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Reichskanzler Dr. Wilhelm Cuno

Reichskanzler Dr. Wilhelm Cuno

Urverbindung: Suevia Berlin (03.04.1897)

Bandverbindungen: ArH, Rh, Wk, Wf

Geboren: 02.07.1876, Suhl (Kreis Schleusingen, Provinz Sachsen, Königreich Preußen, nunmehr Thüringen)
Gestorben: 03.01.1933, Aumühle bei Hamburg (Kreis Herzogtum Lauenburg, nunmehr Schleswig-Holstein)
Deutscher Reichskanzler, Generaldirektor (Hapag-Lloyd)

Lebenslauf:

HERKUNFT, AUSBILDUNG UND BERUFLICHE LAUFBAHN

Carl Josef Wil­helm Cuno, so lau­te­te sein vol­ler Name, Wil­helm war dann sein Ruf­na­me, wurde als Sohn eines Ge­hei­men Rech­nungs­ra­tes ge­bo­ren. Da der Vater be­rufs­be­dingt häu­fig den Wohn­ort wech­seln mußte, be­such­te Cuno die Gym­na­si­en in Kö­nigs­berg (Ost­preu­ßen; nun­mehr Ka­li­nin­grad), Ber­lin und Venlo (Nie­der­lan­de). Schlie­ß­lich legte er 1897 das Ab­itur am Theo­do­ria­num in Pa­der­born ab. Da­nach be­gann er das Stu­di­um an der Rechts­wis­sen­schaft­li­chen Fa­kul­tät der Uni­ver­si­tät Ber­lin, wo er der Sue­via bei­trat, deren Se­ni­or er war. Er setz­te es an der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg fort (dort Dr. iur.), wo er bei der Ar­mi­nia aktiv war.

Nach Be­en­di­gung sei­nes Stu­di­ums war Cuno an ver­schie­de­nen Ge­rich­ten tätig und wurde 1907 Be­am­ter des Reichs­schatz­am­tes. Die­ses war im da­ma­li­gen Sys­tem der Reichs­lei­tung (i. e. Reichs­re­gie­rung) nach heu­ti­gen Maß­stä­ben das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um des Deut­schen Rei­ches. Dort hatte er Ge­set­zes­ent­wür­fe zu er­ar­bei­ten. Ab Be­ginn des Ers­ten Welt­krie­ges, er war vom Front­dienst frei­ge­stellt, lei­te­te er bis 1916 die Reichs­ge­trei­de­stel­le. Kurz­zei­tig war er dann in die­sem Jahr Ab­tei­lungs­lei­ter im Kriegs­er­näh­rungs­amt.

Ende 1916 wurde Cuno im Schatz­amt Lei­ter des Ge­ne­ral­re­fe­rats für kriegs­wirt­schaft­li­che Fra­gen. Eine sei­ner Haupt­tä­tig­kei­ten bezog sich auch auf die Wie­der­her­stel­lung der deut­schen Han­dels­flot­te, die durch den Krieg und da­nach durch die Re­pa­ra­tio­nen stark in Mit­lei­den­schaft ge­zo­gen war. Da­durch kam er in nä­he­ren Kon­takt mit dem Ge­ne­ral­di­rek­tor Al­bert Bal­lin der „Ham­burg-Ame­ri­ka­ni­schen Pa­cket­fahrt-Ac­ti­en-Ge­sell­schaft“ (sic!), kurz Hapag ge­nannt. Diese war die grö­ß­te deut­sche Ree­de­rei und ein be­deu­ten­des bör­sen­no­tier­tes Schiff­trans­port­un­ter­neh­men mit Li­ni­en auf der gan­zen Welt, das aber durch den Krieg lei­den mußte. Bal­lin konn­te Cuno für das Di­rek­to­ri­um der Hapag ge­win­nen, so daß die­ser seine Be­am­ten­lauf­bahn auf­gab (letz­ter Dienst­grad Ge­hei­mer Re­gie­rungs­rat).

