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Seliger P. Rupert Mayer , SJ

Seliger P. Rupert Mayer , SJ

Urverbindung: Teutonia Freiburg i.d. Schweiz (12.02.1895)

Bandverbindungen: Ae, Gu

Geboren: 23.01.1876, Stuttgart
Gestorben: 01.11.1945, München
Seliger, Ordenspriester (SJ)
Politische Haft: 1937 Haft, 1938 Gefängnis, 1939/40 KZ Sachsenhausen, 1940–1945 Konfinierung

Lebenslauf:

HERKUNFT UND AUSBILDUNG

Mayer wurde als Sohn eines Inhabers eines Haushaltswarengeschäfts geboren, der aus dem Hochschwarzwald stammte. Nach der Volksschule besuchte er zuerst das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium in Stuttgart, um dann aus gesundheitlichen Gründen an das Gymnasium in das südostwürttembergische Ravensburg zu wechseln, wo er 1894 das Abitur ablegte. Danach begann er das Studium an der Theologischen Fakultät der katholischen Universität Freiburg/Schweiz, wo er der Teutonia beitrat (Couleurname Hannibal). Im Herbst 1895 wechselte er an die Universität München, wo er bei der Aenania aktiv war, und im Herbst 1896 an die Universität Tübingen (dort abs. theol. 1898), wo er bei der Guestfalia aktiv war. Seine Leidenschaft war der Reitsport, so daß es durchaus vorkommen konnte, daß er in Reitstiefeln zur Vorlesung kam.

Nach Vollendung des Studiums trat Mayer im September 1898 in das Priesterseminar im ehemals vorderösterreichischen Rottenburg, nunmehr Bischofssitz, ein. Seinen Bundesbrüdern schrieb er: „Hannibal post portas.“ – Hannibal hinter Schloß und Riegel. Am 22. März 1899 wurde er zum Diakon und am 2. Mai 1899 zum Priester der Diözese Rottenburg(-Stuttgart) geweiht. Danach trat er im Juni 1899 seinen Dienst als Kaplan in Spaichingen (Landkreis Tuttlingen) an.

RUPERT MAYER WIRD JESUIT

Seit langem hegte Mayer den Wunsch, Jesuit zu werden, nun wollte er diesen umsetzen. Nachdem sein Bischof zugestimmt hatte, trat er am 30. September 1900 als Priesternovize in das Noviziat des Jesuitenordens ein. Das einjährige Noviziat absolvierte er in Feldkirch (Vorarlberg), um dann von 1901 bis 1904 weiteren Studien am bis 1942 bestehenden Ignatius-Kolleg der Jesuiten in Valkenburg (Provinz Limburg, Niederlande) zu obliegen. Danach war er 1904/05 Assistent des Novizenmeisters in Feldkirch, um dann die letzte Stufe der Jesuiten-Ausbildung, das sog. Terziat, in Wijnandsrade (Provinz Limburg, Niederlande) zu absolvieren. Von 1906 bis 1911 war er als Volksmissionar in den Niederlanden, in Deutschland, Österreich und in der Schweiz eingesetzt. Schließlich legte er am 2. Februar 1911, zu „Maria Lichtmeß“, die feierlichen Ordensgelübde ab.

Am 8. Januar 1912 traf Mayer in München ein. Erzbischof Franz Kardinal von Bettinger (AIn) hat ihn angefordert, um die zahlreichen katholischen Zuwanderer nach München seelsorglich zu betreuen. Diese neue Arbeit hatte für Mayer einen stark sozial-caritativen Schwerpunkt, wodurch er auch bekannt wurde. Das führte dazu, daß er auf dem Katholikentag 1913 im lothringischen Metz eine Rede über „Fürsorge für die Zuziehenden“ hielt. Schließlich gründete er gemeinsam mit gleichgesinnten Priestern im Juni 1914 die Kongregation der Schwestern der Heiligen Familie, deren Spiritual er von 1921 bis zu seinem Tode war.

