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Hermann Herder

Hermann Herder

Ehrenmitgliedschaften: Austria-Wien, Arminia Freiburg, Hercynia Freiburg

Geboren: 14.01.1864, Freiburg im Breisgau (Großherzogtum Baden)
Gestorben: 19.10.1937, Freiburg im Breisgau (Baden)
Verleger, Vorsitzender der Vereinigung katholischer Buchhändler Deutschlands

Lebenslauf:

Der aus der schwäbischen Reichsstadt Rottweil stammende Bartholomä Herder (1774–1839) errichtete in seiner Heimatstadt eine Verlags- und Sortimentsbuchhandlung und zog mit dieser 1807 in das bis 1805 vorderösterreichische und seitdem badische Freiburg im Breisgau. Dort legte er den Grundstein für den Verlag Herder, der der bedeutendste deutschsprachige katholische Verlag wurde („Gottes eigener Verlag“). Sein Sohn und Nachfolger Benjamin Herder (1818–1888) baute den Verlag weiter aus. Dessen Sohn und Nachfolger war wiederum Hermann Herder.

Herder wurde zuerst von Privatlehrern unterrichtet und besuchte anschließend zuerst das Gymnasium in Bonn und dann das in Freiburg, wo er 1883 das Abitur ablegte. Danach studierte er einige Zeit an der Freiburger Universität und leistete sein Einjährig-Freiwilligen Jahr. Wegen der Krankheit seines Vaters mußte er sich früh im Verlag einarbeiten, dessen Leitung er nach dessen Tod übernahm. Er sollte 49 Jahre an der Spitze dieses Unternehmens stehen.

Prägend für diese Zeit war die lexikalische Sparte des Verlages, die Herder ausbaute. So gab er das „Staatslexikon“ (fünf Bände) der Görres-Gesellschaft, das „Konversationslexikon“ (1901–1908, acht Bände), aus dem dann der „Große Herder“ entstand (1931–1935, 15 Bände), und schließlich das zehnbändige „Lexikon für Theologie und Kirche“ (1930–1938) heraus, das nach 1945 noch weitere zwei Auflagen erlebte. Ebenso erschien ein fünfbändiges „Lexikon der Pädagogik“ (1913–1917), angeregt durch Herders Schwiegervater Otto Willmann (Fd EM). Lexika waren bis Ende des 20. Jahrhunderts die Sammlung von komprimiertem Wissen und gewissermaßen Vorgänger der im Zug der IT-Revolution um 2000 entstandenen Wissensplattformen (z. B. Wikipedia, Google).

Im Verlagsprogramm gepflegt wurden vor allem die Sachbuchbereiche allgemeine wie wissenschaftliche Theologie, Philosophie, Sozialwissenschaften und Geschichte. Herder verstand es, die namhaftesten Autoren dieser Gebiete an seinen Verlag zu binden. Zu diesem Zweck gründete er zahlreiche Niederlassungen im Ausland, wie z. B. in Barcelona, Tokio, London und Rom sowie 1888 in Wien (Wollzeile), wo eine Buchhandlung aber auch ein eigenständiger Verlag errichtet wurden, letzterer existierte bis Ende des 20. Jahrhunderts. Darüber hinaus wurde in Deutschland eine Reihe von Buchhandlungen gegründet, die u. a. auch den Absatz des eigenen Verlagsprogramms befördern sollten und teilweise bis Ende des 20. Jahrhunderts betrieben wurden, so u. a. in Freiburg/Br., München, Münster, Köln, Frankfurt/Main, Saarbrücken, Stuttgart, Breslau, Würzburg, Augsburg. Deren Namen bestehen zum Teil noch weiter, wie in Freiburg, Münster und Wien.

In den um 1900 aufbrechenden Diskussionen in der katholischen Kirche, wie Modernismus, Reformkatholizismus, Literatur- und Gewerkschaftsstreit, vertrat er eine mittlere bzw. ausgleichende Linie. Neben den Lexika und dem normalen Verlagsprogramm mit Einzelmonographien trat der Verlag Herder auch durch die Herausgabe bedeutender bzw. monumentaler Werke hervor, so etwa die Akten des Konzils von Trient oder die römischen Mosaiken und Malereien der kirchlichen Bauten vom 4. –13. Jahrhundert, fünf Bände (1916), von Josef Wilpert (AIn). In den Jahren 1910 bis 1912 errichtete Herder in Freiburg (in der später nach ihm benannten Straße) ein großes Verlagsgebäude inklusive Druckerei.

