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Univ.-Prof. P. Dr. Martin Gusinde , SVD

Univ.-Prof. P. Dr. Martin Gusinde , SVD

Ehrenmitgliedschaften: Austria-Wien

Geboren: 29.10.1886, Breslau (Schlesien, nunmehr Wroclaw, Polen)
Gestorben: 18.10.1969, Mödling-St. Gabriel (Niederösterreich)
Universitätsprofessor (Ethnologie), Ordenspriester (SVD)

Lebenslauf:

Gusinde wurde als Sohn eines Wursterzeugers bzw. einer Schneiderin geboren. Bereits als Volksschüler wurde das Interesse für ferne Länder geweckt, so daß er beschloß, Missionar zu werden. Daher besuchte er das Gymnasium im Missionshaus Heiligkreuz in Ober Neuland (gehört nunmehr zu Neiße/Nysa, Polen), wo er 1905 das Abitur ablegte. Bereits 1901 trat er in die „Gesellschaft des Göttlichen Wortes“ (SVD), den Steyler Missionaren, ein und studierte an der Ordenshochschule in St. Gabriel bei Mödling. Am 29. September 1911 wurde er zum Priester geweiht. Während seines Studiums wurde er sehr stark von P. Wilhelm Schmidt geprägt, der die Theorie des Urmonotheismus erstmals vertrat. Seine Schüler waren neben Gusinde noch dessen Ordensbrüder Wilhelm Koppers und Paul Schebesta, die ebenfalls bekannte Ethnologen waren.

1912 begab sich Gusinde als Missionar nach Chile, wo er zuerst als Lehrer für Biologie am Liceo Alemán in Santiago de Chile sowie am Museo Nacional de Ethnologia y Anthropologia de Chile tätig war. 1917 wurde er zum Professor für allgemeine Anthropologie an der Universidad Católica de Chile bestellt. Ab 1916 begann er seine Forschungsreisen, zum Teil zusammen mit Koppers, nach Südchile. Zwischen 1919 und 1924 erfaßte er im staatlichen Auftrag die Ureinwohner des Feuerlandes.

Von 1924 bis 1927 war Gusinde führend bei der Vatikanischen Missionsausstellung tätig. Dazwischen studierte er Ethnologie an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien (Dr. phil. 1926), wo er über das Ergebnis seiner Forschungen über die Feuerlandindianer die Dissertation verfaßte. Danach war er 1928/29 bei mehreren Indianerstämmen in den USA (Kalifornien, New Mexico, Arizona).

Danach kehrte Gusinde nach Wien bzw. St. Gabriel zurück und leitete 1932 eine Ausstellung über die Missionstätigkeit sämtlicher österreichischer Missionsgesellschaften in Mariazell. In dieser Zeit bekam er Kontakt zur Austria Wien, erhielt deren Ehrenband (Couleurname Indianer) und war zeitweise deren Verbindungsseelsorger. Sein Nachfolger in diesem Amt wurde Hans Friedrich (AW). 1934/35 erforschte er die Pygmäen im östlichen Belgischen Kongo.

Nach dem Krieg war Gusinde Professor in Innsbruck, Sevilla, Valencia, Barcelona und an der Catholic University of America in Washington. 1950/51 unternahm er eine Forschungsreise in die Kalahari zu den Buschmännern und Hottentotten. Danach reiste er noch zu Yupa-Indianern in Venezuela, den Negritos auf den Philippinen und als 70-jähriger Mitte der fünfziger Jahre noch in das Bergland von Neu-Guinea.

Das Ergebnis seiner intensiven Forschungs- und Expeditionstätigkeit war eine immense Zahl von Veröffentlichungen. 1956 gab das Missionshaus St. Gabriel eine Broschüre mit der Auflistung seiner Arbeiten heraus. Darin sind 144 Einzeltitel (Monographien, Beiträge in Zeitschriften usw.) enthalten. Es wird jedoch dort angemerkt, daß 80 Abhandlungen in Zeitungen oder pseudo-wissenschaftlichen Zeitschriften nicht aufgenommen wurden.

Gusindes Leben stand vorrangig im Dienst der Wissenschaft und Forschung und war vom Bestreben geprägt, das Wissen über den Menschen in seinem Verhältnis zu Gott zu erforschen. Seinen Lebensabend verbrachte er im Missionshaus St. Gabriel bzw. bei den Kreuzschwestern in Laxenburg, wo er auch Seelsorger war. Er wurde vielfach geehrt und gehörte zahlreichen wissenschaftlichen Gesellschaften an. In Wien-Hietzing, Laxenburg und Maria Enzersdorf sind Gassen nach ihm benannt worden. Er starb am Samstag, dem 18. Oktober 1969, und zwar in der Nacht zum folgenden „Missionssonntag“.

Werke:

(Auswahl)
Titel der veröffentlichten Arbeiten. 1916–1956 (1956).
Die Feuerland-Indianer, vier Bände (1931/39 und 1974).
Die Kongo-Pygmäen in Geschichte und Gegenwart (1942).
Urmenschen im Feuerland (1946).

Quellen und Literatur:

Pro aris et focis. Heft Nr. 6. April 1953, S. 81f.
kathpreß, Nr. 244, 21. 10. 1969, S. 1.
Gütl, Clemens (2010): Martin Gusinde. Verfügbar unter
www.afrikanistik.at/pdf/personen/gusinde_martin
Wiener Zeitung, 14. 1. 2020.