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Dr. Josef Alexander Freiherr von Helfert

Dr. Josef Alexander Freiherr von Helfert

Ehrenmitgliedschaften: Austria-Wien

Geboren: 03.11.1820, Prag
Gestorben: 16.03.1910, Wien
Präsident des k. k. Unterrichtsrates (Funktion eines Kultusministers), Unterstaatssekretär, Mitglied des Herrenhauses, Mitglied des Kremsierer Reichstages, Historiker

Lebenslauf:

Josef Alexander Frhr. von Helfert, so sein voller Name, wurde als Sohn eines Universitätsprofessors für Römisches Recht und Kirchenrecht geboren, absolvierte 1838 das Piaristengymnasium sowie das Philosophicum in Prag und studierte anschließend an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Karl-Ferdinands-Universität Prag (Dr. iur. 1842). Bereits 1841 trat er in den Staatsdienst (böhmisches Fiskalamt), wechselte aber 1843 als Assistent seines Vaters auf die Universität. Nach weiteren Funktionen im Staatsdienst war er 1847/48 Supplent am Lehrstuhl für Römisches und Kanonisches Recht an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Krakau. (Die auf dem Wiener Kongreß geschaffene Republik Krakau wurde im November 1846 von Österreich annektiert.)

1848 begann Helferts politische Karriere. So war er vom 22. Juli 1848 bis zum 4. März 1949 Mitglied des (sog. Kremsierer) Reichstags. Am 13. November 1848 wurde er ins soeben gegründeten Ministerium für Kultus und Unterricht als Unterstaatssekretär berufen (diese Funktion war mit der eines Ersten Sektionschefs vergleichbar), dessen Minister dann Leopold Leo Graf Thun und Hohenstein (AW EM) wurde. Am 18. August 1854 wurde er in den erblichen Freiherrenstand berufen. Auf seine Initiative wurde 1854 das Institut für Österreichische Geschichtsforschung gegründet.

Nach der zeitweiligen Auflösung des Unterrichtsministeriums als Reichsbehörde wurde Helfert zuerst am 20. Oktober 1860 zum interimistischen Leiter des Ministeriums ernannt. An dessen Stelle trat der Unterrichtsrat, dessen Leiter er von 4. Februar 1861 bis Juni 1863 war (womit er praktisch die Funktion eines Unterrichtsministers ausübte). 1863 wurde Helfert Präsident der k. k. Zentralkommission für die Erforschung und Erhaltung der kunst- und historischen Denkmäler. Ab dieser Zeit widmete er sich vor allem historischen Studien, die wegen seiner unerschöpflichen Arbeitskraft und der Erreichung eines hohen Alters eine enorme Zahl erreichten.

1874 wurde Helfert Mitglied der Akademie der Wissenschaften und 1897 Kanzler des Franz-Joseph-Ordens. Am 16. Januar 1881 wurde er zum lebenslänglichen Mitglied des Herrenhauses ernannt. Darüber hinaus war er Vorsitzender des k. k. Archivrates sowie Mitglied bzw. Präsident weiterer Gesellschaften und Vereinigungen. Er war einer der bedeutendsten Exponenten der Katholisch-Konservativen und Förderer der österreichischen Staatsidee. 1892 war er Mitbegründet der Österreichischen Leo-Gesellschaft und bis zu seinem Tod deren Präsident. Im 12. Wiener Gemeindebezirk ist eine Gasse nach ihm benannt.

Werke:

Über 50 Monographien (Liste siehe bei Fellner/Corradini s. u.).

Quellen und Literatur:

Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950, Band 2, Wien 1959, S. 256f.
Weinzierl, Erika: Josef Alexander Freiherr von Helfert, in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 469f. Onlinefassung: http://www.deutsche-biographie.de/pnd11877381X.html.
Fellner, Fritz–Corradini, Doris A.: Österreichische Geschichtswissenschaft im 20. Jahrhundert. Ein biographisch-bibliographisches Lexikon. Wien 2006, S. 179f.
Fraiss, Johannes (Rd): Die „Österreichische Leo-Gesellschaft. Ideengeschichtlicher Kontext, Gründung und frühe Entwicklung bis 1900. Wien (theol. Dipl.-Arb.) 2015.
https://www.parlament.gv.at/WWER/PARL/J1848/Helfert.shtml