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Gen.-Dir. i.R. Komm.R Dr. Mag. Theodor Detter

Gen.-Dir. i.R. Komm.R Dr. Mag. Theodor Detter

Urverbindung: Austria-Wien (04.03.1952)

Bandverbindungen: A-S

Geboren: 18.07.1932, Wien
Gestorben: 06.02.2016, Gmunden (Oberösterreich)
Vorstandsvorsitzender (Generaldirektor), Vorsitzender der Altherrenschaft des ÖCV, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände, Träger des ÖCV-Ehrenringes

Lebenslauf:

HERKUNFT, AUSBILDUNG UND BERUFLICHER WERDEGANG

Detter wurde als Sohn des Malers Theodor Detter geboren, der ein Schüler des bekannten Münchner Malers Franz von Stuck war. Er lehnte den Eid auf Hitler ab, so daß er ins Exil in die Schweiz bzw. nach Liechtenstein gehen mußte. Daher zog die Familie aus Wien weg, zuerst nach Feldkirch, um den in der Schweiz im Exil lebenden Vater nahe sein zu können, und dann nach Gmunden. Dort absolvierte Detter das Gymnasium und begann danach das Studium an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien (Dr. iur.), wo er der Austria beitrat (Couleurname Klexl).

Bereits während seines Studiums war Detter ab 1953 in der Krankenkasse der Kaufmannschaft bzw. der Selbständigenkrankenkasse des Handels in Wien tätig und wurde nach Studienende dort endgültig berufstätig. Bald wurde er Direktorstellvertreter und dann am 5. Oktober 1960 Direktor. Am 1. April 1974 wechselte er in den Vorstand der Collegialität-Versicherung auf Gegenseitigkeit und wurde mit 1. Januar 1975 Vorsitzender des Vorstands. Am 14. April 1983 erhielt er den Titel Generaldirektor.

Anfang der neunziger Jahre betrieb Detter die enge Kooperation mit der Austria Lebensversicherung AG, der dann später eine solche mit der UNIQA-Versicherung folgte. Damit waren auch verschiedene weitere Funktionen in Vorständen und Aufsichtsräten verbunden. Darüber hinaus war er zeitweise Vorsitzender der Sektion Krankenversicherung des Verbandes der Versicherungsunternehmen Österreichs. Mit 30. April 2006 beendete er seine Funktion als Vorsitzender des Vorstands der Collegialität und war dann noch bis Ende 2010 Vorsitzender des Vorstandes der Collegialität Privatstiftung. 1989 erhielt er den Titel Kommerzialrat.

DETTER ALS PHILISTERSENIOR DER AUSTRIA WIEN

Ausgehend von den hochschulpolitischen Aktivitäten um 1960 entstand Mitte der sechziger Jahre in der Austria ein spezifisches Reformklima, das zum einen den gesellschaftlichen Entwicklungen dieser Zeit entsprach, zum anderen aber innerhalb der Verbindung sowie des ÖCV zu Spannungen führen sollte. Dies geschah auch im Zusammenwirken mit der Verbandszeitschrift „Academia“, in deren Redaktion Mitglieder der Austria stark vertreten waren. Legendär war in diesem Zusammenhang das von der Austria veranstaltete Happening im „Grünen Tor“ (ÖCV-Haus) im April 1967.

„Die Neue Linke hatte auch Austria endgültig erfaßt“, konstatiert deren Chronist Johannes Schönner (AW). Dieser Trend spitzte sich Anfang der siebziger Jahre weiter zu. Er kulminierte vor allem in zwei Ereignissen: Zum einen wurden schon vor 1971 in der Austria Protestanten aufgenommen, zum anderen engagierte man sich bei den Demonstrationen gegen die USA bezüglich des damals eskalierenden Vietnam-Krieges, wobei man mit kommunistischen bzw. extrem-linken Gruppen gemeinsame Sache machte.

1971 wurde als Nachfolger von Hans Friedrich (AW), dem langjährigen ÖCV-Seelsorger, der bisherige Philisterconsenior Robert Poch (AW) zum Philistersenior gewählt, der die tolerante Haltung von Friedrich weiterführen wollte, was jedoch von einem Teil der Altherrenschaft als Schwäche ausgelegt wurde. Daher versuchte eine maßgebliche Gruppe von Alten Herren, das aus ihrer Sicht gefährliche Abdriften der aktiven Verbindung in den Griff zu kriegen. Nachdem Poch resignierte und für eine weitere Amtszeit nicht mehr zur Verfügung stand, wurde Ende 1973 Detter gebeten, für das Amt des Philisterseniors zu kandidieren.

