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Karl Heinrich Fürst zu Löwenstein-Wertheim und Rosenberg

Karl Heinrich Fürst zu Löwenstein-Wertheim und Rosenberg

Ehrenmitgliedschaften: Austria-Wien, Aenania München

Geboren: 21.05.1834, Haid (Bezirk Tachau, Westböhmen; nunmehr Bor u Tachova)
Gestorben: 08.11.1921, Köln
Reichsständischer Fideikommißherr, Mitglied des deutschen Reichstages, Landtagsmitglied (Bayern, Württemberg, Baden, Hessen-Darmstadt), Präsident des Zentralkomitees deutscher Katholiken, Ordenspriester (OP)

Lebenslauf:

Lö­wen­stein-Wert­heim und Ro­sen­berg wurde als Sohn des Erb­prin­zen Kon­stan­tin und der Marie Agnes Hen­ri­et­te Prin­zes­sin von Ho­hen­lo­he-Lan­ge­burg ge­bo­ren. Das Reichs­fürs­ten­ge­schlecht derer zu Lö­wen­stein-Wert­heim ent­stamm­te einer mor­ga­na­ti­schen Ehe des wit­tels­ba­chi­schen Kur­fürs­ten Fried­rich I. von der Pfalz (1425–1476), die die Reichs­graf­schaft Wert­heim am Main er­hiel­ten. Ende des 16. Jahr­hun­dert kam es zur Tei­lung in einen evan­ge­li­schen (äl­te­ren) und eine ka­tho­li­schen (jün­ge­ren) Zweig. Letz­te­rer wurde 1711 in den Reichs­fürs­ten­stand er­ho­ben.

Die Mut­ter von Lö­wen­stein-Wert­heim und Ro­sen­berg starb we­ni­ge Mo­na­te nach sei­ner Ge­burt, der Vater als er fünf Jahre alt war. Da­nach wurde er Erb­prinz. Als sein Gro­ßva­ter, Karl Tho­mas, 5. Fürst zu Lö­wen­stein-Wert­heim und Ro­sen­berg, 1849 ver­starb, suk­zes­sier­te er als 6. Fürst zum Chef des Hau­ses. Er wurde, wie das bei Per­so­nen sei­nes Stan­des üb­lich war, von Pri­vat­leh­rern er­zo­gen und stu­dier­te von 1854 bis 1857 an der Rechts­wis­sen­schaft­li­chen Fa­kul­tät der Uni­ver­si­tät Bonn. Seine ein­zi­ge Schwes­ter Adel­heid hei­ra­te­te den be­reits ent­thron­ten König Mi­cha­el I. (Mi­guel) von Por­tu­gal.

Auf­grund sei­ner Stel­lung als reichs­stän­di­scher Fürst ge­hör­te Lö­wen­stein-Wert­heim und osen­berg au­to­ma­tisch den Ers­ten Kam­mern der Land­ta­ge der Kö­nig­rei­che Bay­ern (Reichs­rat) und Würt­tem­berg sowie des Gro­ßher­zog­tums Hes­sen(-Darm­stadt) an. Er war der 1067. Rit­ter des Or­dens vom Gol­de­nen Vlies.

Lö­wen­stein-Wert­heim und Ro­sen­berg war in ers­ter Ehe mit Adel­heid Prin­zes­sin zu Isen­burg-Bü­din­gen ver­hei­ra­tet. Sie ver­starb kurz nach der Ge­burt der ers­ten und ein­zi­gen Toch­ter, die spä­ter in das Be­ne­dik­ti­ne­rin­nen­klos­ter Sain­te Ce­ci­le bei So­les­mes (Nord­frank­reich) ein­trat. 1863 ehe­lich­te er dann in Wien So­phie Prin­zes­sin von und zu Liech­ten­stein, eine Toch­ter des re­gie­ren­den Fürs­ten Alois II. von und zu Liech­ten­stein. Mit ihr hatte er acht Kin­der.

