Wartungsfunktionen

Gym.-Dir. MinR Dr. Hans Kriegl

Gym.-Dir. MinR Dr. Hans Kriegl

Urverbindung: Nibelungia (18.11.1935)

Geboren: 07.06.1915, Franzensdorf (nunmehr Groß-Enzersdorf, Bezirk Gänserndorf, Niederösterreich)
Gestorben: 19.02.1971, Wien
Ministerialrat (Unterrichtsministerium), Präsident der Katholischen Aktion Österreichs, Präsident des Katholikentages 1962

Lebenslauf:

Kriegl wurde als Sohn eines Land­wirts ge­bo­ren und ab­sol­vier­te 1935 das Re­al­gym­na­si­um der Schul­brü­der in Wien-Stre­bers­dorf und be­gann da­nach für das gym­na­sia­le Lehr­amt das Stu­di­um der Klas­si­schen Phi­lo­lo­gie an der Phi­lo­so­phi­schen Fa­kul­tät der Uni­ver­si­tät Wien (Dr. phil.), wo er der Ni­be­lun­gia bei­trat (Cou­leur­na­me Rü­di­ger). Sein Leib­bursch war Anton Burg­hardt (NbW). Im Win­ter­se­mes­ter 1937/38 war er Se­ni­or und in die­ser Zeit auch im Wie­ner Ka­tho­lisch-Deut­schen Hoch­schul­aus­schuß (KDHA) aktiv, wo er u. a. ge­mein­sam mit sei­nem Leib­bursch wegen einer Ein­glie­de­rung des KDHA in die da­ma­li­ge Ka­tho­li­sche Ak­ti­on (KA) ver­han­del­te. Im März 1938 ver­steck­te er die Fahne sowie sons­ti­ges Gut der Ni­be­lun­gia auf dem el­ter­li­chen Hof, die aber im April 1945 von der So­wjet­ar­mee zer­stört wur­den.

Nach dem Krieg war Kriegl ab 1946 Gym­na­si­al­pro­fes­sor am Bun­des­gym­na­si­um in Wien-Ma­ria­hilf (Amer­ling­gas­se). 1959 wurde er zum Di­rek­tor des Bun­des­gym­na­si­ums in Wien-Hiet­zing (Ficht­ner­gas­se) er­nannt, des­sen Um- und Aus­bau er lei­tet, wofür er den Be­rufs­ti­tel Hof­rat er­hielt. 1969 wurde er als Mi­nis­te­ri­al­rat ins Un­ter­richts­mi­nis­te­ri­um be­ru­fen, übte aber diese Funk­ti­on wegen sei­nes frü­hen Todes nicht lange aus.

Kriegl en­ga­gier­te sich nach dem Krieg in der Ka­tho­li­schen Ak­ti­on (KA) und wurde am 18. No­vem­ber 1958 zum Prä­si­den­ten der KA Ös­ter­reichs ge­wählt, wel­che Funk­ti­on er bis zum 1. Ok­to­ber 1964 be­klei­de­te. In die­ser sei­ner Amts­zeit fie­len die Vor­be­rei­tun­gen für das II. Va­ti­ka­ni­sche Kon­zil sowie des­sen Er­öff­nung im Herbst 1962, das zu einer Auf­bruch­stim­mung in der ka­tho­li­schen Kir­che führ­te.

Der Hö­he­punkt sei­ner KA-Prä­si­dent­schaft war wohl der Ös­ter­rei­chi­sche Ka­tho­li­ken­tag vom 1. bis 3. Juni 1962 in Salz­burg, der unter dem Motto „Löscht den Geist nicht aus!“ stand und von dem be­kann­ten Kon­zils­theo­lo­gen Karl Rah­ner ge­prägt wurde. Kriegl wurde Prä­si­dent des Ka­tho­li­ken­ta­ges, der keine Mas­sen­ver­an­stal­tung war wie jene davor und da­nach, son­dern eine De­le­gier­ten­ver­samm­lung. Die Fest­re­de bei der Schlu­ß­ver­an­stal­tung hielt Kriegl. Zur Vor­be­rei­tung des Ka­tho­li­ken­tags wur­den Ar­beits­krei­se er­rich­tet, bei denen zahl­rei­che CV mit­ar­bei­te­ten, so u. a. Anton Burg­hardt (NbW), Hugo Hantsch (Fd), Felix Hur­des (NbW EM), Au­gust Maria Knoll (NbW), Karl Kum­mer (Aa), René Mar­cic (R-J), Hans Schmitz (Nc), Wolf­gang Schmitz (Nc) und Al­fred Klose (Nc).

