Wartungsfunktionen

Kais. Rat Dr. Kaspar Schwarz

Kais. Rat Dr. Kaspar Schwarz

Urverbindung: Austria-Wien (21.11.1876)

Geboren: 21.04.1845, Lasberg (Bezirk Freistadt, Oberösterreich)
Gestorben: 18.11.1911, Wien
Präsident des Katholischen Schulvereins Österreichs; Arzt

Lebenslauf:

HERKUNFT UND AUSBILDUNG

Schwarz, des­sen Vor­na­me ge­le­gent­lich Cas­par ge­schrie­ben wird, wurde als Sohn des Josef Schwarz, eines Kauf­manns und Rea­li­tä­ten­be­sit­zers sowie Las­ber­ger Bür­ger­meis­ters, ge­bo­ren. Des­sen Bru­der war Kas­par Schwarz, ein spä­te­rer ober­ös­ter­rei­chi­scher Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter und Bür­ger­meis­ter von Frei­stadt. Ein wei­te­rer Bru­der war der Lin­zer Diö­ze­san­pries­ter Se­bas­ti­an Schwarz, der Grün­der der Vöck­la­bru­cker Fran­zis­ka­ne­rin­nen.

Nach Hu­bert Adolph-Pa­burg (AW) soll Schwarz jü­di­scher Her­kunft ge­we­sen sein, was sich aber nicht nach­wei­sen läßt. Nach der Volks­schu­le be­such­te er von 1858 bis 1862 das Gym­na­si­um im süd­böh­mi­schen Bud­weis (nun­mehr Ceské Bu­de­jo­vice) und dann von 1862 bis 1866 das Je­sui­ten­gym­na­si­um Alo­sia­num in Linz, wo er Ende Juni 1866 mit­ten im ös­ter­rei­chisch-preu­ßi­schen Krieg die Ma­tu­ra ab­leg­te.

Da­nach war Schwarz ex­ter­ner Zög­ling an der von Kai­ser Josef II. ge­grün­de­ten „k. k. me­di­zi­nisch-chir­ur­gi­schen Jo­sephs-Aka­de­mie“ zur Aus­bil­dung von Mi­li­tär­ärz­ten, auch Jo­se­phinum ge­nannt, die einer Me­di­zi­ni­schen Fa­kul­tät gleich­ge­stellt war und das Pro­mo­ti­ons­recht besaß. Dort be­en­de­te er 1872 das Stu­di­um (Dr. med.). 1874 wurde diese Aka­de­mie auf­ge­löst und ist jetzt ein Mu­se­um. An­schlie­ßend dien­te Kas­par zwei Jahre als Mi­li­tär­arzt am Gar­ni­sons­spi­tal Nr. 2 in Wien und trat als Mi­li­tär-Ober­arzt außer Dienst. Da­nach war er nie­der­ge­las­se­ner „prak­ti­scher“ Arzt in Wien am Ste­phans­platz 6 („Zwett­ler Hof“), wo er auch wohn­te.

DIE GRÜNDUNG DER AUSTRIA

Kas­par hat sich früh bei dem lang­sam auf­blü­hen­den ka­tho­li­schen Ver­eins­we­sen en­ga­giert. So war er schon in sei­ner Stu­di­en­zeit Mit­glied der St. Vin­zenz­kon­fe­renz der Pfar­re Alt-Ler­chen­feld wie auch bei ka­tho­lisch-po­li­ti­schen Ka­si­nos. Mitte der sieb­zi­ger Jahre war er an der Grün­dung eines ka­tho­li­schen Stu­den­ten­ver­eins an der Uni­ver­si­tät Wien be­tei­ligt und in­skri­bier­te zu die­sem Zweck an der Rechts­wis­sen­schaft­li­chen Fa­kul­tät. Unter sei­nem Vor­sitz wur­den die ers­ten Sat­zun­gen die­ses Ver­eins aus­ge­ar­bei­tet. Nach an­fäng­li­chen Schwie­rig­kei­ten wurde am 21. No­vem­ber 1876 der „Ka­tho­lisch-ge­sel­li­ge Stu­den­ten­ver­ein der Wie­ner Hoch­schu­len“ ge­grün­det und in der Folge be­hörd­lich ge­neh­migt. Ers­ter Prä­ses (Se­ni­or) die­ses Ver­eins war Ma­xi­mi­li­an Frhr. von Vit­ting­hoff-Schell (AW). Wei­te­re Grün­der waren Franz X. May­r­ho­fer von Grün­bü­hel (AW) und Wal­ter Troll-Oberg­fell (AW).

