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Adolf Hörhager

Adolf Hörhager

Urverbindung: Austria Innsbruck (10.10.1904)

Bandverbindungen: R-D, Vi

Geboren: 11.02.1884, Kaltenbach im Zillertal (Bezirk Schwaz, Tirol)
Gestorben: 01.02.1940, Ermordet im KZ Mauthausen
NS-Opfer, Landtagsabgeordneter (Tirol), Rechtsanwalt
Politische Haft: 1938/39 Polizeihaft, KZ Dachau; 1939/40 KZ Mauthausen

Lebenslauf:

Hörhager entstammte einer angesehenen Tiroler Kaufmannsfamilie und absolvierte das Gymnasium in Brixen (Vinzentinum). Anschließend studierte er an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck (Dr. iur. 1910), wo er der Austria beitrat (Couleurname Warum). Während seines Studiums absolvierte er sein Einjährig-Freiwilligenjahr und war danach im Wintersemester 1907/08 Senior – es war dies während des sog. „Wahrmundjahres“. Nach dem Studium schlug er die Rechtsanwaltslaufbahn ein und war u. a. in den Kanzleien Josef Greiter (AIn) und Hans Peer (Le EM) tätig.

Zu Kriegsbeginn wurde Hörhager eingezogen. Weil er als überzeugter Katholik das Duell ablehnte, wurde sein Reserveoffiziersrang aberkannt, und er machte zuerst Dienst als Hilfsgendarm. Nach der italienischen Kriegserklärung meldete er sich freiwillig an die Südtiroler Front, wurde aber wegen eines Nierenleidens von der Front abgezogen und dem Militärjustizreferenten in Innsbruck zugeteilt, wo er das Ende des Krieges erlebte.

Als sich am 26. Oktober 1918 aufgrund des Manifestes Kaiser Karls I. die Tiroler Nationalversammlung (bestehend aus den zuletzt in der Monarchie gewählten deutschsprachigen Tiroler Landtags- und Reichsratsabgeordneten) konstituierte, wurde ein 20-köpfiger sog. Tiroler Nationalrat gewählt, der die Funktion eines provisorischen Landtags übernahm. Dieser amtierte bis 1. Juli 1919, als sich der am 15. Juni 1919 gewählte Landtag konstituierte. Da dieser als II. Gesetzgebungsperiode angesehen wird (lt. Amtskalender), gilt der Tiroler Nationalrat als I. Gesetzungsperiode. Hörhager wurde am 26. Oktober 1918 in diesen Tiroler Nationalrat gewählt und gilt daher als Landtagsabgeordneter. Er hatte danach kein derartiges Mandat mehr ausgeübt.

Nach dem Krieg legte Hörhager seine Anwaltsprüfung ab und eröffnete am 1. März 1919 seine Kanzlei, die sich in der Folge auf Wirtschaftssachen spezialisierte. So war er u. a. bei der Gründung der Zillertaler Kraftwerke sowie in der Führung der Zillertalbahn beteiligt. Er engagierte sich auch im CV, als er einer der Mitbegründer der Rheno-Danubia war. 1934 wurde er Leiter der Vaterländischen Front (VF) für den Bezirk Innsbruck-Land und gehörte damit zu den Repräsentanten des „Ständestaates“.

Hörhager wurde in der Nacht vom 11. auf 12. März 1938 verhaftet und in der Folge am 30. Mai 1938 in das KZ-Dachau verbracht. Im Herbst 1939 wurde er ins KZ Mauthausen überstellt. Als über 50-Jähriger war er den Strapazen der berüchtigten Steinbrucharbeiten nicht gewachsen, erlitt einen körperlichen Zusammenbruch und konnte nicht mehr zur Arbeit ausrücken. Karl Maria Stepan (Nc) betreute ihn als Hilfssanitäter und berichtete später über die letzten Stunden Hörhagers.

Danach hat Hörhager zu Stepan gesagt: „Ich will dir sagen, daß ich sterbe […] Und da will ich dich bitten: grüß mir meine Familie, vor allem meine gute Frau! Ich sag‘ für alles Vergelt’s Gott und werde sie nicht vergessen bis zum großen Wiedersehen. Und dann grüß mir die Freunde alle, auch die von der Austria, und sag ihnen, daß ich gestorben bin als treuer Christ und als ein guter Österreicher.“

Stepan berichtet weiter: „Ich habe ihm keine Antwort gegeben. Ich konnte es einfach nicht. Nur mit einem langen, innigen Händedruck habe ich ihm versprochen, sein Vermächtnis zu erfüllen. So oft ich ihn besuchte, fand ich ihn im Gebet. Auf seinem Antlitz lag schon der verklärende Friede einer anderen Welt. Am nächsten Morgen war seine Seele zu seinem Schöpfer heimgekehrt.“

Laut Totenbuch des KZ Mauthausen ist Hörhager an „Grippe, Herz- und Kreislaufschwäche“ verstorben.

Quellen und Literatur:

Austrier-Blätter, Nr. 15. 1946, S. 54–63 (hier Bericht Karl M. Stepan).
Mitteilungsblatt des ÖCV und ÖAHB, NF. Nr. 1 (1. 11. 1947), S. 12.
Zeugen des Widerstands. Eine Dokumentation über die Opfer des Nationalsozialismus in Nord-, Ost- und Südtirol von 1938 bis 1945. Bearbeitet von Johann Holzner, Anton Pinsker, Johann Reiter und Helmut Tschol. Innsbruck 1977, S. 42f. (hier Bericht Stepan zitiert).
Farbe tragen, Farbe bekennen 1938–45. Katholisch Korporierte in Widerstand und Verfolgung. Hg. von Herbert Fritz und Peter Krause (Rt-D). Wien 2. wesentlich verb. Aufl. 2013, S. 341f.