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LT-Präs. a.D. Bertram Jäger

LT-Präs. a.D. Bertram Jäger

Ehrenmitgliedschaften:

Geboren: 22.10.1929, Bürs (Bezirk Bludenz, Vorarlberg)
Gestorben: 06.07.2026, Bludenz
Landtagspräsident (Vorarlberg), Präsident der Kammer für Arbeiter und Angestellte Vorarlberg, Industrieangestellter

Lebenslauf:

HERKUNFT, AUSBILDUNG UND BEUFSLAUFBAHN

Jäger wurde als Sohn eines Schneidermeisters geboren und besuchte die Volksschule in Bürs sowie zwei Jahre die Hauptschule in Bludenz. Von 1941 bis 1945 war er auf der Unterstufe der Oberschule der Jungen in Bludenz. Danach trat er in das Knabenseminar Paulinum der damaligen Apostolischen Administratur Innsbruck-Feldkirch in Schwaz (Tirol). Nach seiner Matura im Jahr 1949 trat er in das Innsbrucker Priesterseminar ein und begann das Studium an der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck. Er beendete jedoch dieses nach einem Semester und verließ das Priesterseminar.

Jäger fand daraufhin eine Anstellung als Hilfsarbeiter bei der Textilfirma Getzner & Co. AG in Bludenz. 1953/54 besuchte er einen sog. Abiturientenkurs an der Handelsakademie in Bregenz und war daraufhin wieder bei der Firma Getzner zuerst in der Kostenrechnung tätig. Ab 1955 leitete er den Einkauf, ab 1969 die Werkszeitung. Darüber hinaus engagierte er sich für den Betriebsrat und gehörte diesem für die Angestellten von 1956 bis 1995 an. Von 1960 bis 1995 war er deren Obmann und war dadurch dienstfreigestellt. 1960/61 besuchte er Fortbildungen der Katholischen Sozialakademie in Wien. Ab 1981 war er vom Betriebsrat gewähltes Mitglied des Aufsichtsrates der Getzner AG. 1995 ging er als deren Angestellter in Pension.

ENGAGEMENT IN DER POLITIK UND DER INTERESSENSVERTRETUNG

Neben seinem gewerkschaftlichen Engagement war Jäger seit 1956 auch politisch tätig. Ab diesem Jahr er Gemeinderatsmitglied in Bürs. Nach seiner Übersiedelung nach Bludenz war er dort von 1960 bis 1970 sowie dann von 1975 bis 1979 Mitglied der Stadtvertretung. Seine politische Heimat war der ÖAAB, dessen Bezirksobmann für Bludenz er 1960 wurde. 1964 wurde er Mitglied der ÖVP-Landesparteilung, der er bis 1994 angehörte.

Das hatte für Jäger auch politische Funktionen zur Folge. Er kandidierte 1964 bei den Vorarlberger Landtagswahlen, wurde gewählt und gehört diesem nach Wiederwahlen vom 29. Oktober 1964 bis zum 3. Oktober 1994 ununterbrochen an. Am 9. Juli 1987 wurde er zum Landtagspräsidenten gewählt und übte dieses Amt bis zu seinem Ausscheiden 1994 aus.

Aufgrund seines betriebsrätlichen Engagements war Jäger seit 1964 Kammerrat und sogleich Mitglied des Vorstands des Vorarlberger Arbeiterkammer. Für die Kammerwahlen 1969 wurde er als Spitzenkandidat nominiert. Zur allgemeinen Überraschung wurde die Liste des ÖAAB bzw. der FCG die stärkste Fraktion, so daß Jäger am 3. November 1969 zum Präsidenten der Vorarlberger Arbeiterkammer gewählt wurde, welches Amt er bis zum 30, Juli 1987 bekleidete. Seit 1970 war er Mitglied der Landesleitung der Gewerkschaft der Privatangestellten und von 1974 bis 1978 deren Landesobmannstellvertreter.

Dieser Erfolg war eine Überraschung und brachte die seit 1945 herrschende „politische Farbenlehre“ Österreichs ins Wanken. Nach dieser waren die Kammern für Wirtschaft und Landwirtschaft „schwarz“, die Arbeiterkammer und die Gewerkschaft hingegen „rot“. Das geschah zu einer Zeit, als sich die alleinregierende ÖVP unter Bundeskanzler Josef Klaus (Rd) in Schwierigkeiten befunden und ein halbes Jahr später die Nationalratswahlen verloren hatte.

Jäger wurde nun zu einem jugendlichen politischen Hoffnungsträger, der auch auf die Bundespolitik ausstrahlte. Als er bei den Arbeiterkammerwahlen 1974 neuerlich Erfolg hatte wurde er Präsidiumsmitglied des Österreichischen Arbeitkammertages, dessen Vizepräsiudent er dann von 1982 bis 1987 war. Damalige ÖVP-Bundesparteiobmann und Oppositionsführer Karl Schleinzer präsentierte im April 1975 sein Wahlkampfteam der „Jungen Löwen“, dem neben Alois Mock (Nc), Josef Taus (Baj), Josef Krainer jr. (AIn EM) u. a. auch Bertram Jäger angehörte. Doch Schleinzer verunglückte am 19. Juli 1975 tödlich, und so wurde Taus Bundesparteiobmann und Spitzenkandidat, der das Team der „Jungen Löwen“ übernommen hat.

Bei den Wahlen im Herbst 1975 waren Taus und die ÖVP nicht erfolgreich. Jäger blieb in Vorarlberg und konzentrierte sich weiter auf die Arbeitnehmerinteressen. Er wurde 1975 Landesobmann des ÖAAB (bis 1997), 1976 stv. ÖVP-Landesparteiobmann (bis 1993) und 1978 wurde stv. Bundespareiobmann des ÖAAB (bis 1991). Schließlich wurde er am 28. Februar 1980 zum stv. Bundesparteiobmann der ÖVP gewählt. Bundesparteiobmann wurde damals Alois Mock als Nachfolger von Josef Taus. Dieses Amt bekleidete er bis zum 20. Mai 1985, als Mock als Obmann zurücktrat.

Jäger übte zahlreiche weitere Funktionen aus. Unter diesen ist seine Aufgabe als Mitherausgeber der Wochenzeitung „Die Furche“ hervorzuheben. Als diese ab 1975 unter der Führung des Verlages Styria Graz gerettet wurde, konnte deren damaliger Generaldirektor Hanns Sassmann (Trn EM) Jäger für diese Aufgabe gewinnen, die er von 1976 bis 2003 bekleidet hatte.

Jäger stand in der christlichsozialen Tradition des Politischen Katholizismus. Diese hat mit Leopold Kunschak (Nc EM) begonnen und wurde von zahlreichen Angehörigen des CV gepflegt, wie vom Vorarlberger Priesterpolitiker Karl Drexel (Cl EM), Josef Scheicher (Nc EM), Franz Hemala (Nc), Karl Kummer (Aa) u. v. a. m. Es war daher nur konsequent, daß er 1995 den Leopold-Kunschak-Jubiläumspreis erhalten hatte. Jäger starb hochbetagt und wurde auf dem städtischen Friedhof von Bludenz beigesetzt.



Quellen und Literatur:

Landesarchiv Vorarlberg. Biographie Bertram Jäger.
Aktenbestand der Ehrenzeichenkanzlei der Österreichischen Präsidentschaftskanzlei (Kabinettsdirektor i. R. Heinz Hafner Am, Mitteilung 8. 10. 2ß26).