Schwarz, der we­sent­lich an der Grün­dung die­ses Ver­eins be­tei­ligt war, die Sat­zun­gen aus­ge­ar­bei­tet hatte und die Grün­dungs­ver­samm­lung lei­te­te, konn­te als ab­sol­vier­ter Aka­de­mi­ker nicht or­dent­li­ches Mit­glied die­ses Ver­eins wer­den. Es wurde aber die Ka­te­go­rie eines Un­ter­stüt­zen­des Mit­glieds ein­ge­führt, das er 1877 wurde. Be­reits in die­sem Jahr stell­te er den An­trag auf Schaf­fung einer Hilfs­kas­se für be­dürf­ti­ge Mit­glie­der, dem statt­ge­ge­ben und des­sen Vor­sit­zen­der er dann wurde. 1878 wurde er dann Eh­ren­mit­glied des Stu­den­ten­ver­eins.

Ab An­fang 1879 set­zen in die­sem Stu­den­ten­ver­ein Be­mü­hun­gen ein, die­sen in die Rich­tung einer Cou­leur­ver­bin­dung zu len­ken. So wur­den als ers­tes die Far­ben Weiß-Gold-Schwarz ein­ge­führt. Gegen diese Ten­den­zen wehr­te sich Schwarz ve­he­ment, der den Cha­rak­ter eines Ver­ei­nes be­wah­ren woll­te. Als 1880 der Name Aus­tria ein­ge­führt wurde, war er auch da­ge­gen. Sei­nem be­harr­li­chen Wi­der­stand, aus dem Ver­ein eine Ver­bin­dung zu ma­chen, wurde auch die Schuld ge­ge­ben, daß 1883 ei­ni­ge Ver­eins­mit­glie­der die far­ben­tra­gen­de Ver­bin­dung No­ri­ca ge­grün­det hat­ten, die dann dem CV bei­trat.

Doch Schwarz konn­te den Trend hin zu einer voll­far­ben­tra­gen­den Ver­bin­dung nicht auf­hal­ten und ak­zep­tier­te schlie­ß­lich die­sen Weg. Das wurde auch da­durch ma­ni­fest, daß er an­lä­ß­lich des 25. Stif­tungs­fes­tes 1901 vom Sta­tus eines Eh­ren­mit­glieds in den eines Ur­mit­glieds er­ho­ben wurde. Das be­deu­te­te auch, daß er ab da auch als Grün­der ge­führt wurde. Sein Cou­leur­na­me war Dr. cer. Aes­ku­lap. Nach­dem die Aus­tria ma­ß­geb­lich an den Grün­dun­gen des ers­ten (1888) und des zwei­ten (1899) ÖCV be­tei­ligt war, trat die­ser – und damit auch die Aus­tria – 1906 dem CV bei, womit alle far­ben­tra­gen­den Ver­bin­dun­gen Wiens im CV ver­eint waren.

SCHWARZ ALS GRÜNDER KATHOLISCHER VEREINE

Für Schwarz war es aber mit der Grün­dung der spä­te­ren Aus­tria nicht getan. Es gab einen Un­ter­stüt­zungs­ver­ein für Stu­den­ten, der den Namen Asyl­ver­ein trug, der aber nichts mit der nun­meh­ri­gen Be­deu­tung von Asyl ge­mein hatte. Sein Zweck war, Un­ter­künf­te für Stu­den­ten zu or­ga­ni­sie­ren, ihnen quasi „Asyl“ zu ge­wäh­ren. Es gab da­mals keine Stu­den­ten­hei­me. In Wien war es üb­lich, bei ent­spre­chen­dem Wohn­raum ein vor­han­de­nes Ka­bi­nett an Stu­den­ten zu ver­mie­ten. Zu die­ser Zeit gab es die für heute über­schau­ba­re Zahl von ca. 6.000 Stu­den­ten an allen Wie­ner Hoch­schu­len (Uni­ver­si­tät, Tech­nik, Tier­ärzt­li­che, Bo­den­kul­tur), von denen die Mehr­zahl oh­ne­dies aus dem Raum Wien stamm­te. Le­dig­lich eine Min­der­zahl be­nö­tig­te daher Un­ter­kunft.

