Wartungsfunktionen

Bgm. Abg. z. NR a.D. WHR i.R. Mag. Leopold Guggenberger

Bgm. Abg. z. NR a.D. WHR i.R. Mag. Leopold Guggenberger

Urverbindung: Rudolfina (13.06.1936)

Bandverbindungen: Ca

Geboren: 08.09.1918, Tulbing (Bezirk Tulln, Niederösterreich)
Gestorben: 22.02.2017, Klagenfurt
Bürgermeister (Klagenfurt), Nationalratsabgeordneter, Landtagsabgeordneter (Kärnten), Landesbeamter
Politische Haft: Polizeihaft 12. März 1938

Lebenslauf:

HERKUNFT, AUSBILDUNG UND KRIEGSZEIT

Leopold Karl Thaddäus Guggenbergers Großeltern väterlichseits stammten aus Maria Luggau im Lesachtal an der Grenze Kärntens zu Osttirol und betrieben im dortigen Marienwallfahrtsort ein Gasthaus. Guggenbergers Vater Leopold Guggenberger sen. (Rd) kam posthum wenige Tage nach dem plötzlichen Tod seines Vaters auf die Welt. Er rückte 1914 zum Gebirgsartillerieregiment Nr. 3 in Klagenfurt ein und spezialisierte sich zum Artilleriebeobachter. Ende 1917 wurde er als solcher zu einer Fliegereinheit versetzt und an der Südwestfront eingesetzt. Zuvor bei einem Fronturlaub verheiratet geriet sein Flugzeug am 18. April 1918 an der Piavefront durch Beschuß in Flammen und stürzte ab. Er und sein Pilot kamen dabei ums Leben.

Guggenberger wurde daher so wie sein Vater posthum geboren und verbrachte seine erste Kindheit im Pfarrhof von Tulbing. Der dortige Pfarrer war ein Freund der Familie von Guggenbergers Mutter. Diese zog dann 1919 zu ihrer Schwester nach Wien, die mit Karl Jungwirth (Rd) verheiratet war, und bekam als Kriegerswitwe eine Tabak Trafik zugewiesen. Guggenberger besuchte nach der Volksschule das Schottengymnasium, wo er 1936 maturierte.

Danach begann Guggenberger das Studium an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, wo er der Rudolfina beitrat (Couleurname Sepp). In den März-Tagen 1938 war er als Funktionär des Studentenfreikorps Propagandist für die von Bundeskanzler Kurt von Schuschnigg (AIn) angesetzte Volksabstimmung in Salzburg. Um 1 Uhr in der Früh des 12. März wurde er zusammen mit Friedrich Zacke (R-J) verhaftet und war einen Tag in der Salzburger Polizeidirektion bis gegen 23 Uhr in Haft. Er wurde dann am 31. August 1938 von der Gestapo vernommen und entging nur knapp der Einlieferung in das KZ.

Guggenberger nahm an der Jugend-Kundgebung des 7. Oktober 1938 im Wiener Stephansdom teil, meldete sich dann aber freiwillig zur Deutschen Wehrmacht (Fliegerabwehr), um von der Gestapo Ruhe zu haben, nachdem er Ende August und Ende Oktober 1938 neuerlich verhört wurde. Er nahm von der Slowakei aus am Polenfeldzug teil und war danach an der Mosel stationiert, um dann in das besetzte Dänemark abkommandiert zu werden. Ab Sommer 1941 nahm er am Rußlandfeldzug teil und wurde zum Leutnant befördert.

Im Frühsommer 1942 wurde Guggenberger zu seinem Glück nach Linz versetzt, denn sein Flak-Regiment gehörte zum Verband der bei Stalingrad eingekesselten 6. Armee. Bald darauf wurde er in das besetzte Frankreich versetzt. Von dort aus machte er nach der alliierten Invasion im Spätsommer und Herbst 1944 den Rückzug mit. Im Laufe dessen geriet er Ende März/Anfang April 1945 in den Ruhrkessel. Von Iserlohn schlug er sich ab 15. April mit einer kleinen Gruppe nach Süden durch und gelangte am 19. Mai nach Landeck, wo er seine Frau traf. Sein letzter Dienstgrad war Oberleutnant, als Auszeichnung erhielt er das Eiserne Kreuz I. Klasse.

