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Erzbschf. Dr.h.c. Friedrich Gustav Kardinal Piffl

Erzbschf. Dr.h.c. Friedrich Gustav Kardinal Piffl

Ehrenmitgliedschaften: Norica, Nordgau Wien, Rudolfina, Austria-Wien, Amelungia, Sängerschaft Waltharia, Babenberg Graz, Babenberg Wien

Geboren: 15.10.1864, Landskron (Böhmen; nunmehr Lanškroun, Tschechien)
Gestorben: 21.04.1932, Wien
Fürsterzbischof von Wien, Propst von Klosterneuburg, Mitglied des Herrenhauses, Landtagsabgeordneter (Niederösterreich), Ordenspriester (CanReg)

Lebenslauf:

HERKUNFT, AUSBILDUNG UND WERDEGANG ALS CHORHERR

Piffl wurde als Sohn eines Buch- und Pa­pier­händ­lers sowie Buch­bin­der­meis­ters ge­bo­ren und auf den Namen Gus­tav ge­tauft. Er ab­sol­vier­te 1882 das Gym­na­si­um in Lands­kron mit Aus­zeich­nung und da­ne­ben zu­sätz­lich eine Buch­bin­der­leh­re. Da­nach war er Ein­jäh­rig-Frei­wil­li­ger bei der k. u. k. Armee und be­gann zu­erst ein Stu­di­um an der Phi­lo­so­phi­schen Fa­kul­tät der Uni­ver­si­tät Wien.

1883 trat Piffl in das Au­gus­ti­ner-Chor­her­ren­stift Klos­ter­neu­burg ein, nahm den Or­dens­na­men Fried­rich an und legte 1887 die fei­er­li­che Pro­feß ab. Nach dem Stu­di­um der Theo­lo­gie an der dor­ti­gen Phi­lo­so­phisch-Theo­lo­gi­schen Haus­lehr­an­stalt emp­fing er am 8. Ja­nu­ar 1888 die Pries­ter­wei­he.

Da­nach war Piffl in der Seel­sor­ge tätig – u. a. in Wien-Flo­rids­dorf und Wien-Hei­li­gen­stadt – , wo er die so­zia­le Lage der Ar­bei­ter­schaft ken­nen lern­te und in Kon­takt mit den Christ­lich­so­zia­len ge­riet, u. a. mit Leo­pold Kunschak (Nc EM). 1892 wurde er zum Do­zen­ten für Mo­ral­theo­lo­gie an der Haus­lehr­an­stalt des Stif­tes be­ru­fen und 1893 zum Pro­fes­sor er­nannt. Des­halb stu­dier­te er 1894/95 in Rom.

1898 wurde Piffl Se­kre­tär des Stifts­props­tes, 1902 Ver­wal­ter der in Un­garn lie­gen­den Stifts­gü­ter und 1906 Kanz­lei­di­rek­tor des Stif­tes. Am 7. Ja­nu­ar 1907 wurde er ein­stim­mig zum Propst des Stif­tes Klos­ter­neu­burg ge­wählt. Damit führ­te er den Titel eines Oberst-Erb­land-
Hof­ka­plans für das Erz­her­zog­tum unter der Enns (Nie­der­ös­ter­reich). Piffl er­warb sich u. a. Ver­diens­te um die Ver­ei­ni­gung der ös­ter­rei­chi­schen Chor­her­ren­stif­te zu einer Kon­gre­ga­ti­on.

PIFFL ALS ERZBISCHOF

Nach dem Tod von Franz Kar­di­nal Nagl (Aa EM) und dem Schei­tern der Kan­di­da­tur des Bi­schofs von Leit­me­ritz (Li­to­me­rice, Nord­west­böh­men), Josef Groß (Fd), wurde Piffl auf Be­trei­ben des Erz­her­zog-Thron­fol­gers Franz Fer­di­nand am 1. April 1913 von Kai­ser Franz Jo­seph zum Fürst­erz­bi­schof von Wien er­nannt. Die päpst­li­che Be­stä­ti­gung er­folg­te am 2. Mai, die Bi­schofs­wei­he am 1. Juni. Zwi­schen päpst­li­cher Be­stä­ti­gung und Bi­schofs­wei­he er­hielt Piffl von der Wel­fia das Eh­ren­band (Cou­leur­na­me Rü­di­ger), was eine Art Ab­schieds­ge­schenk für den För­de­rer der Ver­bin­dung war. Die Wie­ner Theo­lo­gi­sche Fa­kul­tät ver­lieh ihm am 22. Ok­to­ber 1913 den Dr. theol. h. c.

Am 25. Mai 1914 wurde Piffl zum Kar­di­nal kre­iert. Am sel­ben Tag wurde auch der Erz­bi­schof von Mün­chen und Frei­sing. Franz Bet­tin­ger (AIn), zum Kar­di­nal er­ho­ben.
Des­glei­chen wurde Piffl am 13. No­vem­ber 1913 in das Her­ren­haus des Reichs­ra­tes be­ru­fen. Eben­so war er auf­grund sei­ner Stel­lung ab 6. Juni 1913 bis zum Ende der Mon­ar­chie als Vi­ri­list nie­der­ös­ter­rei­chi­scher Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter. Seine Er­nen­nung wurde all­ge­mein po­si­tiv be­ur­teilt, weil sie damit für Wien ein Ab­schwä­chen des In­te­gra­lis­mus mit sei­nen Ver­däch­ti­gun­gen be­deu­te­te. Be­reits 1915 wurde er zum Prä­si­den­ten des Ka­tho­li­schen Volks­bun­des für Ös­ter­reich ge­wählt.

