli­ka­tio­nen.

1948 wurde König zum ao. Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor für Mo­ral­theo­lo­gie an die Salz­bur­ger Theo­lo­gi­sche Fa­kul­tät be­ru­fen. Einer sei­ner Vor­gän­ger auf die­sem Lehr­stuhl war Ignaz Sei­pel (Nc EM). Am 31. Mai 1952 er­nann­te ihn Papst Pius XII. (Tfs EM) zum Ti­tu­lar­bi­schof von Li­vi­as und Bi­schof-Ko­ad­ju­tor mit dem Recht der Nach­fol­ge für St. Pöl­ten, am 31. Au­gust 1952 er­folg­te die Bi­schofs­wei­he. Im Herbst des­sel­ben Jah­res wurde er von der Ös­ter­rei­chi­schen Bi­schofs­kon­fe­renz zum Ju­gend­bi­schof be­stimmt.

KÖNIG WIRD ERZBISCHOF VON WIEN

Nach­dem es sei­tens der Bun­des­re­gie­rung Re­ser­ven ge­gen­über dem bis­he­ri­gen Wie­ner Erz­bi­schof­ko­ad­ju­tor Franz Jachym gab, wurde König nicht zu­letzt durch Fa­vo­ri­sie­rung durch Bun­des­kanz­ler Ju­li­us Raab (Nc) am 10. Mai 1956 von Papst Pius XII. (Tfs EM) als Nach­fol­ger von Theo­dor Kar­di­nal In­nit­zer (NdW) zum Wie­ner Erz­bi­schof er­nannt und am 17. Juni in­thro­ni­siert.

Am 15. De­zem­ber 1958 wurde König von Papst Jo­han­nes XXIII. zum Kar­di­nal kre­iert. Da­nach über­nahm er vom Salz­bur­ger Erz­bi­schof An­dre­as Rohr­acher (AIn EM) den Vor­sitz der Ös­ter­rei­chi­schen Bi­schofs­kon­fe­renz. Am 21. Fe­bru­ar 1959 wurde er zum Mi­li­tär­vi­kar für das ös­ter­rei­chi­sche Bun­des­heer er­nannt, wel­che Funk­ti­on er bis 1969 aus­üb­te. Am 13. Fe­bru­ar 1960 er­litt er auf der Fahrt zum Be­gräb­nis des Erz­bi­schofs von Agram, Alois Kar­di­nal Ste­pinac, einen schwe­ren Au­to­un­fall.

König war einer der ein­flu­ß­reichs­ten Mit­glie­der des II. Va­ti­ka­nums (1962–1965) und Mit­glied der zen­tra­len Vor­be­rei­tungs­kom­mis­si­on. Zu sei­nem Be­ra­ter („Pe­ri­tus“) erkor er sich den da­mals wohl be­kann­tes­ten deutsch­spra­chi­gen Theo­lo­gen Karl Rah­ner, der in Inns­bruck lehr­te.

Einen Rück­schlag für die durch das Kon­zil her­vor­ge­ru­fe­ne Auf­bruch­stim­mung be­deu­te­te die im Som­mer 1968 ver­öf­fent­lich­te En­zy­kli­ka „Hu­ma­nae vitae“. In der sog. „Ma­ria­tros­ter Er­klä­rung“ ge­lang es unter Füh­rung Kö­nigs dem ös­ter­rei­chi­schen Epis­ko­pat – ähn­lich wie dem deut­schen Epis­ko­pat in der „Kö­nig­stei­ner Er­klä­rung“ – eine Ent­schär­fung für die pas­to­ra­le Pra­xis.

In der Folge des kon­zi­lia­ren Auf­bruchs be­rief König 1969 die Wie­ner Diö­ze­san­syn­ode ein, die bis 1972 tagte. Ihr schloß sich ab 1973 der sog. Ös­ter­rei­chi­sche Syn­oda­le Vor­gang an. In bei­den Ver­samm­lun­gen war er Vor­sit­zen­der.

