Lebenslauf:
Steinbauer wurde als Sohn des Rechtsanwalts Gustav Steinbauer (F-B) geboren, der 1945/46 beim Nürnberger Hauptkriegsverbrecher-Prozeß den „Anschlußkanzler“ Arthur Seyß-Inquart verteidigt hatte. Durch Berichte seines Vaters aus Nürnberg hat er in den späten vierziger Jahren von den Schrecknissen des NS-Regimes erfahren. Nach der Volksschule besuchte er in Wien das Schottengymnasium und begann danach das Studium der Philosophie, Psychologie und der Vergleichenden Sprachwissenschaften an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien (kein Abschluß), wo er der Austria beitrat (Couleurname Hamlet). Seine Leibfüchse bei der Austria waren u. a. der spätere Wiener Vizebürgermeister Bernhard Görg (AW) und Michael Mitterauer (AW), der spätere Sozial- und Wirtschaftshistoriker an der Wiener Universität.
Bei der Austria bekleidete Steinbauer die Funktion des Fuchsmajors im Sommersemester 1955 und im Wintersemester 1956/57 sowie die des Seniors im Sommersemester 1957. Für das Studienjahr 1957/58 wurde die Austria zur vorsitzenden Verbindung im Wiener CV gewählt, in dem Steinbauer das Amt eines WCV-Seniors ausübte (heißt nunmehr Ortsverbandspräsident). Vom Februar 1966 bis Oktober 1969 war er Leiter des Academia-Amtes im ÖCV-Beirat. Dort setzte er trotz Widerstände die aufgeschlossene Linie der „Academia“ fort.
Steinbauer wollte wegen Martin Heidegger in Freiburg/Br. Studieren und konnte das dadurch erreichen, daß er dort durch Zufall eine Beschäftigung in einem Betrieb der Metallindustrie angeboten bekommen hat. In diesem war er 1959/60 sowie von 1962 bis 1964 tätig. Zwischen 1960 und 1962 war er am Institute of European Studies in Wien–Chicago. 1964 übernahm er die Leitung der Abteilung Dokumentation in der ÖVP-Bundesparteileitung. Als anläßlich der 600-Jahr-Feier der Universität Wien im Jahr 1965 deren Hochschülerschaft ein Symposion organisierte, war er an dessen Planung und Durchführung maßgeblich beteiligt. Dieses Symposion war von hohem Niveau und wurde auch international beachtet. Nach der ORF-Reform machte ihn der Generalintendant Gerd Bacher 1967 zum ORF-Generalsekretär. Damit bekleidete er ein wichtige Position bei der Umsetzung der ORF-Reform nach dem Rundfunkvolksbegehren von 1966.
Nach der Wahlniederlage der ÖVP im März 1970 holte der neue ÖVP-Bundesparteiobmann Hermann Withalm (Nc) Steinbauer in die ÖVP-Bundesparteileitung zurück, der nun die Funktionen eines stellvertretenden Generalsekretärs (bis 1975) sowie eines Leiters der Politischen Abteilung (bis 1979) bekleidete. Zusätzlich war er jeweils Wahlkampfleiter bei den Nationalratswahlen 1975, 1983 und 1986 sowie bei den Bundespräsidentenwahlen 1974 und 1986. Als Alois Mock (Nc) 1974 Bundesparteiobmann wurde, war Steinbauer zeitweise Leiter von dessen Büro.
Aufgrund seiner Positionen in der ÖVP-Bundesparteileitung kandidierte Steinbauer 1975 bei den Wahlen zum Nationalrat, wurde gewählt und gehörte diesem nach Wiederwahlen ohne Unterbrechung vom 4. November 1975 bis zum 6. November 1994 an. Hier übte er ab 1975 die Funktion eines Mediensprechers der ÖVP aus. Er war bereits seit 1974 Mitglied der Hörer- und Sehervertretung des ORF (bis 1980) und von 1977 bis 1985 Mitglied des ORF-Kuratoriums. 1982 war er zentraler Leiter der Bewegung „Volksbegehren Konferenzzentrum“, das fast 1,4 Millionen Österreicher unterschrieben hatten. Es war dies das erfolgreichste Volksbegehren. Inzwischen ist das Konferenzzentrum politisch weitgehend akzeptiert.
Nach dem Ausscheiden aus der Bundespolitik war Steinbauer weiterhin politisch tätig. Seit 1980 war er Mitglied des Entwicklungshilfebeirats des Bundeskanzleramtes und seit 1999 Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Entwicklungszusammenarbeit. Er war viele Jahre hindurch ÖVP-Bezirksparteiobmann von Wien-Neubau und von 1996 bis 2001 Bezirksvorsteher-Stellvertreter in diesem Bezirk. Mit seiner Frau Reingard Grübl-Steinbauer gründete er den Edition Steinbauer Verlag.
In den fünfziger Jahren und Anfang der sechziger Jahre wurden bei der Austria jene rezipiert, die Reformanliegen für die Universitäten stehen sollten: Neben Heribert Steinbauer (1953) waren das u. a. Michael Graff (AW) und Michael Mitterauer (AW) (1955), Heinrich H. Wille (AW) (1956), Karl Burian (AW), Manfred Leeb (AW) und Werner Vogt (ehemals AW) (1958) und Peter Mahringer 1961). Aus der Austria Wien erwuchs daher jener Kreis, der bei den damaligen Hochschulreformbemühungen innerhalb und außerhalb des ÖCV maßgeblich beteiligt war und sich bei der Öffnung der „Academia“ engagierte.
Zusätzlich zu den zeitlich nah beieinander liegenden Rezeptionen ist es interessant festzustellen, dass eine direkte Leibverhältnislinie Heribert Steinbauer – Michael Mitterauer – Manfred Leeb – Werner Vogt – Stephan Schulmeister (ehemals AW) besteht. All das forcierte natürlich die Bildung einer „Ingroup“, die noch weiters dadurch gefördert wurde, daß sich diese regelmäßig im nicht mehr existierenden Café Passeger (im Palais Harrach auf der Freyung) getroffen hat. Vom übrigen CV wurde diese nicht immer positiv wahrgenommen.
Steinbauer hat nach einer Scheidung wieder geheiratet und ist aufgrund der damaligen Usancen im Februar 1971 aus der Austria ausgeschieden. Er hat sich aber weiterhin zu den Prinzipien des CV sowie zu seiner Verbindung bekannt. Auf Antrag des damaligen Philisterseniors Gunther Gaigg wurde er im Oktober 2022 in der Verbindung wieder aufgenommen.
Quellen und Literatur:
Verbindungsarchiv Austria Wien. Personalstandesblatt.Steinbauer Heribert | Parlament Österreich
Steinbauer, Heribert: „Wir versuchten wirklich, die Dinge zu bewegen.“ Zeitzeugengespräch, in: Demokratie und Geschichte. Jahrbuch der Karl von Vogelsang-Instituts zur Erforschung der Geschichte der Christlichen Demokratie in Österreich. Jahrgang 5, 2001. Wien 2002, 91–108.
Hartmann, Gerhard (Baj): Treu zu Gott und Vaterland. Die Geschichte des CV in Österreich. Wien-Kevelaer 2023, 372, 777, 872, 921–923.
Hartmann, Gerhard: Gott getreu und treu der Pflicht. Hundertfünfzig Jahre Austria Wien. 1876 bis 2026. Wien 2026, 249, 255f., 263f., 266–268, 273–275, 290, 293, 325, 351, 373, 386f.