Detter zögerte zuerst, weil er in den letzten Jahren wenig Kontakt zur Verbindung hatte und als Aktiver keine Hochcharge bekleidete, stimmte aber dann doch zu und wurde am 24. Januar 1974 zum Philistersenior gewählt. Als erstes versuchte er, die Protestantenfrage zu lösen. Als im Januar 1975 ein von den Aktiven initiierter außerordentlicher Cumulativconvent der Austria, der praktisch in Abwesenheit der Alten Herrn stattfand, eine außerordentliche Mitgliedschaft der Protestanten beschloß, traten daraufhin die Altherrenchargen, an der Spitze Detter, zurück und ließen sich neu wählen.

Ein Lösung der Protestantenfrage innerhalb der Austria gelang aber in der Folge nicht, weil zum einen die CVV 1975 in Linz keine Änderungen in den Prinzipen zuließ und zum anderen die Aktivitas der Austria die Protestanten behalten wollte. Daraufhin griff der Altherrenconvent zu einem letzten, jedoch nicht unumstrittenen Mittel. Auf dem Burschenconvent (BC) am 25. November 1975 erschien eine Überzahl von Alten Herren, insgesamt wurden 206 Teilnehmer registriert, und einige von diesen ließen sich nun reaktivieren. Das bestehende Chargenkabinett wurde größtenteils abgewählt und durch reaktivierte Alte Herren ersetzt.

In der damaligen wie auch späteren historischen Bewertung dieses Vorgangs herrscht(e) keine Einmütigkeit. Die einen, Befürworter dieser Maßnahme, sprachen von einem legitimen Notwehrrecht, das sich auf dem Boden der Geschäftsordnung bewegt hat, die anderen von einem „Putsch“. Auch wenn diese Maßnahme letztendlich zu einer Beruhigung der Situation innerhalb der Austria geführt hat, blieben trotzdem die „negativen Schlagzeilen“ in Erinnerung und ein „übler Beigeschmack“ übrig. Zwar hat jedes geburschte Mitglied einer Verbindung Sitz und Stimme am BC, jedoch setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg eine Entwicklung fort, die davor schon begonnen hatte, nämlich hin zu der Etablierung zweier paralleler bzw. in gewissen Dingen autonomer Verbandsteile, nämlich der Aktiven und der Alten Herren. Dieser Prozeß fand seinen Niederschlag auf der Ebene des ÖCV bei der Reform der Cartellordnung (CO) im Jahr 1959. Insofern stellte dieser „Putsch“ gewissermaßen eine Infragestellung dieser Entwicklung dar.

Bei der historischen Bewertung dieser Angelegenheit, bei der Detter natürlich einen maßgeblichen Anteil hatte, wird man aber dieser weder gerecht, wenn man sie als „Putsch“ bezeichnet, noch wenn man auf die formale geschäftsordnungsgemäße Korrektheit dieses Vorgangs beharrt. Schon damals, aber auch im Rückblick bleibt die Frage offen, ob man mit einer anderen, sich eher am Wahlspruch des CV orientierenden Vorgangsweise, bei der weniger Porzellan in der Verbindung, im ÖCV aber auch in einer kritischen Öffentlichkeit zerschlagen worden wäre, ebenso zu einem befriedigenden Ergebnis gekommen wäre.

Für die betroffenen evangelischen Christen in der Austria wurde Ende 1975 die gemischt-konfessionelle christliche Verbindung Austria-Sagitta gegründet, mit der dann der ÖCV ein Freundschaftsabkommen abgeschlossen hatte. Leicht hatte sie es in den folgenden Jahren aber nicht, denn die Evangelische Kirche in Österreich ist eine relativ kleine Minderheit. Detter war dann einer der ersten, der bei ihr Bandphilister h. c. wurde.