RUPERT MAYER IM ERSTEN WELTKRIEG

Kurz danach brach der Erste Weltkrieg aus, und Mayer meldete sich freiwillig zur Militärseelsorge. Am 22. August 1914 kam er ins Feldlazarett Nr. 2 des I. Bayerischen Armeekorps und mit diesem an die Westfront. Anfang 1915 wurde er als Divisionspfarrer zur 8. Bayerischen Reservedivision versetzt, die zuerst an der elsässischen Front eingesetzt war. Später wurde diese nach Galizien verlegt, wo Mayer im Juni 1915 die Rückeroberung von Lemberg mitmachte. Danach war er mit seinen Einheiten wieder an der elsässischen Front sowie an der Somme.

Im Oktober 1916 wurde Mayers Regiment an die siebenbürgisch-rumänische Front verlegt. Dort wurde er im Sultatal am 30. Dezember 1916 von einer Granate getroffen und schwer verwundet. Dies führte schließlich am 23. Januar 1917 zur Amputation seines linken Unterschenkels in einem ungarischen Lazarett. Von dort wurde er dann mit einem Lazarettzug nach München gebracht, wo er eine Beinprothese bekam. Am 27. Oktober 1917 konnte er wieder die Messe feiern.

Am 26. April 1918 wurde Mayer offiziell aus der Bayerischen Armee entlassen. An Auszeichnungen erhielt er das Eiserne Kreuz I. und II. Klasse, den bayerischen Militärverdienstorden IV. Klasse mit Krone und Schwertern, das Ritterkreuz des österreichischen Franz-Joseph-Orden mit Kriegsdekoration und das Ritterkreuz des württembergischen Friedensordens I. Klasse mit Schwertern.

RUPERT MAYER ALS MÄNNERSEELSORGER IN MÜNCHEN

Nun wirkte Mayer in der unruhigen Münchener Nachkriegszeit mit der zeitweisen Räterepublik. Im Jahr 1919 erlebte er erstmals den jungen Adolf Hitler bei einer Versammlung und durchschaute ihn. In der Folge besuchte er weitere Versammlungen von ihm. Am 28. November 1921 wurde Mayer vom Münchener Erzbischof Michael Kardinal Faulhaber zum Präses der Marianischen Männerkongregation ernannt. Deren Versammlungsraum war der Bürgersaal (Bürgersaalkirche) in der Münchener Neuhauser Straße (Innenstadt, zwischen Karlstor und Rathaus, nunmehr Fußgängerzone). Im selben Jahr übernahmen die Jesuiten wieder ihre ursprüngliche Kirche St. Michael, in deren Krypta die Wittelsbacher begraben sind und die nicht weit von der Bürgersaalkirche liegt. Dort wurde Mayer als Prediger tätig.

Mayer sprach im Januar 1923 bei einer Protestversammlung gegen die Ruhrbesetzung und mahnte zur Geduld und Gelassenheit. Hitler bezeichnete ihn daraufhin bei einer NSDAP-Veranstaltung als „sanften Pater Mayer“. Ihm schickte er anläßlich seines 25jährigen Priesterjubiläums am 2. Mai 1924 ein Glückwunschschreiben, wo er ihn wegen seiner Tapferkeit im Krieg lobte. In den folgenden Jahren erlangte er als Münchener „Männerapostel“ große Beliebtheit. 1925 führte er Bahnhofsgottesdienste ein.

Nach der Machtübernahme Hitlers bzw. der NSDAP am 30. Januar 1933 begannen auch die Auseinandersetzungen mit der katholischen Kirche, in die Mayer zunehmend hineingeriet. Doch bevor es dazu kam, wurde im Deutschen Reich der CV gleichgeschaltet. Am 9. Mai 1933 trat auf großem Druck hin der CV-Beirat mit seinen Amtsträgern zurück. Dadurch konnte man sich auch des CV-Seelsorgers P. Erhard Schlund OFM (Vc) entledigen, der ein entschiedener Gegner des Nationalsozialismus war. Als sein Nachfolger war zuerst Rupert Mayer vorgesehen, der jedoch nicht annehmen konnte oder wollte.

