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Hon.-Kons. Hrsg. Chefred. Dr. Otto Färber

Hon.-Kons. Hrsg. Chefred. Dr. Otto Färber

Urverbindung: Cheruskia Tübingen (12.05.1912)

Bandverbindungen: AIn, AlSt, NdP

Geboren: 22.02.1891, Urach (Landkreis Reutlingen, damals Königreich Württemberg)
Gestorben: 15.03.1993, Bairbach (Gemeinde Telfs, Bezirk Innsbruck-Land, Tirol)
Herausgeber („Stuttgarter Nachrichten“), Chefredakteur, Österreichischer Honorargeneralkonsul
Politische Haft: 1938 Polizeihaft Innsbruck, KZ Dachau

Lebenslauf:

Fär­ber wurde als Sohn pro­tes­tan­ti­scher El­tern ge­bo­ren und wuchs in Mar­bach und Can­statt im da­ma­li­gen Kö­nig­reich Würt­tem­berg auf, wo er die Volks­schu­le bzw. das Gym­na­si­um ab­sol­vier­te. Da­nach be­gann er 1911 zu­erst ein Stu­di­um an der Tech­ni­schen Hoch­schu­le Stutt­gart-Ho­hen­heim (nun­mehr Uni­ver­si­tät), wech­sel­te aber nach einem Jahr zum Stu­di­um der Ge­schich­te an die Phi­lo­so­phi­sche Fa­kul­tät der Uni­ver­si­tät Tü­bin­gen. Be­reits in sei­ner Schul­zeit in­ter­es­sier­te sich Fär­ber für re­li­giö­se bzw. kirch­lich-ka­tho­li­sche Fra­gen, was im Früh­jahr 1912 zu sei­ner Kon­ver­si­on führ­te. Un­mit­tel­bar da­nach trat er der CV-Ver­bin­dung Che­rus­kia Tü­bin­gen bei. Im Sep­tem­ber 1912 pil­ger­te er – teil­wei­se zu Fuß – zum Eu­cha­ris­ti­schen Welt­kon­greß nach Wien, wo­durch eine dau­er­haf­te Bin­dung sei­ner­seits zu Ös­ter­reich ent­stand.

Im Ers­ten Welt­krieg wurde Fär­ber zum Kriegs­dienst ein­ge­zo­gen, wurde schwer ver­wun­det und ge­riet in rus­si­sche Kriegs­ge­fan­gen­schaft. Diese ver­ar­bei­te­te er in sei­nem Roman „Glü­hen­de Ket­ten“. Nach dem Krieg be­en­de­te er sein Stu­di­um in Frei­burg/Br. (Dr. phil. 1918) mit einer Dis­ser­ta­ti­on über die Zeit Kai­ser Lud­wigs des Bay­ern und Papst Jo­han­nes XXII., da seine Ar­beit in Tü­bin­gen zu­nächst nicht an­ge­nom­men wurde.

Nach sei­nem Stu­di­um war Fär­ber vor­erst im Ka­tho­li­schen Aka­de­mi­ker­aus­schuß tätig, wech­sel­te aber dann nach Mün­chen in die Par­tei­zen­tra­le der Baye­ri­schen Volks­par­tei (so hieß die Zen­trums­par­tei in Bay­ern, somit eine Art Vor­läu­fe­rin der CSU). 1924 wech­sel­te er nach Karls­ru­he und wurde Chef­re­dak­teur der Pres­se­kor­re­spon­denz der Zen­trums­par­tei im Land Baden. Gleich­zei­tig war er Re­dak­teur im „Ba­di­schen Be­ob­ach­ter“, der von der Ba­de­nia Ver­lags AG Karls­ru­he her­aus­ge­ge­ben wurde. (Der Ba­de­nia-Ver­lag ist nun­mehr der Ver­lag des Erz­bis­tums Frei­burg/Br.). Zu die­ser Zeit war er auch Vor­sit­zen­der der „Ka­tho­li­schen Liga für die prak­ti­sche aka­de­mi­sche Ar­beit“.

Wegen sei­ner ka­tho­li­schen bzw. an­ti­na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ein­stel­lung emi­grier­te Fär­ber 1934 nach Ös­ter­reich bzw. Inns­bruck und fand dort An­stel­lung beim „All­ge­mei­nen Ti­ro­ler An­zei­ger“ als Chef vom Dienst und Feuil­le­ton­re­dak­teur. Das war die Ti­ro­ler ka­tho­li­sche Ta­ges­zei­tung der Zwi­schen­kriegs­zeit in Nach­fol­ge der „Neuen Ti­ro­ler Stim­men“.

Auf­grund sei­ner Hal­tung und Schreib­wei­se wurde Fär­ber nach dem An­schluß im März 1938 ver­haf­tet und am 17. Juni 1938 ins KZ Dach­au ein­ge­lie­fert. Seine Ehe­frau – sie hat­ten sechs Kin­der – in­ter­ve­nier­te bei der Ge­sta­po in Inns­bruck, so daß er am 23. De­zem­ber 1938 aus dem KZ ent­las­sen wurde. Da­nach war er als Buch­hal­ter tätig. 1941 wurde er zur Deut­schen Wehr­macht ein­ge­zo­gen und war bis 1943 als Dol­met­scher für Rus­sisch an der Ost­front ein­ge­setzt. Da­nach war er Buch­hal­ter in einer Zwirn­fa­brik in Gög­gin­gen (nun­mehr Ost­alb­kreis, Baden-Würt­tem­berg).