Auf der CVV 1976 kam es jedoch in dieser Sache zu einem „Nachhutgefecht“ zwischen Detter als Philistersenior der Austria Wien und Karl Kohlegger (AIn), dem langjährigen Rechtspfleger des ÖCV, woraufhin dieser resignierend zurücktrat: „Denn ich war nach einem 23jährigen Kampf gegen eine sich im Verband immer mehr verstärkende Intoleranz und Fortschrittsfeindlichkeit müde und ratlos geworden.“

DETTER ALS VORSITZENDER DER ALTHERRENSCHAFT DES ÖCV

Unter Detters Ägide feierte im Jahr 1976 die Austria, die sich damals sicher in keiner leichten Lage befand, ihr 100. Stiftungsfest, und im Sommersemester 1976 konnte wieder ein Aktiver zum Senior gewählt werden. Am 12. März 1977 endete Detters Amtsperiode als Philistersenior, und er kandidierte nicht nochmals.

Inzwischen stand die Wahl eines neuen Vorsitzenden der Altherrenschaft des ÖCV an. Der bisherige, Hans Egon Gros (Nc), bekleidete seit fast zehn Jahren diese Amt und war 73 Jahre alt, wobei er äußerlich älter und verbrauchter wirkte. Eine Neuorientierung in dieser Funktion war daher überfällig. Von Kreise der Wiener Altherrenschaft wurde nun Detter ins Spiel gebracht. Man glaubte, in ihm – nunmehr 45 Jahre alt – eine geeignete Persönlichkeit gefunden zu haben, der den ÖCV nach allen den Irrungen und Wirrungen des letzten Jahrzehnts, wobei hier insbesondere auch die seit 1970 amtierende SPÖ-Alleinregierung unter Bruno Kreisky gemeint war, neu positionieren könne. Die Art und Weise, wie er die Krise in seiner Verbindung Austria gemeistert hat, imponierte vielen Alten Herren. Und als ein in der Versicherungswirtschaft erfolgreicher Manager bot er die Gewähr einer Unabhängigkeit, die ein weisungsgebundener Beamter so nicht garantieren konnte.

Auf dem Altherrentag im Rahmen der Cartellversammlung (CVV) 1977 in Mariazell wurde Detter als Nachfolger von Hans-Egon Gros vorgeschlagen. Seitens des Altherrenlandesbundes Steiermark wurde hingegen der frühere Leiter des Amtes für Bildungswesens und Gründer der Bildungsakademie, Maximilian Liebmann (Cl), nominiert. Und fie Amelungia schlug als weiteren Kandidaten ihren Alt-VOP Hermann Spitaler (Am) vor. Im ersten Wahlgang erhielten Liebmann 19, Detter 17 und Spitaler drei Stimmen. Im notwendigen zweiten Wahlgang erhielten dann Detter 21 und Liebmann 18 Stimmen. In beiden Wahlgängen waren jeweils zwei Stimmen ungültig.

Bei den vor allem im ersten Wahlergebnis abgegebenen Stimmen spiegelte sich auch die für den ÖCV damals typische Aufteilung in Wien und in die Länder wider. Hier die zwei Wiener Kandidaten, die zusammen 20 Stimmen erhielten (in Wien gab bzw. gibt es immer noch 22 Verbindungen), dort der Bundesländerkandidat, der 19 Stimmen auf sich vereinigen konnte. Auch wenn die Stimmabgabe geheim war, so kann man doch deutlich diese „Spaltung“ erkennen.

Ob alle Wiener Verbindungen die beiden Wiener Kandidaten und die Länder-Verbindungen Liebmann geschlossen gewählt hatten, ist natürlich nicht bekannt, jedoch eher unwahrscheinlich. Denn Detter und Liebmann standen auch für unterschiedliche Haltungen. Daß sich schlußendlich Detter im zweiten Wahlgang knapp durchsetzen konnte, lag wahrscheinlich in der Verunsicherung weiter Teile des ÖCV durch die aus ihrer Sicht gesellschaftspolitischen und innenpolitischen Verwerfungen der letzten zehn Jahre.

Mit der selben Konsequenz, mit der Detter in seiner Verbindung agierte, versuchte er nun, seine Vorstellungen im ÖCV durchzusetzen. Seine konservative Grundhaltung, die er bislang in politischen wie kirchlichen Fragen konsequent und offensiv vertreten hatte, führten in den Gremien des ÖCV immer wieder zu Konflikten. Diese zeichneten sich bald nach seinen Amtsantritt ab, wie man den Worten des Ende Juni 1977 scheidenden VOP Michael Metzler (Nc) entnehmen konnte. Detter beklagte sich zwar in seinem Bericht an den Altherrentag während der CVV 1980 über eine gewisse sprachliche „Verrohung“ in der Verbandsführung, war aber durch sein zuspitzendes Verhalten daran nicht unschuldig.