Guggenberger konnte durch Sonderurlaube sein Jusstudium während seiner Wehrmachtszeit zu Ende bringen und legte 1941 das erste Staatsexamen ab, was in Österreich einem abs. iur. entsprochen hatte.

BERUFLICHER WERDEGANG UND POLITISCHER EINSTIEG

Guggenberger trat bereits im August 1945 dem ÖAAB bei und bewarb sich um eine Stelle in der Kärntner Landesregierung. Nach einer kurzen Tätigkeit als Sekretär des provisorischen Landeshauptmannstellvertreters Hans Amschl (ÖVP) kam er zur Sicherheitsdirektion. Hier hatte er u. a. die Organisation von Spionagediensten in Jugoslawien zu organisieren, was zwar im Einverständnis mit der britischen Besatzungsmacht erfolgte, jedoch ohne Wissen des Innenministeriums geschah. Als das dem damaligen Innenminister Oskar Helmer (SPÖ) bekannt wurde, sind der Leiter und die betroffenen Beamten der Sicherheitsdirektion von ihrem Posten entfernt bzw. versetzt worden.

So auch Guggenberger, der dadurch im September 1952 in die Gewerbeabteilung der Landesregierung kam. Zu seinen Aufgaben gehörten die Seilbahnen und Sesselliftanlagen aber auch die Eisenbahn. Ab 1959 war er dadurch auch mit dem Bau der Jauntalbahn befaßt, wodurch der Eisenbahnverkehr zwischen der Lavanttalbahn nach Klagenfurt nicht mehr über das ehemals zu Unterkärnten gehörende Unterdrauburg (nunmehr Dravograd) geführt werden mußte.

Seit 1945 engagierte sich Guggenberger in der Personalvertretung als Funktionär der Christlichen Gewerkschaften bzw. des ÖAAB. Zu diesen gelangte er über Hans Großauer, der bis 1952 Landesobmann des ÖAAB Kärnten und 1934/35 Staatssekretär im Bundesministerium für soziale Verwaltung war. Bereits 1946 wurde Guggenberger Vorsitzender der Gewerkschaft der Öffentlichen Bediensteten Kärntens und 1949 Obmannstellvertreter der Personalvertreter beim Amt der Kärntner Landesregierung (bis 1963). 1963 wurde er Obmann der ÖAAB-Bezirksgruppe Klagenfurt und 1964 stellvertretender Landesobmann des ÖAAB (bis 1967). Landesobmann war damals der spätere Verkehrsminister Ludwig Weiß (Rd).

Ende 1965 hatte die ÖVP Guggenberger als Nachfolger des in Pension gegangenen Landesamtsdirektorstellvertreters vorgeschlagen. Aufgrund einer Parteienvereinbarung stand dieser Posten der ÖVP zu, doch der damalige SPÖ-Landeshauptmann sperrte sich gegen diese Nominierung, weil er den „starken Mann“ Guggenberger verhindern wollte. Damit war dessen weiterer Lebensweg vorgezeichnet. Er war nicht mehr eine Beamtenkarriere, sondern mündete in die Politik.

Gleichsam als Trostpflaster stellte die ÖVP Guggenberger als Kandidaten bei den Wahlen zum Nationalrat am 6. März 1966 auf, aber er erreichte vorerst kein Mandat. Nachdem der Spitzenkandidat im Wahlkreis Kärnten, Ludwig Weiß, Minister wurde, legte dieser sein Mandat zurück. Aufgrund des innerparteilichen Bündeproporzes konnte nur ein Angehöriger des ÖAAB nachrücken, und das war der nächstgereihte Guggenberger. Dieser gehörte dem Nationalrat vom 5. Juli 1966 bis zum 31. März 1970 (Ende der XI. Gesetzgebungsperiode) an. Damit wurde er auch als Landesbeamter freigestellt. Er ging als solcher 1983 in Pension und erhielt den Titel Hofrat verliehen.

