Lebenslauf:
Missong wurde als Sohn eines Oberingenieurs der Hoechst AG geboren. Sein Vater war Deutscher, seine Mutter Österreicherin. Die Familie väterlichseits war hugenottischer Herkunft und übersiedelte 1917 nach Wien, wo er das Gymnasium in Ottakring (damals in der Neulerchenfelderstraße, danach in der Maroltingergasse) besuchte. Dort wurde er nach dem Krieg beim Christlich-Deutschen Studentenbund (CDSB) aktiv, der von dem Priester Karl Rudolf (Am) gegründet wurde, um die katholischen Mittelschüler zu sammeln. Missong war dort bis 1921 im Vorstand (Schriftführer) und veröffentlichte in dessen Zeitschrift an die 50 Beiträge. Beim CDSB lernte Missong u. a. auch Felix Hurdes (NbW EM) kennen.
Nach der Matura im Jahr 1921 begann Missong das Studium der Staatswissenschaften an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien (Dr. rer. pol. 1924). 1921 gründete er die sog. neustudentische Verbindung Ostmark, die der Neustudentischen Liga beitrat, die auf Initiative von Hurdes gegründet wurde. Die Liga bzw. die Ostmark gingen in der Folge im Bund Neuland auf. Missong sympathisierte anfänglich mit diesem Zweig der katholischen Jugendbewegung, wandte sich aber vom ihm ab, als dieser zunehmend deutschnational bzw. großdeutsch wurde.
Nach Beendigung seines Studiums trat Missong in die Redaktion der von Joseph Eberle (ArF) geführten Zeitschrift „Die Schönere Zukunft“ ein. Dort blieb er bis 1938, obwohl er zunehmend in Dissens mit Eberles großdeutschen Ansichten geriet. Im Herbst 1926 wurde im Hause von Hans Zeßner-Spitzenberg (Tt, NbW) zusammen mit Missong sowie August M Knoll (NbW) und Ernst Karl Winter (NbW) die Österreichische Aktion gegründet. Diese propagierte u. a. eine eigenständige Österreichische Nation.
1932 veröffentlichte Missong unter dem Pseudonym „Thomas Murner“ die radikal antinationalsozialistische Kampfschrift „Der Nazispiegel“. Er schrieb auch in der Zeitschrift „Der Christliche Ständestaat“, die ebenfalls antinationalsozialistisch ausgerichtet war. Missong wurde durch zunehmend engeren Kontakt mit Ernst Karl Winter legitimistisch eingestellt und trat auch der Katholischen Österreichischen Landsmannschaft Maximiliana bei.
In der Nacht vom 11. auf den 12. März 1938 wollte Missong gemeinsam mit Eugen Kogon in die Tschechoslowakei fliehen, was aber scheiterte. Er wurde in Gänserndorf verhaftet und war bis 30. Mai in Polizeihaft. Im Juni 1938 konnte er mit seiner ganzen Familie in die Schweiz emigrieren, mußte aber dann im Januar 1939 nach Jugoslawien ausweichen, nachdem die Schweizer Behörden androhten, ihn nach Deutschland auszuliefern. Als dort im April 1941 die Deutsche Wehrmacht einmarschierte, setzte er sich in die von Ungarn besetzte Vojvodina und dann nach Budapest ab. Hier wurde er im September 1941 neuerlich verhaftet und nach Wien überstellt, wo er bis zum 15. Oktober 1941 in Haft war. Ab Dezember 1941 konnte er dann in einer Wiener Rechtsanwaltskanzlei arbeiten.
Nach dem Krieg arbeitete Missong sofort bei der neu gegründeten ÖVP mit und entwarf im Juni 1945 gemeinsam mit Hans Schmitz (Nc) die „Programmatischen Leitlinien“, das erste Programm der ÖVP. Innerhalb der Bundesparteileitung übernahm er das Referat „Volksaufklärung, Publizistik und Verlagswesen“ und wurde auch öffentlicher Verwalter des Wilhelm Andermann Verlages in Wien. Gleichzeitig gründete er die „Österreichischen Monatshefte“, das theoretische Organ der ÖVP. und war von 1945 bis 1950 deren Chefredakteur. 1950 wurde er in den diplomatischen Dienst übernommen und war österreichischer Presseattaché in Bonn, Bern, und Rom. Als solcher durfte er nun nicht mehr publizieren.
Missong war schon sehr früh mit Angehörigen der Nibelungia eng befreundet, wie etwa Zeßner-Spitzenberg, Ernst Karl Winter und August M. Knoll. Nachdem Felix Hurdes bereits 1945 Ehrenmitglied der Nibelungia wurde, war es nur konsequent, diese auch Missong zu verleihen (Couleurname Rüdiger). Er wurde auf dem Friedhof Wien-Mauer begraben.
Werke:
(Auswahl)Heiliges Wien. Ein Führer durch Wiens Kirchen und Kapellen (1933, 3. Aufl. 1970).
Die österreichische Nation (1946).
Die Weltverpflichtung des Christen (1948).
Proletariat und Materialismus (1948).
Quellen und Literatur:
Weinzierl, Erika: Alfred Missong, in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 566f.Hundert (100) Jahre Nibelungia. Festschrift zum hundertsten Stiftungsfest der Katholisch-Österreichischen Studentenverbindung Nibelungia zu Wien im ÖCV. Wien 2008, S. 46–49.
Farbe tragen, Farbe bekennen 1938–45. Katholisch Korporierte in Widerstand und Farbe Verfolgung. Hg. von Peter Krause (Rt-D), Herbert Reinelt und Helmut Schmitt. Zweite wesentlich erweiterte Auflage. Teil 2: Kuhl, Manfred (F-B): Ergänzungsband Biographien. Wien 2020, S. 217f.