Nach dem Krieg (1945) war Fär­ber Re­dak­teur bei der „Schwä­bi­schen Lan­des­zei­tung“ in Augs­burg (nun­mehr „Augs­bur­ger All­ge­mei­ne“). 1946 er­hielt er von der US-Be­sat­zungs­macht die Li­zenz für die Her­aus­ga­be der „Stutt­gar­ter Nach­rich­ten“. Diese Li­zenz mußte er als Ver­tre­ter der CDU mit je einem Re­prä­sen­tan­ten der SPD und der De­mo­kra­ti­schen Volks­par­tei (DVP, spä­ter FDP) tei­len. Die „Stutt­gar­ter Nach­rich­ten“ exis­tie­ren noch heute, sie ist eine der bei­den gro­ßen Ta­ges­zei­tun­gen für den Stutt­gar­ter Raum.

Fär­ber blieb auch nach 1945 mit Ös­ter­reich eng ver­bun­den. So hatte er die Idee, in Stutt­gart ein Ös­ter­reich-Haus zu er­rich­ten. Übrig blieb davon in Stutt­gart die Be­nen­nung eines Plat­zes in Ös­ter­reich­platz. 1956 wurde er zum ös­ter­rei­chi­schen Ho­no­rar­ge­ne­ral­kon­sul für den Amts­be­reich der Re­gie­rungs­be­zir­ke Nord-Würt­tem­berg und Süd-Würt­tem­berg-Ho­hen­zol­lern be­stellt und übte die­ses Amt bis 1965 aus.

1965 ver­kauf­te Fär­ber sei­nen An­teil an den „Stutt­gar­ter Nach­rich­ten“, zog nach Tirol und baute sich ein Haus in Bair­bach (Ge­mein­de Telfs). Dort ver­brach­te er sei­nen Le­bens­abend. Auf­grund eines Ge­lüb­des, das er in Dach­au ab­ge­legt hatte, ließ er 1964/65 in Bair­bach eine Weg­ka­pel­le von Cle­mens Holz­meis­ter (Nc) er­rich­ten, die der Him­mel­fahrt Ma­ri­ens und dem hl. Pon­tia­nus ge­weiht wurde. (Pon­tia­nus war bis 235 Bi­schof von Rom und wurde nach Sar­di­ni­en ins Exil ver­bannt, wo er an den Stra­pa­zen der Stein­bruch­ar­beit starb.)

Fär­ber kam 1934 als Ur­mit­glied der Che­ru­s­cia Tü­bin­gen nach Inns­bruck und dort in Kon­takt zur Aus­tria. Auf­grund der Gleich­schal­tung bzw. Auf­lö­sung des CV in Deutsch­land bzw. der Ab­schal­tung des ÖCV wurde Fär­ber mit dem Ein­tritts­da­tum der Che­ru­s­cia als Ur­mit­glied in die Aus­tria Inns­bruck über­nom­men (Cou­leur­na­me Ma­ri­us). Diese Ur­mit­glied­schaft bei Aus­tria blieb auch nach dem Krieg vor­erst be­stehen (Ge­samt­ver­zeich­nis­se des ÖCV von 1949 und 1954). Erst nach der Wie­der­errich­tung des CV in Deutsch­land bzw. der Che­ru­s­cia sowie durch das Salz­bur­ger Ver­bän­de­ab­kom­men zwi­schen CV und ÖCV von 1952 bzw. 1957 wurde Fär­ber wie­der in den Sta­tus eines Ur­mit­glieds bei Che­ru­s­cia Tü­bin­gen zu­rück­ge­führt (siehe Ge­samt­ver­zeich­nis CV 1955 und Ge­samt­ver­zeich­nis ÖCV 1959). Er wurde gleich­zei­tig Band­phi­lis­ter bei der Aus­tria. Diese Rück­füh­rung war rich­tig, weil die Über­nah­me durch die Aus­tria 1935 aus po­li­ti­schen Zwangs­grün­den er­folg­te, die sich 1945 er­le­digt hat­ten.1982 wurde er Eh­ren­phi­lis­ter der nicht mehr exis­tie­ren­den MKV-Ver­bin­dung Her­ten­berg Telfs.

Fär­ber starb als äl­tes­ter Che­rusce und als einer der äl­tes­ten CVer im 101. Le­bens­jahr und wurde in Telfs be­gra­ben. Sein Sohn Wolf­gang Fär­ber stu­dier­te nach dem Krieg in Inns­bruck und wurde 1948 bei der Aus­tria aktiv. Er blieb in Ös­ter­reich und wurde in Inns­bruck Gym­na­si­al­pro­fes­sor.

Werke:

(Auswahl)
Das kommende Rußland (1920).
Von Marx bis Leben (1921).
Der Papst im Bergwerk. Das Schicksal des Papstes Pontianus (1967).

Quellen und Literatur:

Austrier-Blätter Nr. 62, 1993, S. 110f.
Farbe tragen, Farbe bekennen 1938–45. Katholisch Korporierte in Widerstand und Farbe Verfolgung. Hg. von Peter Krause (Rt-D), Herbert Reinelt und Helmut Schmitt. Zweite wesentlich erweiterte Auflage. Teil 2: Kuhl, Manfred (F-B): Ergänzungsband Biographien. Wien 2020, S. 66.