ALS BÜRGERMEISTER VON KLAGENFURT

1970 verabschiedete sich Guggenberger von der Bundespolitik. Er kandidierte nicht mehr für den Nationalrat, sondern für die am 22. Februar stattgefundenen Wahlen zum Kärntner Landtag, wurde gewählt und gehörte diesem nach einer Wiederwahl vom 20. März bis zum 19. Mai 1979 (Mandatsniederlegung) an. Ebenso wurde er 1970 zum ÖVP-Stadtparteiobmann gewählt. Damit war er potentieller Spitzenkandidat bei den nächsten Gemeinderatswahlen am 25. März 1973. Bei diesen verlor die SPÖ 9,1 Prozent und damit die absolute Mehrheit. ÖVP und FPÖ gewannen jeweils dazu. Die hohen Verluste der SPÖ erklärten sich aus ihrer damaligen Haltung im Ortstafelstreit. Am 2. Mai 1973 wurde Guggenberger vom Gemeinderat mit den Stimmen der ÖVP und FPÖ zum Bürgermeister gewählt, was er nach Wiederwahlen fast 24 Jahre blieb. Er legte ein modernes kommunalpolitisches Programm auf der Basis christlichsozialer Grundsätze vor und betonte den damals noch keineswegs selbstverständlichen Umweltaspekt.

Kurze Zeit später gab es Gemeinderatswahlen in Graz, nach denen sich ebenfalls eine ÖVP-FPÖ-Koalition bildete. Allerdings wurde Alexander Götz (FPÖ) zum Bürgermeister gewählt. Daraufhin gab es Spekulationen über eine vorherige ÖVP-FPÖ-Absprache. Doch erst das Faktum der Wahl Guggenbergers führte dazu, daß in der Folge es zu dieser Entwicklung in Graz kam. Insgesamt waren aber die Verluste der SPÖ in ihren traditionellen Hochburgen in Graz und Klagenfurt nach der Niederlage der ÖVP bei den Nationalratswahlen 1970 und 1971 für diese eine Aufmunterung auch im Hinblick auf einen erfolgreichen kommunalpolitischen Weg.

Bei den nächsten Gemeinderatswahlen am 25. März 1979 konnte dank der inzwischen gewonnenen Popularität Guggenbergers die ÖVP stimmenstärkste Partei werden, was aber fast ausschließlich zu Lasten der FPÖ ging. Bei den Gemeinderatswahlen am 17. März 1985 konnte die ÖVP neuerlich zulegen und erreichte 22 von 45 Mandaten. Auch die FPÖ gewann etwas hinzu, während die SPÖ 5,8 Prozent verloren hatte.

Bei den nächsten Wahlen zum Gemeinderat am 10. März 1991 machte sich die Änderung der politischen Landschaft Österreichs insofern bemerkbar, als daß auch in Klagenfurt die FPÖ von 9,9 auf 21,8 Prozent zulegte, während die ÖVP von 46,8 auf 31,3 Prozent absackte. Erstmals gab es in Kärnten parallel zu den Gemeinderatswahlen auch Direktwahlen der Bürgermeister. Guggenberger erreichte im ersten Wahlgang mit 45,6 Prozent zwar die relative Mehrheit, mußte aber in die Stichwahl mit dem SPÖ-Kandidaten, gegen den er mit 52,7 Prozent gewonnen hatte.

