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Min. Sen. Univ.-Prof. Dr. Robert Mayr-Harting

Min. Sen. Univ.-Prof. Dr. Robert Mayr-Harting

Ehrenmitgliedschaften:

Geboren: 13.09.1874, Aspern (nunmehr Wien)
Gestorben: 12.03.1948, Prag
Minister (Tschechoslowakei), Senator und Abgeordneter der Nationalversammlung (Tschechoslowakei), Universitätsprofessor (Bürgerliches und Römisches Recht)

Lebenslauf:

Robert Ritter von Mayr-Harting wurde als Sohn eines Schauspielers (Künstlername Robert von Lenor) geboren, der aus einer Tiroler Beamten- und Offiziersfamilie entstammte, und absolvierte 1892 in Wien das Schottenymnasium. Anschließend studierte er an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien (Dr. iur. 1896). Nach der Gerichtspraxis und einem Studienaufenthalt in Leipzig trat er 1899 in den Dienst der Zivilrechts-Sektion des k. k. Justizministeriums ein.

1901 habilitierte sich Mayr-Harting für Römisches Recht an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien und wurde in der Folge 1905 zum außerordentlichen und 1908 zum ordentlichen Universitätsprofessor für Bürgerliches und Römisches Recht an der Kaiser-Franz-Josephs-Universität Czernowitz ernannt. Bereits 1909 erhielt er einen Ruf an die deutsche Karl-Ferdinands-Universität Prag, wo er bis 1939 wirkte. Dort war er 1912/13 und 1930/31 Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät und 1921/22 Rektor.

Mayr-Harting engagierte sich nach dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie und der Gründung der Tschechoslowakei in der Politik und trat bereits im Dezember 1918 für die aktive Mitarbeit der Deutschen in dem neuen Staat ein. Er war zusammen mit Karl Hilgenreiner (Fd EM) einer der Gründer der Deutschen Christlichsozialen Volkspartei und gehörte zu deren engeren Führungskreis. Im Sommer 1919 entwarf er zusammen mit Hilgenreiner und dem Prager Weihbischof Wenzel Anton Frind (Fd EM) das Parteiprogramm. Zeitweise war er zweiter stellvertretender Parteivorsitzender. In diesem Zusammenhang steht wohl auch die Ehrenmitgliedschaftsverleihung der Saxo-Bavaria.

Mayr-Harting gehörte von 1920 bis 1925 dem tschechoslowakischen Senat an, danach war er bis 1938 Abgeordneter der Nationalversammlung. Er setzte sich für eine staatsloyale Haltung ein, war für eine Zusammenarbeit mit den katholischen Parteien der Tschechen und Slowaken und gehörte zu den Hauptstützen des sog. „aktivistischen“ Flügel der Partei (gemeint aktive Mitarbeit im Staat), der ab 1922 bei den Christlichsozialen dominierte. Er stand in Kontakt mit dem Staatspräsidenten Thomas G. Masaryk, zu dessen politisch einflußreichen Burg-Kreis er zugerechnet wurde.

Da die Christlichsozialen die Regierung unterstützten, war Mayr-Harting vom 12. Oktober 1926 bis zum 1. Februar 1929 Justizminister in der Regierung des Ministerpräsidenten Antonin Švehla, dem Vorsitzenden der Tschechischen Agrarier. Mayr-Harting, obwohl er nicht gut Tschechisch sprach, und der ebenfalls in diese Regierung eingetretene Franz Spina vom Bund der Landwirte (ehemals Deutsche Agrarier) waren nach 1918 die ersten Deutschen, die in der Tschechoslowakei Minister wurden.

Mayr-Harting – nach Ferdinand Marek, dem österreichischen Gesandten in Prag, „im Grunde seines Herzens noch immer ein guter Österreicher“ – nahm großen Anteil am Abwehrkampf der Regierungen von Engelbert Dollfuß (F-B) und Kurt von Schuschnigg (AIn) gegen den Nationalsozialismus. Er unterhielt freundschaftliche Kontakte zu Richard Schmitz (Nc), aber auch zu anderen Exponenten der Christlichsozialen Partei in Österreich.

