Lebenslauf:
Tiefenthaler wurde als Sohn des Vorarlberger Landesarchivars Meinrad Tiefenthaler geboren und besuchte das Gymnasium in Bregenz. Nach seiner Matura im Jahr 1952 begann er das Studium der Romanistik, der Geschichte und der Klassischen Philologie an der Philosophischen Fakultät der Universität Innsbruck (Dr. phil. 1958), wo er der Leopoldina beitrat (Couleurname Tasso). In dieser Zeit engagierte er sich für die Verbindung und den CV. Im Studienjahr 1955/56 war er ICV-Senior.
Als die Leopoldina für das Studienjahr 1956/57 zum Vorort gewählt wurde, bekleidete er das Amt eines Vorortspräsidenten (VOP). Für 1956/57 wurde die Leopoldina neuerlich zum Vorort gewählt, VOP wurde Walter Besler (Le). Eher ungewöhnlich war, daß Tiefenthaler 1955 als Aktiver zum Leiter des Amtes für Auslandsfragen gewählt wurde, womit er Mitglied des ÖCV-Beirates wurde. Dieses Amt behielt er auch als VOP bei und übte es bis 1959 aus. Sein Nachfolger in diesem wurde Michael Mitterauer (AW).
Tiefenthaler studierte zudem 1953/54 an der Sorbonne in Paris und war nach seiner Promotion ein Semester an der Universität Salamanca. Danach war er wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Romanistik an der Universität Innsbruck und von 1960 bis 1962 Mitarbeiter am Französischen Etymologischen Wörterbuch bei Prof. Walther von Wartburg in Basel. Von 1962 bis 1973 unterrichtete an den Gymnasien in Bludenz und Bregenz, um danach in leitender Position im wissenschaftlichen Verlag Kraus-Thomson-Organisazion Ltd. in Nendel (Liechtenstein) tätig zu sein.
Mit 1. September 1977 trat Tiefenthaler in den Dienst der Vorarlberger Landesregierung und wurde mit dem Aufbau der Vorarlberger Landesbibliothek beauftragt, deren Direktor er bis zu seinem Tode war. In den Jahren 1983 bis 1986 erfolgte unter seiner Leitung der Umbau bzw. die Einrichtung des neuen Bibliotheksgebäudes im alten Gallusstift. Dieses Gebäude war ein Schloß der Grafen von Bregenz aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts und diente Anfang des 20. Jahrhunderts einige Zeit als Ausweichort einer in der Schweiz im Zuge des Kulturkampfes verbotenen Benediktiner-Abtei.
Tiefenthaler führte in seiner Landesbibliothek den ersten vollautomatischen Bibliotheksbetrieb Vorarlbergs ein. 1987 wurde er zum Präsidenten des Vereins für die Geschichte des Bodensees gewählt und 1988 zum Vizepräsidenten der Vereinigung Österreichischer Bibliothekare. Er war auch Mitglied des Beirats für das österreichische Bibliothekswesen und Mitherausgeber der Bibliothekszeitschrift „Biblos“. Darüber hinaus veröffentlichte er zahlreiche Beiträge zu kultur- und lokalhistorischen Themen und solchen des Bibliothekswesens. Er war auch Ehrenphilister der 1957 gegründeten Bregenzer MKV-Verbindung Wellenstein (nunmehr nicht im MKV). Er starb nach kurzer schwerer Krankheit und wurde auf dem Friedhof in Frastanz (Bezirk Feldkirch, Vorarlberg) begraben.
Quellen und Literatur:
Aktenbestand der Ehrenzeichenkanzlei der Österreichischen Präsidentschaftskanzlei (Kabinettsdirektor i. R. Heinz Hafner Am, Mitteilung 1. 6. 2026).Alemannia Studens 5 (1995), 8–15.
Schriften des Vereins für die Geschichte des Bodensees und seine Umgebung 114 (1996), 19–22.