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Fritz Moser

Fritz Moser

Urverbindung: Kürnberg (15.10.1912)

Geboren: 02.12.1892, Sigharting (Bezirk Schärding, Oberösterreich)
Gestorben: 01.02.1971, Grieskirchen (Oberösterreich)
Mitglied des Verfassungsgerichtshofes, Rechtsanwalt
Politische Haft: Polizeihaft 1938

Lebenslauf:

Moser wurde als Sohn eines Fleischhauers geboren. Nach der Volksschule in seinem Heimatort Sigharting besuchte er ab 1903 die Realschule in Linz, wo er 1910 die Matura ablegte (die Realschule war damals siebenklassig). 1906 wurde er bei der katholischen Pennalie Nibelungia (später MKV) aktiv. Bis 1904 war an dieser Anstalt auch Adolf Hitler Schüler, wodurch sie „Schulkollegen“ waren. Weiter Schüler dieser Realschule waren Adolf Eichmann und Ernst Kaltenbrunner sowie auch der spätere WKÖ-Präsident Christoph Leitl (Kb). Danach begann Moser das Studium zuerst an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck, wechselte aber bald an die Universität Wien (dort Dr. iur.), wo er dem Kürnberg beitrat (Couleurname Fritzl) und dort im Sommersemester 1914 Consenior war.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Moser zur k. u. k. Armee eingezogen, und zum k. u. k. Infanterieregiment GdI Friedrich Graf von Beck-Rzikowksy Nr. 47, das seinen Ergänzungsbezirk in Marburg/Drau hatte, Dort war er zuerst an der Karpathenfront eingesetzt, wo er schwer verletzt wurden, später an der Südtiroler Front und dann an der Isonzofront, wo er die 11. und 12. Isonzoschlacht mitmachte, wobei er bei letzteren wiederum schwer verletzt wurde (letzter Dienstgrad: Oberleutnant der Reserve; Auszeichnungen: silbernes Signum laudis und Signum laudis mit Band und Schwertern, Karl-Truppenkreuz).

Nach dem Krieg beendete Moser sein Studium, absolvierte die Gerichtspraxis und schlug danach die Rechtsanwaltslaufbahn ein. 1924 eröffnete er in Grieskirchen (Oberösterreich) eine Anwaltskanzlei und engagierte sich bei den Christlichsozialen, für die er in den dortigen Gemeinderat einzog. 1933 wurde er Bezirksleiter der Vaterländischen Front und engagierte sich bei den Ostmärkischen Sturmscharen. Nach dem Anschluß im März 1938 wurde er von der Gestapo mehrmals einvernommen und mußte Hausdurchsuchungen über sich ergehen lassen. Schließlich wurde er im August 1938 verhaftet und einige Zeit festgehalt. Danach erhielt er ein Gau- und Berufsverbot. Er zog daraufhin 1939 nach Wien und war dort als Rechtsanwalt tätig. Er vertrat dort auch jüdische Klienten und war in einer Widerstandsgruppe tätig.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieg kehrte Moser zuerst nach Grieskirchen zurück und war dort wieder als Rechtsanwalt tätig. Ebenso engagierte er sich bei der Gründung der ÖVP in Grieskirchen. Durch verwandtschaftliche Kontakte nahm er Einfluß auf die Ernennung von Heinrich Gleißner (S-B) zum provisorischen Landeshauptmann von Oberösterreich im Oktober 1945.

Mit 1. Mai 1945 wurde für Österreich eine Vorläufige Verfassung beschlossen (StGBl. Nr. 5/1945). In dieser war allerdings noch kein Verfassungsgerichtshof vorgesehen. Mit einer Novelle am 12. Oktober 1945 (StGBl. Nr. 209/1945) wurde ein provisorischer Verfassungsgerichtshof errichtet, der aus einem Präsidenten und einem Vizepräsidenten bestand, die vom Kabinettsrat ernannt wurden. Es gab dann noch weiter fünf Mitglieder, die jeweils vom Verwaltungsgerichtshof, dem Obersten Gerichtshof und den drei zugelassenen politischen Parteien (ÖVP, SPÖ, KPÖ) nominiert wurden. Seitens der ÖVP wurde Moser zum Mitglied des Verfassungsgerichtshofes bestellt, wobei sicher eine Rolle spielte, daß er aus den Bundesländern kam. Dieser Gerichtshof amtierte nur kurze Zeit. Nach den Nationalrats- und Landtagswahlen Ende November 1945 sowie den Konstituierungen von Nationalrat und Bundesrat wurde der Verfassungsgerichtshof nach dem Bestimmungen des Bundesverfassungsgesetzes von 1920 in der Fassung von 1929 wieder errichtet. Moser schied aus diesem aus und eröffnete in Linz-Urfahr eine Rechtsanwaltskanzlei.

Moser engagierte sich dann auch im oberösterreichischen CV und war von September 1950 bis September 1953 Vorsitzender des Altherrenlandesbundes. Begraben wurde er in Grieskirchen. Sein Sohn war Sieghart Moser (Kb).





Quellen und Literatur:

Hundert (100) Jahre CV in Oberösterreich. Unter Mitarbeit von Harry Slapnicka, Franz Wilfingseder (AIn) und Friedrich Engelmann (BbW). Linz o. J. (1980), S. 133f.
Polgar, Michael (Kb): 100 Jahre K. Ö. St. V. Kürnberg 1900–2000. Wien 2000, S. 250.
Farbe tragen, Farbe bekennen 1938–45. Katholisch Korporierte in Widerstand und Farbe Verfolgung. Hg. von Herbert Fritz und Peter Krause (Rt-D). Wien 2. wesentlich verb. Aufl. 2013, S. 436f.