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Friedrich Graf Schönborn

Friedrich Graf Schönborn

Ehrenmitgliedschaften: Austria-Wien

Geboren: 11.09.1841, Prag
Gestorben: 21.12.1907, Wien
k. k. Justizminister, Statthalter von Mähren, Präsident des Verwaltungsgerichtshofes, erbliches Mitglied des Herrenhauses

Lebenslauf:

HERKUNFT UND AUSBILDUNG

Schön­born wurde als Sohn des Er­wein Graf Schön­born (1812–1881), k. u. k. Käm­me­rers, erb­li­chen Mit­glieds des Her­ren­hau­ses, Fi­dei­kom­mi­ßherrn auf Lu­ka­witz, und der Chris­ti­na Maria Jo­se­fa, Grä­fin von Brühl, ge­bo­ren und er­hielt die Vor­na­men Fried­rich Er­wein Maria Carl Franz. Die Schön­borns sind rhei­ni­scher Ur­adel aus dem Nas­saui­schen und wur­den im 13. Jahr­hun­dert ur­kund­lich er­wähnt. Ab 1701 re­gier­ten sie die reichs­un­mit­tel­ba­re Herr­schaft Wie­sent­heid in Un­ter­fran­ken und ge­hö­ren seit­dem dem reichs­stän­di­schen Adel an.

Schön­borns Ge­burts­ort wird in der neue­ren Li­te­ra­tur mit Dlasch­ko­witz (Dlažko­vice), Be­zirk Leit­me­ritz, Böh­men, an­ge­ge­ben. Im Go­thai­schen Hof­ka­len­der 1911, einem äl­te­ren Beleg, sowie im Ös­ter­rei­chi­schen Bio­gra­phi­schen Le­xi­kon steht al­ler­dings als Ge­burts­ort Prag. Schön­born ge­hör­te der jün­ge­ren Linie der Gra­fen Schön­born an, dem sog. Böh­mi­schen Fi­dei­kom­miß. Sein jün­ge­rer Bru­der war der spä­te­re Erz­bi­schof von Prag, Franz Kar­di­nal Graf Schön­born (1844–1899). Die­ser Linie ent­stammt auch der Wie­ner Erz­bi­schof Chris­toph Kar­di­nal Schön­born (Rt-D EM).

Schön­born ab­sol­vier­te das Gym­na­si­um in Prag und stu­dier­te ab 1864 an der Rechts­wis­sen­schaft­li­chen Fa­kul­tät der Uni­ver­si­tät Prag (Dr. iur. 1872). Den da­ma­li­gen Vor­stel­lun­gen über eine ade­li­ge Er­zie­hung ent­spre­chend un­ter­nahm er gleich­zei­tig aus­ge­dehn­te Rei­sen zur Wei­ter­bil­dung (sog. „Ka­va­liers­tour“).

POLITISCHE LAUFBAHN

Auf­grund sei­ner ka­tho­lisch-kon­ser­va­ti­ven Ein­stel­lung en­ga­gier­te sich Schön­born im ka­tho­lisch-po­li­ti­schen Ca­si­no in Prag und im ka­tho­lisch-po­li­ti­schen Ver­ein für das Kö­nig­reich Böh­men, deren Prä­si­dent er vor 1888 war. 1880 kan­di­dier­te er er­folg­los für den Reichs­rat, wurde aber im sel­ben Jahr vom Ab­ge­ord­ne­ten­haus in den Staats­ge­richts­hof ge­wählt (die­ser war u. a. für die Be­hand­lung von Mi­nis­ter­an­kla­gen zu­stän­dig). Nach dem Tod sei­nes Va­ters wurde er am 16. Ja­nu­ar 1881 an des­sen Stel­le zum erb­li­chen Mit­glied des Her­ren­hau­ses des Reichs­ra­tes be­ru­fen.

Im sel­ben Jahr wurde Schön­born am 6. No­vem­ber auch zum k. k. Statt­hal­ter für Mäh­ren er­nannt, wel­che Funk­ti­on er bis zum 11. Ok­to­ber 1888 (Er­nen­nung zum Mi­nis­ter) aus­üb­te. Hier be­müh­te er sich um den Aus­gleich na­tio­na­ler Span­nun­gen, wes­we­gen gegen ihn der Vor­wurf er­ho­ben wurde, er be­güns­ti­ge die Tsche­chen. Ob­wohl er Statt­hal­ter war, kan­di­dier­te er 1884 für die Mit­tel­par­tei bei den mäh­ri­schen Land­tags­wah­len, wurde ge­wählt, nahm aber dann das Man­dat nicht an.