Lö­wen­stein-Wert­heim und Ro­sen­berg ge­hör­te zu den we­ni­gen An­ge­hö­ri­gen des reichs­stän­di­schen Adels – wie etwa Aloys Prinz von und zu Liech­ten­stein (AW) – , für die die „ka­tho­li­sche Sache“ ein An­lie­gen war. Er war gläu­bi­ger sowie auch from­mer Ka­tho­lik und setz­te sich für die Wah­rung der Be­lan­ge der Ka­tho­li­ken im Deut­schen Bund bzw. im Deut­schen Reich ein. Dabei ver­trat er eine Rück­bin­dung an das Papst­tum (ins­be­son­de­re Leos XIII.), be­müh­te sich um das ka­tho­li­sche Pres­se- und Ver­lags­we­sen sowie Ver­eins­we­sen und för­der­te die Idee einer ka­tho­li­schen Uni­ver­si­tät, die in Salz­burg ver­wirk­licht wer­den soll­te. 1877 wurde auf seine Ver­an­las­sung der Au­gus­ti­nus-Ver­ein zur För­de­rung der ka­tho­li­schen Pres­se ge­grün­det.

Spä­tes­tens ab 1868 stand Lö­wen­stein-Wert­heim und Ro­sen­berg an der Spit­ze der ka­tho­li­schen Lai­en­be­we­gung, und zwar als Kom­mis­sar der Ge­ne­ral­ver­samm­lun­gen der Ka­tho­li­ken Deutsch­lands (Ka­tho­li­ken­ta­ge) bzw. als Prä­si­dent des Zen­tral­ko­mi­tees der deut­schen Ka­tho­li­ken, was er bis 1898 war. 1903 wurde er des­sen Eh­ren­prä­si­dent. Ihm oblag in die­ser Funk­ti­on vor allem die Or­ga­ni­sa­ti­on der jähr­lich an ver­schie­de­nen Orten ta­gen­den Ka­tho­li­ken­ta­ge, wo in der Regel auch die par­al­lel ta­gen­den Ge­ne­ral­ver­samm­lun­gen der ver­schie­de­nen ka­tho­li­schen Ver­ei­ne statt­fan­den. Dar­un­ter be­fand sich auch der CV, der bis 1913 – zu­letzt in Metz – im Rah­men der Ka­tho­li­ken­ta­ge seine Car­tell­ver­samm­lun­gen ab­hielt.

Lö­wen­stein-Wert­heim und Ro­sen­berg lenk­te sein Au­gen­merk auch auf die so­zia­le Frage. Auf sei­nem west­böh­mi­schen Sitz Haid ver­an­stal­te­te er Tref­fen von ka­tho­li­schen So­zi­al­theo­re­ti­kern bzw. -po­li­ti­kern. Diese fan­den ab 1882 auf An­re­gung eines Ka­tho­li­ken­ta­ges statt, und es wurde die „Freie Ver­ei­ni­gung ka­tho­li­scher So­zi­al­po­li­ti­ker“ ge­grün­det. Im Juni 1883 wur­den die sog. „Hai­der The­sen über die Ar­bei­ter und ihre Rech­te“ ver­ab­schie­det, die sich auch auf die Tex­tie­rung der En­zy­kli­ka „Rerum no­varum“ (1891) aus­ge­wirkt hat­ten. Teil­neh­mer die­ses Tref­fens waren u. a. auch Karl Frhr. von Vo­gel­sang (AW EM), Jo­seph Franz Knab (Nc EM) und Al­bert Maria Adal­bert Weiß (AW EM). Franz Mar­tin Schind­ler (Fd EM) nahm zu an­de­ren Zei­ten an Tref­fen der „Frei­en Ver­ei­ni­gung“ eben­falls teil.

