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LH a.D. RA Dr. Rudolf (Rolph) Trummer

LH a.D. RA Dr. Rudolf (Rolph) Trummer

Urverbindung: Carolina (21.10.1910)

Bandverbindungen: GlL

Geboren: 19.04.1890, Dietersdorf (Gemeinde Straden, Steiermark)
Gestorben: 17.09.1954, Graz
Landeshauptmann (Steiermark), Mitglied des Staatsrates, Mitglied des Verfassungsgerichtshofes, Rechtsanwalt
Politische Haft: 1939/40 Polizeigefängnis Wien und München

Lebenslauf:

Trummer wurde als Sohn eines Landwirts geboren und besuchte die Volksschule in Straden. 1902 kam er zuerst an das Bischöfliche Gymnasium in Graz, dann ab der 5. Klasse an das Realgymnasium Lichtenfelsgasse, das er 1910 absolvierte.

Danach begann Trummer mit dem Studium an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Graz (Dr. iur. 1917), wo er zuerst der nichtfarbentragenden Verbindung (KV) Winfridia beitreten wollte, sich aber dann rasch für die Carolina entschied (Couleurname Rolph). Dort war er Senior (WS 1912/13) und zweimal Fuchsmajor. Aufgrund seiner finanziellen Lage war er gezwungen, einer Nebentätigkeit nachzugehen (Gutsverwaltung der Grafen Stürghk).

Anfang 1915 wurde Trummer zum Festungsartillerieregiment Nr. 7 eingezogen und war an der Tiroler Gebirgsfront eingesetzt (letzter Dienstgrad Oberleutnant d. R.; Auszeichnungen: bronzene sowie silberne Tapferkeitsmedaille II. Klasse, Signum laudis mit Schwertern, Karl-Truppenkreuz). In der „Academia“ ist ein Feldpostbrief vom 27. Dezember 1915 abgedruckt, wo u. a. steht: „Mir geht es vorzüglich. Nur haben wir hier oben ein fürchterliches Wetter. Der Schnee liegt 4–6 Meter und noch höher. Vor ein paar Tagen ging eine Lawine nieder. Wir sind fast jeden Morgen völlig eingeschneit, so daß wir meist auf allen Vieren aus dem Unterstand herauskriechen müssen. Das Ringen mit der Natur hat seinen Höhepunkt erreicht, dafür geben aber die Katzelmacher [Italiener gemeint, Anm. d. Verf. ] so ziemlich Ruh.“

Trummer konnte bei Heimaturlauben sein Studium beenden und absolvierte nach dem Krieg das Gerichtsjahr. Danach begann er die Laufbahn als Rechtsanwaltsanwärter. Nach Ablegung der Anwaltsprüfung wurde er zuerst 1922 Kompagnon eines Anwalts, eröffnete aber dann 1930 seine eigene Kanzlei in Graz am Joanneumring.

Trummer engagierte sich nebenbei stark im katholischen Verbandswesen. So hielt er beim Steirischen Katholikentag 1930 die Festrede. Auch saß er im Verwaltungsausschuß des Katholischen Preßvereins (Verlag Styria, Kleine Zeitung). Dem gehörte er bis zum Anschluß an. In dieser Funktion gab es auch Reibungspunkte mit dem damaligen Generaldirektor Karl Maria Stepan (Nc), dem er dann als Landeshauptmann nachfolgen sollte. Ebenso war er ab 1934 Oberkurator der Landeshypothekenanstalt. 1928 wurde er als Vertreter des österreichischen CV in den Alherrenbundausschuß des CV gewählt.

Mit 1. November 1934 wurde Trummer in den Staatsrat berufen, dem er bis zum 4. März 1938 angehörte. Nachdem der steirische Landeshauptmann Karl Maria Stepan am 3. März 1938 auf Druck von Bundeskanzler Kurt von Schuschnigg (AIn) zurücktreten mußte, wurde er zum Landeshauptmann berufen, welches Amt er bis zum 12. März 1938 ausübte. Er war der am kürzesten amtierende Landeshauptmann in der Geschichte Österreichs.