Am 18. Mai 1935 kam es zu Behinderungen der reichsweiten Caritassammlung durch Nazis, gegen die Mayer mit Nachdruck protestierte. Im Februar 1936 begann der Schulkampf der Nazis gegen die Konfessionsschule. Bei einer diesbezüglichen Versammlung, bei der über Kardinal Faulhaber Unwahres gesagt wurde, protestierte Mayer lautstark und beschwerte sich im Polizeipräsidium. Das entsprechende Protokoll vermerkte: „Pater Mayer hat sich als offensichtlicher Gegner des Dritten Reiches bekannt und sprach vom Führer als ‚Herrn Hitler‘“.

Am 7. Mai 1936 wurde Mayer von der Staatsanwaltschaft vorgeladen. Dort wurde er darauf aufmerksam gemacht, daß über seine Predigten Klagen eingelangt sind. In diesen, die gut besucht waren, widerlegte er die Attacken der NS-Machthaber auf die katholische Kirche. Einige Zeit später wurde er von der Gestapo vorgeladen, weil eine Führerin des Bundes Deutscher Mädchen (BDM) bei ihm gewesen war. Die Polizei wollte wissen, was da besprochen wurde. Mayer verweigerte die Aussage und berief sich auf seine Schweigepflicht als Priester. Man könne ihn ruhig einsperren, er hätte seine Sachen schon mitgebracht. Im Juni 1935 verweigerte man ihm den Reisepaß, und im April 1936 hat man eine Lichterprozession der Männerkongregation verboten.

DER KONFLIKT MIT DEM NS-REGIME ESKALIERT

Rupert Mayer ließ sich aber von diesen Vorfällen nicht einschüchtern, so daß der NS-Staat reagieren mußte. Am 7. April 1937 verhängte das Reichssicherheitshauptamt in Berlin über ihn „wegen seiner staatsschädigenden Reden“ für das gesamte Reichsgebiet Redeverbot. In einer Präzisierung dieses Erlasses bedeutete das Predigtverbot mit Ausnahme in der Münchener Michaelskirche. Ein Protest von Kardinal Faulhaber blieb ohne Erfolg.

Mayer predigte weiter, und so kam, was kommen mußte. Er wurde am 5. Mai 1937 verhaftet und in das Münchener Gestapogefängnis (Wittelsbacher-Palais) eingeliefert. Die Nachricht verbreitete sich in München wie ein Lauffeuer und führte zu Protestaktionen. Es wurde ein richterlicher Haftbefehl wegen Kanzelmißbrauchs erwirkt, woraufhin Mayer offiziell in Untersuchungshaft genommen und am 11. Juni in das Gefängnis München-Stadelheim überstellt wurde. Beschwerden von Kardinal Faulhaber halfen nichts, so daß dieser am 4. Juli 1937 in St. Michael seine große Predigt „Wenn die Flammenzeichen rauchen“ hielt, in der er sich hinter Mayer stellte.

Inzwischen bereitete die Staatsanwaltschaft den Prozeß gegen Mayer vor einem Sondergericht vor. Dieser fand am 22./23. Juli 1937 im Justizpalast statt. Er wurde unter Einrechnung der Untersuchungshaft „ wegen eines fortgesetzten Vergehens des Kanzelmißbrauchs in Tateinheit mit einem fortgesetzten Vergehen gegen das Gesetz vom 20. Dezember 1934 [sog. „Heimtückegesetz“] zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten“ verurteilt. Durch Verhandlungen seines Provinzials und seines Verteidigers konnte eine Haftverschonung erreicht werden. Bedingung war, daß er nicht predige und sich außerhalb Münchens aufhalte. Mayer begab sich daraufhin für sieben Wochen in das Exerzitienhaus auf der Rottmannshöhe am Starnberger See.

