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ao. Univ.-Prof. Dr. Hans Eibl

ao. Univ.-Prof. Dr. Hans Eibl

Ehrenmitgliedschaften: Nordgau Wien

Geboren: 10.10.1882, Bielitz (Österreichisch-Schlesien, nunmehr Bielsko-Biała, Polen)
Gestorben: 18.11.1958, Linz
Aus dem ÖCV ausgeschieden, Universitätsprofessor (Philosophie), Glasmaler, Architekt

Lebenslauf:

HERKUNFT, AUSBILDUNG UND BERUFLICHE LAUFBAHN

Eibl stammte aus Österreichisch-Schlesien. Nach Absolvierung des Gymnasiums begann er das Studium der Philosophie, Klassischen Philologie und Germanistik an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien (Dr. phil. 1906). Hier wurde er Mitglied des 1902 gegründeten Akademischen Rede- und Lesevereins christlich-deutscher Studenten, der nichtkorporierte katholische Studenten auffangen sollte. Der erste Obmann war der spätere, ebenfalls katholisch-nationale Karl-Gottfried Hugelmann (ehemals AW), der zweite 1903/04 Eibl.

Nach Ablegung der Lehramtsprüfung in diesen Fächern war Eibl Gymnasialprofessor am Akademischen Gymnasium in Wien. Er strebte jedoch die wissenschaftliche Laufbahn an und habilitierte sich 1914 an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien für Geschichte der Philosophie mit besonderer Berücksichtigung des Altertums und des Mittelalters. Im Ersten Weltkrieg diente er als Reserveoffizier in der k. u. k. Armee.

Im April 1923 wurde Eibl zum außerordentlichen Universitätsprofessor für Geschichte der Philosophie ernannt. 1924 scheiterten Bemühungen, ihn zum ordentlichen Universitätsprofessor zu ernennen, an einem Minoritätsvotum, das auch von dem bekannten und 1936 ermordeten Mentors des sog. „Wiener Kreises“, Moritz Schlick, unterzeichnet wurde. Man wollte damals im Rahmen der liberalen Vorherrschaft auf der Universität die Berufung eines dezidierten Katholiken verhindern.

EIBL ALS KATHOLISCH-NATIONALER

Eibl wurde zwar stark von Richard Kralik Ritter von Meyrswalden (AW EM) beeinflußt, schlug jedoch nach dem Ersten Weltkrieg eine betont nationale Richtung ein. Er trat im Rahmen der „demokratischen Anschlußbewegung“ nach 1918 für eine Angliederung Österreichs an die Weimarer Republik und die „Vereinigung aller deutschen Stämme“ ein. Nur die Vereinigung aller Deutschen in einem deutschen Nationalstaat entspreche der deutschen und österreichischen Geschichte. Dem romantischen Traum einer Widerherstellung der Monarchie oder der Schaffung einer Donauföderation erteilte er eine Absage.

Eibl, der auch glänzender Redner war, begrüßte in dieser Konsequenz auch die Machtübernahme der Nationalsozialisten Anfang 1933 und setzte sich für eine enge Verknüpfung Österreichs mit Nazi-Deutschland ein, auch wenn er diese an Bedingungen knüpfte. In der Folge trat er im Winter 1935 als „Illegaler“ der NSDAP bei.

Eibl war ein Vertreter einer mythisch verklärten „Reichsidee“. Diese programmatische Idee behandelte er in seinem Hauptwerk „Vom Sinn der Gegenwart“, das wohl einer der wichtigsten Dokumente der deutschen Reichsideologie der damaligen Jahre darstellte. Hierbei verstieg er sich sogar zu der Aussage, daß das „alte Deutsche Reich ein Teil des Gottesreiches auf Erden war“ und forderte auch die „Züchtung hochwertiger Rassen“. Eibl hat sich ideologisch bzw. ideengeschichtlich am stärksten mit der katholisch-nationalen Idee, d. h. der Symbiose von Deutschnationalismus und Katholizismus, befaßt – und ist ihr damit auch erlegen.

