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Clemens Holzmeister

Clemens Holzmeister

Urverbindung: Norica (12.10.1906)

Bandverbindungen: NbW, AIn, Le, R-D

Geboren: 27.03.1886, Fulpmes (Bezirk Innsbruck-Land, Tirol)
Gestorben: 12.06.1983, Hallein (Salzburg)
Mitglied des Staatsrates und des Rates der Stadt Wien, Hochschulprofessor (Architektur) in Wien und Istanbul, Architekt, Präsident des Katholikentags 1933

Lebenslauf:

HERKUNFT UND AUSBILDUNG

Holzmeister entstammte einer Tiroler Hammerschmiedfamilie und wurde als Sohn eines Kaffeplantagenbesitzers geboren. Die Familie wanderte Mitte des 19. Jahrhunderts nach Brasilien aus und gelangte dort zu Wohlstand. Holzmeisters Vater kehrte 1876 als Privatmann nach Tirol zurück. Da dieser brasilianischer Staatsbürger war, wurde das auch Holzmeister. Das ersparte ihm die Teilnahme am Ersten Weltkrieg.

Holzmeister besuchte in Innsbruck die Realschule, wo er der katholischen Pennalie Cimbria beitrat. Im Jahr 1904/05 war er Vorortspräsident des Mittelschüler-Cartellverbands (MCV), des Vor-Vorläufers des MKV. Nach der Absolvierung der Realschule begann er 1906 das Studium des Bauingenieurwesens und der Architektur an der Technischen Hochschule Wien (Dipl.-Ing., Dr. techn. 1919), wo er der Norica beitrat (Couleurname Tell). Im Wintersemester 1907/08 war er Fuchsmajor und im Sommersemester 1908 Jubel-Senior (25. Stiftungsfest).

HOLZMEISTERS BERUFLICHER AUFSTIEG NACH DEM ERSTEN WELTKRIEG

Bereits 1913 wurde Holzmeister Assistent bei Max von Ferstl, dem Sohn des bekannten Ringstraßenarchitekten Heinrich von Ferstl, was er bis 1919 blieb. Dann war er von 1920 bis 1923 als Professor an der Staatsgewerbeschule, Abteilung Baufachschule, in Innsbruck tätig. Dort war Rudolf Schober (Nc) zu dieser Zeit Direktor, der später Sektionschef im Handelsministerium wurde. Gleichzeitig betrieb er mit seinem Freund Luis Trenker, der später als Schriftsteller, Filmregisseur und Schauspieler („Berge in Flammen“) bekannt wurde, ein Architekturbüro in Bozen.

1922 wurde Holzmeisters Entwurf für den Bau des Krematoriums in Wien überraschend angenommen, womit sein auch internationaler Durchbruch begann. Für den aus dem katholischen Milieu entstammenden Holzmeister war das damals insofern ein Problem, weil seit 1886 die Feuerbestattung seitens der katholischen Kirche verboten war und denjenigen, die sich für diese Begräbnisart entschieden hatten, das kirchliche Begräbnis verweigert wurde. Erst nach dem II. Vatikanischen Konzil wurde dieses Verbot aufgehoben.

Aufgrund dieses Auftrags erhielt Holzmeister 1924 eine Meisterklasse an der Wiener Akademie der Bildenden Künste, der er als Professor bis 1938 und dann nach dem Zweiten Weltkrieg angehörte. 1927 wirkte er an der Innenausstattung der alten Norica-Bude in der Schwarzspanierstraße mit. Von 1928 bis 1933 war er auch Leiter eines Malerateliers an der Düsseldorfer Kunstakademie, wo er auch das Mahnmal für den von den Franzosen hingerichteten Ruhr-Kämpfer Albert Leo Schlageter (Fl) entwarf, das 1931 fertiggestellt, aber 1945 abgerissen wurde.

HOLZMEISTER IM „STÄNDESAAT“

Holzmeister stand – nicht zuletzt durch seine Mitgliedschaft im CV – dem „Ständestaat“ und dessen Exponenten sehr nahe. Weil er einer der bedeutendsten zeitgenössischen Kirchenarchitekten war, wurde er im September 1933 zum Präsidenten des Allgemeinen Deutschen Katholikentages in Wien bestellt. Diese Position war insofern bedeutsam, weil dieser Katholikentag zum einen auch dem 350-Jahr-Gedenken an die Türkenbefreiung Wiens im Jahr 1683 gewidmet, zum anderen weil Holzmeister mit der Türkei zwischenzeitlich als Architekt eng verbunden war.

Am 6. Juni 1934 wurde Holzmeister zum Mitglied des Rates der Stadt Wien bestellt (dieser entsprach in der ständestaatlichen Verfassung dem Gemeinderat bzw. dem Landtag von Wien), welche Position er als Vertreter der Kunst bis zum März 1935 bekleidete. Vom 1. November 1934 bis zum 12. März 1938 war er Mitglied des Staatsrates. Ebenso war er Präsident des Zentralverbands der Architekten Österreichs. Von dieser Funktion trat er aber gemeinsam mit dem übrigen Vorstand 1936 zurück, weil es Unstimmigkeiten wegen des Schutzes des Berufstitels Architekt gab.

Nachdem Holzmeister 1933 nach der NS-Machtübernahme seine Tätigkeit in Düsseldorf aufgeben mußte, widmete er sich zur Gänze seiner Professur an der Wiener Akademie der Bildenden Künste, deren Rektor er von 1931 bis 1933 und von 1935 bis 1937 war (dazwischen war er Prorektor).

