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Reichsrats-Abg. LAbg. Egbert Graf Belcredi

Reichsrats-Abg. LAbg. Egbert Graf Belcredi

Ehrenmitgliedschaften: Austria-Wien

Geboren: 02.09.1816, Ingrowitz (Bezirk Neustadtl, Mähren; Jimramov, Nové Město)
Gestorben: 11.10.1894, Lösch (nunmehr Brünn; Líšeň)
Reichsratsabgeordneter, Landtagsabgeordneter (Mähren), Katholikentagspräsident, Fideikommißherr

Lebenslauf:

Belcredi – gelegentlich ist auch die Schreibweise seines Vornamens Ekbert überliefert – wurde als ältester Sohn des Eduard Graf Belcredi und der Maria, geb. Gräfin von Fünfkirchen, geboren. Seine Vorfahren waren ursprünglich Patrizier in Pavia (Lomdardei). Die Familie wurde 1721 zu erbländisch-österreichischen, lombardischen Marchese ernannt und 1769 in den böhmischen Grafenstand erhoben. Die Familie besaß in Mähren die Herrschaften Ingrowitz bei Zwittau, Lösch bei Brünn sowie Bosenitz (Tvarožná).

Belcredi wurde – wie beim Adel üblich – durch Hauslehrer unterrichtet und besuchte das Gymnasium sowie Philosophische Jahrgänge in Leitomischl (Böhmen; Litomyšl). Danach schlug er zuerst bei der Kavallerie eine Militärlaufbahn ein, dem er 1845 als Rittmeister quittierte. Da sein Vater bereits 1838 verstarb, mußte er die Leitung des Familienfideikommißbesitzes übernehmen. Als Repräsentant eines entsprechenden Großgrundbesitzes kam er bereits vor 1848 in die Politik und gehörte zuerst der ständischen Opposition an.

1848/49 wurde Belcredi für kurze Zeit Mitglied der mährischen Stände und des mährischen Landtags. Nach Einführung der gewählten Landtage durch das Februarpatent des Jahres 1861 wurde er als Vertreter des Großgrundbesitzes in den mährischen Landtag gewählt und gehörte diesem vom 6. April 1861 bis 1873 und von 1884 bis zu seinem Tode an. Von 1864 bis 1866 war er Mitglied des Landesausschusses.

Ebenso kandidierte Belcredi für den Großgrundbesitz bei den Reichsratswahlen des Jahres 1873, wurde gewählt und gehörte dem Abgeordnetenhaus vom 4. November 1873 an, legte aber sein Mandat bereits 1874 zurück. 1879 wurde er neuerlich gewählt und gehörte dann dem Abgeordnetenhaus vom 7. Oktober 1879 bis zum 23. Januar 1891 an (VI. und VII. Wahlperiode). In dieser Zeit gehörte er dem Tschechischen Klub (Tschechischer Großgrundbesitz) an.

Belcredi zählt zum Kreis der Gründer der Katholisch-Konservativen Bewegung und der Organisatoren des Politischen Katholizismus bzw. des Verbandskatholizismus. So war er u. a. vom 30. April bis 3. Mai 1877 Präsident des 1. allgemeinen österreichischen Katholikentags in Wien. Dort kam es im Rahmen der Sektion Schule erstmals zu einer Diskussion über die Situation auf den Hochschulen bzw. über die Studentenverbindungen, wobei der „engere Anschluß der katholischen Studierenden untereinander“ beschlossen wurde. Vertreter der Austria Innsbruck und der Austria Wien war dort anwesend und ergriffen das Wort.

Belcredi, der gelegentlich Teilnehmer der „Freien Vereinigung katholischer Sozialpolitiker“ war, war auch zusammen mit Leo Graf Thun-Hohenstein 1860 Begründer der katholisch-konservativen Tageszeitung „Das Vaterland“ und war von 1888 bis zu seinem Tod deren Herausgeber. Die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft der Austria Wien an ihn stand im Zusammenhang mit der Katholisch-Konservativen Bewegung.

Belcredi war mit Christiane, geb. Gräfin von Nostitz und Rokitnitz, verheiratet. Die Ehe blieb kinderlos. Sein jüngerer Bruder Richard war von 1865 bis 1867 Leiter des Staatsministeriums (Ministerpräsident).


Quellen und Literatur:

Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser 1912. Gotha o. J. (1912), S. 78f.
Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950, Band 1, Wien 1957, S. 66.
Melville, Ralph: Der mährische Politiker Graf Egbert Belcredi (1816–1894) und die postfeudale Neuordnung Österreichs. Stuttgart 1988.
https://www.parlament.gv.at/WWER/PARL/J1848/Belcredi.shtml