EIBL ALS „BRÜCKENBAUER“

Auf Grund dieser seiner Grundhaltung versuchte sich Eibl als „Brückenbauer“, d. h. als Vermittler und Versöhner zwischen Deutschnationalismus und Katholizismus. Als es im November 1932 in Graz zu den bislang schwersten Auseinandersetzungen zwischen dem CV und den von den Nationalsozialisten infiltrierten schlagenden Verbindungen kam sowie für den 3. Dezember in Wien der Kreistag der Deutschen Studentenschaft (DSt) angesetzt wurde, unternahm Eibl die Initiative, um die gespaltene Studentenschaft wieder zusammenzuführen.

Er war davon überzeugt, dies bewerkstelligen zu können, und besprach sich mit den drei Fraktionsführern der DSt (Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund, Völkisch-nationale Liste, Katholisch-Deutscher Hochschulausshuß). Man einigte sich darauf, daß Eibl anläßlich einer Kundgebung zur Kreistagung eine Rede mit dem Titel „Vom Sinn der Gegenwart“ halten sollte. Diese wurde für Freitag, den 2. Dezember abends, im Wiener Sophiensaal angesetzt.

Als vereinbarungsgemäß die Chargierten des CV zuerst den Saal betraten, blieben die Nationalsozialisten und Schlagenden demonstrativ sitzen; der CV revanchierte sich in gleicher Weise beim Einzug der danach kommenden Chargierten des Waffenringes. Bei der Begrüßung der Ehrengäste aus den Reihen des CV oder der ihnen nahestehenden Gruppen blieben Schlagende und Nationalsozialisten stumm, die aber ihrerseits in ein demonstratives Begrüßungsgeschrei einfielen, als aus ihren Reihen Ehrengäste angesagt wurden. Die Rede Eibls, die nach Meinung von Josef Klaus (Rd) viel zu lange dauerte, verfehlte den eigentlichen Zweck der Einigung. Zwischenrufe ließen nichts Gutes erahnen. Am Ende der Veranstaltung war vorgesehen, daß der Auszug der Chargierten in umgekehrter Reihenfolge vonstatten gehen solle: zuerst der Waffenring, dann der CV. Als der CV nachkam, wurde er von Schlagenden und Braunhemden daran gehindert. Es kam zu wüsten Schlägerszenen. Die Folge davon war, daß der Katholisch-Deutsche Hochschulausschuß die DSt verließ.

Weitere Beispiele dieses „Brückenbauens“ waren: Eibl soll bereits 1931 Gespräche mit dem „Landesinspektor“ der NSDAP Österreich, Theo Habicht, dem damaligen Gauleiter von Wien. Alfred Frauenfeld, und dem Erzbischof von Wien, Friedrich Gustav Kardinal Piffl (Wl EM) Gespräche „über eine Zusammenarbeit nationaler Katholiken und Nationalsozialisten […] zu dem Zwecke einer gemeinsamen Front gegen Bolschewismus und Marxismus“ geführt haben.

Auch hatte Eibl nach 1934 enge Kontakte zu dem deutschen Gesandten in Wien, Franz von Papen, und nach eigenen Angaben wesentlich am Zustandekommen des sog. „Juli-Abkommens“ 1936 zwischen dem Deutschen Reich und Österreich beigetragen.

Eine wichtige Rolle als „Brückenbauer“ spielte Eibl nach dem Anschluß im März 1938. In diesen Tagen bildete sich aus katholisch-nationalen Kreisen (Priester und Laien) eine „Aktion für den religiösen Frieden“, die am 8. April 1938 eine Denkschrift an den Erzbischof von Wien, Theodor Kardinal Innitzer (NdW), überreichte. Sie versuchte, ihn zu einem Arrangement mit den neuen Machthabern zu bewegen. Unterschrieben wurde diese Denkschrift von 18 Persönlichkeiten, teils Priester, teils Laien. Davon waren sieben CVer, untern ihnen Eibl.