Die­ser Ver­ein lag da­mals dar­nie­der. Zu­sam­men mit an­de­ren ge­lang es je­doch Schwarz, ihn zu ret­ten bzw. zu re­ani­mie­ren. Er wurde 1884 zum Prä­si­den­ten die­ses Asyl­ver­eins ge­wählt und blieb es nach Wie­der­wah­len bis zu sei­nem Tod. Zu die­sem Zeit­punkt besaß der Ver­ein ein Stu­den­ten­heim in der Por­zel­lan­gas­se 30 in Wien-Al­ser­grund mit 143 Plät­zen, das noch heute exis­tiert. Es gilt als das äl­tes­te Stu­den­ten­heim Wiens („Por­zel­la­ne­um“).

Kaum hatte Schwarz den Asyl­ver­ein über­nom­men, schritt er an sein nächs­tes Werk, das sein grö­ß­tes wer­den soll­te. Im Mai 1886 grün­de­te er den Ka­tho­li­schen Schul­ver­ein. Mit ihm soll­te das ka­tho­li­sche Bil­dungs­we­sen Ös­ter­reichs un­ter­stützt wer­den. Er wurde schlie­ß­lich der grö­ß­te ka­tho­li­sche Ver­ein Ös­ter­reichs, der den vor­nehm­li­chen Zweck hatte, ka­tho­li­sche Pri­vat­schu­len zu för­dern. Sol­che Schul­ver­ei­ne lagen im Trend der da­ma­li­gen Zeit. We­ni­ge Jahre zuvor wurde der Deut­sche Schul­ver­ein ge­grün­det, der Schu­len in Sprach­grenz­ge­bie­ten der ös­ter­rei­chi­schen Reichs­hälf­te un­ter­stütz­te und zu einer Vor­feld­or­ga­ni­sa­ti­on der Deutsch­na­tio­na­len wurde.

Nach dem Be­richt aus Anlaß sei­nes 25jäh­ri­gen Be­stehens im Mai 1911, also kurz vor sei­nem Tod, hatte der Ka­tho­li­sche Schul­ver­ein rd. 100.000 Mit­glie­der, die meis­ten davon in ca. 800 Pfarr­grup­pen or­ga­ni­siert, 20 ei­ge­ne Schu­len, 16 sub­ven­tio­nier­te Schu­len und zwei Leh­rer­bil­dungs­an­stal­ten. Das jähr­li­che Bei­trags­auf­kom­men hatte rd. sie­ben Mil­lio­nen Kro­nen be­tra­gen, eine für die da­ma­li­ge Zeit be­acht­li­che Summe. Das ent­sprach un­ge­fähr dem 300fa­chen Jah­res­grund­ge­halt des ös­ter­rei­chi­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten. Hinzu kamen noch eine ver­eins­ei­ge­ne Buch­hand­lung, eine Buch­dru­cke­rei und eine Lehr­mit­tel­hand­lung. Pro­tek­tor des Schul­ver­eins war der Erz­her­zog-Thron­fol­ger Franz Fer­di­nand.

Im An­schluß an die­sen Schul­ver­ein grün­de­te Schwarz 1893 noch den ka­tho­li­schen Leh­rer­bund für Ös­ter­reich, um die ka­tho­li­schen Leh­rer zu sam­meln. Dar­über hin­aus war er bei zahl­rei­chen an­de­ren ka­tho­li­schen Ver­ei­ni­gun­gen in lei­ten­den Stel­len tätig. So war er u. a. am 3. all­ge­mei­nen ös­ter­rei­chi­schen Ka­tho­li­ken­tag 1892 in Linz Sek­ti­ons­prä­si­dent für Schu­le und Un­ter­richt und for­der­te dort ein ge­schlos­se­nes Vor­ge­hen der Ka­tho­li­ken gegen die li­be­ra­len Schul­ge­set­ze. Dar­über hin­aus war er auch pu­bli­zis­tisch tätig. Ab 1887 gab er die Zeit­schrift „Die Christ­li­che Fa­mi­lie“ und ab 1896 die Zeit­schrift „Weck­ru­fe für das ka­tho­li­sche Volk“ her­aus.

