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Apost. Protonotar HS Prof. Dr.h.c. Josef Wilpert

Apost. Protonotar HS Prof. Dr.h.c. Josef Wilpert

Urverbindung: Austria Innsbruck (21.10.1878)

Geboren: 22.08.1857, Eiglau (Kreis Leobschütz, Provinz Schlesien, Königreich Preußen)
Gestorben: 10.03.1944, Rom
Hochschulprofessor (Christliche Archäologie), Weltpriester

Lebenslauf:

Wil­pert wurde als Sohn eines Bau­ern in Eiglau ge­bo­ren (nun­mehr poln. Dzielów, ge­hört jetzt zur Stadt Bau­er­witz, poln. Baborów). Die Fa­mi­lie vä­ter­li­cher­seits war ur­sprüng­lich pol­ni­scher Ab­stam­mung und än­der­te im 18. Jahr­hun­dert den Fa­mi­li­en­na­men von Zwier­c­zi­na in Wil­pert. Nach dem Be­such der Volks­schu­le ging Wil­pert 1869 auf das Gym­na­si­um in Le­ob­schütz (nun­mehr poln. Glub­c­zy­ce), wo er 1878 das Ab­itur ab­leg­te.

Da­nach be­gann Wil­pert das Stu­di­um zu­erst der Phi­lo­so­phi­schen Fa­kul­tät der Uni­ver­si­tät Inns­bruck, wo er der Aus­tria bei­trat (Cou­leur­na­me Apol­lo). Er un­ter­brach das Stu­di­um im Stu­di­en­jahr 1879/80, als er als Ein­jäh­rig-Frei­wil­li­ger den Mi­li­tär­dienst in der preu­ßi­schen Armee ab­sol­vier­te. Da­nach setz­te er das Stu­di­um in Inns­bruck fort , al­ler­ding in­skri­bier­te er an der Ka­tho­lisch-Theo­lo­gi­schen Fa­kul­tät (abs. theol. 1884). Im Win­ter­se­mes­ter 1982/82 stui­der­te er in Rom. Be­reits am 2. Juli 1883 wurde er für das Erz­bis­tum Ol­mütz zum Pries­ter ge­weiht.

1884 ging Wil­pert auf Wunsch sei­nes Erz­bi­schofs zum Stu­di­um der Christ­li­chen Ar­chäo­lo­gie neu­er­lich nach Rom und wurde of­fi­zi­ell Ka­plan am 1876 ge­grün­de­ten „Pon­ti­ficio Col­le­gio Teu­to­ni­co di Santa Maria in Campo Santo“. In der Folge wurde Rom sein Le­bens­mit­tel­punkt, das er nur zu For­schungs­rei­sen ver­ließ und im Ers­ten Welt­krieg als deut­scher Staats­bür­ger ver­las­sen mußte. 1891 wohn­te er in Rom pri­vat, um dann 1921 in das „Col­le­gio Teu­to­ni­co di Santa Maria dell’Anima“, die Anima wie es kurz ge­nannt wird, zu zie­hen und ver­brach­te dort den Rest sei­nes Le­bens.

Wil­perts wis­sen­schaft­li­ches Spe­zi­al­ge­biet wur­den die rö­mi­schen Ka­ta­kom­ben und hier wie­der­um die dort sich be­find­li­chen Skulp­tu­ren und Ma­le­rei­en bzw. Sar­ko­pha­ge. Sein be­son­de­res Ver­dienst war es nun, daß er in müh­sa­mer, auch mit phy­si­scher An­stren­gung ver­bun­de­ner Ar­beit in den engen Ka­ta­kom­ben die Ma­le­rei­en, Mo­sai­ke, Skulp­tu­ren etc. fo­to­gra­fisch do­ku­men­tier­te. Im Zeit­al­ter der schnel­len „Sel­fies“ ist es kaum mehr vor­stell­bar, wel­che ex­or­bi­tan­te Leis­tung damit auf­grund des da­ma­li­gen tech­ni­schen Stan­des im Be­reich der Fo­to­gra­fie und der dort not­wen­di­gen Aus­leuch­tung ver­bun­den war.

Diese fo­to­gra­fi­sche Do­ku­men­ta­ti­on er­schien in meh­re­ren Ver­öf­fent­li­chun­gen, wobei Wil­pert die Ab­bil­dun­gen kom­men­tier­te. Hier blieb er je­doch dem da­ma­li­gen Trend ver­bun­den, auch all­täg­li­che Sze­nen einer bi­bli­schen Er­zäh­lung oder einem kirch­li­chen Brauch zu­zu­ord­nen. Zu die­sem Trend zähl­te auch, die Ab­bil­dun­gen in den Ka­ta­kom­ben viel zu früh zu da­tie­ren, was wie­der­um zu einer Ab­wer­tung der christ­li­chen Kunst­wer­ke in der öst­li­chen Hälf­te des Rö­mi­schen Rei­ches führ­te. Doch un­be­scha­det des­sen war es das un­zwei­fel­haf­te und epo­cha­le Ver­dienst Wil­perts, die ver­schie­de­nen früh­christ­li­chen Kunst­wer­ke in den rö­mi­schen Ka­ta­kom­ben (Ma­le­rei­en, Mo­sai­ke, Sar­ko­pha­ge etc.) sys­te­ma­tisch in Bild­do­ku­men­ten fast voll­stän­dig zu er­fas­sen.