Während des Ersten Weltkrieges war Herder als Reserveoffizier eingezogen und ab 1915 Kompaniekommandant in den Ardennen. Sein letzter Dienstgrad war Major der Reserve (Auszeichnung: Eisernes Kreuz I. Klasse). Von 1900 bis 1918 war er auch Mitglied des Stadtrates von Freiburg.

Nach dem Krieg wurde 1920 der Verlag in die Rechtsform einer GmbH überführt, und sein Programm wurde trotz Widrigkeiten (Inflation) weiter ausgebaut. Aufgrund der nach 1918 einsetzenden liturgischen Bewegung erlangte das von dem Beuroner Benediktinerpater Anselm Schott (Gu) herausgegebene lateinisch-deutsche Meßbuch weite Verbreitung im deutschen Sprachraum. 1928 ließ Herder den Namen „Schott“ markenrechtlich schützen. Nach 1920 wurde die Sparte Jugendbuch und Belletristik ausgebaut. Kurz vor seinem Tod gründete Herder den Christophorus-Verlag, der das Schriftgut der Zentrale der katholischen Jugend in Deutschland (in der NS-Zeit verboten) weiterführte. Ebenso erwarb er den Karl-Alber-Verlag (München).

Herder engagierte sich auch in der Standesvertretung. So war er am 14. Mai 1906 in Leipzig Mitbegründer der Vereinigung des katholischen Buchhandels. Diese umfaßte Verlage und Buchhandlungen, die die Herstellung und Verbreitung katholischer Literatur betreiben, aus dem gesamten deutschen Sprachraum. Herder wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt, welches Amt er bis 1920 bekleidete. Von 1925 bis 1928 war er 2. Vorsitzender. 1917 erhielt er den Titel eines Geheimen Kommerzienrates, 1920 wurde ihm das Ehrendoktorat der Philosophischen Fakultät der Universität Freiburg verliehen.

Offenbar in Zusammenhang mit der Gründung der Niederlassung des Verlages Herder in Wien im Jahr 1888 wurde dem „um die Förderung der katholischen Literatur und Kunst so eifrig bemühten und hervorragenden Verlagsbuchhändler Herder“ die Ehrenmitgliedschaft der Austria Wien verliehen. Erst 16 bzw. 20 Jahre später erhielt er die Ehrenbänder der Freiburger CV-Verbindungen Arminia und Hercynia. 1908 wurde er auch Ehrenmitglied der Freiburger KV-Verbindung Brisgovia. All diese Ehrenmitgliedschaften dokumentieren die Verbundenheit Herders mit dem Vereinskatholizismus.

Im Jahr 1900 ehelichte Herder in Prag Charlotte, die Tochter von Otto Willmann (Fd EM), Professor für Pädagogik an der deutschen Karl-Ferdinands-Universität Prag und später lebenslängliches Mitglied des Herrenhauses des österreichischen Reichsrates. Der Ehe entsprang lediglich eine Tochter (Elisabeth). Diese ehelichte 1925 Theophil Dorneich, den Mitgesellschafter des Herder-Verlages, der ab diesem Zeitpunkt den Namen Herder-Dorneich führte und ab 1937, nach dem Tod Herders, Geschäftsführer des Unternehmens Herder wurde und diese Funktion bis 1963 ausübte. Sein Nachfolger wurde dessen Sohn Hermann Herder jun.



Quellen und Literatur:

Dorneich, Julius: Hermann Herder, in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 605f. (Online Version: https://www.deutsche-biographie.de/gnd119362821.html#ndbcontent).
Der katholische Buchhandel Deutschlands. Seine Geschichte bis zum Jahre 1967. Hg. von der Vereinigung des katholischen Buchhandels e. V. Frankfurt/Main 1967, bes. S. 91–173.
Correspondenzblatt des Cartell-Verbands der katholischen Sudenten-Corporationen der österreichischen Hochschulen Nr. 2. Wien 1892, S. 9.