Prof. Dr. Herbert Kaspar (Am) verstorben

Prof. Dr. Herbert Kaspar (Am) verstorben

Österreichischer Cartellverband
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05.03.2026
ÖCV.Net Redaktion
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Am Mittwochvormittag des 05. März 2026 verstarb nach kurzer schwerer Krankheit unser Cartellbruder Prof. Dr. Herbert Kaspar (Am). Er prägte als langjähriger Herausgeber und Chefredakteur die „Academia“ wie kein anderer vor ihm und war im ÖCV auch schon in den 60er, 70er und 80er als Funktionär immer wieder bereit, Verbandsämter zu übernehmen, sei es als Aktivenvertreter, als Finanzverantwortlicher, als Geschäftsführer der ÖCV-Bildungsakademie oder als gesellschaftspolitischer Referent des WCV.

Die meiste Aufmerksamkeit schenkte er aber unserer Verbandszeitung. Er war die „Academia“, werden viele Mitglieder des ÖCV über seine Zeit an der Spitze unserer ÖCV-Zeitschrift sagen. Selten in der Geschichte des ÖCV hat ein Cartellbruder das Verbandsmedium so geprägt wie Herbert Kaspar (Am). In der Hochblüte sei „seine Academia“ eine wertkonservative Alternative in der linkslastigen österreichischen Medienlandschaft gewesen, wie er selbst gerne sagte.

Herbert Kaspar wurde am 25. Juni 1948 in Wien geboren. Nach der Matura wurde der junge Student der Rechtswissenschaften am 27. Oktober 1966 in die Reihen der Amelungia aufgenommen. Bereits in seiner Aktivenzeit engagieret er sich für seine Amelungia und für den Wiener Cartellverband (WCV). Unter anderen war er in den Studienjahren 1969/70 und 1970/71 zwei Mal Präsident des WCV. Auch am Aufbau der ÖCV-Bildungsakademie wirkte er als erster Generalsekretär führend mit. Eine Prägung erhielt er sicher durch die 68er Bewegung. Aber nicht wie andere, dass er sich dem Zeitgeist dieser verschrieb, sondern, dass er diese auf tiefster Überzeugung ablehnte. Diese Meinung hatte er auch durch eine Reise nach Paris zur Zeit der Studentenunruhen erworben. Noch viele Jahre später konnte er als Zeitzeuge den jungen Mitgliedern des ÖCV von den Irrungen und Wirrungen dieser Generation lebhaft erzählen.

Sein Berufsleben führte ihn in die Finanzwirtschaft. Hier konnte er in höchste Funktionen aufsteigen und war u.a. Direktor der GiroCredit Bank AG der Sparkassen. Nach Übernahme der GiroCredit war er bis zu seiner Pensionierung Konsulent der Erste Bank. Auch in dieser Zeit wirkte er für den ÖCV als Amtsträger für Finanzen in den 1980er Jahren. In dieser Funktion erwarb er sich große Verdienste um die Neuordnung der Finanzen und um die Neugestaltung des ersten Stockes des ÖCV-Hauses mit dem Sekretariat und dem ÖCV-Festsaal.

Mit dem langsamen Rückzug aus dem Berufsleben konnte er sich nach der Jahrtausendwende nunmehr seiner wahren Leidenschaft, dem Journalismus, stärker widmen. So wurde er für 12 Jahre Herausgeber der „Academia“ und prägte unsere Verbandszeitschrift noch weit über diese Funktion hinaus. Mit den beiden Chefredakteuren Paul Hefelle (F-B) und Wolfgang Bamberg (Am) gelang es ihm, die Zeitung im Verband intern neu zu positionieren und auch weit über den ÖCV „außen“ wahrnehmbar zu machen. Die Inseratenakquisition war für ihn Chefsache und brachte wahrlich blühende Jahre für unser Verbandsmedium in finanzieller Hinsicht.

