Lebenslauf:
Grubmayr stammte aus dem Mostviertel und maturierte 1947 am Realgymnasium in St. Pölten, wo er auch Russisch lernte. Anschließend begann er das Studium an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien (Dr. iur. 1952), wo er der Austria beitrat (Couleurname Grupus). Daneben betrieb er auch Sprachstudien (Englisch, Spanisch, Französisch.). 1950/51 absolvierte er einen Studienaufenthalt an der Washington University in St. Louis, Missouri, USA. Dort lebte auch Kurt Schuschnigg (AIn), die beiden haben sich regelmäßig getroffen.
Anfang August 1952 trat Grubmayr in den Dienst des Bundeskanzleramtes/Auswärtige Angelegenheiten. Außenminister war damals Karl Gruber (AW). Dort war er in der Rechts- und dann in der Personalabteilung tätig. Im März 1955 wurde er der österreichischen Botschaft in Moskau zugeteilt. Hier war er gleich im April 1955 an den Verhandlungen für einen österreichischen Staatsvertrag beteiligt, zu welchem Zweck eine österreichische Regierungsdelegation nach Moskau reiste, an der Spitze Bundeskanzler Julius Raab (Nc) und Außenminister Leopold Figl (Nc).
1958 holte Julius Raab Grubmayr als seinen Sekretär in das Bundeskanzleramt zurück. In dieser Zeit besuchte der damalige sowjetische Regierungs- und Parteichef Nikita S. Chruschtschow Österreich (30. Juni bis 8. Juli 1960), der mit Julius Raab mit einem Bus durch Österreich fuhr. Der sowjetischen Regierungsdelegation gehörten auch die Frau und die Tochter Chruschtschows sowie die Kulturministerin Jekaterina A. Furzewa an. Für die drei Damen mußte Grubmayr Dolmetscherinnen organisieren. Die für Furzewa wurde später seine Ehefrau.
Im April 1961 wurde Grubmayr der österreichischen Botschaft in Mexico City zugeteilt, die auch für Kuba zuständig war. Hier erlebte er 1962 die Kuba-Krise, die beinahe einen Weltkrieg ausgelöst hätte. Im November 1966 kehrte er wieder in das Außenministerium zurück. Dort war er bis Ende 1967 stellvertretender Leiter der Protokollabteilung und dann ab Januar 1968 Leiter der Abteilung Presse und Information. Im Mai 1970 wurde er zum österreichischen Botschafter in Bogotá, Kolumbien, bestellt. Anfang 1976 wechselte er als solcher nach Bagdad in den Irak. Hier erlebte er 1979 die Machtübernahme Saddam Husseins.
Anfang Oktober 1980 kehrte Grubmayr wieder in das Außenministerium nach Wien zurück und war dort zuletzt in der Politischen Sektion Leiter der Abteilung West. Im April 1983 wurde er österreichischer Botschafter in Damaskus, Syrien, um von dort im November 1985 als solcher nach Moskau, Sowjetunion, zu wechseln, wo er 30 Jahre zuvor seine diplomatische Karriere begonnen hatte. Hier erlebte er unter Michael Gorbatschow die Endphase der Sowjetunion bzw. deren Vorherrschaft in Ostmitteleuropa.
Im Oktober 1990 trat Grubmayr als Botschafter seinen letzten diplomatischen Posten in Bonn, Bundesrepublik Deutschland, an. Dort wurde er gerade noch Zeuge der deutschen Wiedervereinigung. Im Juni 1991 beschloß der Deutsche Bundestag, daß wiederum Berlin die deutsche Hauptstadt werden sollte. Österreich besaß aus der Zeit vor 1938 bereits ein Grundstück im Berliner Tiergartenviertel zwecks Errichtung eines Botschaftsgebäudes.
Anfang 1993 kehrte Grubmayr nach Wien zurück und wurde Stellvertretender Generalsekretär des Außenministeriums sowie Leiter der Sektion Rechts- und Konsularwesen. Außenminister war damals Alois Mock (Nc). Ende 1994 ging er in den Ruhestand. In diesem war er noch weiterhin verschiedentlich tätig. So war er Sonderbeauftragter für die Gespräche mit der nunmehrigen russischen Regierung hinsichtlich des Staatsvertrags und der Neutralität. Dann war er Leiter der Mission der OSZE in Estland sowie Albanien und gehörte der Beobachtermission der EU in Sarajevo an. Außerdem war er Mitglied des Vorstands des Österreichischen Versöhnungsfonds und des Österreichischen Zukunftsfonds.
Grubmayr zählte zu den österreichischen Spitzendiplomaten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, zu denen u. a. auch Franz Ceska (M-D), Rudolf Ender (AIn), Heinrich A. Gleißner (AW), Erich Hochleitner (NdW), Thomas Klestil (Baj), Peter Niesner (Cl), Manfred Scheich (F-B), Walter Siegl (AW), Ludwig Steiner (AIn), Kurt Waldheim (Wl EM) und Richard Wotava (Merc) gehörten.
Grubmayr war zuletzt der letzte lebende Zeuge der österreichischen Staatsvertragsverhandlungen des Jahres 1955 und wurde als solcher oftmals interviewt. Er starb friedlich im 98. Lebensjahr am Fest Maria Himmelfahrt und wurde auf dem Friedhof Wien-Döbling begraben.
Quellen und Literatur:
Verbindungsarchiv Austria Wien. Personalstandesblatt.Aktenbestand der Ehrenzeichenkanzlei der Österreichischen Präsidentschaftskanzlei (Kabinettsdirektor i. R. Heinz Hafner Am, Mitteilung 31. 8. 2026).
Die Presse, 16. 2. 2014 („Herbert Grubmayr: Ein Leben mit den Mächtigsten“), und 25. 8. 2026 („Mit Leib und Seele Diplomat“: Legendärer Botschafter Herbert Grubmayr verstorben).
Gregor Gatscher-Riedl (NbW): Moskauer Nächte, in: Österreichische Academia, Mai 2005, 25–27.