Als am 9. No­vem­ber 1918 Kai­ser Wil­helm ab­dank­te, setz­te Bal­lin sei­nem Leben ein Ende, und Cuno wurde nun Ge­ne­ral­di­rek­tor der Hapag. Daß ein CVer da­mals Vor­stands­vor­sit­zen­der einer der­art be­deu­ten­den Ak­ti­en­ge­sell­schaft wurde, war eine höchst sel­te­ne An­ge­le­gen­heit und für den CV un­ty­pisch, wenn man sich die in den Ge­samt­ver­zeich­nis­sen des CV do­ku­men­tier­te da­ma­li­ge Be­rufs­glie­de­rung der CVer an­sieht. Mög­li­cher­wei­se war Cuno der erste CVer, der in der Pri­vat­wirt­schaft eine der­ar­ti­ge Stel­lung er­reicht hat.

Cuno war 1919 auf der Pa­ri­ser Frie­dens­kon­fe­renz als Wirt­schafts­sach­ver­stän­di­ger, al­ler­dings konn­te dort die Ent­eig­nung des grö­ß­ten Teils der deut­schen Han­dels­flot­te nicht ver­hin­dert wer­den. Ihm ge­lang es aber 1920, ein Ko­ope­ra­ti­ons­ab­kom­men mit den United Ame­ri­can Lines ab­zu­schlie­ßen, was den Wie­der­auf­stieg der Hapag er­mög­lich­te. An den Ver­hand­lun­gen der deut­schen Ree­der mit dem Reich zwecks Scha­dens­mil­de­rung war er füh­rend be­tei­ligt.
Sein An­se­hen als Wirt­schafts­füh­rer stieg in die­ser Zeit, so daß die bür­ger­li­chen Par­tei­en ihn um­war­ben. Schlie­ß­lich trat er der rechts­li­be­ra­len Deut­schen Volks­par­tei (DVP) bei, des­sen Ex­po­nent in die­ser Zeit Gus­tav Stre­se­mann war. Doch wegen deren un­kla­ren Hal­tung zum Kapp-Putsch im März 1920 trat er aus ihr wie­der aus.

CUNO ALS REICHSKANZLER

Als Kon­stan­tin Feh­ren­bach im Juni 1920 zum Reichs­kanz­ler er­nannt wurde, bot er Cuno den Pos­ten eines Fi­nanz­mi­nis­ters an, was die­ser je­doch ab­lehn­te. Feh­ren­bachs Nach­fol­ger als Kanz­ler, der Zen­trums­po­li­ti­ker des lin­ken Flü­gels Jo­seph Wirth, bot Cuno das Au­ßen­mi­nis­te­ri­um an, was die­ser eben­falls ab­lehn­te. Nach des­sen Rück­tritt wurde nun Cuno vom Reichs­prä­si­den­ten Ebert mit der Bil­dung einer Re­gie­rung be­auf­tragt, der damit meh­re­re Ziele er­rei­chen woll­te: Als Par­tei­lo­ser soll­te Cuno die po­li­ti­schen Wogen glät­ten, als Wirt­schafts­fach­mann soll­te er die Fi­nanz­kri­se des Rei­ches und damit die stei­gen­de In­fla­ti­on in den Griff be­kom­men. Dar­über hin­aus hatte er ein­flu­ß­rei­che Kon­tak­te in den USA, was einer Lö­sung der Re­pa­ra­ti­ons­fra­ge dien­lich war.

Die Re­gie­rungs­bil­dung er­folg­te ohne Ab­spra­che mit dem Reichs­tag, so daß man dann die Re­gie­rung Cuno als ers­tes Prä­si­di­al­ka­bi­nett be­zeich­ne­te. Ge­tra­gen wurde es le­dig­lich von der Zen­trums­par­tei (inkl. Baye­ri­scher Volks­par­tei), der DVP und der links­li­be­ra­len Deut­schen De­mo­kra­ti­schen Par­tei DDP. Er­nannt wurde es am 22. No­vem­ber 1922. Ihm ge­hör­te auch der Pries­ter­po­li­ti­ker Hein­rich Brauns (Nv) als Ar­beits­mi­nis­ter an.