EIBL NACH 1938

Nach der Ermordung des Wiener Philosophen Moritz Schlick am 22. Juni 1936, des Mentors des „Wiener Kreises“, stand Eibl auf der Berufungsliste der Philosophischen Fakultät an erster Stelle. Nachfolger wurde jedoch der unbestritten fachlich geeignetere katholische Philosoph Alois Dempf aus Bonn. (Dieser wurde dann 1938 zwangspensioniert und 1945 rehabilitiert, wechselte aber dann 1948 nach München.) Unterrichtsminister war zu dieser Zeit Hans Pernter (Nc).

Eibl erhoffte sich nach dem Anschluß, nun endlich zu ordentlichen Universitätsprofessor berufen zu werden. Dieser Wunsch erfüllte sich nicht, die Nazi-Behördern zogen ihm andere vor. Für sie war Eibl nach wie vor ein Vertreter des Politischen Katholizismus, was man ihm 1939 in einem Parteigerichtsverfahren vorgeworfen wurde. Dort wurde ihm auch vorgehalten, daß er die „Arisierung“ einer Wohnung in Wien als Unrecht bezeichnet hatte. Enttäuscht zog sich Eibl auf das Gut seiner Frau in Böhmen zurück. Nach der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei nach Ende des Zweiten Weltkriegs lebte er in München.

Ein Aspekt der Biographie Eibls bleibt in Darstellungen über ihn vielfach unberücksichtigt. Nach einem Aufenthalt 1920 in den Niederlanden beschäftigte er sich auch mit Entwürfen für farbige Glasfenster, wofür er Darstellungen mit metaphysischen Gedankengänge entwarf, und mit Architektur. Am bekanntesten sind seine diesbezüglichen Entwürfe für die Glasfenster der Johannes-Bosco-Kirche in Linz. Nach 1945 gab er noch eine bedeutsame Augustinus-Studie heraus.

Als Sudetendeutscher, Katholik und akademischer Lehrer war die Ehrenmitgliedschaftsverleihung des Nordgau an Eibl nachvollziehbar. Die Verbindung schloß ihn aber nach 1945 wegen seiner NSDAP-Mitgliedschaft aus.

Die tragische Rolle Eibls als Katholisch-Nationaler ist bei ihm besonders signifikant. Seine Anbiederung an den Nationalsozialismus hat ihm persönlich eigentlich nichts gebracht. So gesehen ist er zugespitzt formuliert sowohl „Täter“ wie auch „Opfer“ seiner Ideen geworden.

Werke:

(Auswahl)
Metaphysik und Geschichte. Eine Untersuchung zur Entwicklung der Geschichtsphilosophie (1913).
Augustin und die Patristik (1923).
Österreich und Deutschland (1928).
Der Tempel des Menschen. Entwürfe zu einem Reichsehrenmal (1927).
Vom Sinn der Gegenwart. Ein Buch von deutscher Sendung (1933; 2. Aufl. 1934).
Die Grundlegung abendländischer Philosophie. Griechische und christlich-griechische Philosophie (1934).
Nordische Göttersage und Christentum. Eine religionsgeschichtliche Betrachtung (1940).
Augustinus. Vom Götterreich zum Gottesstaat (1951).

Quellen und Literatur:

Hartmann, Gerhard (Baj): Für Gott und Vaterland. Geschichte und Wirken des CV in Österreich. Kevelaer 2006, S. 67, 331, 344, 347, 420, 423 und 511.
Philosophie und Zeitgeist im Nationalsozialismus. Hg. von Marion Heinz und Goran Gretic. Würzburg 2006 S. 47–64.
Weiß, Otto: Rechtskatholizismus in der Ersten Republik. Zur Ideenwelt der österreichischen Kulturkatholiken 1918-1934 (= Beiträge zur Kirchen- und Kulturgeschichte Band 17). Frankfurt/Main 2007. S. 27–30.
www.wien.gv.at/wiki/index.php/Hans_Eibl (Zugriff 12. 6. 2015; hier wird merkwürdiger- und für diese Datenbank untypischerweise die Rolle Eibls als Kathlisch-Nationaler völlig ausgeblendet).