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LH LT-Präs. a.D. Dr. Lorenz (Lovro) Karall

LH LT-Präs. a.D. Dr. Lorenz (Lovro) Karall

Ehrenmitgliedschaften: Austro-Peisonia

Geboren: 10.08.1894, Großwarasdorf (Burgenland)
Gestorben: 17.03.1965, Walbersdorf (Burgenland)
Landeshauptmann (Burgenland), Landtagspräsident (Burgenland), Mitglied des Staatsrates, Präsident der Kammer der gewerblichen Wirtschaft für das Burgenland

Lebenslauf:

Karall wurde als Sohn eines Bauern geboren und ist kroatischer Abstammung. Sein Geburtsort lag damals in Westungarn und hieß Szabadbáránd (kroatisch Veliki Borištof). Nach dem Besuch des Gymnasiums in Preßburg studierte er – unterbrochen vom Militärdienst 1914 bis 1918 – an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Budapest Jus (Dr. iur. 1921). 1922 wurde er Rechtsanwaltsanwärter in Eisenstadt und Redakteur der kroatischen Zeitung „Hravtske Novine“. Er gründete die christlichsoziale kroatische Bauernpartei „Gradijanska Hravatska stranka“, womit er einer der führenden Persönlichkeiten der kroatischen Minderheit Burgenlands wurde.

KARALL IN DER POLITIK BIS 1938

Das führte Karall zwangsläufig in die Politik. Bezeichnend in diesem Sinne war auch seine Heirat mit einer Tochter des Landeshauptmanns Anton Schreiner (BbW EM). Die kroatischen Christlichsozialen integrierte er 1927 auch in die Christlichsoziale Partei des Burgenlands, deren zweiter Obmannstellvertreter dann Karall von 1932 bis 1934 war.

Vom 20. Mai 1927 bis zum 16. Oktober 1934 war Karall burgenländischer Landtagsabgeordneter, vom 24. Juli 1929 bis zum 29. Mai 1934 war er Landesrat und vom 29. Mai bis zum 3. November 1934 Landeshauptmannstellvertreter des Burgenlands.

Mit Beginn des Ständestaates zog sich Karall von der Landespolitik zurück und war vom 1. November 1934 bis zum 12. März 1938 Mitglied des Staatsrates. Dem neuen System stand er etwas distanziert gegenüber, daher ging er in die Wirtschaft. Er wurde Konsulent der Bundesländerversicherung, Oberkurator der Burgenländischen Landeshypothekenanstalt (ab 1936) und Mitbesitzer der Ziegelei in Walbersdorf, die seinem Schwiegervater Anton Schreiner gehörte.

KARALL IN DER POLITIK NACH 1945

Gegen Ende des Krieges bildete Karall bereits am 11. April 1945 in Mattersburg mit einigen Politikern aus der Zeit vor dem Anschluß ein „Provisorisches Landeskomitee“, das die Wiedererrichtung des Burgenlandes anstrebte. Er wurde auch sofort Landesparteiobmann der ÖVP, was er bis 26. Oktober 1963 blieb. In dem am 1. Oktober 1945 gebildeten Provisorischen Landesausschuß wurde er Landeshauptmannstellvertreter des Burgenlands.

Nach den ersten Landtagswahlen Ende November 1945 wurde Karall am 4. Januar 1946 zum Landeshauptmann gewählt, was er bis zum 22. Juni 1956 blieb. In dieser Funktion erwarb er sich große Verdienste um den Wiederaufbau des Burgenlands nach dem Krieg bzw. in der sowjetischen Besatzungszeit. Nach seinem Rücktritt als Landeshauptmann war er vom 11. Juni 1956 bis 5. Mai 1960 Landtagspräsident. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte er dem burgenländischen Landtag vom 13. Dezember 1945 bis zum 5. Mai 1960 an.

Vom 27. Juni 1956 bis zum 22. April 1964 war er Präsident der burgenländischen Handelskammer, von 1951 bis 2. Februar 1964 stellvertretender Landesobmann des Wirtschaftsbundes, vom 2. Februar 1964 bis 27. Oktober 1965 auch dessen Obmann. Vom 6. März 1958 bis zu seinem Tod war er Aufsichtsratsmitglied des Österreichischen Rundfunks.

Quellen und Literatur:

Unger, Günter Michael: Die Christlichsoziale Partei im Burgenland (= Burgenländische Forschungen 49). Eisenstadt 1965 (passim).
Kriegler, Johann: Politisches Handbuch des Burgenlands. I. Teil (1921–1938). Eisenstadt 1972, S. 99.
Wurm, Peter: Dr. Lorenz Karall. Wien phil. Diss. 1983.
Kriegler, Johann: Politisches Handbuch des Burgenlands. II. Teil (1945–1995) (= Burgenländische Forschungen Heft 76). Eisenstadt 1996, S. 194.
Erhardt, Johann: Dr. Lorenz Karall, Johann Wagner, Josef Lentsch, Franz Soronics. Vier Christdemokraten und ihr Wirken für die Wiedererrichtung und die Gestaltung unseres Heimatlandes von 1945 bis 1978. Eisenstadt 2004.