Die Kanz­ler­schaft Cunos war ge­prägt von der ab 11. Ja­nu­ar 1923 ein­set­zen­den Ruhr­be­set­zung bzw. vom Ruhr­kampf. Wegen Ein­trei­bung ge­rin­ger Rück­stän­de von Re­pa­ra­ti­ons­zah­lun­gen be­set­zen fran­zö­si­sche und bel­gi­sche Trup­pen das west­li­che Rhein­land bzw. das Ruhr­ge­biet. Die Re­gie­rung rief zum pas­si­ven Wi­der­stand auf, der u. a. auch von den Ge­werk­schaf­ten un­ter­stützt wurde, wobei Ar­beits­mi­nis­ter Brauns hier un­ter­stüt­zend wirk­te. Aber der Wi­der­stand blieb nicht nur pas­siv, son­dern wurde auch aktiv. Dazu zähl­ten auch die Ak­tio­nen von Al­bert Leo Schla­ge­ter (Fl), der am 15. März mit sei­nem Trupp eine Ei­sen­bahn­brü­cke nörd­lich von Düs­sel­dorf spreng­te. Er wurde ver­haf­tet, zum Tode ver­ur­teilt und am 26. Mai von den Fran­zo­sen hin­ge­rich­tet, Eine große Em­pö­rung mach­te sich in der Be­völ­ke­rung breit, vor allem aber auch im CV.

Die Ruh­be­set­zung über­for­der­te wegen der Un­ter­stüt­zungs­zah­lun­gen an strei­ken­de Ar­bei­ter das Bud­get und heiz­te die In­fla­ti­on an, die sich ab Mitte 1923 zu einer Hy­per­in­fla­ti­on ent­wi­ckel­te. Die Wirt­schaft an der Ruhr kam fast ganz zum Er­lie­gen. Es kam zu Streiks, und die Reichs­tags­mehr­heit for­der­te eine neue Re­gie­rung. Dar­auf­hin trat die Re­gie­rung Cuno am 12. Au­gust 1923 zu­rück. Er zog sich po­li­tisch zu­rück, wurde aber 1925 nach dem Tod von Fried­rich Ebert am 28. Fe­bru­ar 1925 als Nach­fol­ger ge­han­delt, je­doch dann nicht als Kan­di­dat auf­ge­stellt.

DIE ZEIT DANACH

Cuno wurde nach sei­ner Kanz­ler­schaft zu­erst Mit­glied des Auf­sichts­ra­tes der Hapag, dann 1927 wie­der­um deren Ge­ne­ral­di­rek­tor. 1930 war er ma­ß­geb­lich an Ver­hand­lun­gen zur Frei­ga­be deut­schen Ver­mö­gens in den USA be­tei­ligt. Er er­reich­te die Fu­sio­nie­rung der Hapag mit der zweit­grö­ß­ten deut­schen Ree­de­rei, dem Nord­deut­schen Lloyd, so daß da­nach die Firma nun­mehr Hapag-Lloyd heißt. 1932 mach­te er beim Kepp­ler-Kreis mit, der die NSDAP in wirt­schaft­li­chen Fra­gen be­ra­ten hatte. Je­doch ver­wei­ger­te er die Un­ter­schrift bei einem Auf­ruf deut­scher In­dus­tri­el­ler an Reichs­prä­si­dent Paul von Hin­den­burg, Adolf Hit­ler zum Reichs­kanz­ler zu er­nen­nen. Denn er sah die Lö­sung der po­li­ti­schen Krise in einer über­par­tei­li­chen Re­gie­rung.

Cuno starb an den Fol­gen eines über­ra­schen­den Herz­in­farkts und wurde auf dem Fried­hof Ham­burg-Ohlsd­ort (Plan­qua­drat Z 16) be­stat­tet. Knapp einen Monat nach sei­nem Tod hat Adolf Hit­ler die Macht er­grif­fen. Cuno ist mög­li­cher­wei­se da­durch ei­ni­ges er­spart ge­blie­ben. Sein Bru­der Lud­wig Cuno (Gu) war Mit­glied des Dom­ka­pi­tels von Bres­lau.

Quellen und Literatur:

https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Cuno (Abruf 23. 1. 2024)
Klein, Gottfried: Wilhelm Cuno, in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), 438f. (Abruf 23. 1. 2024).