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HS Prof. HR Vinzenz Goller

HS Prof. HR Vinzenz Goller

Urverbindung: Welfia (15.12.1910)

Geboren: 09.03.1873, St. Andrä bei Brixen (Südtirol)
Gestorben: 11.09.1953, St. Michael im Lungau (Salzburg)
Professor an der Akademie für Musik und darstellende Kunst (Kirchenmusik) in Wien, Komponist, Bürgermeister von Klosterneuburg

Lebenslauf:

HERKUNFT UND AUSBILDUNG

Goller wurde als Sohn eines Volksschullehrers geboren, der in St. Andrä Organist war. Dadurch kam er schon sehr früh mit der Kirchenmusik in Berührung. Während seiner Volksschulzeit war er bereits im Kirchenchor und unterstützte seinen Vater als Organist. 1885 kam er als Sängerknabe und Schüler an das Augustiner-Chorherrenstift Neustift, wo sein musikalisches Talent im Gesang und instrumental gefördert wurde.

Ab 1888 besuchte Goller das Lehrerseminar (Lehrerbildungsanstalt) in Innsbruck, parallel studierte er an der dortigen Städtischen Musikschule unter Josef Pembauer. Nach Absolvierung des Lehrerseminars 1892 war er Volksschullehrer u. a. in Sexten und in St. Lorenzen im Pustertal. Dort war er auch als Chorleiter sowie auch als Organist tätig, und in dieser Zeit entstanden auch seine ersten kirchenmusikalischen Kompositionen (bis op. 25), die bei seinen Tätigkeiten zur Aufführung gelangten.

Goller förderte sein musikalisches Talent durch Weiterbildung. So nahm er auch Privatunterricht bei Josef Rheinberger, einem der bekanntesten Komponisten um die Jahrhundertwende, der nun nach einer Zeit des Vergessens vor allem in der Kirchenmusik wieder eine gewisse Renaissance erlebt. Durch den Verkauf von Gamsbärten konnte sich Goller (er war passionierter Jäger) einen Studienurlaub finanzieren und absolvierte 1898 einen Kurs der Kirchenmusikschule in Regensburg.

GOLLERS BERUFLICHE LAUFBAHN

Seine Loreto-Messe (op. 25) bedeutete für Goller den auch internationalen musikalischen Durchbruch. 1903 gab er seinen Lehrerberuf auf, widmete sich ganz der Musik bzw. der Komposition und nahm eine Kirchenmusikerstelle an Maria Himmelfahrt in Deggendorf (Bayern) an. Hier erreichte er bereits eine derartige Bekanntheit, daß er mit der Herausgabe des Diözesangesangbuches „Lob Gottes“ des Bistums Regensburg betraut wurde.

Im Jahr 1909 nahm Goller einen halbjährigen Urlaub. So war er in Wien beim dritten internationalen Musikkongreß. Bei dieser Gelegenheit lernte er den damals bereits bekannten Bachinterpreten und Orgelvirtuosen Albert Schweitzer kennen. Durch ihn fand er Zugang zum Orgelwerk Johann Sebastian Bachs.

Infolge der Kontakte in Wien wurde Goller 1910 zum Professor für Kirchenmusik an der Wiener Akademie für Musik und darstellende Kunst und zum Leiter dieser Abteilung berufen. Diese war anfänglich in den Räumlichkeiten des Augustiner Chorherrenstiftes Klosterneuburg untergebracht und wurde von ihm aufgebaut. Ebenso leitete er die Kirchenmusik des Stiftes.

In dieser Zeit hatte er auch engen Kontakt mit dem damaligen Wiener Domkapellmeister August Weirich (Nc EM) und dessen Nachfolger Ferdinand Habel sen. (Nc EM). Als 1924 die Abteilung Kirchenmusik nach Wien übersiedelte, gab er die Leitung dieser Abteilung auf, blieb aber bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1933 Professor an der Akademie, unterrichtete aber dann noch bis 1937 weiter. 1933 erhielt er den Berufstitel Hofrat verliehen.

In Klosterneuburg kam Goller bald auch mit Pius Johann Parsch (Wl EM), dem Gründer der „Volksliturgischen Bewegung“ in Kontakt. Dies war die Zeit der beginnenden Erneuerung des christlichen Lebens aus dem Geist der Eucharistie und Liturgie. So wurde Goller einer der ersten „volksliturgischen“ Kirchenmusiker, dessen Kompositionen Bestandteil des kirchlichen Liedgutes wurden.

VINZENZ GOLLER IM ERSTEN WELTKRIEG

Mit dem Eintritt Italiens in den Krieg im Mai 1915 meldete sich Goller freiwillig zu den Tiroler Standschützen und war an der Dolomitenfront eingesetzt. Als Hauptmann des Sillianer Bataillons gelang ihm am 6. September 1916 die Rückeroberung des Forane-Gipfels in der Monte-Cristallo-Gruppe. Auf Wunsch von Erzherzog Eugen, des damaligen Kommandanten der Südwestfront, komponierte Goller aus diesem Anlaß eine deutsche Singmesse, die bei Feldgottesdiensten aufgeführt werden sollte.

