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LH a.D. HR i.R. Dr. Adolf Schemel

LH a.D. HR i.R. Dr. Adolf Schemel

Ehrenmitgliedschaften: Austria-Wien

Geboren: 30.06.1880, Salzburg
Gestorben: 27.04.1961, Salzburg
Landeshauptmann (Salzburg), Mitglied des Länderrates, Landesbeamter
Politische Haft: 1938/39 Polizeihaft

Lebenslauf:

Schemel, Edler von Kühnritt, wurde als Sohn eines k. u. k. Offiziers geboren. 1899 absolvierte er das Salzburger k. k. Staatsgymnasium, studierte danach an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien (Dr. iur. 1904) und trat 1903 in den Salzburger Landesdienst (Statthalterei) ein. Von 1911 bis 1922 war er an den Bezirkshauptmannschaften Salzburg Land und Zell am See tätig, danach bis 1931 im Gewerbereferat, um dann – nach Ernennung zum Hofrat – das Schulreferat der Landesregierung zu leiten. 1923 bis 1930 war er Mitglied des Sparkassenausschusses der Salzburger Sparkasse.

Nach dem Ersten Weltkrieg war Schemel kommunalpolitisch tätig. Von 1919 bis 1931 war er Gemeinderat der Stadt Salzburg und dort Klubobmann der Christlichsozialen. Unter Landeshauptmann Franz Rehrl (AW) war er vom 19. Januar 1934 bis zum 31. Oktober 1934 Landeshauptmannstellvertreter und vom 1. November 1934 bis zum 12. März 1938 Landesrat, wobei er das Finanzressort leitete. Dadurch war er aufgrund der Verfassung des „Ständestaates“ ab 29. November 1934 Mitglied des Länderrates. Desgleichen wurde er auch am 1. November als Vertreter des Öffentlichen Dienstes zum Landtagsabgeordneten bestellt. Diese Funktionen bekleidete er bis zum 12. März 1938.

Am 1. April 1938 wurde Schemel zwangspensioniert und war dann vom 11. Juli 1938 bis 16. Februar 1939 in Polizeihaft. Ende November 1939 wurde er dann ohne Pensionsanspruch entlassen. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er der personelle Kristallisationspunkt des christlichsozialen Widerstands. Bei der am 7. Mai 1945 erfolgten Wiederbegründung der Christlichsozialen Partei im Mozarteum – die bereits erfolgte Gründung der ÖVP in Wien war noch unbekannt – wurde er zum provisorischen Landesparteiobmann gewählt und mit dem Aufbau der Landesverwaltung betraut. Schemel blieb bis 31. Mai Parteiobmann, dann wurde die Partei in ÖVP unbenannt.

Schemel wurde am 10. Mai 1945 vom amerikanischen Militärgouverneur als provisorischer Landeshauptmann bestätigt. Am 25. Mai erfolgte die offizielle Einsetzung der Provisorischen Landesregierung. Schemel hatte damit die ersten Aufbauarbeiten nach dem Krieg zu leisten. Dieses Amt gab er dann am 12. Dezember 1945 dem ersten gewählten Landeshauptmann Albert Hochleitner (AW) ab. Unter ihm wurde er dann am 12. Dezember 1945 zum Landeshauptmannstellvertreter (Finanzreferent) gewählt. Dieses Amt bekleidete er eine Wahlperiode lang bis 1. Dezember 1949, er war daher am Wiederaufbau Salzburgs maßgeblich beteiligt.

1945 wurde Schemel als Beamter rehabilitiert, war jedoch aufgrund seiner politischen Funktionen vom Dienst freigestellt. Mit Ende 1949 ging er als wirkl. Hofrat in Pension. Als er Kommunalpolitiker war. verlieh ihm die Austria Wien die Ehrenmitgliedschaft. 1960 wurde er Ehrenbürger der Stadt Salzburg. Er war auch Ehrenmitglied der katholischen Pennalien (später MKV) Almgau Salzburg (1925), Hohensalzburg St. Johann/Pongau (1928) und Ivaria Salzburg (1931). Nach ihm ist in Salzburg eine Straße benannt. Er wurde auf dem städtischen Friedhof Salzburg begraben.

Quellen und Literatur:

Enderle-Burcel, Gertrude: Christlich–ständisch–autoritär. Mandatare im Ständestaat 1934–1938. Biographisches Handbuch der Mitglieder des Staatsrates, des Bundeskulturrates, des Bundeswirtschaftsrates sowie des Bundestages. Unter Mitarbeit von Johannes Kraus. Hg. vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands und der Österreichischen Gesellschaft für Quellenstudien. Wien 1991, S. 207.
Steinkellner, Friedrich: Die Geschichte der Salzburger ÖVP, in: Volkspartei – Anspruch und Realität. Zur Geschichte der ÖVP seit 1945 (= Schriftenreihe des Forschungsinstituts für politisch-historische Studien der Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek, Salzburg, Band 2). Hg. von Robert Kriechbaumer (R-J) und Franz Schausberger (Rp). Wien 1995, S. 701f.
Kriechbaumer, Robert (R-J): Salzburgs Landeshauptleute der 2. Republik (= Schriftenreihe des Landespressebüros: Salzburg-Dokumentation Nr. 113). Salzburg 2002. S. 9–13.
Voithofer, Richard: Politische Eliten in Salzburg. Ein biografisches Handbuch 1918 bis zur Gegenwart (= Schriftenreihe des Forschungsinstituts für politisch-historische Studien der Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek, Salzburg, Band 32). Wien 2007, S. 204f.
Farbe tragen, Farbe bekennen 1938–45. Katholisch Korporierte in Widerstand und Verfolgung. Hg. von Peter Krause (Rt-D), Herbert Reinelt und Helmut Schmitt. Zweite wesentlich erweiterte Auflage. Teil 2: Kuhl, Manfred (F-B): Ergänzungsband Biographien. Wien 2020, S. 295.