Danach kehrte Mayer nach München zurück, enthielt sich öffentlicher Äußerungen und beschränkte sich auf die Individualseelsorge. Doch bald bedrängte er seinen Provinzial, wieder predigen zu dürfen, der dann nachgab. Und so predigte er am 1. und 2. Januar 1938 in St. Michael, wobei er sich auf rein religiöse Themen beschränkte. Bereits am 5. Januar wurde er erneut verhaftet, weil er sich nicht an das auferlegte Predigtverbot gehalten hatte. Er mußte nun die ausgesetzte Reststrafe verbüßen und wurde zu diesem Zweck in das Gefängnis Landsberg am Lech gebracht. Mit dem Anschluß Österreichs im März 1938 zeigte sich die NS-Justiz großzügig, es gab eine „Österreich-Amnestie“, in deren Genuß auch Mayer kam. Er wurde daher am 3. Mai 1938 entlassen.

Nach einigen Wochen Erholung kehrte Mayer nach München zurück, widmete sich in St. Michael wieder der Individualseelsorge und enthielt sich jeglicher Predigt. Am 15. September 1938 konnte er in der Kreuzkapelle von St. Michael vor dem Generaloberen des Jesuitenordens die feierlichen Profeßgelübde ablegen. So verging ein weiteres Jahr. Zu aller Überraschung wurde er von der Gestapo am 3. November 1939 neuerlich verhaftet und ins Gestapogefängnis München gebracht, in dem sich zu dieser Zeit auch Kurt von Schuschnigg (AIn) befand.

JAHRE DER KONFINIERUNG

Was war geschehen? Im Herbst 1939 wurden ca. 200 Mitglieder der monarchistischen Bewegung Bayerns verhaftet. Diese suchte 1937 den Kontakt zu Mayer, um ihn für ihre Ziele zu gewinnen. Dieser verhielt sich ihr gegenüber jedoch reserviert. Doch dieses Faktum blieb intern weiterhin bekannt und tauchte bei dieser Verhaftung auf. Man versuchte nun von Mayer herauszubekommen, welchen Inhalt die damaligen Gespräche zwischen ihm und den Monarchisten hatten, aber er verweigerte unter Berufung auf das „forum internum“ die Aussage.

Mayer wurde daraufhin in Schutzhaft genommen und am 23. Dezember 1939 in das KZ Sachsenhausen (Oranienburg) eingeliefert. Allerdings war er nicht in den Baracken untergebracht, sondern im Zellentrakt, wo sich prominente Gefangene aufhielten, wie etwa Pastor Niemöller und später Kurt von Schuschnigg (AIn). In der ersten Zeit wußte man trotz intensiver Recherche seitens des erzb. Ordinariats nicht, wo sich Mayer befand, erst Anfang Februar 1940 wurde das bekannt. Man konnte ihm einen Meßkoffer zukommen lassen, und er erhielt wie die anderen „Sonderhäftlinge“ einige Vergünstigungen. Aber seine durch die Kriegsverletzungen angegriffene Gesundheit litt unter den Haftbedingen. Und so wurde er am 6. August 1940 aus der KZ-Haft entlassen.

Mit dem Nachtzug fuhr Mayer vom Anhalter Bahnhof Berlin nach München. Nach seiner Ankunft wurde er von der Gestapo in Empfang genommen und in die Benediktiner Abtei Ettal bei Garmisch-Partenkirchen gebracht. Dort wurde er konfiniert, d. h., er lebte in einem nichts ganz „goldenen Käfig“: Er durfte keine gottesdienstlichen Handlungen vornehmen, bei denen andere beiwohnten, er durfte keine Besuche empfangen, nicht predigen und Beichthören und nur beschränkt Briefe schreiben und entgegennehmen. Mit dieser Maßnahme verfolgte die Gestapo folgendes Ziel: Sie wollte das Leben Mayers schonen, damit er nicht zum Märtyrer werde und der Burgfriede zwischen Staat und Kirche gewahrt bleibe, der während des Krieges wichtig war.