König baute im Auf­trag Roms Kon­tak­te mit dem kom­mu­nis­ti­schen Osten auf (sog. „Va­ti­ka­ni­sche Ost­po­li­tik“), wobei ihm dabei die Lö­sung des Fal­les des Erz­bi­schofs von Gran (Esz­ter­gom), Josef Kar­di­nal Minds­zen­ty, ge­lang, den er im April 1963 in der US-Bot­schaft in Bu­da­pest erst­mals auf­such­te. Schlie­ß­lich konn­te König ihn 1971 zur Aus­rei­se be­we­gen. Da­nach lebte der Pri­mas von Un­garn bis zu sei­nem Tod 1974 in Wien im Exil.

Im Zuge die­ser „Va­ti­ka­ni­schen Ost­po­li­tik“ er­ga­ben sich zwangs­läu­fig enge Kon­tak­te zu Re­prä­sen­tan­ten der or­tho­do­xen und alt­ori­en­ta­li­schen Kir­chen, die König be­such­te bzw. die zu ihm nach Wien kamen. 1961 be­such­te er als ers­ter Kar­di­nal den Öku­me­ni­schen Pa­tri­ar­chen von Kon­stan­ti­no­pel. U. a. eine Frucht die­ser Be­mü­hun­gen war die im No­vem­ber 1964 er­folg­te Grün­dung der Stif­tung „Pro Ori­en­te“, deren Pro­tek­to­rat er 1988 über­nahm.

Im Zuge des II. Va­ti­ka­nums wurde am 8. April 1965 das Se­kre­ta­ri­at für die Nicht­glau­ben­den er­rich­tet und König zum Prä­si­den­ten die­ser va­ti­ka­ni­schen Ku­ri­en­be­hör­de er­nannt. Diese Po­si­ti­on be­klei­de­te er bis 1981.

PONTIFEX AUSTRIACUS

An­fang der sech­zi­ger Jahre war König ma­ß­geb­lich an den Ver­trä­gen zwi­schen dem Hei­li­gen Stuhl und Ös­ter­reich als Folge der An­er­ken­nung des Kon­kor­dats von 1933/34 be­tei­ligt, die ver­schie­de­nen Fra­gen (Ver­mö­gen, Diö­ze­san­grün­dun­gen, Schul­we­sen etc.) re­gel­ten.

Nach­dem das Ver­hält­nis Kir­che und Staat in Ös­ter­reich weit­ge­hend pro­blem­frei war, be­müh­te sich König auch um Ge­sprä­che mit der So­zi­al­de­mo­kra­tie. Be­ach­tung fand dabei vor allem seine 1973 ge­hal­te­ne Rede vor dem Ös­ter­rei­chi­schen Ge­werk­schafts­bund. Diese Be­mü­hun­gen, fälsch­li­cher­wei­se unter der Prä­mis­se „Äqui­di­stanz“ ge­se­hen, wur­den aber teil­wei­se auch kri­tisch be­ur­teilt („rote Kar­di­nal“).

Kurz da­nach kam es aber mit der SPÖ-Re­gie­rung durch die Ein­füh­rung der Fris­ten­lö­sung zu einer Kon­fron­ta­ti­on. König nahm gegen diese ein­deu­tig Stel­lung und nahm sogar an der Spit­ze eines De­mons­tra­ti­ons­zu­ges da­ge­gen teil. Dank sei­ner aus­glei­chen­den Hal­tung führ­te das aber zu kei­nem Kul­tur­kampf. Im Ge­gen­teil, Ende der sieb­zi­ger, An­fang der acht­zi­ger Jahre er­reich­te das mo­ra­li­sche An­se­hen Kö­nigs zwei­fel­los sei­nen Hö­he­punkt. In die­ser Zeit wurde Ös­ter­reich von den „drei K.s“ ge­prägt: König, Kirch­schlä­ger und Krei­sky.