Im Frühjahr 1918 wurde Goller zum Major des Standschützenbataillons Pustertal ernannt, im September 1918 geriet er in Gefangenschaft. Aus dem Lager Mantua konnte er über die Schweiz fliehen und kehrte 1919 wieder nach Wien zurück.

Goller war hochdekoriert. Für die Eroberung des Forane Gipfels erhielt er den Orden der Eisernen Krone III. Klasse mit Schwertern. Weitere Auszeichnungen waren: Militärverdienstkreuz III. Klasse mit Kriegsdekoration, silbernes Signum laudis mit Schwertern, bronzene Militärverdienstmedaille mit Kriegsdekoration, silberne Tapferkeitsmedaille I. und II. Klasse, bronzene Tapferkeitsmedaille, Karl-Truppenkreuz, Verwundetenmedaille und preußische Kriegsverdienstmedaille am Band des Eisernen Kreuzes. Allgemein wurde er als „König der Dolomiten“ bezeichnet (Academia).

VINZENZ GOLLERS MUSIKALISCHES WERK

Goller schuf zahlreiche Kirchenmusikwerke, vor allem Messen, die zum Teil auch für einfachere Kirchenchöre geeignet waren. Die bekanntesten seiner Messen sind die „Loreto-Messe“ und die „Clemens-Hofbauer-Messe“. Weiters sind sein „Oster-Tedeum“ und die a-capella-Messe „Orbis factor“ zu erwähnen.

Sein wohl bekanntestes und am meisten gesungenes Werk ist die 1937 komponierte „Leopold-Messe“, ein sich am lateinischen Text orientierendes deutsches Meßordinarium für einfachen Volksgesang, das im Zuge der liturgischen Bewegung vor dem II. Vatikanum starke Verbreitung fand. Es wurde sowohl in den Stammteil des 1975 herausgebrachten „Gotteslobs“ (Nr. 433f.) sowie auch in die Neuauflage des „Gotteslobs“ von 2013 aufgenommen (Nr. 137f.).

„Vinzenz Goller ist es in seinem umfangreichen kirchenmusikalischen Schaffen gelungen, eine Synthese zwischen dem traditionellen Kirchenstil der Cäcilianer und den fortschrittlichen Elementen unter Einbeziehung der Chromatik herzustellen.“ (Ernst Knapp) Zu seinen Schülern zählten u. a. Ernst Tittel (Walth EM) und Franz Kosch (Aa).

VINZENZ GOLLER IN DER POLITIK UND IM CV

Nach seiner Pensionierung kam Goller in die Kommunalpolitik. 1933 zog er in den Gemeinderat von Klosterneuburg ein, und 1936 wurde er als Nachfolger von Franz Eselböck (Kb) zum Bürgermeister gewählt. Im Zuge des Anschlusses 1938 wurde er abgesetzt.

Goller kam bereits zu Beginn seiner Tätigkeit in Klosterneuburg in Kontakt mit der jungen Welfia. Diese nahm ihn gemeinsam mit dem späteren Gurker Bischof Adam Hefter (Wl) als Ehrenphilister auf (Couleurname Gams). Mit der Gründung des Dritten ÖCV aufgrund der Trennung vom CV 1933 wurde er in den Status einer Urmitgliedschaft versetzt.

Goller zog 1941, als das Stift Klosterneuburg aufgehoben wurde, nach St. Michael/Lungau (Salzburg). Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte er zeitweise bei seinem Bruder in Brixen. Klosterneuburg behielt er aber als weiteren Wohnsitz bei. Er zählte zu der nicht unbedeutenden Riege von Professoren an der Wiener Akademie für Musik und Darstellende Kunst, die dem CV angehörten, wie Hans Gillesberger (AIn), Ferdinand Habel sen. (Nc EM), Franz Kosch (Aa), Ernst Tittel (Walth EM), Erik Werba (Alp) und Eberhard Würzl (Wl). Bei einer Jagd zog sich Goller eine Lungenentzündung zu, der er dann erlag. Er ist in Zederhaus (bei St. Michael) begraben.

Goller wurde Ehrenbürger von Brixen und Ehrenmitglied der Akademie für Musik und darstellende Kunst. In Brixen und in Lienz/Osttirol wurden Straßen nach ihm benannt. Er war verheiratet und hatte sieben Kinder. Sein Enkel Peter Goller (Wl) war Sektionschef im Rechnungshof.

Werke:

Ein ausführliches Werkverzeichnis Gollers findet sich unter http://www.clubosttirol.at/co_chronik_2005/Goller_werkverzeichnis.htm

Quellen und Literatur:

Verbindungsarchiv Welfia (Gerhard Fuchs)
Academia 45 (1932/33), S. 316.
Kronsteiner, Hermann: Vinzenz Goller (1873–1853). Leben und Werk (= Schriftenreihe des allgemeinen Cäcilien-Verbandes für die Länder der deutschen Sprache Band 13). Linz 1976.
Knapp, Ernst: Kirchenmusik Südtirols. Südtiroler Kirchenmusikkomponisten im musikgeschichtlichen Zusammenhang. Bozen 1993, S. 189-205.
http://www.clubosttirol.at/co_chronik/chronik_2005/05_09_13_goller.htm