1996 erklärte der inzwischen fast 78-jährige Guggenberger, bei den nächsten Wahlen nicht mehr zum Bürgermeister zu kandidieren. Bei den Gemeinderatswahlen am 9. März 1997 verlor die SPÖ fast 10 Prozent, blieb aber knapp stimmenstärkste Partei, knapp gefolgt von der FPÖ und ÖVP. Alle drei Parteien erreichten jeweils 14 Mandate. Bei der Direktwahl des Bürgermeisters erreichte der ÖVP-Kandidat Harald Scheucher bei der Stichwahl 67,8 Prozent. Am 18. April 1997 endete Guggenbergers Amt als Bürgermeister von Klagenfurt, das er fast 24 Jahre innegehabt hatte.

Guggenberger prägte in diesem letzten Viertel des 20. Jahrhunderts die Stadt Klagenfurt wie kein anderer Bürgermeister vor ihm und wohl auch nach ihm. Als ein Beispiel unter den vielen Initiativen seiner Amtszeit sei nur der 1977 ins Leben gerufene Bachmann-Preis genannt, der Klagenfurt in der kulturellen und literarischen Welt zu einem dauerhaften Begriff machte. „Sei es durch sein besonderes Talent als Kommunikator, sei es durch seine vom einfachen Menschenverstand getragene politische Haltung, sei es durch viel Glück oder durch einen scharfen analytischen Geist, sei es durch seine tiefe Gläubigkeit, seinen ausgeprägten Humanismus und seine Toleranz – Leopold Guggenberger war ein kommunalpolitisch äußerst erfolgreicher Bürgermeister. Infolge seiner weit über die Stadtpolitik hinausreichenden Denkweise geht man nicht fehl, wenn man Leopold Guggenberger als einen ‚heimlichen österreichischen Staatsmann‘ bezeichnet, dessen Hauptanliegen Versöhnung und Frieden waren. Vor allem war Guggi ein Bürgermeister der Herzen. Leopold Guggenberger wird deshalb auch den Bürgern Klagenfurts [und darüber hinaus] wie kein zweiter in Erinnerung bleiben.“ (Peter Diem, S. 238).

Guggenberger war auch Gründungsbandphilister der Carinthia, um die er sich während seiner Amtszeit wie auch vor allem danach kümmerte. 1968 wurde er in den Stand eines Urphilisters bei der MKV-Verbindung Gothia Althofen aufgenommen (dort Dr. cer. Sepp). 1997 wurde er gleichzeitig Ehrenphilister der MKV-Verbindungen Babenberg Klagenfurt, Gral Klagenfurt und Karantania Klagenfurt. Bis ins hohe Alter besuchte er regelmäßig mit Band und Mütze Veranstaltungen des ÖCV sowie des MKV bzw. von deren Verbindungen.

Guggenbergers erste Ehefrau starb am 18. September 1979 in Wien an den Folgen eines Verkehrsunfalls. Mit ihr hatte er acht Kinder (fünf Töchter, drei Söhne). Er heiratete nochmals, seine zweite Frau starb 2020. Guggenberger starb im 99. Lebensjahr und wurde auf dem Friedhof Wölfnitz-St. Andrä bei Klagenfurt begraben (I/3/10).

Quellen und Literatur:

Biographisches Handbuch der österreichischen Parlamentarier 1918–1993. Hg. von der Parlamentsdirektion. Wien 1993, S. 176.
Kimeswenger, Fritz: Bitte kein Denkmal! Leopold Guggenberger – Geschichte und Geschichten aus 80 Jahren. Klagenfurt 1998.
Diem, Peter (Rd): Leopold Guggenberger – der Bürgermeister. Klagenfurt 2012.
Farbe tragen, Farbe bekennen 1938–45. Katholisch Korporierte in Widerstand und Farbe Verfolgung. Hg. von Peter Krause (Rt-D), Herbert Reinelt und Helmut Schmitt. Zweite wesentlich erweiterte Auflage. Teil 2: Kuhl, Manfred (F-B): Ergänzungsband Biographien. Wien 2020, S. 109f.