Ob­wohl König be­reits 1980 das Alter für den Rück­tritt eines Bi­schofs er­reicht hatte, nahm Papst Jo­han­nes Paul II., an des­sen Wahl König ma­ß­geb­lich be­tei­ligt ge­we­sen sein soll und der 1983 erst­mals Ös­ter­reich als Papst be­such­te, die­sen nicht an. Erst am 16. Sep­tem­ber 1985 wurde dann sein Rück­tritt an­ge­nom­men. Aus die­sem Anlaß be­zeich­ne­te der da­ma­li­ge Bun­des­prä­si­dent Ru­dolf Kirch­schlä­ger (MKV Wald­mark Horn) ihn als „Pon­ti­fex Aus­tria­cus“.

Auch da­nach blie­ben sein An­se­hen und auch seine Au­to­ri­tät un­ge­schmä­lert. Seine ge­sund­heit­li­che sta­bi­le Lage er­mög­lich­te es König, wäh­rend der um­strit­te­nen Amts­zeit sei­nes Nach­fol­gers Hans-Her­mann Groër einen ge­wis­sen Aus­gleich zu schaf­fen, des­sen Schei­tern er schmerz­haft mit­er­le­ben mußte.

Ob­wohl König seine Eh­ren­mit­glied­schaf­ten bei CV-Ver­bin­dun­gen nie her­vor­strich, stand er ihm durch­aus wohl­wol­lend ge­gen­über und un­ter­stütz­te die An­lie­gen der ka­tho­li­schen Ver­bän­de. Eben­so nahm er im ÖCV ge­le­gent­lich Ter­mi­ne wahr. Be­reits bald nach sei­ner Er­nen­nung zum Wie­ner Erz­bi­schof im Mai 1956 gab es In­itia­ti­ven der Ver­bin­dun­gen Nord­gau Wien, Mer­cu­ria und Pan­no­nia, König die Eh­ren­mit­glied­schaft zu ver­lei­hen, was sei­tens der Füh­rung des ÖCV als zu vor­ei­lig be­ur­teilt wurde. Erst im Jahr 1958 er­hielt er re­la­tiv kurz hin­ter­ein­an­der drei Eh­ren­mit­glied­schaf­ten ver­lie­hen.

Hoch­be­tagt und hoch­an­ge­se­hen sowie bis zu­letzt geis­tig wie auch grö­ß­ten­teils kör­per­lich un­ge­schmä­lert starb König in Wien und wurde in der Bi­schofs­gruft des Ste­phans­dom bei­ge­setzt.


Werke:

(Auswahl)
Der Jenseitsglaube im Alten Testament und seine Parallelen in der Religion des Zarathustra (1946; Habiltationsschrift).
Das Alte Testament und die altorientalischen Religionen (1947).
Christus und Religionen der Erde. Handbuch der Religionsgeschichte, 3 Bände (1951).
Religionswissenschaftliches Wörterbuch (1956).
Die Stunde der Welt (1971).
Aufbruch zum Geist (1972).
Unterwegs mit den Menschen. Vom Wissen zum Glauben. Hg. von Annemarie Fenzl und Reginald Földy (2004).

Quellen und Literatur:

Foto: © Diözesanarchiv Wien
Weinzierl, Erika: Franz König, in: Die Bischöfe der deutschsprachigen Länder 1945-2001. Ein biographisches Lexikon. Hg. von Erwin Gatz. Berlin 2002, SS. 570–576.
Feichtlbauer, Hubert (Kb): Franz König. Der Jahrhundert-Kardinal. Wien 2003.
Liebmann, Maximilian (Cl): Pontifex Austriacus, in: Unterwegs mit den Menschen. Vom Wissen zum Glauben. Hg. von Annemarie Fenzl und Reginald Földy. Kevelaer 2004, S. 311–319.