Am 11. Ok­to­ber 1888 wurde Schön­born auf Vor­schlag von k. k. Mi­nis­ter­prä­si­dent Edu­ard Graf Taaf­fe von Kai­ser Franz Jo­seph zum k. k. Jus­tiz­mi­nis­ter er­nannt. Er be­klei­de­te die­ses Amt bis zum Rück­tritt der Re­gie­rung unter Mi­nis­ter­prä­si­dent Al­fred Fürst Win­disch­grätz am 19. Juni 1895. Da Schön­born kei­nen spe­zi­fi­schen ju­ris­ti­schen Beruf aus­ge­übt hatte, stütz­te er sich auf fä­hi­ge Mit­ar­bei­ter. In sei­ner Amts­zeit kam es zur Re­form der Zi­vil­pro­zess­ord­nung, der Ju­ris­dik­ti­ons­norm und der Exe­ku­ti­ons­ord­nung. Wie be­reits als Statt­hal­ter führ­te er sein Mi­nis­ter­amt in ver­mit­teln­der Weise.

Schön­born nahm 1890 an den deutsch-tsche­chi­schen Aus­gleich­kon­fe­ren­zen teil, deren Er­geb­nis u. a. die „Schön­born’schen Sprach­ver­ord­nun­gen“ in der Jus­tiz waren. Eben­so war er gegen eine re­strik­ti­ve Aus­le­gung des Pres­se­ge­set­zes und war um Ob­jek­ti­vi­tät der Rich­terer­nen­nun­gen be­müht. Eben­so wand­te er sich gegen den An­ti­se­mi­tis­mus.

DIE ZEIT NACH SEINER MINISTERTÄTIGKEIT

Nach dem Aus­schei­den aus der Re­gie­rung wurde Schön­born Ende 1895 zum Prä­si­den­ten des Ver­wal­tungs­ge­richts­ho­fes be­stellt, wel­ches Amt er bis zu sei­nem Tode aus­üb­te. Hier war er um die Un­ab­hän­gig­keit des Ge­richts be­müht und konn­te Ein­flu­ß­ver­su­che des Thron­fol­gers Erz­her­zog Franz Fer­di­nand ab­weh­ren.

Schön­born war ein pro­non­cier­ter Ka­tho­lisch-Kon­ser­va­ti­ver und ge­hör­te zahl­rei­chen ein­schlä­gi­gen Ver­ei­ni­gun­gen an, so u. a. der Anti-Duell-Be­we­gung, dem Pra­ger Dom­bau­ver­ein und dem Ka­tho­li­schen Schul­ver­ein. In die­sem Zu­sam­men­hang ist auch die Ver­lei­hung der Eh­ren­mit­glied­schaft an ihn sei­tens der Aus­tria Wien zu sehen.

Schön­born war mit Ther­sia Grä­fin Czer­nin von und zu Chu­de­nitz ver­hei­ra­tet, die Ehe blieb kin­der­los. Er wurde 1881 zum k. k. Käm­me­rer und 1883 zum k. k. Ge­hei­men Rat er­nannt. 1886 er­hielt er das Gro­ß­kreuz des Franz-Jo­sephs-Or­dens, 1889 den Orden der Ei­ser­nen Krone I. Klas­se und 1895 das Gro­ß­kreuz des Leo­polds-Or­dens. Er wurde auf dem Fried­hof Wien-Dorn­bach in einem Eh­ren­grab (1A/1) be­stat­tet

Werke:

(Auswahl)
Böhmen und Mähren (1870).
Randglossen zum Entwurf eines neuen Strafgesetzes (1878).
Wirkungen der Neuschule (1881).

Quellen und Literatur:

Lehne, Friedrich: Friedrich Schönborn, in: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950, Band 11, Wien 1999, S. 57f.
Peter Urbanitsch in www.deutsche-biographie.defz115279 (NDB, ADB)