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LAbg. Gem.R OSen.R Rudolf Gschladt

LAbg. Gem.R OSen.R Rudolf Gschladt

Urverbindung: Rudolfina (24.06.1898)

Bandverbindungen: FcC, AW, Fd, NbB, NdW

Geboren: 11.03.1876, Wien
Gestorben: 01.03.1947, Wien
Landtagsabgeordneter (Wien), Obersenatsrat (Wien)

Lebenslauf:

Gschladt wurde als Sohn des Südbahn-Beamten Anton Gschladt (Rd EM) geboren und stammte aus Wien-Meidling, welchem Bezirk er zeitlebens verbunden blieb. Nach seiner Matura begann er das Studium an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, wo er am 17. Oktober 1894 der Austria Wien beitrat (Couleurname Winfried). Damals bestand der 1. ÖCV mit den Mitgliedern Austria, Ferdinandea Prag und der Unitas Czernowitz, der Vorgängerin der Frankonia. Als die Unitas in Schwierigkeiten war, beschloß Gschladt, im Studienjahr 1895/96 an die Kaiser-Franz-Josephs-Universität zu Czernowitz zu gehen. Dort wählte ihn die Unitas für das Wintersemester 1895/96 zum Senior gewählt, konnte sie aber nicht retten, so daß sie im Juni 1896 sistierte.

Als man 1898 bei der Austria überlegte, eine Tochterverbindung zu gründen, war Gschladt bei der Gründungsversammlung am 24. Juni 1898 mit dabei, das als Gründungsdatum der Rudolfina gilt. Damit schied er aus der Austria aus und wurde erst später ihr Bandphilister h. c. Solches wäre im CV nach dessen Standesregeln nicht möglich gewesen. (Die Austria und die Rudolfina waren damals noch nicht im CV und gründeten kurze Zeit später den 2. ÖCV.) Denn wenn Mitglieder einer Verbindung eine Tochterverbindung gründen, bleiben sie Urmitglied bei ihrer Ursprungsverbindung und werden Bandinhaber bzw. dann Bandphilister der gegründeten Verbindung.

Gschladt engagierte sich in der Folge beim Aufbau der Rudolfina und war im Wintersemester 1898/99 deren erster Senior. Durch sein Engagement zuerst bei der Unitas in Czernowitz und dann bei der Rudolfina litt zwangsweise sein Studium. Erst 1901, nach 14 Semestern, legte er die 2. (judizielle) Staatsprüfung ab. Kurz danach trat er als Konzeptsaspirant in den Dienst der Gemeinde Wien. Nach dem Amtsantritt von Bürgermeister Karl Lueger (Nc EM) wurde Wien für junge katholische Akademiker, vornehmlich aus dem CV, ein attraktiver Arbeitgeber.

Noch 1901 wurde Gschladt bei der Rudolfine philistriert und bald deren Philistersenior, welches Amt er einige Jahre ausübte. Das Studium beendete er jedenfalls nicht, machte jedoch seine weitere Beamtenkarriere in der Verwendungsgruppe A, auch nach 1918 im „roten Wien“, wo er noch vor 1934 Senatsrat (entspricht einem Ministerialrat) wurde. Bereits in der Monarchie engagierte er sich bei den Christlichsozialen. Die letzten Gemeinderatswahlen im Jahr 1912 folgten noch nach dem alten Kurienwahlrecht, aufgrund dessen die Sozialdemokraten nur zehn Sitze von 165 besaßen. Ähnlich wie in den Ländern einigte man sich 1918 zwischen den Parteien auf eine provisorische Sitzverteilung, die sich am Ergebnis der letzten Wahlen (1911) zum Abgeordnetenhaus des Reichsrats orientierte, bei denen bereits das allgemeine Wahlrecht galt. Gschladt wurde von den Christlichsozialen in den Provisorischen Gemeinderat Wiens delegiert, der vom 3. Dezember 1918 bis zum 22. Mai 1919 amtierte.

Bei den ersten Wiener Gemeinderatswahlen Anfang Mai 1919 erreichten die Sozialdemokraten eine deutliche absolute Mehrheit, während die Christlichsozialen unter ein Drittel sanken. Dieses Ergebnis wiederholte sich mit Schwankungen in den folgenden Jahrzehnten bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg. Gschladt verlor zwar sein Mandat, engagierte sich aber weiter in der Kommunalpolitik. So war er Mitglied des Bezirksrates seines Heimatbezirks Meidling und auch stellvertretender Bezirksvorsteher. Er kandidierte bei den Wahlen zum Wiener Landtag und Gemeinderat am 24. April 1927, wurde gewählt und gehörte diesem vom 20. Mai 1927 bis zum 24. Mai 1932 an. Er engagierte sich auch bei den Christlichen Gewerkschaften und war dort Obmann der Gemeindebediensteten.

Aufgrund des Putschversuches von Teilen des sozialdemokratischen Schutzbundes am 12. Februar 1934 wurde die sozialdemokratische Stadtregierung Wiens abgesetzt und die „Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschösterreichs“ verboten. Der christlichsoziale Politiker Richard Schmitz (Nc) wurde als Regierungskommissär für Wien eingesetzt und später Bürgermeister. Im Zuge der Errichtung des „Ständestaates“ kam es auch in Wien zu einer Umorganisation des Magistrats. Es wurden mehrere Gruppen eingerichtet, vergleichbar mit den Sektionen in den Ministerien. Gschladt wurde mit 30. Oktober 1934 Leiter der Gruppe IV (Wohnungsamt, Gebäude- und Grundverwaltung) und damit mitverantwortlich für die Wohnungspolitik der „Ständestaats“-Ära. Im „roten Wien“ war diese beispielgebend und wird bis in die Gegenwart als Modell für eine soziale Wohnbaupolitik genannt. Daran konnte und wollte der „Ständestaat“ nicht anknüpfen, aber nach dreieinhalb Jahren kam ohnedies schon der Anschluß. Gschladt wurde 1935 zum Obersenatsrat befördert, welcher Rang einem Sektionschef entsprach. Er war 1938 62 Jahre alt, so daß die Zwangsmaßnahmen der Nationalsozilisten ihn nicht mehr mit dieser Härte trafen.

Gschladt ist zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verstorben und wurde auf dem Friedhof Wien-Meidling begraben. Sein jüngerer Bruder war Hans Gschladt (Rd), sein Sohn Otto Gschladt (Rd).

Quellen und Literatur:

Alma Mater. Mitteilungen des Cartellverbands der katholisch-österreichischen Studentenverbindungen (passim).
Correspondenzblatt des Cartellverbands der katholischen Studentenkorporationen der österreichischen Hochschulen Austria in Wien, Ferdinandea in Prag, Unitas in Czernowitz. Nr. 6, 1896, 41.
Rathauskorrespondenz 327, 1. 11. 1934.
Schieweck-Mauk, Siegfried: Lexikon der CV- und ÖCV-Verbindungen. Die Korporationen und Vereinigungen des Cartellverbands der Katholischen Deutschen Studentenverbindungen (CV) und des Cartellverbands der katholischen österreichischen Studentenverbindungen (ÖCV) in geschichtlichen Kurzdarstellungen. Vierow 1997, 299.