Wil­perts Haupt­werk war die 1916 im Ver­la­ge Her­der in Frei­burg/Br. er­schie­ne­nen fünf Bände über die rö­mi­schen Mo­sai­ken und Ma­le­rei­en der kirch­li­chen Bau­ten vom 4. –13. Jahr­hun­dert. Die Her­aus­ga­be wurde von Kai­ser Wil­helm II. ge­för­dert. Daher über­reich­te der Autor am 10. Ok­to­ber 1916 das be­son­ders ge­bun­de­ne erste Ex­em­plar in einer Au­di­enz dem Kai­ser per­sön­lich. Dies ge­schah im Gro­ßen Haupt­quar­tier, das zu die­sem Zeit­punkt im Schloß Pleß (nun­mehr Psz­c­zy­na), Ober­schle­si­en, lo­gier­te. Wil­pert war dabei Eh­ren­gast an der kai­ser­li­chen Tafel.

Wil­pert er­hielt nach sei­nen ers­ten For­schungs­er­geb­nis­sen be­reits 1891 den Titel eines Päpst­li­chen Ge­heim­käm­me­rers (Mon­si­gno­re). 1892 er­hielt er das Eh­ren­dok­to­rat der Ka­tho­lisch-Theo­lo­gi­schen Fa­kul­tät Müns­ter. 1893 wurde ihm der eh­ren­vol­le Auf­trag er­teilt, Kai­ser Franz Jo­seph in sei­ner Ei­gen­schaft als Apos­to­li­scher König von Un­garn das Kar­di­nals-Bi­rett für den Erz­bi­schof von Gran (Esz­ter­gom), Kolos Fe­renc Vas­za­ry, zu über­brin­gen. Der Kai­ser bzw. König hatte da­mals das Recht, einem Bi­schof sei­nes Rei­ches, der zum Kar­di­nal kre­iert wurde, das Kar­di­nals-Bi­rett auf­zu­set­zen. Vas­za­ry war als Erz­bi­schof von Gran der Nach­fol­ger von Jo­hann Kar­di­nal Simor (AW EM).

1896 wurde Wil­pert zum Päpst­li­chen Hausprä­la­ten und 1903 zum Apos­to­li­schen Pro­to­no­tar de nu­me­ro er­nannt. Damit war er Mit­glied der Kom­mis­si­on der sie­ben päpst­li­chen No­ta­re, des­sen Dekan er dann auch wurde. Das ist ein hohes Amt in der Rö­mi­schen Kurie, das be­stimm­te Vor­gän­ge no­ta­ri­ell zu be­glau­bi­gen hatte. Diese Pro­to­no­ta­re hat­ten da­mals das Recht der Pon­ti­fi­ka­li­en (Mitra, Stab).

1926 wurde Wil­pert zum Pro­fes­sor des ein Jahr zuvor ge­grün­de­ten Pon­ti­ficio Is­ti­tu­to di Ar­cheo­lo­gia Chris­tia­na (Päpst­li­ches In­sti­tut für Christ­li­che Ar­chäo­lo­gie) er­nannt, wo er bis zum Jahr 1936 lehr­te. Die­ses In­sti­tut dient der Lehre und For­schung der Christ­li­chen Ar­chäo­lo­gie sowie ver­wand­ter Ge­bie­te (z. B. Pa­tro­lo­gie), bie­tet ein drei­jäh­ri­ges Auf­bau­stu­di­um bzw. post-gra­dua­te-Stu­di­um mit Pro­mo­ti­ons­recht an und be­sitzt Hoch­schul­rang.

Wil­pert starb an den Fol­gen eines Stur­zes und wurde auf dem Fried­hof des Campo Santo Teu­to­ni­co in Rom be­gra­ben.

Werke:

Werke
(Auswahl)
Die Katakombengemälde und ihre alten Kopien. Eine ikonographische Studie (1891).
Ein Zyklus christologischer Gemälde in der Katakombe der Heiligen Petrus und Marcellinus (1891).
Fractio panis. Die älteste Darstellung des eucharistischen Opfers in der „Cappella Greca“ (1895).
Die Malereien der Sacramentskapellen in der Katakombe des hl. Callistus (1897).
Die Gewandung der Christen in den ersten Jahrhunderten. Vornehmlich nach den Katakomben-Malereien dargestellt (1898).
Die Malereien der Katakomben Roms. Zwei Bände (1903).
Die Papstgräber und die Cäciliengruft in der Katakombe des hl. Kallistus (1909).
Die römischen Mosaiken und Malereien der kirchlichen Bauten vom 4. –13. Jahrhundert. Fünf Bände (1916).
I sarcofagi cristiani antichi. 5 Bände (1929–1936).
Erlebnisse und Ergebnisse im Dienste der christlichen Archäologie. Rückblick auf eine fünfundvierzigjährige wissenschaftliche Tätigkeit in Rom (1930).

Quellen und Literatur:

Academia 29 (1916/17), 348, und 40 (1927/28), 124f.
Kriss, Simon–Zathammer, Stefan: Austriae mortuis I. Die Verstorbenen Austrier der Rezeptionsjahrgänge von 1864–1910. Innsbruck 2024, 117f. und 524.
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5404966
Reiner Sörries: Josef Wilpert. (1857–1944). Ein Leben im Dienste der christlichen Archäologie. Würzburg 1998.
Stefan Heid (Hg.): Giuseppe Wilpert archeologo cristiano (= Sussidi allo studio delle antichità cristiane. Bd. 22). Città del Vaticano 2009 (hier ausführliches Literaturverzeichnis Wilperts).