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Rudolf Ramek

Rudolf Ramek

Urverbindung: Norica (18.01.1901)

Geboren: 12.04.1881, Teschen (Cieszyn, Österreichisch Schlesien, nunmehr Polen)
Gestorben: 24.07.1941, Wien
Bundeskanzler, Zweiter Präsident des Nationalrats, Mitglied des Verfassungsgerichtshofes, Rechtsanwalt

Lebenslauf:

HERKUNFT UND AUSBILDUNG

Ramek wurde als Sohn eines Schaffners der Kaschau-Oderberger Bahn geboren, absolvierte in Teschen im Jahr 1900 das Gymnasium und studierte anschließend an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien (1907 Dr. iur.), wo er der Norica beitrat (Couleurname Hengist). Im selben Jahr wurden u. a. Robert Krasser (Nc) und Nivard Schlögl (Nc) in die Norica aufgenommen.

Nach Studienende absolvierte Ramek das Gerichtsjahr beim Kreisgericht Teschen und war dann Rechtsanwaltskonzipist in Innsbruck, Meran und Salzburg, wo er 1913 eine eigene Rechtsanwaltskanzlei eröffnete, die er später nach Wien verlegt hatte. Im Juli 1914 rückte er zuerst nach Pola ein und machte dann die Kämpfe in Südtirol und am Isonzo als Kommandant einer Mörserbatterie mit, die er 1918 in vollster Ordnung nach Salzburg zurückgeführt hat (letzter Dienstgrad: Hauptmann der Reserve; Auszeichnungen: silbernes Signum laudis, Signum laudis am Bande und mit Schwertern, Karl-Truppenkreuz).

DER BEGINN SEINER POLITISCHEN LAUFBAHN

In seiner Salzburger Zeit wurde Ignaz Seipel (Nc EM) auf Ramek aufmerksam, so daß er in Kontakt zur Christlichsozialen Partei kam, an deren Aufbau er in Salzburg maßgeblich mitgewirkt hat. Somit kam er in politische Funktionen. Von 1918 bis 1922 war er stellvertretender Obmann der christlichsozialen Landespartei, ab 1922 war er deren Landesparteiobmann. In der Folge kandidierte er im Februar 1919 für die Konstituierende Nationalversammlung, deren Mitglied er vom 4. März 1919 bis 9. November 1920 war, und im Oktober 1920 für den Nationalrat, dem er vom 10. November 1920 bis 2. Mai 1934 angehörte. Ab 1919 gehörte er zeitweise auch dem Gemeinderat des Stadt Salzburg.

In der provisorischen Staatsregierung Renner III war Ramek vom 17. Oktober 1919 bis zum 24. Juni 1920 Staatssekretär (= gleichrangig wie Minister) für Justiz. Vom 23. April bis 21. Juni 1921 war er in der Regierung Michael Mayr (AIn EM) II kurz Bundesminister für Inneres und Justiz. Danach war er – nur unterbrochen in der Zeit, wo er Bundeskanzler war – bis 1930 Mitglied des Verfassungsgerichtshofes, als er zum Zweiten Präsidenten des Nationalrats gewählt wurde.

RAMEK ALS BUNDESKANZLER

Nach dem Rücktritt der Regierung Seipel einigte sich auf dessen Vorschlag die Koalition aus Christlichsozialen und Großdeutschen auf Ramek als Bundeskanzler (Ramek I und II) einer stark von den Ländern getragenen Regierung. Seinen beiden Kabinetten gehörten u. a. Jakob Ahrer (ehemals Trn), Josef Kollmann (Am EM), Heinrich Mataja (ehemals Am EM), Josef Resch (Nc EM), Anton Rintelen (ehemals Trn EM), Emil Schneider (Le) und Carl Vaugoin (Rd EM) an. Das Amt des Bundeskanzlers bekleidete er vom 20. November 1924 bis zum 20. Oktober 1926, in dem er zweifelsohne vom Parteiobmann Ignaz Seipel politisch abhängig war.

Unter Rameks Kanzlerschaft fiel die Währungsumstellung von der Krone zum Schilling, die aber bereits von Seipel eingeleitet wurde, und 1926 das Ende der ab 1922 ausgeübten Finanzkontrolle des Völkerbundes (Genfer Protokolle). Ebenso konnte die Verfassungsreform des Jahres 1925 positiv erledigt werden, bei der offene Fragen des Bund-Länder-Verhältnisses geregelt wurden (u. a. Finanzausgleich).

Überschattet wurde Rameks knapp zwei Jahre dauernde Regierung durch die allgemeine Wirtschaftskrise sowie vor allem durch Krisen der Centralbank der Sparkassen sowie der Postsparkasse, an denen Finanzminister Jakob Ahrer erhebliche Schuld hatte und deswegen die Regierung sowie in der Folge auch Österreich verlassen mußte. Das beschädigte letztlich Ramek, so daß er Seipel als Bundeskanzler Platz machen mußte.

RAMEK IN DEN JAHREN 1933/

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Vom 4. Dezember 1930 bis zum 4. März 1933 sowie am 30. April 1934 war Ramek Zweiter Präsident des Nationalrates, nachdem bei den Nationalratswahlen 1930 die Christlichsozialen auf den zweiten Platz fielen. Er legte am 4. März 1933 nach dem Rücktritt des Nationalratspräsidenten Karl Renner unüberlegt das Amt eines Zweiten Präsidenten des Nationalrats zurück, ohne die Folgen zu überblicken oder sie gar zu wünschen, um seiner Partei seine Stimme bei einer Abstimmung zu retten.

Das führte zur sog. „Selbstausschaltung“ des Nationalrats, die ihn jedoch nicht hinderte, am 30. April 1934 sein Amt bei der Abstimmung über die neue Verfassung durch das „Rumpfparlament“ wieder auszuüben. Dem neuen Kurs des „Ständestaates“ stand er kritisch gegenüber; er zog sich aus dem öffentlichen Leben zurück und lebte in Wien. Zwischen 1939 und 1941 war er juristischer Berater kirchlicher Einrichtungen.

Ramek war das erste Urmitglied des CV als österreichischer Bundeskanzler; er war auch Mitglied der MKV-Verbindung Almgau Salzburg. Sein Sohn war Karl Ramek (AIn, Nc).

Ramek wurde am Städtischen Friedhof Salzburg beigesetzt. Nachdem die Stadt Salzburg nicht bereit war, sein Grab als Ehrengrab zu übernehmen, löste seine in Neustrelitz (Mecklenburg-Vorpommerin) als Ärztin tätige Enkelin das Grab auf und ließ den Grabstein abtransportieren.

Quellen und Literatur:

Verbindungsarchiv Norica (Georg Schmitz).
Academia 32 (1919/20), S. 254.
Österreichisches Biographisches Lexikon 1815– 950. Hg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. 8. Band. 1983, S. 407.
Klieber, Rupert: Politischer Katholizismus in der Provinz. Salzburgs Christlichsoziale in der Parteienlandschaft Alt-Österreichs. Wien 1994.
Hartmann, Gerhard (Baj): Für Gott und Vaterland. Geschichte und Wirken des CV in Österreich. Kevelaer 2006, S. 378ff.
Schausberger, Franz (Rp): Rudolf Ramek–Notizen zu einer politischen Biographie, in: Der forschende Blick. Hg. von Reinhard Krammer, Christoph Kühberger und Franz Schausberger (Hg.). Wien 2010, S. 179f.
Ders.: Rudolf Ramek (1881–1941). Konsenskanzler im Österreich der Gegensätze (= Schriftenreihe des Forschungsinstitutes für politisch-historische Studien der Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek). Wien 2017.