Lebenslauf:
AUSBILDUNG UND BERUFSLAUFBAHN
Kaspar stammte aus dem Weißgerberviertel (Wien-Landstraße) und besuchte die dortige Volksschule (Kolonitzplatz). Danach absolvierte er das Bundesrealgymnasium Wien-Innere Stadt (Stubenbastei), wo er 1966 maturiert hat. Anschließend begann er das Studium an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien (Dr. iur. 1971), wo er der Amelungia beitrat (Couleurname Lincoln). Da sein ursprünglicher Leibbursch die Verbindung verlassen hat, wurde der Alt-VOP Roderich M. Regler (Am) sein Ersatz-Leibbursch.
Nach dem Gerichtsjahr 1971/72 trat Kaspar in den Dienst der Girozentrale, dessen Generaldirektor damals Josef Taus (Baj) war, ab 1995 war dies Karl Pale (AlIn). Dort bekleidete er verschiedene Funktionen im Bereich internationale Finanzierungen, im Vorstandssekretariat, in den Bereichen Volkswirtschaft sowie des Marketings und der Werbung. Durch letzteren Umstand kam es, daß er in einer TV-Werbung für eine Zahnpasta zu sehen war. 1976 erhielt er die Prokura, und 1982 wurde er Abteilungsdirektor für Volkswirtschaft, Marketing und Werbung. 1983 übernahm er zusätzlich die Geschäftsführung der von ihm mitbegründeten Tochtergesellschaft GESCO, einer Werbe-Agentur.
Mit der Übernahme des Österreichischen Credit-Instituts (ÖCI) wurde die Girozentrale zur Giro-Credit. 1996 wechselte Kaspar zur Gänze als Geschäftsführer zur GESCO. Die Giro-Credit wurde 1999 von der Ersten Österreichischen Spar-Casse übernommen bzw. mit dieser zur Erste Bank AG fusioniert. Kaspar wurde daraufhin Konsulent bei dieser und war dies bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand.
Neben seinem Bankberuf betätigte sich Kaspar auch publizistisch und veröffentlichte Beiträge zu politischen und wirtschaftlichen Themen. Er war verantwortlich für die Herausgabe der renommierten Quartalshefte der Girozentrale und Initiator der „Finanz-Zeitung“ der Girozentrale. Er publizierte u. a. regelmäßig in „Euromoney“, „Institutional Investor“, im „Bank-Archiv“ und in der „Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen“. Darüber hinaus veröffentlichte er regelmäßige Beiträge in der „Presse“, in der „Furche“ und vor allem in der „Wiener Zeitung“.
SEIN ENGAGEMENT IM CV
Kasper engagierte sich in seiner Verbindung und im CV. So war er von 1969 bis 1971 durch zwei Studienjahre WCV-Senior. Es waren dies die hochschulpolitisch wie allgemein politisch wichtigen Jahre. Als 1971 die ÖCV-Bildungsakademie beschlossen wurde, übernahm er unter dem Amtsträger Maximilian Liebmann (Cl) als erster den Posten eines Generalsekretärs und war als solcher maßgeblich an deren Aufbau beteiligt. Von 1973 bis 1976 war er Leiter des ÖCV-Amtes für Information und von 1983 bis 1987 solcher des ÖCV-Amtes für Finanzen. In dieser Zeit wurden die CV-Finanzen neu geordnet und neue Büroräumlichkeiten im ÖCV-Haus (Lerchenfelder Straße) geschaffen.
