Lebenslauf:
Ratzenböck stammte aus dem Hausruckviertel und wurde als Sohn eines Landwirts sowie Gastwirts geboren. Er besuchte nach der Volksschule in Neukirchen das Akademische Gymnasium in Linz und begann nach seiner Matura im Jahr 1948 das Studium an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien (Dr. iur. 1952). Nach dem Gerichtsjahr in 1952/53 trat er am 1. Oktober 1953 in den Dienst der ÖVP-Landesparteileitung Oberösterreich in Linz. Zusätzlich war er von 1956 bis 1977 Landessekretär des Oberösterreichischen Pensionisten und Rentnerbundes sowie von 1958 bis Ende 1973 Geschäftsführer der Wanderfreunde, gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft GmbH Linz.
Ratzenböck wurde mit 1. Januar 1969 ÖVP-Landesparteisekretär. In dieser Funktion folgte er Erwin Wenzl (AlIn) nach, der damals als Nachfolger von Heinrich Gleißner (S-B) zum Landesparteiobmann gewählt wurde. Gleißner war zu dieser Zeit noch Landeshauptmann. Dieses Revirement stand im Zusammenhang mit den für die ÖVP ungünstig ausgegangenen Landtagwahlen im Oktober 1967.
Bei den nächsten Wahlen zum oberösterreichischen Landtag im Oktober 1973 wurde Ratzenböck gewählt, dem er dann vom 16. November 1973 bis zum 24. 10. 1979 angehörte. Ebenfalls am 16. November 1973 wurde er zum Landesrat gewählt und war für die Ressorts Finanzen und Kultur zuständig. Seit Mai 1975 war Erwin Wenzl bereits Landeshauptmann. Dieser trat als solcher aus teils privaten sowie teils gesundheitlichen Gründen am 19. Oktober 1977 zurück. Ratzenböck wurde an diesem Tag zu seinem Nachfolger gewählt und bekleidete dieses Amt bis zum 2. März 1995. Am 26. Oktober 1977 übernahm er von Wenzl das Amt des ÖVP-Landesparteiobmanns. Ratzenböcks Nachfolger als Landesparteisekretär wurde Helmut Kukacka (A-D).
Unter Ratzenböck als Landeshauptmann gehörten der oberösterreichischen Landesregierung Karl A. Eckmayr (A-D EM), Helmut Kukacka (A-D), Christoph Leitl (Kb EM), Josef Pühringer (Se EM), Rudolf Trauner (Kb EM) und Johann Winetzhammer (A-D EM) an. Als Landeshauptmann war Ratzenböck gleichzeitig auch Präsident des Landesschulrates und auch Vorsitzender des Aufsichtsrates der Landeselektrizitätsgesellschaft OKA. Sein Nachfolger als Landeshauptmann und ÖVP-Landesparteuobmann wurde Josef Pühringer. Ratzenböck blieb weiterhin politisch aktiv und war von 1996 bis 2017 Obmann des ÖVP-Seniorenbundes. Sein Nachfolger in diesem Amt wurde ebenfalls Pühringer.
Ratzenböck gehörte zu den bedeutendsten Landespolitikern der jüngeren Geschichte Österreichs und übte auch in der ÖVP einen entsprechenden Einfluß aus, so war er u. a. auch an der Demontage des ÖVP-Bundesparteiobmanns Alois Mock (Nc) beteiligt. Ratzenböck war Landeshauptmann, als die SPÖ-Bundeskanzler Bruno Kreisky (als SPÖ-Alleinregierung, Fred Sinowatz (in Koalition mit der FPÖ) und Franz Vranitzky (in Koalition mit der FPÖ) im Amt waren. Am 11. Dezember 1989 hat er gemeinsamen mit einem tschechoslowakischen Kreisvorsitzenden an der Mühlviertler Grenze den Eiserner Vorhang durchschnitten.
Ratzenböck, der im Laufe seiner Jahre als Landeshauptmann in die Rolle eines „Landesvaters“ hineingewachsen war, war sein ganzes berufliches Leben mit der Politik verbunden, wobei er anfänglich von Erwin Wenzl gefördert wurde. Dieser stellte auch den Kontakt zu seiner Verbindung, der Alpinia Innsbruck, her, die Ratzenböck 1974 die Ehrenmitgliedschaft verlieh (Couleurname Ratzi). Weitere Ehrenmitgliedschaftsverleihungen von CV-Verbindungen sowie von den MKV-Verbindungen Nibelungia Linz, Hilaria Enns und Flavia Lambach folgten.
Quellen und Literatur:
Aktenbestand der Ehrenzeichenkanzlei der Österreichischen Präsidentschaftskanzlei (Kabinettsdirektor i. R. Heinz Hafner Am, Mitteilung 7. 1. 2026).Hartmann, Gerhard: Treu zu Gott und Vaterland. Die Geschichte des CV in Österreich. Wien–Kevelaer 2023, 943, 954 und 957.