Detters erstes Thema war die Unvereinbarkeit zwischen SPÖ und ÖCV. Natürlich hat es nach 1945 immer wieder Fälle gegeben, wo CVer der SPÖ oder dem BSA beigetreten sind. Dies mag sich nach 1970 verstärkt haben – ohne je eine marginale Größe überschritten zu haben – , als die ÖVP als Oppositionspartei auf Bundesebene und in der verstaatlichten bzw. halbverstaatlichten Industrie dadurch immer weniger die Möglichkeit für Ämterpatronage besaß. Völlig vereinzelt sind jene Fälle, wo CVer aus Überzeugung einen linken oder marxistischen Weg eingeschlagen haben. Es bestand aber für den ÖCV damals keine irgendwie geartete Gefahr, daß scharenweise SPÖ- oder FPÖ-Anhänger um Rezeption bitten oder Alte Herren massenweise der Faszination anderer Parteien als der der ÖVP erliegen. Denn nach wie vor bezeichnete bei Umfragen im ÖCV in den Jahren 1970 und 1988 die überwältigende Mehrheit der CVer in Österreich die ÖVP als ihre politische Heimat.

Trotz alledem forderte Detter am 5. März 1977, kurz vor Ende seiner Amtszeit als Philistersenior der Austria Wien, auf einer Philisterseniorenkonferenz eine Klarstellung seitens des ÖCV in dieser Frage. Die Verbandsführung ging auf diese Forderung jedoch nicht ein und betonte am 23. März, daß die bisherigen Beschlüsse über die Haltung des ÖCV zu politischen Parteien, insbesondere der aus 1946, ausreichend seien. Das hinderte aber Detter nicht, nach seiner Wahl zum Vorsitzenden der Altherrenschaft diese Frage weiter zu betreiben, obwohl – wie betont – kein Anlaß bestand.

Für die Cartellversammlung 1978 in Melk reichte nun der Altherrenverband der Austria Wien einen Antrag ein, der eine scharfe Abgrenzung des ÖCV zur SPÖ formulierte, die zwar dort expressis verbis zwar nicht genannt wurde, jedoch durch verschiedene eindeutige Formulierungen gemeint war. Pikanterweise wäre nach dem Textzusammenhang die Zusammenarbeit von CVern, die z. B. im Rahmen der ÖVP ein politisches Amt ausüben, mit SPÖ-Mandataren in einer Regierungskoalition nicht möglich gewesen.

Nach Bekanntwerden dieses Antrags formierte sich ein heftiger Widerstand gegen diesen. Zum einen vom Kreis der ehemaligen Mitarbeiter der „Academia“ vor 1973, der vom späteren ÖVP-Generalsekretär Michael Graff (AW) repräsentiert wurde und dem pikanterweise auch Angehörige der Austria Wien angehörten, zum anderen von einer Initiative, die stärker in der Breite des ÖCV verankert war, die vom damaligen Leiter der ÖCV-Bildungsakademie Gerhard Hartmann (Baj) initiiert wurde. Damit einher ging auch eine öffentliche, meistens kritische Wahrnehmung dieser Diskussion in den Medien, die nicht immer von Vorteil für den ÖCV war.

Zusätzlich zum Antrag der Austria Wien gab es in dieser Sache noch weitere. Bereits im Vorfeld versuchte die Verbandsführung die Wogen insofern zu glätten, indem man als Kompromiß auf die Beschlüsse des Jahres 1946 verweisen wollte. Auf dem der CVV vorgeschaltenen Altherrentag wurden diese Anträge sowie der Kompromißvorschlag der Verbandsführung heftig diskutiert. Bei dieser Debatte waren auch die ÖVP-Politiker Andreas Khol (R-B), damals noch Direktor der Politischen Akademie, und der Nationalratsabgeordnete und damals Intimus von Alois Mock (Nc), Wendelin Ettmayer (ehemals Alp), anwesend.

Schlußendlich wurden alle Anträge zurückgezogen, lediglich der Kompromißantrag der Verbandsführung blieb übrig und wurde dann mit großer Mehrheit auf der CVV beschlossen. Damit war eine der unsinnigsten Debatten im ÖCV beendet..