Lö­wen­stein-Wert­heim und Ro­sen­berg war zur Zeit des preu­ßi­schen Kul­tur­kampfs neben dem Zen­trums­füh­rer Lud­wig Windthorst (AW EM) der wich­tigs­te Wi­der­part Otto von Bis­marcks au­ßer­halb des par­la­men­ta­ri­schen Be­reichs. Lö­wen­stein-Wert­heim-Ro­sen­berg kan­di­dier­te zwar 1871 für die Wah­len zum ers­ten deut­schen Reichs­tag, wurde ge­wählt und war einer der Mit­be­grün­der der Zen­trums­frak­ti­on bzw. -par­tei, legte aber sein Man­dat be­reits 1872 zu­rück. Er war auch ein Geg­ner der Frei­mau­rer und vor allem des da­ma­li­gen Du­ell­un­we­sens, was auch den CV be­traf. Be­mer­kens­wert ist, daß er zu­erst Eh­ren­mit­glied der Aus­tria Wien wurde und erst viele Jahre spä­ter der Aenania. Die Band­ver­lei­hung der Aus­tria dürf­te im Zu­sam­men­hang mit dem vom 29. April bis 2. Mai 1889 in Wien statt­ge­fun­de­nen 2. all­ge­mei­nen ös­ter­rei­chi­schen Ka­tho­li­ken­tag ge­stan­den haben. In des­sen Rah­men fand ein Fest­kom­mers der ka­tho­li­schen Ver­bin­dun­gen statt, bei der Lö­wen­stein das Eh­ren­prä­si­di­um über­nom­men hatte.

Lö­wen­stein-Wert­heim und Ro­sen­berg war tief­gläu­big. Aus die­ser Hal­tung her­aus för­der­te er u. a. auch das ka­tho­li­sche Or­dens­we­sen. So un­ter­stütz­te er u. a. die Wie­der­be­sie­de­lung von Maria Laach durch die Be­ne­dik­ti­ner sowie die Er­rich­tung des Be­ne­dik­ti­ne­rin­nen­klos­ters St. Hil­de­gard in Rü­des­heim-Eibin­gen. 1902 re­si­gnier­te er als Fürst bzw. Chef des Hau­ses, wor­auf­hin sein Sohn suk­zes­sier­te. Nach­dem er be­reits seit 1899 ver­wit­wet war, trat er am 20. Juli 1907 in Venlo (Nie­der­lan­de) in den Do­mi­ni­ka­ner­or­den (Klos­ter Trans Ce­dron) ein und nahm den Or­dens­na­men Ray­mun­dus Maria an. Am 4. Au­gust 1908 er­folg­te die Pro­feß, und am 8. De­zem­ber 1908 er­hielt er, ohne Theo­lo­gie stu­diert zu haben, die Pries­ter­wei­he.

Lö­wen­stein-Wert­heim und Ro­sen­berg lebte ab 1916 im Do­mi­ni­ka­ner­klos­ter Hei­lig Kreuz in Köln (Lin­den­stra­ße). Dort starb er nach kur­zer Krank­heit und wurde in der Fa­mi­li­en­grabstät­te in der Gruft der Klos­ter­kir­che En­gel­berg in Gro­ßheu­bach (Kreis Mil­ten­berg, Bay­ern) bei­ge­setzt.

„Lö­wen­stein-Wert­heim und Ro­sen­berg darf als Schöp­fer des or­ga­ni­sier­ten deut­schen Lai­en­ka­tho­li­zis­mus gel­ten und ver­kör­per­te für seine Kir­che eine ins 18. Jahr­hun­dert zu­rück­rei­chen­de, durch das so­zia­le Mo­ment zu­gleich in die Zu­kunft wei­sen­de Kon­ti­nui­tät.“ (Völ­ker Rödel)

Quellen und Literatur:

Ehmer, Hermann: Karl Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg, in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), 99f. (Online-Fassung: www.deutsche-biographie.de/pnd117187372; Abruf 9. 1. 2016).
Rödel, Volker: Karl Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon. Band 5 (1993), 178–180.