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Franz Rehrl

Franz Rehrl

Urverbindung: Austria-Wien (13.10.1910)

Bandverbindungen: AIn, Nc, R-J, Kb

Geboren: 04.12.1890, Salzburg
Gestorben: 23.01.1947, Salzburg
Landeshauptmann (Salzburg), Vorsitzender des Bundesrates, Landtagsabgeordneter (Salzburg), Landesbeamter
Politische Haft: 1938 und 1939 Polizeihaft, 1944/45 KZ Ravensbrück und Gefängnis Berlin-Moabit

Lebenslauf:

HERKUNFT UND AUSBILDUNG

Rehrl wurde als Sohn des Stifts-Zimmermannmeisters von St. Peter, Salzburg, geboren und absolvierte 1910 in Salzburg das Gymnasium. 1906 trat er der katholischen Pennalie Almgau bei (später MKV; hier Couleurname Kater). Dort bekleidete er u. a. die Funktionen eines Fuchsmajors und Kassiers. Anschließend studierte er an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien (abs. iur. 1914, Dr. iur. 1915), wo er der Austria Wien beitrat (Coulername Dr. cer. Raßmann). Wegen einer Zuckerkrankheit wurde er nicht zum Militärdienst einberufen und trat nach seinem Studium sowie nach einer Gerichtspraxis 1914/15 (am Landesgericht Salzburg) in den Dienst der autonomen Salzburger Landesverwaltung, wobei er vom damaligen Landesausschußmitglied Daniel Etter (AW EM) gefördert wurde.

Hier war Rehrl als Schriftführer des Landesausschusses sowie als Sekretär des Landeshauptmanns eingesetzt. 1917 wurde er Vorstand der Landesausschußkanzlei. Dem Landesausschuß oblag in der Monarchie die autonome Landesverwaltung, eine teilweise Vorform der späteren Landesregierung. Dadurch geriet er in näheren Kontakt mit den Christlichsozialen. Der damalige Landeshauptmann Alois Winkler – ein Priester – förderte ihn ebenfalls. Das ebnete Rehrl die politische Laufbahn. Auch hatte er Kontakte zu Ignaz Seipel (Nc EM), der damals an der Salzburger Theologischen Fakultät lehrte.

REHRLS POLITISCHE LAUFBAHN

Dadurch kam Rehrl in der Umbruchszeit 1918 in politische Funktionen. So gehörte er bereits ab 3. November 1918 der Provisorischen Landesversammlung und der Landesregierung an. Vom 23. April 1919 war er bis zur Errichtung des „Ständestaates“ 1934 Landtagsabgeordneter. Vom 23. April 1919 bis zum 4. Mai 1922 war er Landeshauptmannstellvertreter und vom 4. Mai 1922 – damals erst 32-jährig – bis zum 13. März 1938 Salzburger Landeshauptmann.

Vom 24. November 1920 bis zum 2. Mai 1934 war Rehrl Mitglied des Bundesrates. Dessen Vorsitzender war er vom 1. Dezember 1922 bis zum 31. Mai 1922, vom 1. Juni 1927 bis zum 30. November 1927 und vom 1. Dezember 1931 bis 1. Juni 1932. Im „Ständestaat“ war er als Landeshauptmann vom 29. November 1934 bis 12. März 1938 Mitglied des Länderrates und des Bundestages. Vom 5. November 1936 bis 20. Mai 1937 war er Vorsitzender des Länderrates und damit Dritter Vizepräsident des Bundestages.

Unter der Landeshauptmannschaft von Rehrl fielen u. a. der Ausbau der Großglocknerstraße und der Gaisbergstraße, die Förderung des Fremdenverkehrs durch die Gründung der Salzburger Festspiele und der Bau der Schmittenhöhenbahn sowie der Bau der Tauernkraftwerke. Er war einer der profiliertesten Landespolitiker Österreichs der Zwischenkriegszeit. Ein Angebot von Engelbert Dollfuß (F-B), in die Regierung einzutreten, lehnte er ab, weil er Vorbehalte gegenüber dem autoritären Kurs hatte. Er setzte sich auch für 1934 verhaftete Sozialdemokraten ein. Rehrl war ein Föderalist und demokratischer Koalitionspolitiker. Ebenso setzte er sich bei den Verhandlungen um ein neues Österreichisches Konkordat vehement für die Beibehaltung des Domkapitelwahlrechts für die Salzburger Erzbischöfe ein, was dann auch gelang.

