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em. Propst KonsR. Ök.R Rupert Kroisleitner , Can. Reg.

em. Propst KonsR. Ök.R Rupert Kroisleitner , Can. Reg.

Urverbindung: Nibelungia (24.04.1970)

Geboren: 13.10.1939, Wenigzell (Bezirk Hartberg, nunmehr Hartberg-Fürstenfeld, Steiermark)
Gestorben: 03.07.2026, Graz
Propst (Vorau), Ordenspriester (Can. Reg.)

Lebenslauf:

Kroisleitner wurde als Sohn eines Landwirtehepaars geboren und auf den Namen Karl getauft. Der Vater wurde im Zweiten Weltkrieg in Rußland als vermißt gemeldet, so daß er als Halbwaise aufgewachsen ist. Er besuchte in Wenigzell die Volksschule und danach das Bischöfliche Gymnasium sowie das angeschlossene Knabenseminar in Graz, wo er 1960 maturiert hat. Im Anschluß daran trat er in das Chorherrenstift Vorau ein, wurde am 7. August 1969 eingekleidet, nahm den Ordensnamen Rupert an und absolvierte das einjährige Noviziat. Nach der Einfachen Profeß am 8. August 1961 begann er das Studium an der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck (abs. theol. 1966). Nachdem er am 8, August 1964 die Ewige Profeß abgelegt hatte, wurde er am 3. Juli 1966 von Bischof Josef Schoiswohl (Rd) in Vorau zum Priester geweiht.

Anschließend wurde Kroisleitner nach Wien geschickt, um an der Hochschule für Bodenkultur (nunmehr Universität für Bodenkultur) das Studium der Forstwirtschaft zu beginnen. Dies stand im Zusammenhang mit dem ausgedehnten Forstbesitz des Stiftes. Bei dieser Gelegenheit trat er der Nibelungia bei (Couleurname Rupert). Es war dies die Zeit des Zweiten Vatikanums, die zu Umbrüchen in der Kirche führte. Der amtierende Propst Gilbert Prenner war dadurch überfordert und resignierte mit 56 Jahren auf sein Amt. Die Folge war ein Generationenwechsel, denn der Convent postulierte Kroisleitner am 16. Juli 1970 zum Propst. Postulieren heißt zwar wählen, da aber der Gewählte für einen Propst noch nicht das kanonische Alter (35 Jahre) erreicht hat, mußte Rom die Ausnahme genehmigen. Erst als das geschehen ist, galt er als gewählt. Die Benediktion zum Propst erfolgte am 25. Oktober 1970.

Mit Kroisleitner wurde nicht nur ein junger Propst gewählt, der auf dem Boden des II. Vatikanums stand, sondern auch jemand, der aufgrund seines Studiums, das er nun nicht vollenden konnte, den ökonomischen Sachverstand mitbrachte, ein Stift mit dem entsprechenden Grundbesitz zu leiten. Nachdem die erste Amtszeit auf zehn Jahre beschränkt war, erfolgte 1980 die Wahl auf Lebenszeit. Er resignierte auf dieses Amt am 15. Mai 2000 aus gesundheitlichen Gründen mit 61 Jahren.

Unter seiner Ägide wurde das gesamte Stift renoviert, ein neues Verwaltungsgebäude erbaut, ein Bildungshaus eingerichtet sowie die wirtschaftliche Situation des Stiftes neu geordnet. Er modernisierte die landwirtschaftliche Hauswirtschaftsschule mit Internat und renovierte die dem Stift inkorporierten Pfarrkirchen. Er war Mitglied des Konsistoriums der Diözese Graz-Seckau, Vorsitzender der steirischen Ordenskonferenz und Vorstandsmitglied der österreichischen Superiorenkonferenz, deren Finanz- und Wirtschaftsreferat er 25 Jahre bis 2005 geleitet hat.

Bei der Volksbank Südost-Steiermark war Kroisleitner jahrelang Aufsichtsratsvorsitzender. 1990 wurde er stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates des Bankauseses Schelhammer & Schattera und 1996 Vorsitzender des Aufsichtsrates (bis 2005). Diese Bank gehörte damals kirchlichen Institutionen. Bis 1996 war Josef Melchart (NdW EM) Vorstandsvorsitzender dieser Bank. Nach seinem Rücktritt war Kroisleitner von 2002 bis 2008 Stiftsdechant und bis 2019 Ökonom des Stiftes. Im Jahr 2003 übernahm er eine heikle Aufgabe. Er war einer der beiden Apostolischen Visitatoren des Prämonstratenser-Chorherrenstiftes Geras (Niederösterreich), das sich unter Abt Joachim Fridolin Angerer (Am EM) stark verschuldet hatte.

Am 3. Juli, dem 60. Jahrestag seiner Priesterweihe, fuhr Kroisleitner selber mit seinem Auto nach Graz, um auf der dortigen Universität der Promotion des amtierenden Propstes von Vorau beizuwohnen. Kurz vor Beginn der Feierlichkeiten erlitt er einen Herzinfarkt. Eine zufällig neben ihm sitzende Ärztin konnte ihn zwar reanimieren. Er wurde sofort in das Landeskrankenhaus Graz gebracht, jedoch war sein Leben nicht mehr zu retten. Nach Empfang der Krankensalbung verstarb er in den frühen Abendstunden. Am Sonntag, dem 5. Juli, hätte er in einem feierlichen Gottesdienst in der Kirche von Wenigzell, wo er getauft wurde, seines Priesterjubiläums gedacht.

Kroisleitner war auch Urphilister der MKV-Verbindung Festenburg Hartberg und Bandphilister der MKV-Verbindungen Lonsperch Deutschlandsberg und Normannia Graz. Er wurde in der Prälatengruft des Stiftes beigesetzt.



Quellen und Literatur:

Archiv Stift Vorau. Mitteilung H. Thomas Sudi (Cl), 6. 7. 2026.
Aktenbestand der Ehrenzeichenkanzlei der Österreichischen Präsidentschaftskanzlei (Kabinettsdirektor i. R. Heinz Hafner Am, Mitteilung 7. 7. 2026).
ÖCV-Archiv. Eigenhändiger Lebenslauf Kroisleitner.