Die Themenauswahl dieser Jahre als Herausgeber zeigte alle Problematiken einer katholischen Gesinnungsgemeinschaft auf. Herbert Kaspar hatte keine Hemmungen kritische Entwicklungen in unserem Land anzusprechen und in pointierten Artikeln auf die Fehler der Verantwortlichen hinzuweisen, manchmal auch wenn es die „eigenen Leute“ waren. Er schaffte es, dass in seiner Zeit jeder ÖCVer eine Meinung zum Verbandsmedium hatte. Die Mehrheit der Mitglieder, und das zeigten alle Reaktionen, Leserbriefe und Umfragen, unterstützte seine Linie, auch wenn vielleicht nicht jeder Artikel oder Kommentar auf die volle Zustimmung stieß. Cartellbruder Lincoln blieb immer eine wertkonservative und wirtschaftsliberale Stimme in der eintönigen linkslastigen österreichischen Medienlandschaft. Neben der „Academia“ schrieb er auch in der „Furche“ und hatte zeitweise ständige Kolumnen oder Gastkommentare in „Die Presse“ und der „Wiener Zeitung“, bis 2025 fanden sich seine Kommentare auch im Blog seines Freundes Andreas Unterberger. Kaspar erhielt für seine publizistische Tätigkeit den Leopold-Kunschak Preis (2011) und wurde im Jahr 2006 vom damaligen Bundespräsidenten Heinz Fischer für ein „umfangreiches publizistisches Œuvre über vier Jahrzehnte" zum Professor ernannt.

Auf der Cartellversammlung (CVV) in Alpbach 2013 verfehlte er um eine einzige Stimme die Chance auf weitere Jahre als Amtsträger und Herausgeber, aber nach der Wahl „seines“ Chefredakteurs Wolfgang Bamberg (Am) zu seinem Nachfolger unterstützte er diesen weiter tatkräftig als „dessen“ Chefredakteur. Gerne hätte er sich weiterhin führend für die „Academia“ engagiert, allerdings wollte das die damalige Verbandspitze nicht mehr. Als Gerhard Jandl (Kb) die Nachfolge von Wolfgang Bamberg (Am) antrat, blieb Herbert Kaspar mit seiner Kolumne in jeder weiteren Ausgabe der „Academia“ an Bord. Seinen letzten Kommentar verfasste er für die Jänner-Ausgabe dieses Jahres.

Neben der „Academia“ hatte er auch ein großes Herz für „seine“ ÖCV-Bildungsakademie, so verging in den letzten 15 Jahren bis in den Herbst 2025 keine einzige ÖCV-Studienwoche, auf der er nicht über die österreichische Medienlandschaft kritisch berichtete und vortrug. Hier wollte er nicht nur die Einseitigkeit des linkslastigen österreichischen Journalismus aufzeigen, sondern die „Jungen“ vor allem zum Nachdenken anregen. Für seine eigene ÖCV-Verbindung Amelungia konnte er sich zuletzt nochmals zwei Jahre von 2021 bis 2023 als Philistersenior engagieren und gerade die Aktiven seiner Urverbindung waren in dieser Zeit seine „größten“ Fans. Der ÖCV dankte Herbert Kaspar für seine vielen Verdienste um den Verband mit der Verleihung des ÖCV-Ehrenrings im Jahr 2005 und Amelungia und AHLB Wien würdigten mit weiteren Ehrungen sein großes Engagement.

Mit seinem Ableben am Morgen des 05. März 2026 nach kurzer schwerer Krankheit ist nun eine starke Stimme des ÖCV und ein ehrlicher Mahner wider den Zeitgeist endgültig verstummt. Viele Mitglieder des ÖCV werden ihn und seine Kommentare schmerzlich vermissen.

Die ÖCV-Verbandsführung verneigt sich in tiefer Dankbarkeit vor einem großen Couleurstudenten und spricht seiner Ehefrau Vicky, seinen drei Kindern und den Enkelkindern die tiefempfundene Anteilname des ganzen Verbandes aus. Fiducit, lieber Lincoln!


Nachruf von Mag. Karl. W. Schrammel (F-B, Kb) und Gerhard Labschütz (NdW)

Eine allfällige Parte, das Datum der Bestattung und der Trauermesse werden wir in der Folge auf unserer Homepage veröffentlichen, sobald diese Informationen bekanntgegeben werden.

Bildquelle: ÖCV Bildarchiv