Mayr-Harting erwarb sich um die Versöhnung der beiden Nationalitäten große Verdienste. Deswegen wurde er auch in der eigenen Partei nicht selten kritisiert. 1938 lehnte er ein Zusammengehen mit der kryptonationalsozialistischen Sudetendeutschen Partei Konrad Henleins wegen ihrer antidemokratischen Einstellung ab.

Mayr-Harting hinterließ ein umfangreiches wissenschaftliches Werk. Er war Vorsitzender der ständigen Vertretung des deutschen Juristentages in Prag. Nach der Annexion der Rest-Tschechei im März 1939 lebte er zurückgezogen in Prag. Auf Fürsprache des Staatspräsidenten Eduard Benesch (Edvard Beneš) konnte er nach 1945 in Prag als tschechoslowakischer Staatsbürger und Pensionist bleiben, wo er auch starb.

Mayr-Hartings Engagement in der Politik bzw. bei den Christlichsozialen der Tschechoslowakei führte zu einem Kontakt mit dem CV und in der Folge bereits 1921 zur Ehrenbandverleihung der Saxo-Bavaria. Im CV muß er offenbar rasch verankert gewesen sein, denn in den Gesamtverzeichnissen der Jahre 1924 bis 1929 wird er – für ein Ehrenmitglied eher ungewöhnlich – als Vorsitzender des CV-Philisterzirkels Prag angegeben.

Mayr-Harting wurde in Prag auf dem Smichover Friedhof (Smichovsky hrbitov, Malvazinka, Praha 5) begraben. 1967 wurden er und seine Enkelin Eleonore exhumiert, nach Wien überführt und am 3. April 1967 im Grab seiner Schwiegereltern am Zentralfriedhof bestattet. Sein Sohn Anton Mayr-Harting (1904–1995) war bis 1942 Beamter der tschechischen Protektoratsregierung und nach 1945 in Österreich im diplomatischen Dienst tätig (ao. Gesandter und bev. Minister).

Mayr-Harting gehörte neben Emil Bobek (Fd EM), Josef Böhr (Fd EM), Wenzel Feierfeil (Va EM), Karl Hilgenreiner (Fd EM), Johann Krumpe (Va), Eugen Graf Ledebur-Wicheln (S-B EM), Hans Lokscha (Nc), Felix Luschka (Va EM), Friedrich Öhlinger (AIn), Robert Johann Schälzky (NdP) u. a. zur nicht unbedeutenden Riege der CVer, die politische Mandate (Minister, Abgeordnete, Senatoren, Parteivorsitzende) in der ersten tschechoslowakischen Republik bekleideten.

Werke:

(Auswahl)
Die Condictio im Römischen Privatrecht (1900).
Der Bereicherungsanspruch des deutschen bürgerlichen Rechts (1903).
Die Auslobung (1905).
Das Bürgerliche Recht. Studienausgabe österreichischer Gesetze. Bd. 2 und Bd. 8 (1905/07).
Römische Rechtsgeschichte. 7 Bände (1912/13).
Lehrbuch des Bürgerlichen Rechts. 2 Bände (1921/23).

Quellen und Literatur:

Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950, Band 6, Wien 1975, S. 4.
Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 570f.
Šebek, Jaroslav: Sudetendeutscher Katholizismus auf dem Kreuzweg. Politische Aktivitäten der sudetendeutschen Katholiken in der Ersten Tschechoslowakischen Republik in den 30er Jahren (= Kirche und Gesellschaft im Karpaten-Donauraum Bd. 2). Münster 2010, bes. S. 22, 57, 70 und 142f.
Hinweis zur Grabstelle von Georg Schmitz (Nc).