Nach dem Anschluß wurde Trummer all seiner Ämter enthoben und im Dezember 1938 aus der steirischen Anwaltsliste gestrichen. Er ging daraufhin nach Wien, um dort seinen Anwaltsberuf ausüben zu können. Er konnte dann eine Anwaltskanzlei in Wien (Stubenring) eröffnen. Er stand unter strenger Beobachtung der Gestapo, wurde mehrmals verhört und mußte mehrere Hausdurchsuchungen über sich ergehen lassen. Nach dem Hitler-Attentat im November 1939 wurde er verhaftet, dann nach München überstellt und erst im Januar 1940 entlassen. Während des Krieges wurde er zwei Mal ausgebombt.

Nach dem Krieg kehrte Trummer nach Graz zurück, nahm seine Anwaltstätigkeit wieder auf und wurde 1946 als Mitglied in den Verfassungsgerichtshof berufen. Auch war er Mitglied des Aufsichtsrats der Stölzle Glasindustrie AG, der Philipps GmbH, der Mürztaler Holzsstoff- und Papierfabriks AG sowie der Lapp-Finze AG, wo Walther Kamschal (Cl) Vorstandsvorsitzender war.

1947 erlitt Trummer eine Gehirnblutung, von der er sich nicht mehr erholte. Am 10. September 1954 erlitt er einen Schlaganfall, dem er schließlich erlag.

Trummer hatte drei Töchter, eine heiratete den Grazer Großkaufmann Hans Hornig, die anderen vermählten sich mit Hans Baier (Cl) und Anton Dick (AIn). In den zwanziger Jahren war er einige Jahre Philistersenior der Carolina. Er war wegen seines gastfreundlichen Hauses sehr beliebt.

Trummer wurde auf dem Grazer St.-Leonhard-Friedhof bestattet.

Quellen und Literatur:

Academia 28 (1915/16), S. 493, und 41 (1928/29), S. 78.
Verbindungsarchiv Carolina. Carolinas Tote VI, S. 241ff.
Persönliche Mitteilung von Hans Baier (Cl) an den Verfasser.
Hartmann, Gerhard (Baj): Im Gestern bewährt. Im Heute bereit. 100 Jahre Carolina. Zur Geschichte des Verbandskatholizismus. Unter Mitarbeit von Dieter A. Binder. Herausgegeben von Maximilian Liebmann im Auftrag des Altherrenbundes der K. Ö. H. V. Carolina (= Grazer Beiträge zur Theologiegeschichte und Kirchlichen Zeitgeschichte Band 2). Graz 1988, 189, 232, 251, 271, 275, 306, 320, 366–368, 378f., 392, 537, 541, 605, 642 und 656.
Enderle-Burcel, Gertrude: Christlich–ständisch–autoritär. Mandatare im Ständestaat 1934–1938. Biographisches Handbuch der Mitglieder des Staatsrates, des Bundeskulturrates, des Bundeswirtschaftsrates sowie des Bundestages. Unter Mitarbeit von Johannes Kraus. Hg. vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands und der Österreichischen Gesellschaft für Quellenstudien. Wien 1991, S. 248f.
Krenn, Christoph-Rudolf: Landeshauptmann Rolph Trummer, in: Carolinenblätter, Studienjahr 2005/06, S. 10f.
Hartmann, Gerhard (Baj): Für Gott und Vaterland. Geschichte und Wirken des CV in Österreich. Kevelaer 2006, S. 253, 311, 427f.
Hartmann, Gerhard (Baj) – Simmerstatter, Markus (Cl): Ein großes Gehen Hand in Hand. 125 Jahre Carolina 1888 bis 2013. Graz 1913, S. 358.
Farbe tragen, Farbe bekennen 1938–45. Katholisch Korporierte in Widerstand und Verfolgung. Hg. von Peter Krause (Rt-D), Herbert Reinelt und Helmut Schmitt. Zweite wesentlich erweiterte Auflage. Teil 2: Kuhl, Manfred (F-B): Ergänzungsband Biographien. Wien 2020, S. 360.