Der ÖCVer Dr. Herbert Grubmayr (AW) war der letzte noch lebende Teilnehmer der österreichischen Delegation, der an den Verhandlungen über den Staatsvertrag im April 1955 in Moskau teilnahm. Er ist am vergangenen Wochenende zu Mariä Himmelfahrt im 98. Lebensjahr in Wien verstorben.
Herbert Grubmayr wurde am 16. Juni 1929 geboren, stammte aus Scheibbs im niederösterreichischen Mostviertel und besuchte das Realgymnasium in St. Pölten, wo er 1947 seine Matura ablegte. Danach studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Wien und promovierte 1952 zum Dr. iur., außerdem belegte er an der Universität die Sprachen Englisch, Spanisch und Französisch. Bereits wenige Wochen nach Studienbeginn trat er der ÖCV-Verbindung Austria Wien bei und wählte den Couleurnamen "Grupus".
Seine berufliche Laufbahn begann er in der Rechtsabteilung des Bundeskanzleramts und des Außenministeriums und wurde dann von 1955 bis 1958 als Diplomat der österreichischen Botschaft in Moskau zugeteilt. Dort nahm er im April 1955 an den Verhandlungen der österreichischen Regierungsdelegation teil, die Österreich den Staatsvertrag brachten. Er war der letzte lebende Zeuge dieser Zeit und hat als solcher gelegentlich in den Medien darüber berichtet. Nach verschiedenen weiteren Posten an Botschaften und in Wien, u. a. als Sekretär von Bundeskanzler Julius Raab (Nc), war er von 1970 bis 1976 Botschafter in Kolumbien und danach bis 1980 im Irak. Von 1980 bis 1983 wieder im Außenministerium war er dann Botschafter in Syrien, um dann im Jahr 1985 nach Moskau zu gehen, der Botschafterposten in der Sowjetunion war damals ein wichtiger Posten. Dort erlebte er den beginnenden Auflösungsprozess der UdSSR. 1990 wurde er Botschafter in Bonn und wurde Zeuge der Wiedervereinigung Deutschlands. 1993 kehrte er als Stellvertretender Generalsekretär des Außenministeriums nach Wien auf den Ballhausplatz zurück und ging schließlich 1994 in den Ruhestand.
Nach seiner Pensionierung war Herbert Grubmayr noch im verschiedentlichen diplomatischen Einsatz und engagierte sich beim Österreichischen Versöhnungsfonds bzw. Zukunftsfonds. Er gehörte zu den Spitzendiplomaten Österreichs und wurde vielfach mit inländischen und ausländischen Ehrenzeichen ausgezeichnet. Er war seit 1963 mit seiner Frau Helga verheiratet und hatte einen Sohn, im Ruhestand lebte er vor allem in Lunz am See und in Wien. Die ÖCV-Verbandsführung dankt ihrem hochverdienten Cartellbruder Herbert Grubmayr für sein außerordentliches Engagement für die Republik Österreich und drückt der Familie ihr tiefempfundene Anteilnahme aus.
Nachruf von Gerhard Hartmann (Baj, Ca, Cl) und Gerhard Labschütz (NdW)
Bild 1: Archiv Austria Wien (AW)
Bild 2: Volkspartei Lunz/See (Ehrung von H. Grubmayr, 2024)