Ob­wohl Piffl sich vor­erst gegen eine Ab­dan­kung Kai­ser Karls aus­sprach, der ihm sogar das Gro­ß­kreuz des Leo­polds-Or­dens ver­lieh, rief er nach dem Zu­sam­men­bruch der Mon­ar­chie 1918 zur Loya­li­tät ge­gen­über der Re­pu­blik auf und wurde des­we­gen von den ös­ter­rei­chi­schen Mon­ar­chis­ten als Ver­rä­ter be­trach­tet. Nach der An­glie­de­rung des Bur­gen­lands an Ös­ter­reich wurde er am 18. Mai 1922 zum Apos­to­li­schen Ad­mi­nis­tra­tor für das neue Bun­des­land er­nannt, des­sen Ge­biet aus Tei­len der un­ga­ri­schen Diö­ze­sen Raab (Györ) und Stein­a­man­ger (Szom­ba­the­ly) be­stand.

Piffl war zwei­fels­oh­ne die füh­ren­de Ge­stalt des ös­ter­rei­chi­schen Epis­ko­pats in der de­mo­kra­ti­schen Ära der Ers­ten Re­pu­blik, ein Un­ter­stüt­zer des par­tei­po­li­ti­schen Ka­tho­li­zis­mus (Christ­lich­so­zia­le Par­tei) und Ver­trau­ter von Bun­des­kanz­ler Ignaz Sei­pel (Nc EM). Er war seel­sorg­lich auch sehr auf­ge­schlos­sen. So fiel in seine Amts­zeit u. a. die Grün­dung des auch in­ter­na­tio­nal re­nom­mier­ten Ös­ter­rei­chi­schen Seel­sor­ge­in­sti­tut (1931; nun­mehr Ös­ter­rei­chi­sches Pas­to­ral­in­sti­tut). Er för­der­te die ka­tho­li­sche Pres­se – in sei­ner Ära er­folg­te die Grün­dung des „Klei­nen Volks­blat­tes“ – und die Lit­ur­gi­sche Be­we­gung unter Pius Parsch (Wl EM), über den er seine schüt­zen­de Hand hielt. Er war auch Pro­tek­tor des Ver­eins Aka­de­mi­ker­hil­fe, der stark vom CV ge­tra­gen wurde bzw. noch immer wird und für Stu­den­ten­hei­me sorg­te. Des­sen nach Plä­nen von Cle­mens Holz­meis­ter (Nc) er­bau­te Heim in der Wie­ner Pfeil­gas­se 4-6 trug bis 1938 den Namen „Kar­di­nal-Piffl-Heim“. Noch heute steht davor seine Büste.

Piffl un­ter­stütz­te die ka­tho­li­schen Ver­ei­ne, er för­der­te den Ka­tho­li­schen Volks­bund und die christ­li­che Ar­bei­ter- und Ge­werk­schafts­be­we­gung. In sei­ner Amts­zeit wur­den 1927 die Ka­tho­li­sche Ak­ti­on le­dig­lich als Dach­or­ga­ni­sa­ti­on der be­stehen­den Ver­ei­ne er­rich­tet und viele neue Kir­chen ge­baut. Piffl war auch ein be­gna­de­ter Kan­zel­red­ner. Im CV, den er un­ter­stütz­te, war er be­liebt, wie die zahl­rei­chen Band­ver­lei­hun­gen be­wei­sen.

Be­reits 1930 er­litt Piffl einen ers­ten Schlag­an­fall und starb dann 1932 plötz­lich. Er wurde zu­erst in Kra­nich­berg (Nie­der­ös­ter­reich), am Som­mer­sitz der Wie­ner Erz­bi­schö­fe, bei­ge­setzt und dann 1953 in die Bi­schofs­gruft von St. Ste­phan über­führt. Nach ihm sind im 13. Wie­ner Ge­mein­de­be­zirk eine Gasse und in Klos­ter­neu­burg sowie in Brei­ten­furt bei Wien ein Platz be­nannt. Sein Nach­fol­ger wurde Theo­dor Kar­di­nal In­nit­zer (NdW).

Quellen und Literatur:

Verbindungsarchiv Welfia (Gerhard Fuchs).
Academia 26 (1913/14), 685; 28 (1915/16), 361, und 45 (1932/33), 18f.
Knoll, August Maria (NbW): Kardinal Fr. G. Piffl und der österreichische Episkopat zu sozialen und kulturellen Fragen 1913–1932. Wien 1932.
Liebmann, Maximilian (Cl): Die Rolle Kardinal Piffls Rolle in der österreichischen Kirchenpolitik. Graz theol. Diss. 1960.
Liebmann, Maximilian (Cl): Friedrich Gustav Piffl, in: Die Bischöfe der deutschsprachigen Länder 1785/1803 bis 1945. Ein biographisches Lexikon. Hg. von Erwin Gatz. Berlin 1983, 562–565.
Krexner, Martin: Kardinal Friedrich Gustav Piffl. Biographie eines Volksbischofs und seiner Zeit. Das kirchliche Leben in der Erzdiözese Wien 1913–1932. Wien 1987.
Krause, Otto: Biographisches Handbuch des nö. Landtages 1861–1921 (online: Landtag Niederösterreich). St. Pölten 1995. Hartmann, Gerhard (Baj): Für Gott und Vaterland. Geschichte und Wirken des CV in Österreich. Kevelaer 2006, 217f., 234, 242–244 und 254f.
https://www.parlament.gv.at/WWER/PARL/J1848/Piffl.shtml