Die Salzburger Hochschulwochen (SHW) zählen seit 1931 zu den bedeutendsten internationalen und interdisziplinären Sommeruniversitäten im deutschsprachigen Raum und nutzen die Gelegenheit das Salzburg aufgrund der Festspiele im Sommer ein Hotspot in Europa ist. Die Hochschulwochen wurden von den Benediktinern eingeführt und sind heute als eigenständige Einrichtung an der Paris Lodron Universität Salzburg angesiedelt. Sie bringen jährlich rund 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem In- und Ausland zusammen. Ziel der Hochschulwochen ist es, ein Forum zu schaffen, in dem Theologie gemeinsam mit anderen Wissenschaften aktuelle gesellschaftliche und grundlegende Fragen unserer Zeit diskutiert.
Die Geschichte der SHW ist eng mit der europäischen Zeitgeschichte verbunden. Nach ihrer Gründung wurden sie während der NS-Zeit von 1939 bis 1945 verboten, unmittelbar nach Kriegsende jedoch wieder aufgenommen. Bedeutende Persönlichkeiten wie Karl Rahner, der hier erstmals sein Werk Hörer des Wortes vorstellte, Joseph Ratzinger (Papst Benedikt XVI.), Hans-Georg Gadamer oder Ruth Klüger prägten die Hochschulwochen als Ort des wissenschaftlichen Dialogs und einer offenen katholischen Gesprächskultur.
Die Salzburger Hochschulwochen haben sich 2026 der Frage gewidmet, wer Menschen sind und sein wollen. Unter dem Titel „Wer wir sind und sein wollen. Identität: Superkraft und Problemzone“ versammelte die traditionsreiche Sommeruniversität zum 95-jährigen Bestehen. Es standen Vorträge, Workshops und Diskussionen an der Schnittstelle von Theologie, Philosophie, Sozial- und Naturwissenschaften auf dem Programm.
Bereits bei der Eröffnung wurde deutlich: Identität wird nicht als rein persönliche Angelegenheit verstanden. Erzbischof Franz Lackner betonte den Zusammenhang zwischen individueller Einzigartigkeit und dem Verhältnis zu anderen Menschen. Die christliche Perspektive frage deshalb nicht nur „Wer bin ich?“, sondern auch „Wer bin ich für dich?“. Landeshauptfrau Karoline Edtstadler bezeichnete das Zuhören als „wahre Superkraft unserer Gemeinschaft“.
Obmann Martin Dürnberger verwies auf die aktuellen Erfahrungen von „Disruption, Bruch und Transformation“. Gerade diese Veränderungen zwängen Menschen dazu, über ihr Selbstverständnis nachzudenken. Identität könne dabei Orientierung geben, zugleich aber zur Gefahr werden, wenn sie zur Abwertung des Fremden oder zur Verdrängung innerer Vielfalt eingesetzt werde. Der Soziologe Andreas Reckwitz rückte das Thema „Erbe“ in den Mittelpunkt. Familiengeschichte, Traditionen und sogar über Generationen weiterwirkende Konflikterfahrungen würden zunehmend für die Konstruktion persönlicher Identität bedeutsam. „Sein Erbe wird man einfach nicht los“, sagte Reckwitz.
Auch die Theologin Franca Spies warnte vor einer Vereindeutigung christlicher Identität. Angesichts politischer Bewegungen, die religiöse Begriffe für politische Ziele nutzen, plädierte sie für die Anerkennung der Vieldeutigkeit christlicher Tradition als „Geschenk und Grundlage von Freiheit“. Zum Abschluss führte der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz diese Gedanken weiter. Christliche Identität sei „in ihrem innersten Kern relational, aber nicht relativistisch“ und damit wesentlich durch Beziehungen geprägt. Er wandte sich gegen ein Verständnis, das sich Kirche über Abgrenzung und Abschottung definiert. Stattdessen müsse sie „präsent sein, ohne zu vereinnahmen“ und die eigene Überzeugung vertreten, ohne die Freiheit anderer einzuschränken. Mit Blick auf 2027 richtet sich der Fokus bereits auf einen neuen Schwerpunkt: „Alles auf Anfang?! Die Kunst des Neubeginns“. Damit soll die Frage untersucht werden, wie persönliche, gesellschaftliche, politische und kirchliche Veränderung gelingen kann.
Der Cartellverband (CV), der nichtfarbentragende KV (Kartellverband), der Unitas-Verband und der ortsansässige Altherrenlandesbund Salzburg sind neben der Universität und kirchlichen Institutionen seit Jahren Unterstützer und Trägerorganisationen der Salzburger Hochschulwochen. Daher findet im Rahmen der Hochschulwochen alljährlich auch ein eigener Vortrag im Rahmen des Treffens der "korporationsstudentischen Verbände" statt. Als Vortragender konnte 2026 der emeritierte Bischof von Oslo H. Markus Brent Eidsvig Can.Reg. gewonnen werden, der heute im Ruhestand im Stift Klosterneuburg lebt. Danach wird traditionell auf Einladung des AHLB zu Speis und Trank im Innenhof der Universität gebeten.
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Bildquelle: © Salzburger Hochschulwochen (Homepage)