2001 wurde Kaspar zum Leiter des Academia-Amtes gewählt, welche Funktion er nach zweimalige Wiederwahl bis 2013 bekleidet hat. Unter seiner Ägide waren Paul Hefelle (F-B) und Wolfgang Bamberg (Am) Chefredakteure. Die Wahl zur einer vierten Amtsperiode scheiterte, weil die notwendige Mehrheit für die Wiederwahl mit Ausnahme zur Cartellordnung um eine Stimme verfehlt wurde. Sein Nachfolger wurde Bamberg, der Kaspar zum Chefredakteur der „Academia“ bestellte, was er dann bis 2015 war. Im offiziellen Nachruf des ÖCV zu Kaspar hieß es dazu: „Gerne hätte er sich weiterhin führend für die ‚Academia‘ engagiert, allerdings wollte das die damalige Verbandspitze nicht mehr.“
In diesen insgesamt 14 Jahren hat Kaspar die „Academia“ sowohl in inhaltlicher wie finanzieller Hinsicht neu positioniert. Letzteres gelang ihm durch seine beruflichen Kontakte im Rahmen seiner Tätigkeit in der Werbebranche. Dadurch erreichte das Inseratenaufkommen Spitzenwerte, die sich in dieser Form nicht mehr wiederholen sollten. Unter seiner Leitung wurde die „Academia“ inhaltlich konturierter und auch außerhalb des ÖCV zunehmend wahrgenommen. Dazu in dem Nachruf des ÖCV: „Die Themenauswahl dieser Jahre zeigte alle Problematiken einer katholischen Gesinnungsgemeinschaft auf. Herbert Kaspar hatte keine Hemmungen, kritische Entwicklungen in unserem Land anzusprechen und in pointierten Artikeln auf die Fehler der Verantwortlichen hinzuweisen, manchmal auch wenn es die ‚eigenen Leute‘ waren. Die Mehrheit der Mitglieder, und das zeigten alle Reaktionen, Leserbriefe und Umfragen, unterstützte seine Linie, auch wenn vielleicht nicht jeder Artikel oder Kommentar auf die volle Zustimmung stieß. Cartellbruder Lincoln blieb immer eine wertkonservative und wirtschaftsliberale Stimme in der eintönigen linkslastigen österreichischen Medienlandschaft.“ Er veröffentlichte seine Kommentare in der „Academia“ bis in sein letztes Lebensjahr.
Kaspar hatte als einziger im ÖCV drei Ämter mit einer kumulierten Amtszeit von 19 Jahren bekleidet. Daher wundert es nicht, daß ihm bereits 2005, nach elf „Dienstjahren“, der ÖCV-Ehrenring verliehen wurde. Anfang 2010 wurde ihm der Berufstitel Professor verliehen, was nicht ganz glatt verlaufen ist. Die Anregung dazu stammte von Horst Haselsteiner (Am), Professor für Mittelosteuropäische Geschichte an der Universität Wien, der auch eine ausführliche Begründung für den Antrag verfaßt hat. Das dafür zuständige Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur unter der SPÖ-Ministerin Claudia Schmied wertete diese als nicht ausreichend, sondern hat ein weiteres Gutachten des linkslastigen Instituts für Publizistik der Universität Wien erbeten, das nicht nur negativ, sondern auch gehässig ausfiel. Ursache hierfür waren u. a. Kaspars Kommentare in der „Academia“, in denen er auf eine „politische Korrektheit“ im Sinne der „linkslastigen österreichischen Medienlandschaft“ keine Rücksicht nahm. Aufgrund von massiven Interventionen wurde ein weiteres Gutachten des Linzer Wirtschaftshistorikers Roman Sandgruber (Am) eingeholt, das sich in der Hauptsache auf die wirtschaftspolitischen Veröffentlichungen und Beiträge Kaspers stütze, so daß die Verleihung erfolgen konnte.
Kaspar hat sich über 50 Jahre für den ÖCV und natürlich auch seine Verbindung, deren Philistersenior er von 2021 bis 2023 war, fast ununterbrochen und über Maßen wie kaum ein anderer eingesetzt. Als solcher wird er in Erinnerung bleiben. Er starb nach kurzer und schwerer Krankheit und wurde auf dem Friedhof Wien-Hietzing beigesetzt.
Quellen und Literatur:
Verbindungsarchiv Amelungia. Diverse Lebensläufe und Verbindungsparte.ÖCV-Archiv. Protokoll der XXXXVIII, 2005, Eisenstadt. Antrag auf Verleihung des ÖCV-Ehrenrings an Herbert Kaspar (Am)
Aktenbestand der Ehrenzeichenkanzlei der Österreichischen Präsidentschaftskanzlei (Kabinettsdirektor i. R. Heinz Hafner Am, Mitteilung 5. 2.), Inklusive Gutachten Roman Sandgruber (Am) sowie Stellungnahme Heinz Hafners zum Verleihungs-Verfahren.
Academia intern 3/1996, 6.