DIE JAHRE AB 1938

Am 16. März 1938 wurde Rehrl als Landesbediensteter (nominell wirkl. Hofrat und Direktor der Landeshypothekenanstalt) entlassen und im Mai 1938 verhaftet, wobei man versuchte, ihm Unregelmäßigkeiten nachzuweisen. Im Zuge dessen erhielt er eine Steuerstrafe von über 96.000 RM. Er blieb bis 24. Dezember in Haft. Danach wurde er gauverwiesen und lebte daraufhin in Karlsbad (damals Protektorat Böhmen-Mähren). Bereits im Juni 1938 wurde er ohne Bezüge in den dauernden Ruhestand versetzt. Am 12. Dezember 1939 wurde er in Karlsbad neuerlich in Untersuchungshaft genommen und wegen Korruption und Devisenvergehens angeklagt, jedoch am 18. August 1941 freigesprochen. Trotzdem wurde sein ganzes Vermögen eingezogen. Danach lebte er isoliert in der Erzabtei St. Peter und wurde von CVern unterstützt. Von seiner Frau war er schon seit einigen Jahren getrennt.

In der Folge kam Rehrl in Kontakt mit dem Widerstand um den 20. Juli. So traf er in Salzburg konspirativ Helmut Graf Moltke, den führenden Kopf des „Kreisauer Kreises“. Ebenso gab es Kontakte zu Jakob Kaiser, zu Josef Müller (KV Isaria Freising, nach 1945 CSU-Politiker) und Hans Lukaschek (R-P). Im Zuge des 20. Juli sollte Rehrl als politischer Beauftragter für Salzburg fungieren, was er jedoch wegen der Konzeption des deutschen Widerstands ablehnte. Diese sah weiterhin den „Anschluß“ Österreichs vor. Trotzdem wurde er am 25. Juli 1944 in Zell am Ziller neuerlich verhaftet, Mitte August ins KZ Ravensbrück eingeliefert und dann ins Gefängnis Berlin-Moabit überstellt, wo er mit Landeshauptmann Josef Reither (F-B EM) zusammentraf und das Kriegsende erlebte. Er kehrte schwer krank im August 1945 nach Salzburg zurück und war dann bis zu seinem Tod mehr oder minder ans Krankenbett gefesselt. Daher lehnte er 1945 jede politische Funktion ab. Sein Bruder Josef Rehrl (AIn EM) war dann von 1947 bis 1949 Salzburger Landeshauptmann.

Rehrl war in seiner Aktivenzeit in Wien bei der Austria nicht besonders engagiert. Beinahe wäre er sogar dimittiert worden. Trotzdem förderte er CVer. Vor 1938 war er auch Vorsitzender des ÖCV-Altherrenlandesbundes Salzburg. Obwohl er an sich ein sachlicher Politiker war, vertrug er nur schwer Kritik und galt als cholerisch. Als Friedrich Funder (Cl) in der „Reichspost“ ein energiewirtschaftliches Projekt von ihm als „Utopie“ bezeichnete, entzog Rehrl ihm das cartellbrüderliche Du. Nach ihm ist ein Platz in der Stadt Salzburg benannt. Er wurde auf dem Salzburger Stadtteilfriedhof Morzg in einem Ehrengrab bestattet.

Werke:

Rede des Landeshauptmannes Dr. Franz Rehrl, gehalten aus Anlaß der feierliche Begrüßung durch die Salzburger nach der Heimkehr aus dem KZ am 15. August 1945 (1945).

Quellen und Literatur:

Mayr, Charlotte: Das Arbeitsbeschaffungsprogramm Franz Rehrls. Salzburg phil. Diss. 1975
Huber, Wolfgang (Hrsg.): Franz Rehrl. Landeshauptmann von Salzburg 1922–1938. Salzburg 1975.
Enderle-Burcel, Gertrude: Christlich–ständisch–autoritär. Mandatare im Ständestaat 1934–1938. Biographisches Handbuch der Mitglieder des Staatsrates, des Bundeskulturrates, des Bundeswirtschaftsrates sowie des Bundestages. Unter Mitarbeit von Johannes Kraus. Hg. vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands und der Österreichischen Gesellschaft für Quellenstudien. Wien 1991, S. 194f
Facit. Zeitschrift der K. Ö. St. V Austria-Wien. 15. Jg., März 1997, S. 15f.
Spatzenegger, Hans: Franz Rehrl, in: Faszinierende Gestalten der Kirche Österreichs. Hg. von Jan Mikrut. Band 8. Wien 2003, S. 231–274.
Voithofer, Richard: Politische Eliten in Salzburg. Ein biografisches Handbuch 1918 bis zur Gegenwart (= Schriftenreihe des Forschungsinstituts für politisch-historische Studien der Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek, Salzburg, Band 32). Wien 2007, S. 179f.
Salzburg. Geschichte & Politik. 27. Jahrgang 2017, Nr. 1/2, März 2017. „Nach außen rau, im Innern gütig“. Zum 70. Todestag von Landeshaupmann Dr. Franz Rehrl (1890–1947) am 23. Jänner 2017.
Farbe tragen, Farbe bekennen 1938–45. Katholisch Korporierte in Widerstand und Verfolgung. Hg. von Peter Krause (Rt-D), Herbert Reinelt und Helmut Schmitt. Zweite wesentlich erweiterte Auflage. Teil 2: Kuhl, Manfred (F-B): Ergänzungsband Biographien. Wien 2020, S. 271–273.