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Erich Kneußl

Erich Kneußl

Urverbindung: Austria Innsbruck (12.01.1905)

Geboren: 30.03.1884, Lienz / Osttirol
Gestorben: 17.09.1968, Hall (Tirol)
Nationalratsabgeordneter, Bundeswirtschaftsrat, Landesamtsdirektor (Tirol)
Politische Haft: 1944 KZ Innsbruck-Reichenau

Lebenslauf:

Kneußl wurde als Sohn eines Bezirkshauptmannes geboren, besuchte die Volksschule in Schwaz (Tirol) und absolvierte von 1896 bis 1904 das Gymnasium der Benediktiner in Meran. Anschließend studierte er an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck (Dr. iur.1909), wo er der Austria beitrat (Couleurname Klaus). Nach dem Studium trat er 1909 in den Dienst der k. k. Statthalterei in Innsbruck und wurde bei den Bezirkshauptmannschaften Lienz, Cles, Tione di Trento, Mezzolombardo (Welsch-Metz) sowie in Ampezzo eingesetzt, deren Bezirkshauptmannschaft er ab 1917 leitete. Im Juli 1918 wurde er mit dem wirtschaftlichen Wiederaufbau der durch Krieg in Mitleidenschaft gezogenen Bezirke Ampezzo, Bruneck und Lienz beauftragt. Da er 1907 für untauglich erklärt wurde, brauchte er im Ersten Weltkrieg nicht einrücken.

Nach Kriegsende im November 1918 wurde Kneußl zuerst in den Verwaltungsdienst nach Innsbruck berufen, um dann bereits 1919 Bezirkshauptmann von Lienz zu werden. In dieser Funktion kam er in Kontakt mit dem Tiroler Bauernbund, der ihn als Kandidaten für die Wahlen zum Nationalrat des Jahres 1927 nominierte, wo er auch gewählt wurde. Ihm gehörte er von 18. Mai 1927 bis zum 2. Mai 1934 an. Von 1933 bis 1936 war er erster Obmannstellvertreter des Tiroler Bauernbundes.

1934 wurde Kneußl als Vertreter der Unselbständigen in der Land- und Forstwirtschaft in den Bundeswirtschaftsrat entsandt, dem er vom 1. November 1934 bis zum 12. März 1938 angehörte. Am 28. November 1934 wurde er von diesem in den Bundestag gewählt. In dieser Zeit galt sein besonderes Interesse dem Obstbau. Auf seine Initiative hin wurde 1937 die Obstverwertungsgenossenschaft Mitteltirol gegründet. 1937 wurde er zum wirkl. Hofrat ernannt.

Als im März 1935 der Tiroler Landeshauptmann Franz Stumpf (AIn) verstarb, setzten der Tiroler Landtag gemäß der Ständestaatsverfassung Kneußl auf die Dreierliste, aus der der Landeshauptmann zu ernennen gewesen wäre. Bundeskanzler Kurt Schuschnigg (AIn) berücksichtigte diese Dreierliste nicht, sondern ernannte Josef Schumacher (AIn) zum Landeshauptmann.

Nach dem Anschluß im März 1938 wurde Kneußl von seinen Ämtern enthoben und mit 13. Januar 1939 unter Kürzung der Bezüge um ein Viertel in den Ruhestand versetzt. In der Folge widmete er sich dem Obstbau. Nach dem Hitler-Attentat im Juli 1944 wurde er am 23. August 1944 verhaftet und bis Oktober im KZ Innsbruck-Reichenau interniert.

Nach dem Krieg wurde Kneußl am 3. Juli 1945 zum Staatskommissar für alle unmittelbaren Bundesangelegenheiten in Tirol ernannt. Ab dem 20. Dezember 1945 fungierte er als Landesamtsdirektor. Mit 1. August 1946 wurde er beurlaubt und am 18. Dezember 1946 zum Leiter der Außenstelle des Bundeskanzleramtes in Innsbruck zur Durchführung des Gruber-De Gasperi Abkommens ernannt. Hier ging es auch um die Rückführung der Südtiroler Optanten. Diese Stelle leitete er bis zu deren Auflösung im Dezember 1951.

Kneußl war in den zwanziger Jahren viele Jahre Leiter des Osttiroler Philisterzirkels. Er lebte in den letzten Jahren in Hall in Tirol, wo er auch begraben wurde.

Quellen und Literatur:

Austrier-Blätter Nr. 37, 1968, 42f.
Schober, Richard: Geschichte des Tiroler Landtages im 19. und 20. Jahrhundert. Mit einem Beitrag von Eberhard Lang. Innsbruck 1984, S. 463.
Enderle-Burcel, Gertrude: Christlich–ständisch–autoritär. Mandatare im Ständestaat 1934–1938. Biographisches Handbuch der Mitglieder des Staatsrates, des Bundeskulturrates, des Bundeswirtschaftsrates sowie des Bundestages. Unter Mitarbeit von Johannes Kraus. Hg. vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands und der Österreichischen Gesellschaft für Quellenstudien. Wien 1991, S. 126f.
Farbe tragen, Farbe bekennen 1938–45. Katholisch Korporierte in Widerstand und Farbe Verfolgung. Hg. von Peter Krause (Rt-D), Herbert Reinelt und Helmut Schmitt. Zweite wesentlich erweiterte Auflage. Teil 2: Kuhl, Manfred (F-B): Ergänzungsband Biographien. Wien 2020, S. 169f.