Rupert Mayer verbrachte vier Jahre und zehn Monate in dieser Konfinierung. Am 30. April 1945 wurde München von US-Truppen befreit. Am 6. Mai erreichten Einheiten der 7. US-Army Ettal. Damit war Mayer frei: „Als die Amerikaner kamen, habe ich meinen Hut genommen und bin durch den Ort gegangen: das erste Mal seit langen Jahren.“ Am Christi Himmelfahrtstag, dem 10. Mai, konnte er in der Klosterkirche wieder predigen, erstmals nach vielen Jahren. Dabei dankte er für den Aufenthalt in Ettal und die Sorge der Benediktiner um ihn. Am nächsten Tag, dem 11. Mai, wurde er mit einem holzgasbetriebenen Auto nach München gebracht.

HEIMKEHR UND LETZTE MONATE

Mayers Wirkungsstätten, die „Bürgersaalkirche“ und St. Michael, waren im Krieg zerstört, doch die Räume des angebauten Jesuitenheimes waren bewohnbar. Er begann sofort mit der Individualseelsorge und mit Predigten. Die US-Army stellte ein Auto (Holzvergaser) zur Verfügung, mit dem er zu Kirchen in Stadt und Land gebracht werden konnte. Ein erster Höhepunkt war das Hauptfest der Marianischen Männerkongregation am 27. Mai. Da viele größere Kirchen zerstört waren, fand dieses in der unzerstörten Ludwigskirche nächst der Universität statt. Einige tausend Menschen haben sich dort eingefunden, und ein nicht enden wollender Beifall brauste auf, als er und Kardinal Faulhaber die Kirche betraten. „Ein triumphales Ehrenfest für einen ungebrochenen Priester Gottes“, schrieb später die Süddeutsche Zeitung.

Bei der Fronleichnamsprozession am 31. Mai 1945 durch das bombenzerstörte München ging Mayer mit seinen Männern der Kongregation mit, obwohl ihm das gesundheitlich zu schaffen machte. In den folgenden Wochen war er der „Fünfzehnte Nothelfer“ Münchens. Viele Menschen kamen zu ihm, um Hilfe in dieser Notzeit zu bitten. Und er half soweit er konnte. Doch sein Gesundheitszustand verschlechterte sich, und im Juli und im September erlitt er kleine Schlaganfälle, aufgrund derer sich Sprachstörungen bemerkbar machten.

Am 1. November 1945, dem Allerheiligentag, feierte Rupert Mayer um 8 Uhr die hl. Messe in der unzerstörten Kreuzkapelle der Michaelskirche. Nach Verlesung des Evangeliums von den Seligpreisungen begann er mit der Predigt. Bei den Worten „der Herr“ verstummte er plötzlich. Unbeweglich stand er angelehnt am Altar, da ihn die Prothese aufrecht hielt. – Die Münchner prägten daraufhin das Wort: „Selbst im Tod ist Pater Mayer nicht umgefallen.“ – Er wurde sofort in eine Klinik eingeliefert, und ohne das Bewußtsein wieder zu erlangen, starb er um 11.10 Uhr. Der Totenschein nannte als Todesursache Gehirnschlag. Er ist gestorben als leidenschaftlicher Prediger mitten in einer Predigt.

SELIGSPRECHUNG

Am 4. November 1945 wurde Rupert Mayer auf dem Ordensfriedhof des Jesuitenkollegs in Pullach bei München beigesetzt. Der Andrang war so groß, daß das Requiem im Freien gefeiert werden mußte, wobei dichter Nebel herrschte. Da sein Grab nur an Sonn- und Feiertagen zugänglich war und ein reger Besucherstrom herrschte, kam bald der Gedanke auf, sein Grab nach München zu verlegen. Am Dreifaltigkeitssonntag, dem 23. Mai 1948, wurde der Sarg, der auf einem Prunkwagen mit vier Pferden gezogen wurde, in einem Triumphzug nach München überführt. Zehntausende säumten die Straßen. Der Sarg wurde in der Unterkirche der Bürgersaalkirche in einer Gruft beigesetzt, die öffentlich zugänglich ist.

