Mit großer Betroffenheit hat die ÖCV-Verbandsführung erfahren müssen, dass am 23. Oktober unser Cartellbruder NR-Abg. a.D. Heribert Steinbauer (AW) im 92. Lebensjahr verstorben ist. Nach einem Sturz bei einem Arztbesuch erlitt er schwere Kopfverletzungen, denen er am darauffolgenden Vormittag erlag. Die ÖCV-Verbandsführung spricht ihr tief empfundenes Mitgefühl seiner Familie, insbesondere seiner Frau Reingard, sowie allen Angehörigen, Freunden und Wegbegleitern aus. Mit ihm verliert Österreich und der ÖCV einen selbstbewussten und streitbaren Christdemokraten, einen politischen Gestalter und überzeugten Vertreter des christlichen Wertefundaments.
Heribert Steinbauer wurde 1935 in Wien als Sohn des Rechtsanwalts Dr. Gustav Steinbauer (F-B) geboren. Nach dem Besuch des Schottengymnasiums studierte er Philosophie, Psychologie und Vergleichende Sprachwissenschaften an der Universität Wien. Dort trat er der katholischen Studentenverbindung Austria Wien (AW) bei und wählte den Couleurnamen Hamlet. Er engagierte sich früh in der Verbindung und übernahm 1957/58 als Senior den Vorsitz im Wiener Cartellverband. Auch im ÖCV-Beirat setzte er sich als Leiter des Academia-Amtes für eine offene und reformorientierte Ausrichtung ein.
Seinen beruflichen und politischen Weg begann Steinbauer 1964 in der ÖVP-Bundesparteileitung, wo er zunächst die Abteilung Dokumentation leitete. 1967 wurde er von ORF-Generalintendant Gerd Bacher zum Generalsekretär des ORF berufen und war maßgeblich an der Umsetzung der Rundfunkreform beteiligt. Von 1970 bis 1975 kehrte er als stellvertretender Generalsekretär zur ÖVP zurück und leitete anschließend bis 1979 deren Politische Abteilung. In dieser Zeit war er auch Büroleiter von Alois Mock und verantwortete mehrere Nationalrats- und Bundespräsidentenwahlkämpfe, darunter jenen für Kurt Waldheim.
Von 1975 bis 1994 gehörte Steinbauer dem Nationalrat an und war über viele Jahre Mediensprecher der ÖVP. Besondere Bedeutung erlangte 1982 seine Leitung des Volksbegehrens gegen das geplante Konferenzzentrum, das mit nahezu 1,4 Millionen Unterschriften zu einem der erfolgreichsten Volksbegehren der österreichischen Geschichte wurde. Darüber hinaus engagierte er sich in der Entwicklungszusammenarbeit sowie auf Bezirksebene in Wien-Neubau, wo er von 1996 bis 2001 Bezirksvorsteher-Stellvertreter war.
Auch nach seinem Ausscheiden aus der Bundespolitik blieb Steinbauer dem geistigen und gesellschaftlichen Diskurs verbunden. Gemeinsam mit seiner Frau Reingard Grübl-Steinbauer gründete er den Verlag „Edition Steinbauer“.
Heribert Steinbauer bleibt als eigenständiger Denker, engagierter Gestalter und überzeugter ÖCVer in Erinnerung. Sein politisches Wirken war geprägt von Haltung, Weitblick und unerschütterlicher Zuversicht. Sein Lebensweg wird uns ein ehrendes Andenken sein.
Eine Lebenslauf des Verstorbenen findet sich im biografischen Artikel des ÖCV-BioLex.
Bild 1: © BKA / Andy Wenzel
Bild 2: © Archiv Karl von Vogelsang-Institut