Wartungsfunktionen

Franz Stumpf

Franz Stumpf

Urverbindung: Austria Innsbruck (08.10.1894)

Bandverbindungen: Vi

Geboren: 30.03.1876, Sablat (nunmehr Záblatí, Bezirk Budweis-Land, Böhmen)
Gestorben: 28.02.1935, Innsbruck
Landeshauptmann (Tirol), Vorsitzender des Bundesrates, Reichsratsabgeordneter, Nationalratsabgeordneter, Landtagsabgeordneter (Tirol), Obmann der Tiroler Volkspartei (Christlichsoziale), Gymnasiallehrer

Lebenslauf:

Stumpf wurde als Sohn eines Militärarztes geboren, der damals in Böhmen stationiert war, einer alteingesessenen Tiroler Familie entstammte und später Arzt in Kundl (Bezirk Kufstein, Tirol) war. Er besuchte das Gymnasium in Salzburg (Knabenseminar Borromäum) und dann bei den Franziskanern in Hall in Tirol, wo er 1892 bei der katholischen Pennalie (später MKV) Sternkorona aktiv war. Nach seiner Matura 1894 studierte er für das Lehramt Mathematik und Physik an der Philosophischen Fakultät der Universität Innsbruck (Dr. phil. 1899, Lehramtsprüfung), wo er der Austria Innsbruck beitrat (Couleurname Kibitz). Zu seinen unmittelbaren Consemestern zählte u. a. Richard Wollek (AIn).

Nach seinem Studium absolvierte Stumpf sein Einjährig-Freiwilligen Jahr beim 1. Tiroler Landesschützenregiment der k. k. Landwehr, absolvierte das Probejahr an den Lehrerbildungsanstalten in Bozen und Brixen. und war dann Gymnasiallehrer in diesen Fächern am Realgymnasium in Mödling. Er unterbrach zeitweise diese Tätigkeit, um an der Technischen Hochschule in Wien Elektrotechnik zu studieren, war aber dann 1905 wieder an der Lehrerinnenbildungsanstalt in Wien-Hegelgasse tätig.

Stumpf kam in Wien in Kontakt mit den Christlichsozialen, was bei ihm zu einem politischen Engagement führte. Er wurde bei den ersten Reichsratswahlen nach dem allgemeinen Wahlrecht im Mai 1907 für den Wahlkreis Kufstein-Kitzbühel-Hopfgarten Land in das Abgeordnetenhaus gewählt und gehörte diesem nach seiner Wiederwahl im Jahr 1911 vom 17. Juni 1907 bis zum 11. November 1918 an. Dadurch wurde er am 21. Oktober 1918 Mitglied der Provisorischen Nationalversammlung, was er bis zum 16. Februar 1919 blieb. In Februar 1919 kandidierte er für die Konstituierende Nationalversammlung, der er vom 4. März 1919 bis zum 22. Juli 1919 angehörte (Mandatsniederlegung). Mit Beginn seiner politischen Tätigkeit ab 1907 wurde er vom Dienst freigestellt.

Politisch war Stumpf aber vor allem in der Tiroler Landespolitik tätig. Dort kandidierte er 1908 für die Wahlen zum Tiroler Landtag, dem er dann vom 22. April 1908 bis 21. November 1934 angehörte. Ende Oktober 1918 wurde er Obmann der aus der endgültigen Fusion der Katholisch-Konservativen und der Christlichsozialen entstandenen Tiroler Volkspartei, wie die Christlichsozialen in Tirol hießen. Diese Funktion übte er bis 1931 aus, sein diesbezüglicher Nachfolger wurde Franz Kolb (Vi EM). Er gehörte aber auch dem Bauernbund an.

Das führte auch zu seinem Eintritt in die Tiroler Landesregierung. Bereits am 30. Oktober 1918 wurde Stumpf zum Landesrat gewählt. Am 1. Juli 1919 rückte er zum dritten und am 15. Dezember 1919 zum zweiten Landeshauptmannstellvertreter auf. Am 7. Juni 1921 wurde er zum Landeshauptmann gewählt, welche Position er bis zu seinem Tod innehatte. Sein Nachfolger wurde dann Josef Schumacher (AIn). Stumpf stand in all den schwierigen Jahren der Ersten Republik an der politischen Spitze des Landes, wobei er gegenüber der Sozialdemokratie auch nach 1933 ausgleichend wirkte.

Zusätzlich zu seiner Stellung in der Landesregierung wurde Stumpf vom Tiroler Landtag in den Bundesrat gewählt, dem er dann vom 14. April 1931 bis zum 2. Mai 1934 angehörte. Vom 1. Dezember 1932 bis zum 31. Mai 1933 war er Vorsitzender des Bundesrates. Das war die Zeit, als es am 4. März 1933 zur sog. „Selbstausschaltung“ des Nationalrats kam, von der aber der Bundesrat nicht berührt war. Aufgrund der Verfassung des „Ständestaates“ gehörte er vom 29. November 1934 bis zu seinem Tod dem Länderrat und dem Bundestag an.

1921 leitete Stumpf auch die Organisation der Volksabstimmung in Tirol für einen Anschluß an das Deutsche Reich. Er stand anfänglich der Heimwehr positiv gegenüber, weigerte sich aber 1931 den Machtansprüchen des Tiroler Heimwehrführers Richard Steidle (AIn) nachzugeben. Stumpf begründete die Tiroler Hausbank und leitete diese bis zur Fusionierung mit der Bank für Tirol und Vorarlberg kurz vor seinem Tod.

Stumpf starb nach längerer Krankheut und wurde im Familiengrab im Kundl (Tirol) beigesetzt. Nach ihm wurden Straßen in Innsbruck, Wörgl und Kundl benannt.

Quellen und Literatur:

Austrier-Blätter Nr. 12, 1935, S. 25-27.
Schober, Richard: Geschichte des Tiroler Landtages im 19. und 20. Jahrhundert. Mit einem Beitrag von Eberhard Lang. Innsbruck 1984, S. 535f.
Enderle-Burcel, Gertrude: Christlich–ständisch–autoritär. Mandatare im Ständestaat 1934–1938. Biographisches Handbuch der Mitglieder des Staatsrates, des Bundeskulturrates, des Bundeswirtschaftsrates sowie des Bundestages. Unter Mitarbeit von Johannes Kraus. Hg. vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands und der Österreichischen Gesellschaft für Quellenstudien. Wien 1991, S. 238.