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Antonio Kardinal Agliardi

Antonio Kardinal Agliardi

Ehrenmitgliedschaften:

Geboren: 04.09.1832, Cologno al Serio bei Bergamo (Italien)
Gestorben: 19.03.1915, Rom
Titularerzbischof, Apostolischer Nuntius, Kurien-Kardinal

Lebenslauf:

Agliardi studierte in Rom Theologie und empfing dort am 22. Dezember 1855 die Priesterweihe (für die Diözese Rom). Danach studierte er in Rom noch zusätzlich Kanonisches Recht (Dr. iur. can.). Nach Tätigkeiten in der Seelsorge wurde er 1865 Sekretär eines Bischofs in Kanada. 1877 kehrte er nach Rom zurück, wo er am Collegio Urbano der Kongregation für die Mission (Propaganda fidei) Moraltheologie lehrte. Am 23. September 1884 wurde er zum Apostolischen Delegaten für Ost-Indien und Titular-Erzbischof von Caesarea maritima (heute Israel) ernannt und am 12. Oktober 1884 geweiht.

Am 9. Mai 1887 kehrte Agliardi wieder nach Rom zurück und wurde zum Sekretär der Kongregation für außerordentliche Angelegenheiten der Kirche bestellt (heute die Zweite Sektion des Staatssekretariats; der Leiter dieser Sektion mit dem Titel „Sekretär“ wird auch als „Außenministers“ des Vatikans bezeichnet). Am 9. April 1889 wurde Agliardi zum Apostolischen Nuntius in München, wo er vier Jahre blieb. Dort hatte er enge Kontakte zur Aenania, deren Veranstaltungen er immer wieder besuchte, so daß später in Wien (Norica) das Gerücht auftauchte, er sei Ehrenmitglied der Aenania, was aber nicht zutreffend ist. Wohl aber wurde zu seiner Zeit bei der Aenania ein Student namens Ercole (Herkules) Agliardi rezipiert, der nach der Überlieferung in der Aenania ein Neffe des Nuntius war.

Am 16. Mai 1893 erfolgte seine Ernennung zum Nuntius in Wien. In dieser Funktion unterstützte Agliardi die aufstrebende Christlichsoziale Partei von Karl Lueger (Nc EM) gegen den Widerstand der Katholisch-Konservativen, gegen Teile des österreichischen Episkopats sowie der Regierung bzw. des Hofes. Dadurch erfreute er sich vor allem im Verbandskatholizismus hoher Beliebtheit und wurde zu einer „sehr volkstümlichen Gestalt“ (Donato Squicciarini [Dan EM]).

Agliardi hatte in Wien bereits bald Kontakt zur Norica gefunden. So nahm er im Mai 1894 bei deren Stiftungsfestkommers teil. Am 14. November 1895 beschloß die Norica, ihm die Ehrenmitgliedschaft zu verleihen. Die Bandverleihung erfolgte auf deren Weihnachtskommers am 16. Dezember im Hotel „Zum goldenen Kreuz“ (heute Hotel Kummer auf der Mariahilfer Straße). Agliardi faßte diese Ehrenbandverleihung nicht als ein Dekorum auf, sondern erschien immer wieder mit Band auf Veranstaltungen der Norica, so u. a. gleich auf der Semesterschlußkneipe am 9. März 1896. Er eröffnete somit die Reihe der Wiener Nuntien, denen die Ehrenmitgliedschaft österreichischer CV-Verbindungen verliehen wurde: Giovanni Battista Dellepiane (Nc EM), Opilio Kardinal Rossi (Dan EM), Mario Cagna (Dan EM), Michele Cecchini (Dan EM) und Donato Squicciarini (Dan EM).

Im Jahr 1895 kam es zu Schwierigkeiten mit der ungarischen Regierung wegen der dortigen Kirchengesetzgebung, so daß Agliardi Mitte 1896 nach Rom zurückberufen wurde. Kurz zuvor wurde er am 22. Juni 1896 zum Kardinal-Priester kreiert und am 14. Dezember 1899 wurde er zum Kardinal-Bischof von Albano erhoben. 1903 wurde er Vizekanzler, 1908 Kanzler der Apostolischen Kanzlei. Zusammen mit dem Dekan der Sacra Rota Romana, Johann Montel, Edler von Treuenfest (AIn EM) beeinflußte er unter Leo XIII. die Politik des Heiligen Stuhls gegenüber Österreich und dem Deutschen Reich.

Auch in Italien unterstützte Agliardi die aufstrebende christlich-demokratische Bewegung (Partito Populare Italiano) bei Papst Leo XIII. Nach dessen Tod wurde Agliardis Name im Konklave von 1903 genannt. Er starb in Rom und wurde in Bergamo beigesetzt.

Quellen und Literatur:

Verbindungsarchiv Aenania (Alfons Brandl).
Academia 3 (1890/91), S. 52, 7 (1894/95), S. 43, und 8 (1895/96), S. 242 und 369.
Engel-Janosi, Friedrich: Österreich und der Vatikan 1846-1918. Zweiter Band: Die Pontifikate Pius' X. und Benedikts XV. (1903-1918). Graz 1960 (passim).
Squicciarini, Donato (Dan EM): Die Apostolischen Nuntien in Wien. Cittá del Vaticano 1999, SS. 231–254.