In Kriegls Amts­zeit als KA-Prä­si­dent fie­len auch die Aus­ein­an­der­set­zun­gen um die Ar­beits­ge­mein­schaft Ka­tho­li­scher Ver­bän­de (AKV), deren Mit­glied der ÖCV war. Sei­tens der KA nahm man zur AKV eine ab­leh­nen­de Hal­tung ein. Auf In­itia­ti­ve des Vor­sit­zen­den der Ver­bands­füh­rung bzw. des ÖCV-Bei­ra­tes, Edu­ard Cha­loup­ka (Baj), kam es am 19. Ok­to­ber 1960 zu einem Tref­fen, zu der die ma­ß­geb­li­chen Funk­tio­nä­re der KA und der AKV, die CVer waren, ge­la­den wur­den. Daran nah­men neben den ÖCV-Funk­tio­nä­ren noch teil: Kriegl als Prä­si­dent der KA Ös­ter­reichs, Franz Baum­gart­ner (Nc), Prä­si­dent der KA Wien, Ro­bert Mo­ra­wek (NdW), Mit­glied des KA-Prä­si­di­um Wien, Wil­li­bald Plöchl (Nc EM), Prä­si­dent der AKV, und Al­fred Kos­tel­ecky (Rd), Se­kre­tär der Bi­schofs­kon­fe­renz. Das war zwei­fels­oh­ne eine be­mer­kens­wer­te Ver­samm­lung: Auf dem Boden des ÖCV tra­fen sich die Ex­po­nen­ten der KA, der AKV und der Bi­schofs­kon­fe­renz, die alle CVer waren.

Da die­ses Tref­fen keine nen­nens­wer­ten Er­geb­nis­se brach­te, fand am 13. März 1961 neu­er­lich eine sol­che Aus­spra­che statt. Sei­tens der KA nah­men Kriegl sowie Mo­ra­wek, der Nach­fol­ger Baum­gart­ners als Prä­si­dent der Wie­ner KA, und sei­tens der AKV Plöchl und deren Ge­ne­ral­se­kre­tär und spä­te­re ÖVP-Po­li­ti­ker Gün­ther Wie­sin­ger (NdW), teil. Auch diese Sit­zung brach­te keine Er­geb­nis­se, so daß Cha­loup­ka nichts an­de­res übrig blieb, als die Ver­tre­ter der KA und der AKV zu er­su­chen, in Hin­kunft jeg­li­che Rei­bungs­flä­chen zu ver­mei­den.

Nach sei­nem Aus­schei­den als KA-Prä­si­dent war Kriegl als Ver­tre­ter der Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten von 1966 bis zu sei­nem Tod Mit­glied des Auf­sichts­ra­tes des re­for­mier­ten ORF. 1969 wurde er auch zum Mit­glied der Wie­ner Diö­ze­san­syn­ode be­ru­fen.

Kreigl starb in re­la­tiv jun­gen Jah­ren an einem kur­zen und heim­tü­cki­schen Lei­den und wurde in sei­nem Ge­burts­ort Fran­zens­dorf be­gra­ben. Am 1. März 1971 ze­le­brier­te für ihn Franz Kar­di­nal König (Rd EM) im Wie­ner Ste­phans­dom ein Re­qui­em.

Werke:

(Mitherausgeber) Kirche in Österreich 1918–1965. Zwei Bände (1966/1967)

Quellen und Literatur:

Verbindungsarchiv Nibelungia (Mitteilung Gottfried Mazal, 3. 4. 2016; Trauerrede für Hans Kriegl von Anton Burghardt, 1971).
kathpress Nr. 43, 22. 2. 1971, S. 1.
Hartmann, Gerhard (Baj): Für Gott und Vaterland. Geschichte und Wirken des CV in Österreich. Kevelaer 2006, S. 248, 545, 555–557, 651 und 660.
Festschrift 75 Jahre Ninelungia 1908 – 1913. Hg. von Wolfgang Mazal (= Nibelungen-Kurier, Sonderheft). Wien 1983, S. 32.