Im Vorraum befindet sich seit geraumer Zeit eine Art von kleinem Museum zu Rupert Mayer. Hier wird über sein Leben und Wirken informiert. Zahlreiche Erinnerungsstücke ergänzen optisch diese Ausstellung. Darunter befinden sich nicht nur seine militärischen Auszeichnungen, sondern auch die Bänder und Mützen seiner CV-Verbindungen. Da der Bürgersaal an der zentralen Fußgängerzone Münchens liegt, finden sich dort immer zahlreiche Besucher im Gedenken an den Münchner „Männerapostel“ ein.

Bereits am 26. Juni 1950 eröffnete Kardinal Faulhaber den diözesanen Informativprozeß für eine Seligsprechung. Papst Johannes XXIII. unterzeichnete am 20. Juli 1960 das Dekret zur Aufnahme dieses Prozesses. Daraufhin eröffnete der Erzbischof von München, Julius Kardinal Döpfner, den apostolischen Prozeß, der am 14. Februar 1964 abgeschlossen wurde. Am 8. Februar 1983 fällten in Rom die zuständigen Kardinäle das Urteil, daß Rupert Mayer Tugenden „in heroischem Maße“ geübt hat. Hiermit war der Weg für eine Seligsprechung frei – es fehlte nur noch ein Wunder.

Am 3. Mai 1987 war es soweit. Papst Johannes Paul II. reiste nach Deutschland, um Edith Stein in Köln und Rupert Mayer in München selig zu sprechen. 82. 000 Menschen versammelten sich im Münchner Olympiastadium zur Seligsprechung. Als der Erzbischof von München, Friedrich Kardinal Wetter (Ae EM), dem Papst für die Seligsprechung dankte, gab es einen lang anhaltenden Beifall. Als liturgischer Gedenktag wurde für ihn der 3. November festgesetzt.

1955 entstand an der von den Jesuiten betriebenen Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen eine Theologengemeinschaft mit dem Namen Rupert Mayer. Diese suchte Anschluß an den CV, doch die Seminarleitung bereitete Schwierigkeiten, so daß ab 1957 eine „Gliedgemeinschaft“ mit der Paderborner CV-Verbindung Guestfalia-Silesia eingegangen wurde. Nachdem 1968 die Hausordnung des Seminars deutlich gelockert wurde, wurde 1969 die Rupert Mayer als Tochterverbindung der Gustfalia-Silesia gegründet und 1970 als vollberechtigtes Mitglied in den CV aufgenommen. Ab 1976 zeigten sich eminente Nachwuchsprobleme. Nachdem nur mehr ein Altherrenverband bestand kam es 1983 zu einer Fusion mit der Guestfalia-Silesia.

Bislang wurden fünf Angehörige des CV selig bzw. heilig gesprochen. Der erste war 1987 der Jesuit Rupert Mayer (Tt, Ae, Gu), der zweite war 1998 der Prämonstratenser (Geras) Sel. Jakob Kern (Am), der dritte war der seinerzeitige Erzbischof von Lemberg (rit. lat.), Heiliger Josef (Józef) Bilczewski (FcC EM). Er wurde dann 2005 von Papst Benedikt XVI. (Rup EM) heiliggesprochen, der vierte war 2005 Clemens August Kardinal Graf von Galen, der fünfte war 2021 der Gründer des Ordens der Salvatorianer Seliger Franziskus Maria Johann Baptist Jordan SDS (ArF).

Quellen und Literatur:

Haub, Rita: Rupert Mayer. Der Wahrheit verpflichtet (= topos Taschenbücher 512). Kevelaer 2004.
Hartmann, Gerhard (Baj): Für Gott und Vaterland. Geschichte und Wirken des CV in Österreich. Kevelaer 2006, 356f.
Schieweck-Mauk, Siegfried: Lexikon der CV- und ÖCV-Verbindungen. Die Korporationen und Vereinigungen des Cartellverbands der Katholischen Deutschen Studentenverbindungen (CV) und des Cartellverbands der katholischen österreichischen Studentenverbindungen (ÖCV) in geschichtlichen Kurzdarstellungen. Vierow 1997, 648 – 650.