Nachdem Detter mit seinem Vorhaben, das Verhältnis des ÖCV zur SPÖ zu klären, erfolglos blieb, begann er, die Neuorganisation des ÖCV-Generalsekretariats zu betreiben. Seit 1948 war Karl Lager (Nc) nebenberuflicher ÖCV-Sekretär. Im Hauptberuf war er zuerst Gymnasialprofessor für Geschichte und Geographie, dann Beamter im Bundesministerium für Landesverteidigung. Er erhielt als Beamter eine Teilfreistellung, wofür der ÖCV dem Bund die Kosten refundierte.

Detter schwebte ein schlagfertiges ÖCV-Generalsekretariat mit einem hauptamtlichen Generalsekretär vor, wie es andere, ähnlich strukturierte Organisationen ebenfalls praktizierten. Das war aber mit der bisherigen Konstruktion nicht zu machen. Schußendlich gelang es Detter, die Finanzierung dadurch zu sichern, indem die Positionen des Generalsekretärs des ÖCV mit dem der Bildungsakademie zusammengelegt wurden. Auf der CVV 1979 in Linz konnte nun diese Konstruktion beschlossen und in der Folge umgesetzt werden.

Das bedeutete nun für den über 30 Jahre amtierenden und zu einer Institution gewordenen bisherigen ÖCV-Sekretär Lager das Ende, was natürlich nicht ohne Verletzungen einherging. Unter dem Strich war diese Aktion für Detter ein Erfolg, weil sie eigentlich schon längst überfällig, jedoch aufgrund lang gewachsener Seilschaften im ÖCV bislang nicht durchsetzbar war.

Weniger von Erfolg gekrönt waren andere Vorstellungen Detters, die sinnvoll und wichtig gewesen wären, wie die Durchsetzung von Seminaren für die Altherrenschaft im Sinne einer Erwachsenbildung. Hier fehlte es nicht an Ideen oder am konsequenten Willen, sondern an der mangelnden Akzeptanz bei der Zielgruppe, nämlich den Alten Herren. Auch eine Politisierung des CV konnte in dem Maße, es sich Detter vorstellte, nicht erreicht werden.

In der Hochschulpolitik, die zu Beginn seiner Amtszeit von dem Auflösungsprozeß der Österreichischen Studentenunion (ÖSU) geprägt war, sympathisierte Detter offen für die stark konservativ ausgerichtete Junge Europäische Studenteninitiative (JES) und nicht für das von der Mehrheit der aktiven CVer getragene Studentenforum.

In der Endphase der Ära des Vorsitzenden der Verbandsführung Adolf Kolb (Baj) und dann während der Amtszeit von dessen Nachfolger Otto Hittmair (AIn), der als ein in der Verbandsarbeit völlig Unerfahrener war, dominierte Detter eindeutig die Verbandsführung. 1980 wurde er ohne Gegenkandidat für weitere drei Jahre als Vorsitzender der Verbandsführung wieder gewählt. Hittmair und Detter schieden dann 1983 gemeinsam aus ihren Ämtern. Damit war die Ära von starken Persönlichkeiten in diesen Funktionen vorerst zu Ende. Auf der selben CVV 1983, als sein Amt endete, wurde ihm der ÖCV-Ehrenring verliehen.

DETTER UND DER VERBANDSKATHOLIZISMUS

Detter hat in seiner Funktion als Vorsitzender der Altherrenschaft stark auf die Rolle des Verbandskatholizismus als Transformationsriemen zwischen Kirche und gesellschaftspolitischem Engagement gesetzt. In ihm sah er aber weniger ein Instrument eines eigenverantwortlichen und amtskirchlich unabhängigen Laienapostolats, sondern eher eine Möglichkeit, katholische Vorstellungen in die Politik einzubringen. Es war dies auch die Zeit der gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen mit der SPÖ, die bald nach ihrer Regierungsübernahme eine Strafrechtsreform mit der Fristenlösung durchzusetzen begann.