Schwarz ge­hör­te neben Ma­xi­mi­li­an Frhr. von Vit­ting­hoff-Schell (AW) zu jenen füh­ren­den Ge­stal­ten des ös­ter­rei­chi­schen Ver­eins­ka­tho­li­zis­mus vor dem Ers­ten Welt­krieg, die aus der frü­hen Aus­tria er­wach­sen sind. Da er am Ste­phans­platz 6 wohn­te und or­di­nier­te, wurde er Leib­arzt der Wie­ner Fürst­erz­bi­schö­fe Oth­mar Kar­di­nal Rau­scher, Ru­dolph Jo­seph Kar­di­nal Kutsch­ker (AW EM), Jo­seph Cöle­stin Kar­di­nal Gangl­bau­er (AW EM) und Anton Jo­seph Kar­di­nal Gru­scha (AW EM). Dar­über hin­aus war er Ver­trau­ens­arzt am Wie­ner Pries­ter­se­mi­nar, an der Pries­ter­bil­dungs­stät­te Frin­ta­ne­um, am un­ga­ri­schen Pries­ter­se­mi­nar Paz­ma­ne­um, bei den Ur­su­li­nen und in wei­te­ren ka­tho­li­schen Ein­rich­tun­gen.

Doch sein Ein­satz zehr­te auch an sei­ner Ge­sund­heit. Seit An­fang der neun­zi­ger Jahre des 19. Jahr­hun­derts litt Schwarz, der 1891 den Titel eines kai­ser­li­chen Rates ver­lie­hen bekam, an der Zu­cker­krank­heit, der er schlie­ß­lich dann un­er­war­tet mit 66 Jah­ren erlag. An sei­nem Be­gräb­nis nah­men die Spit­zen des ka­tho­li­schen Ös­ter­reich teil. Be­gra­ben wurde er auf dem Fried­hof Wien-Hei­li­gen­stadt. Die Aus­tria schlug für ihn am 30. No­vem­ber 1911 einen Trau­er­kom­mers.

Schwarz ehe­lich­te 1880 die um 19 Jahre jün­ge­re und da­mals erst 16 Jahre alte Ama­lie Krug. Das Paar hatte 15 Kin­der, von denen al­ler­dings nur acht das Kin­des­al­ter über­leb­ten. Der äl­tes­te Sohn wurde 1918 in rus­si­scher Kriegs­ge­fan­gen­schaft tsche­chi­schen Le­gio­nä­ren er­schos­sen, ein wei­te­rer Sohn kam 1940 im KZ Bu­chen­wald ums Leben. Er war mit einer Jüdin ver­hei­ra­tet und ver­wal­te­te jü­di­sches Ver­mö­gen. Der äl­te­re Bru­der von Schwarz war Josef Schwarz (1841–1909), Dom­ka­pi­tu­lar in Linz, sein jün­ge­rer Bru­der war der Pries­ter Franz Sales Schwarz (1849–1912), Re­li­gi­ons­pro­fes­sor an der Re­al­schu­le in Linz, wo Adolf Hit­ler sein Schü­ler war.

Quellen und Literatur:

Academia 24 (1911/12) 263 und 297–300.
Verbindungsarchiv Austria Wien. Mitteilung von Richard Huka, zitiert in Mitteilung von Florian Böttcher, 2. 4. 2024.
Böttcher, Florian: Schwarz. Das Wirken der Stifterfamilie. Manuskript (im ÖCV-Archiv).
Leb, Josef: Die Geschichte der Katholischen, Deutschen Studentenverbindung „Austria“ in Wien. 1876–1826. Wien 1926, 14.
Rehberger, Robert: Geschichte der katholischen österreichischen Studenten-Verbindung Austria in Wien. Erster Teil 1876–1889. Wien o. J. (1957), 29–35, 40–49, 57–59 und 65.
Rill, Robert: Caspar Schwarz, in: Österreichisches Biographisches Lexikon. Band 11. Wien 1999, 427f.
Hartmann, Gerhard: Treu zu Gott und Vaterland. Die Geschichte des CV in Österreich. Wien–Kevelaer 2023, 28, 269 und 383.