Vergangenen Dienstag, den 05. Mai, lud der Wiener Cartellverband (WCV) zu einer Podiumsdiskussion mit dem Titel "Die Zukunft unserer Hochschulen" ein.
Auf dem Podium diskutierten Bildungsminister Christoph Wiederkehr MA, Dekan der Fakultät für Technische Chemie der TU Wien Uni.Prof. Dipl.-Ing. Dr. Marko Mihovilovic (Rt-D), der Rektor der Hochschule Campus Wien FH-Prof. Dipl.-In. Dr.mont. Heimo Sandtner und AG Bundesobmann Laurin Weninger (BbW, GlL) gemeinsam mit über 50 Cartellbrüdern und Gästen im Publikum aktuelle Themen, die die Hochschulen vor neue Herausforderungen stellen. Der Abend wurde moderiert von Sekt.-Chef Mag. Elmar Pichl (Trn).
Zu Anfang leitete die Moderation die Diskussion mit dem Thema KI an Hochschulen ein. Wiederkehr erklärte, dass die KI große Veränderungen für die Gesellschaft bedeute. Besonders wichtig sei die Kompetenz junger Menschen, weiterhin selbst lernen zu können und Ergebnisse ohne KI auch kritisch hinterfragen und plausibilisieren zu können. Für ihn würden die "grundlegenden, kulturell-geprägten Kenntnisse" wie Lesen, Schreiben und Rechnen deswegen noch wichtiger werden, als sie das bis jetzt schon waren. Bildungsminister Wiederkehr sieht in diesem Punkt Handlungsbedarf im gesamten Bildungssystem und einen Zusammenhang mit der angestrebten Einführung eines demokratiebildenden und -fördernden Unterrichts.
Sandtner berichtete von seinen Erfahrungen der Fachhochschule und machte deutlich, dass nicht nur die Studenten, sondern auch die Lehrenden lernen müssen, die KI im Universitätsalltag zu verwenden und die Kompetenz im Umgang mit der KI auch weiterzugeben. Lehrende würden in Zukunft durch KI mehr Möglichkeiten haben, zum Teil aber auch mehr gefordert sein. Eine Neuerung im Lernalltag, die so eine unglaubliche Geschwindigkeit hat, habe es bis dato noch nicht gegeben. Weiter führte er aus, dass die KI den Studenten ein auf ihre individuelle Bedürfnisse angepasstes Lernen ermöglichen werden würde. So könnten diese in Sekundenschnelle auf ihren jeweiligen Lerntyp zugeschnittene Lehrinhalte generieren, wodurch eine nie dagewesene Aufarbeitung der Lehrunterlagen ermöglicht würde.
Mihovilovic ist überzeugt, dass KI auch für die Wissenschaft eine unglaubliche Chance biete. Zwar sei die KI bis jetzt nur ein Abrufmodel und mache von selbst noch keine neuen Entdeckungen, dies könne sich aber in Zukunft ändern. Er sieht die KI nicht als Bedrohung, sondern beschreibt sie als „Companion“ sowohl für Wissenschaftler als auch für Studenten. Ag-Bundesobmann Weninger brachte das Thema der nötigen Regulierung für den Einsatz von KI im Hochschulalltag auf. Dies sei besonders wichtig, damit die Studenten auch wissen, was erlaubt ist und was nicht. Grundsätzlich sehen alle Diskutanten große Chancen, die KI für den Hochschulalltag bringen kann und wird. Man dürfe aber nicht in die Falle tappen, nötige Grundkompetenzen zu verlernen bzw. gar nicht mehr zu erlernen. Nichts werde in Zukunft wichtiger sein, als die Fähigkeit, kritisch zu hinterfragen und eigenständig Neues zu begründen. Sie erkennen an, dass die KI längst eine gewaltige Veränderung im alltäglichen Leben darstellt und fordern einen gewissenhaften Umgang sowie rechtliche und moralische Rahmenbedingungen für den Einsatz in Schule und Hochschule.
Im zweiten Teil der Diskussion sprachen die Teilnehmer über die Vereinbarkeit des Studierens und Arbeitens. Pichl gab an, dass 70% der Studierenden erwerbstätig sind, davon durchschnittlich für 20 Stunden pro Woche. Weniger beschrieb das Anliegen der Hochschüler, das Lehrangebot noch besser für genau diese Bedingungen zu verbessern. Er forderte hybride Lehrveranstaltungen und einen Ausbau des Angebots auch zu Tages- und Wochenrandzeiten. Mihovilovic widersprach hier zum Teil: Er beschrieb die Herausforderung das nötige Personal für diese Zeiten zu finden, befürwortete aber das Arbeiten neben dem Studium. Er bedauert allerdings, dass dies zum Teil das Studium an den Rand drücke, was auch zu sehr langen Studienzeiten und hohen Dropout-Quoten in Österreich führe. Grundsätzlich befürworten alle Diskussionsteilnehmer das sehr liberale österreichische Studiensystem. Dennoch müsse man in manchen Bereichen wohl strenger agieren und stärkere Anreize schaffen damit Studenten im Hochschulsystem bleiben und vorankommen, so Wiederkehr. Für den Staat ist der Betrieb der Hochschulen mit hohen Kosten verbunden.
Am Ende der Podiumsdiskussion gab es die Möglichkeit, auf Fragen aus dem Publikum einzugehen. Hier wurde weiter zu den Themen KI, Arbeit und Studium sowie Politisierung der Hochschulen intensiv diskutiert.
Der Wiener Cartellverband bedankt sich bei den Diskussionsteilnehmern und allen Gästen. Ein besonderer Dank gilt auch der K.Ö.St.V Kürnberg, die kurzfristig ihre Räumlichkeiten für den Abend zur Verfügung gestellt hat.