HOLZMEISTER UND DIE TÜRKEI

Bereits 1927 erhielt Holzmeister den Auftrag, das Kriegsministerium in Ankara zu bauen. 1937 folgte ein solcher für das dortige Parlamentsgebäude, später dann für die Residenz des türkischen Staatsgründers Kemal Atatürk. Ebenso baute er die Ministerien für Wirtschaft, Inneres und Landwirtschaft sowie den Obersten Gerichtshof aber auch die Österreichische Gesandtschaft in Ankara.

Aufgrund seiner Kontakte zur Türkei hielt sich Holzmeister häufig dort auf. So war er zufälligerweise bereits am 3. März 1938 in Ankara. Nachdem er nach dem Anschluß von all seinen Funktionen in der nunmehrigen „Ostmark“ entfernt wurde – insbesondere von seiner Professur an der Akademie – , blieb er in der Türkei im Exil. Im Juli 1939 wurde er wegen seiner Zugehörigkeit zum CV und als Unterstützer des „Ständestaate“ gemaßregelt und endgültig mit der Hälfte des Ruhegenusses pensioniert.

1939 war Holzmeister für ein halbes Jahr in Brasilien, kehrte aber wieder in die Türkei zurück und war von 1940 bis 1949 Professor an der Technischen Hochschule in Istanbul. Dort hatte er auch Kontakt zu Widerstandskreisen und mit anderen Exilanten aus Österreich, so etwa mit Josef Dobretsberger (Cl), der damals noch Mitglied der Norica war.

HOLZMEISTER WIEDER IN WIEN

Nach dem Krieg wurde Holzmeister zwar bereits 1945 zur Heimkehr nach Österreich eingeladen, aber erst ab 1954 nahm er seine Tätigkeit als Professor an der Akademie für Bildende Künste wieder auf, deren Rektor er von 1955 bis 1957 war. Er ging zwar 1957 in den Ruhestand, leitete aber die Meisterklasse für Architektur bis 1961 weiter.

1955 begründete Holzmeister das Auslandsösterreicherwerk, dessen Präsident er bis 1975 war. Ebenso war er zeitweise Präsident des Österreichischen Kunstsenats.

HOLZMEISTER:

WERK UND WÜRDIGUNG

Holzmeister war Schöpfer bedeutender Sakral- und Monumentalwerke. Neben den bereits genannten (Wiener Krematorium, diverse Bauten in Ankara) waren dies u. a. das Kleine (Umbau) und das Große (Neubau) Festspielhaus in Salzburg, das Rundfunkgebäude in der Wiener Argentinierstraße (geriet 2012 wegen angeblicher „faschistischer Architektur“ kurz in Diskussion), die 1976 eingestürzte Reichsbrücke, das Linzer Landestheater, das Hotel Post in St. Anton am Arlberg, die Seipel-Dolluß-Gedächtniskirche (Kirche Christus König am Vogelweidplatz im 15. Bezirk), die Kardinal-Piffl-Kirche in Gloggnitz und auch das Verbindungshaus der Norica in der Strozzigasse sowie das alte „Pfeilheim“ (Kardinal-Piffl-Studentenheim der Akademikerhilfe).

Aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg stammten auch die Pfarrkirche St. Erhard in Mauer, wo damals Franz Geßl (NbW) Pfarrer war, dann die Pfarrkirche Krim in Wien-Döbling und das Schulzentrum der Kreuzschwestern in Linz. 1971 erbaute er die Pfarrkirche Don Bosco in der Wiener Großfeldsiedlung. Zahlreiche Kirchenneu- wie -umbauten betreute er auch in Deutschland, wie z. B. St. Adalbert in Berlin-Mitte oder die Renovierung der romanischen St. Georgs-Kirche in Köln. Ebenso war er am Umbau der Hedwigskathedrale in Berlin beteiligt.

Holzmeister war wohl einer der bedeutendsten Architekten Österreichs des 20. Jahrhunderts. Zu seinen Schülern zählten u. a. Hans Hollein, Friedrich Achleitner, Friedrich Kurrent, Hubert Prachensky und Gustav Peichl („Ironimus“). Seine Tochter Judith Holzmeister wurde Burgschauspielerin und war eine zeitlang mit Curd Jürgens verheiratet. Wegen einer Zweit-Ehe war Holzmeister zeitweise nicht Mitglied der Norica. Er wurde erst 1962 nach dem Tod ser ersten Frau und der kirchlicher Eheschließung mit seiner zweiten Frau wieder aufgenommen.

Holzmeister erhielt 1953 den Großen Österreichischen Staatspreis, war auch Ehrenphilister der MKV-Verbindung Almgau Salzburg und ist am Petersfriedhof in Salzburg begraben. Im 10. Wiener Gemeindebezirk wurde eine Straße nach ihm benannt.

Quellen und Literatur:

Bandion, Wolfgang J. (Nc): Ewig jung. Über Clemens Holzmeister, in: Österreichische Academia 32 (1981), H. 3, S. 32f.
Enderle-Burcel, Gertrude: Christlich–ständisch–autoritär. Mandatare im Ständestaat 1934–1938. Biographisches Handbuch der Mitglieder des Staatsrates, des Bundeskulturrates, des Bundeswirtschaftsrates sowie des Bundestages. Unter Mitarbeit von Johannes Kraus. Hg. vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands und der Österreichischen Gesellschaft für Quellenstudien. Wien 1991, S. 105f.
Posch, Wilfried: Clemens Holzmeister. Architekt zwischen Kunst und Politik. Salzburg 2010.
Schmitz, Georg (Nc): Ein neues Buch über Clemens Holzmeister, in: „fenster“ Ausgabe 1/2011, S. 11f.
Hambrusch, Horst (Hg.): Clemens Holzmeister – Ankara, eine Hauptstadt für die neue Türkei. Innsbruck 2011.