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Dr. Heinrich Maria Eugen Herzog von Beaufort-Spontin

Dr. Heinrich Maria Eugen Herzog von Beaufort-Spontin

Ehrenmitgliedschaften:

Geboren: 11.03.1880, Paris
Gestorben: 25.04.1966, Gallmansegg (Gemeine Kainach, Bezirks Voitsberg, Steiermark)
Mitglied des Herrenhauses, Zeitungsverleger
Politische Haft: Nach Kriegsende 1945 in Pilsen

Lebenslauf:

Beaufort-Spontin wurde als Sohn des Friedrich Georg Maria Anton Michael, des 5. Herzogs von Beaufort-Spontin, und der Marie Melanie, geborene Prinzessin de Ligne, geboren. Die Familie ist niederlothringischer bzw. wallonischer Uradel und seit dem frühen 11. Jahrhundert nachweisbar. Ihr Name kommt von Burgen, die in deren Besitz gelangten: Beaufort in Huy (nunmehr Provinz Lüttich, Belgien), Spontin in Yvoir (Grafschaft Namur, nunmehr Provinz Namur, Belgien).

1746 erfolgte die Erhebung zum erbländisch-niederländischen Grafen und Marquis, 1782 die zum erbländisch-niederländischen Herzog; die übrigen Nachgeborenen führen den Titel Graf und Gräfin von Beaufort-Spontin. 1813 wurde vom damaligen Herzog Schloß und Gut Petschau (Bezirk Karlsbad, Westböhmen; nunmehr Becov) von der Adelsfamilie Kaunitz erworben und damit ein böhmischen Inkolat begründet. 1867 wurde dem Geschlecht Beaufort-Spontin als einem der 16 nichtreichsständischen Familien ein erblicher Sitz im Herrenhaus des Reichsrates verliehen. 1876/78 erfolgte die österreichische Verleihung des Titels Herzog und Fürst von Beaufort-Spontin sowie des Prädikats Durchlaucht.

Beaufort-Spontin besuchte das Gymnasium in Pilsen und begann nach der Matura im Jahr 1898 das Studium an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, welches er an der Universität Innsbruck fortsetzte (Dr. iur.). Anschließend war er für kurze Zeit als k. k. Statthaltereikonzipist in Prag tätig.

1907 war Beaufort-Spontin Mitbegründer, dann Herausgeber und Verleger der „Neuen Zeitung“, die in Wien erschien. Diese war eine christlichsozial ausgerichtete illustrierte Tageszeitung, die sich als Konkurrenz zur „Kronenzeitung“ verstand und durchaus erfolgreich war. 1908/09 war August Maria Kemetter (AW) deren Herausgeber. Als Verleger engagierte sich Beaufort-Spontin auch in der Interessensvertretung und war von 1912 bis 1919 Präsident des Zentralvereins der Zeitungsunternehmungen Österreichs, des Vorgängers des nunmehrigen Verbands österreichischer Zeitungen.

Beaufort-Spontin übernahm 1910 von seinem 67jährigen Vater die Verwaltung des Fideikommisses Petschau. Als dieser am 26. Dezember 1916 starb, sukzessierte er ihm als 6. Herzog von Beaufort-Spontin. Damit ging auch das Mandat im Herrenhaus auf ihn über. Er wurde dort am 14. Mai 1917 angelobt und gehörte diesem von da an bis zum Ende der Monarchie an. Dort war er Mitglied der Verfassungspartei und meldete sich bei Sitzungen öfters auch zu Wort. Er führte auch den Titel eines k. u. k. Kämmerers.

Von 1912 bis 1920 war Beaufort-Spontin Vizepräsident der Prager Maschinenbau AG, seit 1916 Vereinigte Maschinenfabriken, vormals Skoda, Ruston, Bromovsky und Ringhofer. Nach Ende des Kriegs wurde er 1945 im Zuge der sog. Benesch-Dekrete für kurze Zeit in Pilsen inhaftiert und mit seiner Familie aus der wiederbegründeten Tschechoslowakei vertrieben. Er übersiedelte mit ihr auf sein Gut in Gallmannsegg (Gemeinde Kainach, Weststeiermark). Nach 1945 engagierte er sich in der sudetendeutschen Landsmannschaft.

Beaufort-Spontin ehelichte 1910 Marie Adelheid, Gräfin Silva-Tarouca, die älteste Tochter von Ernst Emanuel Graf Silva-Tarouca (AW EM). Diese war von 1921 bis 1934 Präsidentin des Katholischen Frauenbundes für die Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien, dessen Sitz auf Schloß Petschau war und der in seinen besten Zeiten über 80.000 Mitglieder zählte. Beaufort-Spontin war als katholischer Adeliger zu bezeichnen, und als solcher kam er in Kontakt zur Saxo-Bavaria. Diese unterstütze er nach 1918 finanziell und ideell. So übernahm er bis 1938 die gesamte Miete der Bude, und so mancher Aktiver konnte nur durch seine finanzielle Hilfe das Studium beenden. Die Verbindung verlieh ihm die Ehrenmitgliedschaft und ernannte ihn zum Hohen Schirmherren. Auch nach 1945 unterstützte er sie bei der Wiedererrichtung in Wien. Ein Bild von ihm (siehe oben) konnte gerettet werden und hängt jetzt auf der Bude.


Quellen und Literatur:

Gothaischer Genealogischer Hofkalender nebst diplomatisch-statistischem Jahrbuche 1911. 148. Jahrgang. Gotha o. J. (1911), S. 264f.
https://www.parlament.gv.at/WWER/PARL/J1848/Beaufort-Spontin_2.shtml.
Festschrift der katholisch-akademischen Verbindung Saxo-Bavaria Prag in Wien im ÖCV. 1907 – 2007. Ohne Furcht und Ohne Zittern. Verfaßt von MICHAEL MAYRANDL, MARTIN STEINWENDER und KENJI WENGER. Wien 2007, S. 38–40.