Nachdem Gerhard Hartmann (Baj), der vom ÖCV nominierte Vizepräsident der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände (AKV), 1979 aus beruflichen Gründen nicht mehr für eine weitere Amtszeit kandidierte, ließ sich Detter zu dessen Nachfolger wählen. Er war zuerst Vizepräsident und dann von 1987 bis 1992 Präsident der AKV. Aufgrund dieser Funktion war er auch Vorstandsmitglied des Österreichischen Laienrates und später dessen Vizepräsident bis 2002. In dieser Funktion vertrat er innerkirchlich einen stark konservativen Kurs, ließ deutliche Sympathien für die umstrittenen Bischofsernennungen von Hans-Hermann Groër und Kurt Krenn erkennen und war gegen Reformbestrebungen in der Kirche (z. B. mehr Mitspracherechte).

In seiner Amtszeit in der AKV war Detter gemeinsam mit der Diözese Eisenstadt an der Gründung der Bischof-Dr. Stephan-Lászlo-Gesellschaft beteiligt, die alle zwei Jahre an junge Akademiker Preise bzw. Stipendien vergibt. Über die AKV kam er auch 1990 in den Vorstand der Katholischen Medienakademie, wo er viele Jahre als stellvertretender Vorsitzender wirkte und einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung und Erhaltung dieser wichtigen Einrichtung der katholischen Kirche hatte.

Detter erhielt für sein Engagement für die Kirche das Großkreuz des päpstlichen Silvesterordens und die Opilio-Rossi-Medaille. Er war auch Ehrenphilister der MKV-Verbindungen Sonnberg Perchtoldsdorf und Gamundia Gmunden sowie der Katholisch-Österreichischen Landsmannschaft Leopoldina Wien. Sein Sohn ist Theodor Detter (Kb).

Detter war wohl auf seine Weise einer der engagiertesten Persönlichkeiten im ÖCV im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts. Er war ein glühender Verfechter der „katholischen Sache“, so wie er sie interpretierte und für die er in ehrlicher Überzeugung „mit offenem Visier“ kämpfte. Er war aber auch jemand, auf den eher Matthäus 12,30 („Wer nicht für mich ist, ist gegen mich“) zugetroffen hatte, als auf Markus 9,40 („Wer nicht gegen uns ist, ist für uns“). Und das machte die Zusammenarbeit mit ihm nicht immer leicht. Aber man wußte immer, woran man bei ihm war.

Der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände, Helmut Kukacka (A-D), hat in seiner Rede beim Begräbnis die in jeglicher Hinsicht faszinierende Persönlichkeit Detters treffend gewürdigt: „Überall, wo er tätig war, hat er kraftvoll gestaltet, aus der Position eines Wertkonservativen heraus, der sich nie nach der Fahne des Zeitgeistes richtet. Er war ein Mensch rascher und zielstrebiger Entschlußfreudigkeit. Er verstand sich immer als Motor des Zeitgeschehens, dem aktives gesellschaftliches Engagement innerer Antrieb und moralische Verpflichtung war. […] Er war ein Mann mit festem Fundament, mit klaren weltanschaulichen Überzeugungen, einer deutlichen Sprache, mit einer starken Überzeugungskraft und damit verbundenen natürlichen Autorität.“

Detter wurde auf dem Friedhof in Gmunden begraben,

Quellen und Literatur:

ÖCV-Archiv. Protokolle der Cartellversammlungen und Altherrentage der Jahre 1977 bis 1983; Trauerrede von Helmut Kukacka (A-D) vom 19. 2. 2016.
Österreichische Academia 40 (1989), Heft 1, S. 7f. (Interview mit Theodor Detter).
Schönner, Hannes (AW): Auf, mit Gott zur Mannestat! Die Geschichte der K. Ö. St. V. Austria-Wien. Festschrift anläßlich des 125. Stiftungsfestes. Sommersemester 2001. Kommentierte Darstellung im Spiegel historischer Quellen. Klosterneuburg 2001, S. 160, 163–165, .
Poch, Robert (AW): Erinnerungen eines Philisterseniors, in: Schönner Hannes: Auf, mit Gott zur Mannestat, S. 226f.
Detter, Theodor: Die Zeichen stehen auf Sturm–Austria in den siebziger Jahren, in: Schönner, Hannes: Auf, mit Gott zur Mannestat, S. 228–231.
Hartmann, Gerhard (Baj): Für Gott und Vaterland. Geschichte und Wirken des CV in Österreich. Kevelaer 2006, S. 523, 557, 605, 607, 616, 631, 634f., 646, 661 und 712.