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Dek. a.D. em. Univ.-Prof. KonsR. Dr. P. Nivard (Johannes) Schlögl , O.Cist.

Dek. a.D. em. Univ.-Prof. KonsR. Dr. P. Nivard (Johannes) Schlögl , O.Cist.

Urverbindung: Norica (29.11.1901)

Bandverbindungen: M-D, F-B, NbW, Am, Aa, Rd, Kb, Wl, BbW, Fd, Alp, Baj, AW, Gr, NdW, Pf, Rg, Sv, Va

Geboren: 04.08.1864, Gaaden bei Mödling (Niederösterreich)
Gestorben: 24.06.1939, Wien
Universitätsprofessor (Altes Testament), Ordenspriester (SOCist)

Lebenslauf:

HERKUNFT, AUSBILDUNG UND EINTRITT IN DAS STIFT HEILIGENKREUZ

Schlögl wurde als Sohn eines Landwirts geboren und auf den Namen Johannes getauft. Bereits als Sängerknabe kam er in Kontakt mit dem Zisterzienser-Stift Heiligenkreuz und absolvierte das Gymnasium in Wiener Neustadt. Am 1. September 1884 trat er als Novize in Heiligenkreuz ein und nahm den Ordensnamen Nivard an (nach Nivard von Clairveaux, dem jüngeren Bruder von Bernhard von Clairveaux, beide sind bekannte Zisterzienserheilige). Er studierte an der dortigen Philosophisch-Theologischen Hauslehranstalt und wurde 1889 zum Priester geweiht. Bereits 1890 wurde er für 17 Jahre zum Novizenmeister ernannt.

Einer seiner Novizen war Georg (Jörg) Lanz „von Liebenfels“. Der durch zeithistorische Bücher (u. a. „Den Staat den keiner wollte“) und Fernsehserien (u. a. „Ringstraßenpalais“) in den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts bekannt gewordene Journalist Helmut Andics hat in seinem Buch „Der ewige Jude“ (Wien 1965) behauptet, Schlögl hätte diesen ehemaligen Heiligenkreuzer Zisterzienser Georg Lanz nachhaltig geprägt. Dieser wiederum beeinflußte durch seine Zeitschrift „Ostara“ den jungen Adolf Hitler. Andics blieb aber den wissenschaftlichen Nachweis schuldig. Hingegen konnte Wilfried Daim (Rd) in seiner Studie „Der Mann, der Hitler die Ideen gab“ (Wien 1985) darstellen, daß Georg Lanz in Heiligenkreuz durch andere Einflüsse geprägt wurde.

SCHLÖGL ALS UNIVERSITÄTSPROFESSOR UND WISSENSCHAFTLER

Schlögl setzte seine Studien an der Theologischen Fakultät der Universität Wien fort und promovierte (Dr. theol. 1894) bei seinem Ordensbruder Wilhelm Anton Neumann (AW EM) im Alten Testament. Ab 1896 war er Professor für dieses Fach an der Hauslehranstalt in Heiligenkreuz. 1907/1908 war er zu Studienzwecken in Berlin.

1908 wurde Schlögl als Nachfolger Neumanns zum o. Universitätsprofessor für biblisch-orientalische Sprachen und alttestamentliche Exegese an der Universität Wien ernannt. 1913/14 und 1929/30 war er Dekan der Theologischen Fakultät. 1933 wurde er emeritiert.

Neben zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen war seine Übersetzung des Alten und Neuen Testaments von Bedeutung, die von der Konjekturalkritik und der biblischen Metrik ausging. Schlögl war der Überzeugung, daß große Teile der Heiligen Schrift als Lyrik verfaßt wurden. Seine Thesen erregten Begeisterung, aber auch Kritik. Das Heilige Offizium (früher Indexkongregation, heute Glaubenskongregation) setzte seine Übersetzung am 16. Januar 1922 auf den „Index librorum prohibitorum“ (Index der verbotenen Bücher), was vielfach auf Unverständnis gestoßen ist, insbesondere auch im CV.

SCHLÖGL UND DER CV

Im Zuge seiner Studien auf der Universität Wien kam Schlögl in Kontakt zum katholischen Studententum, insbesondere zum CV, und trat der Norica bei (Couleurname Dietmar). Während seines Studienaufenthalts 1907/08 in Berlin wurde er bei Suevia aktiv. Er entwickelte sich zu einem begeisterten katholischen Couleurstudenten und war im CV sehr beliebt.

Noch weit nach 1945 wurde erzählt, wie Schlögl in die tätlichen Auseinandersetzungen zwischen CVern und Schlagenden persönlich „eingriff“, wobei ihm seine große, imponierende Gestalt dabei zugute kam. Eine große Zahl von CVern dieser Zeit wurde von dieser Priesterpersönlichkeit geprägt. Auch unterstützte er viele Studenten aus dem CV, wie z. B. Karl Maria Stepan (Nc).

Als Philistersenior der Franco-Bavaria (von 1917 bis 1920) nahm Schlögl gemeinsam mit dem damaligen Senior, dem späteren Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (F-B), an der 51. Cartellversammlung 1920 in Regensburg teil und unterstützte dessen Antrag, daß „die deutsch-arische Abstammung, nachweisbar bis auf die Großeltern“ die Bedingung für die Aufnahme in den CV sein sollte. Dieser Antrag wurde aber in der Folge nicht rechtskräftig.

Nach dem Ersten Weltkrieg war Schlögl auch Mitglied der 1918 entstandenen „Deutschen Gemeinschaft“, eines logenartig organisierten Verbandes, der katholische wie nationale Intellektuelle umfaßte.

Schlögl war auch Mitbegründer der Verbindungen Franco-Bavaria, Alpenland und Pflug. Bei der Alpenland war er deren erster Philistersenior. Neben seiner Urverbindung Norica trug er noch weitere 19 Bänder. Nach Richard Wollek (AIn) waren er und Dollfuß im österreichischen CV jene mit der zweitmeisten Zahl an Bändern.

Außerdem war Schlögl Ehrenphilister der MKV-Verbindungen Frankonia Wien, Gothia Wien, Guelfia Wien und Rhenania Wien

Schlögl wurde auf dem Klosterfriedhof des Stiftes Heiligenkreuz beigesetzt.

Werke:

(Auswahl)
Die heilige Poesie der Hebräer (1901).
Die echte biblisch-hebräische Metrik. Mit grammatischen Vorstudien (1912).
Die heiligen Schriften des Alten Bundes (1915).
Psalmen aus dem kritisch hergestellten hebräischen Urtext ins Deutsche metrisch übersetzt und erläutert (1915).
Die heiligen Schriften des Neuen Bundes. Aus dem Urtext übersetzt, mit Erläuterungen und einer Einführung (1920).
Der babylonische Talmud. Übersetzt und kurz erläutert (1921).
Die Heiligen Schriften des Alten Bundes, 2 Bände (1922) [der 2. Band erhielt keine kirchliche Druckerlaubnis mehr].

Quellen und Literatur:

Schachenmayr, Alkuin Volker: Prägende Professoren in der Entwicklung des theologischen Lehrbetriebes im Cistercienserstift Heiligenkreuz von 1802 bis 2002. Langwaden 2002, S. 145–170.
Hartmann, Gerhard: Für Gott und Vaterland. Geschichte und Wirken des CV in Österreich. Kevelaer 2006, S. 72, 88, 226, 343, 493 und 726f.